Tschad

Aktion Tote Stadt in der tschadischen Hauptstadt N'Djamena am 12.3.2018Am Mittwoch, 14. März 2018 hat die Regierung des Tschad der gemeinsamen Gewerkschaftsfront im öffentlichen Dienst zugesagt, die ausstehenden Februargehälter von Zehntausenden Beschäftigten so schnell wie möglich auszuzahlen und auf weitere Kürzungen zu verzichten – die beiden Grundforderungen, die mit dem siebenwöchigen Streik von rund 90.000 Beschäftigten, vor allem in der Verwaltung, den Schulen und Krankenhäusern erreicht werden sollten. In dem Beitrag „Au Tchad, un accord pour mettre fin à la grève des fonctionnaires“ am 15. März 2018 in Le Monde externer Link wird informiert, dass die Kürzungen von Prämien und Zulagen, die die Regierung – auch hier unter dem Diktat des Internationalen Währungsfonds – vorgenommen hatte, für die Beschäftigten den Verlust von rund einem Drittel ihres Einkommens bedeutet hat und noch mehr Kürzungen, die gefordert und geplant waren, nicht mehr erträglich seien. Die gemeinsame gewerkschaftliche Plattform betonte in ihrer Stellungnahme dazu, sobald die Februargehälter ausbezahlt seien, könne die Arbeit wieder aufgenommen werden. Siehe dazu auch einen weiteren aktuellen Beitrag  über das Abkommen, sowie den Verweis auf unseren letzten Beitrag zum Streik: (weiterlesen »)

Aktion Tote Stadt in der tschadischen Hauptstadt N'Djamena am 12.3.2018Solange die Funktionäre nicht vernünftig bezahlt und Gehaltskürzungen nicht zurückgenommen werden, wird der Streik fortgesetzt. Derzeit sehen wir keine Verbesserungen. (…) Die Krise hat sich 2017 durch die Umsetzung der neuen Regierungsmaßnahmen verschärft, vor allem durch die Gehaltskürzungen. Damit wurden die Arbeitnehmer direkt getroffen. (…) Déby ist seit 28 Jahren an der Macht, und seit 15 Jahren haben wir Gelder durch Öl­einnahmen. Dennoch hat uns der Präsident nie alternative Lösungen gezeigt. Deswegen sind wir der Meinung, dass Präsident Déby keine wirklichen Lösungen anzubieten hat. Man darf nicht vergessen, dass der Tschad vor den Ölfunden ohne große Schwierigkeiten ganz gut funktioniert hat. Vor 15 Jahren gab es keine solche Krise, im Gegenteil: durch die Ölgelder ist es sogar schlechter geworden“ – das sind Auszüge verschiedener Antworten aus dem Gespräch „Auf dem Weg in eine Diktatur“ am 12. März 2018 in der taz externer Link, das Katrin Gänzler mit Saleh Kebzabo von der Union für Demokratie und Aufbruch führte, das ausgeht von der Fortsetzung des Streiks der über 90.000 Beschäftigten im öffentlichen Dienst, der seit Ende Januar andauert. (Und wenn der gute Mann sich von einem wachsenden Engagement der BRD in seinem Land irgendetwas Positives verspricht, dann ist das erst einmal sein Problem…) Siehe zum Streik im Tschad drei weitere aktuelle Beiträge und zwei Hintergrundbeiträge zur Entwicklung des Landes seit 2014 und zur Rolle Frankreichs im Tschad – sowie den Verweis auf unsere Berichte zum letzten Streik im öffentlichen Dienst 2016: (weiterlesen »)

Streikversammlung im Tschad Öffentlicher dienst  am 16.10.2016Seit einem Monat streiken die Beschäftigten im öffentlichen Dienst des Tschad. In einem Land, in dem – wie anderswo auch – ein unangenehmer Diktator durch einen (der einen oder anderen europäischen Regierung) angenehmen Diktator ersetzt wurde, kein risikoloses Unterfangen, auch wenn die Gewerkschaft, die den Streik organisiert, ohnehin in der demokratischen Bewegung des Landes eine zentrale Rolle spielt. Der Hauptgrund für diese massive Streikbewegung ist: Die Beschäftigten haben weder im Juli noch im August ihr normales Gehalt bekommen – beziehungsweise nur ein reduziertes Gehalt, von der Regierung einseitig beschlossen. Der Streikbeschluss lautet: Bis zur Ausbezahlung von allem, was wir zu kriegen haben. Siehe dazu drei aktuelle Beiträge: (weiterlesen »)

Pressekonferenz des tschadischen Gewerkschaftsbundes UST: Gegen das Regime, erst recht nach dem Urteil gegen Hissene Habre, 15.6.2016Das Urteil gegen den langjährigen Diktator des Tschad, Hissene Habré, wurde von der demokratischen Bewegung des Landes begrüßt. Die sich gleichzeitig fragt, warum niemand das ganz Offensichtliche ausspricht: Dass der amtierende Präsident Idriss Déby Itno, der sich gerade einmal mehr zum Sieger der jüngsten Wahlen hat erklären lassen, nicht nur der „Ziehsohn“ des verurteilten Diktators ist, sondern auch dessen reaktionären Kurs vollinhaltlich fortsetzt. In Ermangelung irgendwelcher linker mobilisierungsfähiger  Gruppierungen hat der größte Gewerkschaftsbund UST die Mobilisierung gegen das Regime übernommen – so wird es in dem ausführlichen Artikel  „TCHAD: L’AVENIR EST ENTRE LES MAINS DES TRAVAILLEURS !“ von Ali Mohamed Abali Marangabi am 06. Juni 2016 bei Makaila externer Link berichtet und unterstrichen, dass dies auch so sein muss und positiv zu bewerten sei…

Demonstration gegen Vergewaltigung durch Ministersohn an der Uni Ndjamena am 19.2.2016Ein junges Mädchen wurde vergewaltigt. Die Täter publizieren ihre eigene Unmenschlichkeit auch noch in sozialen Netzwerken, so sicher sind sie sich, dass ihr Verbrechen ungesühnt bleibt. Bei dem Regime nahe liegend: Die fünf Verbrecher sind ein Ministersohn und vier Armeeoffiziere, allesamt aus dem Clan, der das Land seit 25 Jahren ausblutet. Als Schülerinnen und Schüler ihre Solidarität mit dem Opfer demonstrieren und die Verurteilung der Gangster fordern, marschieren uniformierte Prügelgarden des Regimes auf. Diese Repression führt zu einer Explosion an Protesten, bei denen ein Schüler von der Polizei ermordet wurde. Der Bericht „Tchad: De la colère après le viol de Zouhoura à la révolte contre le régime“ am 27. Februar 2016 bei Solidarité Ouvrière externer Link zeichnet mit Fotografien der ersten Demonstration vom 15. Februar die Entwicklung nach, deren massiver Druck selbst Diktator Idriss Déby dazu brachten, das Verbrechen zu verurteilen und die Festnahme der Täter zu verkünden. Darin wird aber auch davon berichtet, dass es massiven Druck auf das Opfer und ihre Familie gibt, die Anzeige fallen zu lassen, um einen öffentlichen Prozess zu verhindern. Was wiederum erneute Demonstrationen hervor rief, auch in anderen Städten nunmehr, wie in Abéché und in Faya-Largeau. Siehe dazu auch vier weitere aktuelle Berichte: (weiterlesen »)

Streik und Streit um Öl

Beschäftigte chinesischer Ölförderer im Tschad legen Arbeit nieder. Gebrochene Versprechen und Umweltprobleme. Regierung will günstigen Treibstofftarif. Artikel von Georges Hallermayer in der jungen Welt vom 11.03.2014 externer Link (weiterlesen »)

Es gab ein Abkommen: Im November 2011 unterzeichneten es die Regierung und fünf Gewerkschaftsverbände – Lohnerhöhung ab Juli 2012. Als der Juli kam: Pustekuchen. Daraufhin gab es Proteste und Warnstreiks, ohne dass die Regierung reagiert hätte – also Streik, zumindest vom stärksten Verband UST: Dieser dauerte nun schon zwölf Wochen. In der letzten Woche fühlte sich die Regierung noch stark: Der Arbeitsminister kündigte offiziell das ohnehin nie eingehaltene Abkommen vom letzten Jahr und startete gleichzeitig eine Kampagne, der Streik schädige nur die Menschen. Die Reaktion war eindeutig: Erstens kündigten weitere Gewerkschaftsverbände an, nunmehr ebenfalls zum Streik aufzurufen und zweiten organisierten die UST und zahlreiche Gruppierungen der sogenannten Zivilgesellschaft in N’Djamena einen “Tag der ausgestorbenen Stadt” der sich als überaus wirksam erwies – selbst die Behörden die, neben den Banken als einzige geöffnet hatten, hatten keine Besucher…Daraufhin hat sich nun der Präsident eingeschaltet und die Gewerkschaften in seinen Palast eingeladen, wo er ihnen versprach, sich persönlich für die Einhaltung des Abkommens einzusetzen, denn der Streik müsse nun ein Ende finden. Im Laufe dieser Woche sollen die Streikenden auf Versammlungen entscheiden, wie weit sie dem Präsidenten vertrauen, wird in dem Bericht “Grève de l’Ust: Les centrales syndicales chez le PM” externer Link am 12. Dezember 2012 im Journal du Tchad bekannt gegeben (die Überschrift kommt daher, dass der Regierungschef die Gewerkschaften dann unmittelbat nach dem Präsidenten empfing).