Tschad

Streikversammlung im Tschad Öffentlicher dienst  am 16.10.2016Seit einem Monat streiken die Beschäftigten im öffentlichen Dienst des Tschad. In einem Land, in dem – wie anderswo auch – ein unangenehmer Diktator durch einen (der einen oder anderen europäischen Regierung) angenehmen Diktator ersetzt wurde, kein risikoloses Unterfangen, auch wenn die Gewerkschaft, die den Streik organisiert, ohnehin in der demokratischen Bewegung des Landes eine zentrale Rolle spielt. Der Hauptgrund für diese massive Streikbewegung ist: Die Beschäftigten haben weder im Juli noch im August ihr normales Gehalt bekommen – beziehungsweise nur ein reduziertes Gehalt, von der Regierung einseitig beschlossen. Der Streikbeschluss lautet: Bis zur Ausbezahlung von allem, was wir zu kriegen haben. Siehe dazu drei aktuelle Beiträge: (weiterlesen »)

Pressekonferenz des tschadischen Gewerkschaftsbundes UST: Gegen das Regime, erst recht nach dem Urteil gegen Hissene Habre, 15.6.2016Das Urteil gegen den langjährigen Diktator des Tschad, Hissene Habré, wurde von der demokratischen Bewegung des Landes begrüßt. Die sich gleichzeitig fragt, warum niemand das ganz Offensichtliche ausspricht: Dass der amtierende Präsident Idriss Déby Itno, der sich gerade einmal mehr zum Sieger der jüngsten Wahlen hat erklären lassen, nicht nur der „Ziehsohn“ des verurteilten Diktators ist, sondern auch dessen reaktionären Kurs vollinhaltlich fortsetzt. In Ermangelung irgendwelcher linker mobilisierungsfähiger  Gruppierungen hat der größte Gewerkschaftsbund UST die Mobilisierung gegen das Regime übernommen – so wird es in dem ausführlichen Artikel  „TCHAD: L’AVENIR EST ENTRE LES MAINS DES TRAVAILLEURS !“ von Ali Mohamed Abali Marangabi am 06. Juni 2016 bei Makaila externer Link berichtet und unterstrichen, dass dies auch so sein muss und positiv zu bewerten sei…

Demonstration gegen Vergewaltigung durch Ministersohn an der Uni Ndjamena am 19.2.2016Ein junges Mädchen wurde vergewaltigt. Die Täter publizieren ihre eigene Unmenschlichkeit auch noch in sozialen Netzwerken, so sicher sind sie sich, dass ihr Verbrechen ungesühnt bleibt. Bei dem Regime nahe liegend: Die fünf Verbrecher sind ein Ministersohn und vier Armeeoffiziere, allesamt aus dem Clan, der das Land seit 25 Jahren ausblutet. Als Schülerinnen und Schüler ihre Solidarität mit dem Opfer demonstrieren und die Verurteilung der Gangster fordern, marschieren uniformierte Prügelgarden des Regimes auf. Diese Repression führt zu einer Explosion an Protesten, bei denen ein Schüler von der Polizei ermordet wurde. Der Bericht „Tchad: De la colère après le viol de Zouhoura à la révolte contre le régime“ am 27. Februar 2016 bei Solidarité Ouvrière externer Link zeichnet mit Fotografien der ersten Demonstration vom 15. Februar die Entwicklung nach, deren massiver Druck selbst Diktator Idriss Déby dazu brachten, das Verbrechen zu verurteilen und die Festnahme der Täter zu verkünden. Darin wird aber auch davon berichtet, dass es massiven Druck auf das Opfer und ihre Familie gibt, die Anzeige fallen zu lassen, um einen öffentlichen Prozess zu verhindern. Was wiederum erneute Demonstrationen hervor rief, auch in anderen Städten nunmehr, wie in Abéché und in Faya-Largeau. Siehe dazu auch vier weitere aktuelle Berichte: (weiterlesen »)

Streik und Streit um Öl

Beschäftigte chinesischer Ölförderer im Tschad legen Arbeit nieder. Gebrochene Versprechen und Umweltprobleme. Regierung will günstigen Treibstofftarif. Artikel von Georges Hallermayer in der jungen Welt vom 11.03.2014 externer Link (weiterlesen »)

Es gab ein Abkommen: Im November 2011 unterzeichneten es die Regierung und fünf Gewerkschaftsverbände – Lohnerhöhung ab Juli 2012. Als der Juli kam: Pustekuchen. Daraufhin gab es Proteste und Warnstreiks, ohne dass die Regierung reagiert hätte – also Streik, zumindest vom stärksten Verband UST: Dieser dauerte nun schon zwölf Wochen. In der letzten Woche fühlte sich die Regierung noch stark: Der Arbeitsminister kündigte offiziell das ohnehin nie eingehaltene Abkommen vom letzten Jahr und startete gleichzeitig eine Kampagne, der Streik schädige nur die Menschen. Die Reaktion war eindeutig: Erstens kündigten weitere Gewerkschaftsverbände an, nunmehr ebenfalls zum Streik aufzurufen und zweiten organisierten die UST und zahlreiche Gruppierungen der sogenannten Zivilgesellschaft in N’Djamena einen “Tag der ausgestorbenen Stadt” der sich als überaus wirksam erwies – selbst die Behörden die, neben den Banken als einzige geöffnet hatten, hatten keine Besucher…Daraufhin hat sich nun der Präsident eingeschaltet und die Gewerkschaften in seinen Palast eingeladen, wo er ihnen versprach, sich persönlich für die Einhaltung des Abkommens einzusetzen, denn der Streik müsse nun ein Ende finden. Im Laufe dieser Woche sollen die Streikenden auf Versammlungen entscheiden, wie weit sie dem Präsidenten vertrauen, wird in dem Bericht “Grève de l’Ust: Les centrales syndicales chez le PM” externer Link am 12. Dezember 2012 im Journal du Tchad bekannt gegeben (die Überschrift kommt daher, dass der Regierungschef die Gewerkschaften dann unmittelbat nach dem Präsidenten empfing).