Gabun

Die Maidemonstration 2017 in Gabuns Hauptstadt Libreville in Solidarität mit den Lehrergewerkschaften - kurz, bevor sie von der Polizeiüberfallen wurdeAm 1. Mai 2017 waren mehrere Hundert GewerkschafterInnen in der Hauptstadt Libreville dem Aufruf des Gewerkschaftsbündnisses Dynamique unitaire (DU) gefolgt in Solidarität mit der Gewerkschaft der LehrerInnen zu demonstrieren. Die Föderation der LehrerInnen-Gewerkschaften, Conasysed, ist nach langen Auseinandersetzungen und mehrfachen Streiks um Arbeits- und Lehrbedingungen im März einer Frontalattacke der Regierung Gabuns ausgesetzt worden: Ihr war jegliche Tätigkeit untersagt worden. Darin sieht bei weitem nicht nur die Gewerkschaftsbewegung in Gabun den bisherigen Höhepunkt der Tätigkeit einer Regierung, deren Legitimität ohnehin breit angezweifelt wird. In der Meldung „1er Mai : Répression d’une manifestation syndicale au Gabon“ am 02. Mai 2017 bei Secours Rouge externer Link wird berichtet, dass die Polizei die Demonstration überfiel, weil sie nicht genehmigt worden sei, was ebenfalls ein erstmaliges Vorgehen dieser Art bedeutet. Die gabunesische Gewerkschaftsbewegung hat darauf mit erneuten Aufrufen zu Solidaritätsaktionen mit Conasysed und für grundlegende demokratische Rechte im Land reagiert und betont, man werde sich vom Vorgehen dieser Regierung so wenig einschüchtern lassen, wie dies Conasysed, trotz aller Schwierigkeiten durch das Tätigkeitsverbot, getan habe… (weiterlesen »)

Lehrerstreik Gabun März 2017Seit Monaten kämpfen die Lehrerinnen und Lehrer Gabuns und ihre Gewerkschaften, die in einer Konföderation vereinigt sind, für tiefgreifende Reformen im gesamten Bildungswesen des Landes. Dabei haben sie mehrfach von der Regierung nicht nur Verhandlungen gefordert, sondern auch dafür eigene Vorschläge ausgearbeitet, die sie diskutieren wollen. Die Regierung hat nicht nur wirkliche Verhandlungen vermieden, sondern auch, als daraufhin eine Streikbewegung organisiert wurde, mit Repression geantwortet: Zwar wurde die Föderation der Bildungsgewerkschaften nicht etwa verboten – sondern „nur“ jegliche Aktivität. Siehe dazu drei aktuelle Beiträge: (weiterlesen »)

Streik der Ölarbeiter und ihrer Gewerkschaft ONEP (Organisation Nationale des Employés du Pétrole)Eine Woche dauerte der Streik bei Shell Gabun, der nach und nach verstärkt wurde. Wurde zunächst nur ein Drittel der üblichen Tagesproduktion reduziert, so war es nach einer Woche die Hälfte und es sollten am folgenden Tag zwei Drittel werden. Das war der Zeitpunkt, an dem das Unternehmen nachgab, auch angesichts der Tatsache, dass alle über 400 Beschäftigten zustimmten, den Streik zu verstärken. Belegschaft und Gewerkschaft hatten angesichts des geplanten Verkaufs des gesamten territorialen Teils von Shell Gabun (also: Nicht der Meeresrechte) zwei Forderungen aufgestellt: Die neuen Unternehmenseigner müssten auf 5 Jahre die Beschäftigung garantieren und die Belegschaft einen Anteil am Verkaufspreis erhalten, schließlich habe sie das Unternehmen zu dem gemacht, was es heute darstellt. Beide Forderungen wurden nun von Shell unterschrieben – wie auch als Drittes der Verzicht, Streikende irgendwie zu belangen. Siehe dazu einen aktuellen Beitrag und die entsprechende Mitteilung der Gewerkschaft Onep: (weiterlesen »)

Streik der Ölarbeiter und ihrer Gewerkschaft ONEP (Organisation Nationale des Employés du Pétrole)

Seit dem 12. Januar 2017 befinden sich die rund 500 Beschäftigten von Shell Gabun im Streik: Weil sie wissen wollen, was passieren soll, wenn Shell seine gabunischen Geschäfte verkauft – und weil sie Garantien für ihre Jobs wollen, wenn verkauft wird. Es ist nun keineswegs so, dass die ONEP, die Ölgewerkschaft Gabuns, eine besonders radikale Gewerkschaft wäre, beileibe. Sie hatte die Streikankündigung zum 5. Januar terminiert, aber noch eine Woche mit dem Streikbeginn gewartet, um dem Unternehmen die Möglichkeit zu geben, sich zu den Sorgen der Beschäftigten zu äußern. Hat Shell – unsozial, wie immer, das Unternehmen des niederländischen Königshauses – nicht getan – und doch. Gegenüber der Gewerkschaft, der Belegschaft: Funkstille. Aber dann, mitten im Streik, am 16. Januar 2017 die Meldung: Das Unternehmen Shell Gabun ist an einen US-Fonds verkauft worden. Siehe dazu zwei aktuelle Beiträge – der ONEP über den Streikverlauf und über den Verkauf – und den Verweis auf bisherige Berichte: (weiterlesen »)

Erster Streiktag bei Shell Gabun am 12.1.2016 - zwei Tage vor Eröffnung der AfrikameisterschaftGabun ist ein rohstoffreiches Land und vor allem ist Erdöl Exportprodukt Nummer eins – umso mehr ist es ein nationales Thema, wenn im Ölsektor gestreikt wird. Wie es jetzt, seit Donnerstag, 12. Januar geschieht. Die Gewerkschaft ONEP hat alle Beschäftigten von Shell – neben Total das wichtigste Unternehmen der Branche – zum Streik aufgerufen. Zwei Gewerkschaften im Erziehungswesen haben ebenfalls für den Vorabend der Eröffnung der Afrikameisterschaft am 14. Januar 2017 zum Streik aufgerufen und die Föderation Dynamique unitaire kündigte an, noch diese Woche über einen Streik im gesamten öffentlichen Dienst zu beschließen. Bestandteil der Forderungen in den letzten beiden Fällen ist auch die Freilassung politischer Gefangener. Währenddessen ruft eine Plattform zivilgesellschaftlicher Organisationen zum Boykott des Fußball Events auf. Siehe dazu vier aktuelle Beiträge, einen Kurzbericht zur Boykott-Kampagne und einen Hintergrundbeitrag: (weiterlesen »)

Streik der Ölarbeiter und ihrer Gewerkschaft ONEP (Organisation Nationale des Employés du Pétrole)Das „Emirat Westafrikas“ des öfteren so bezeichnet, weil es eben ein kleiner ölreicher Staat ist, steht seit längerem unter dem Kennzeichen starker sozialer Bewegungen, vor allem verschiedener Streikbewegungen der Gewerkschaften – allen voran natürlich der seit dem 1. Dezember 2014 andauernde Streik der Ölarbeiter und ihrer Gewerkschaft ONEP (Organisation Nationale des Employés du Pétrole). Während die (nicht nur) regierungsnahen Medien durch den Streik den nationalen Niedergang ankommen sehen und eine entsprechende Angstpropaganda entfalten, sehen die Gewerkschaften das ganz anders: Vor allem geeint, über alle Branchen hinweg, durch den Widerstand gegen das Regierungsprojekt, das System der Krankenversicherung zu verändern. Die Caisse Nationale d’Assurance Maladie et de Garantie Sociale (CNAMGS) eingeführt 2008 und für viele Menschen Gabuns ein echter Fortschritt war (da erstmals damit beispielsweise auch RentnerInnen krankenversichert sind) soll eine veränderte Beitragsstruktur bekommen wegend er hohen Kosten – sprich, die Unternehmen sollen entlastet werden. Das war einer der Gründe für den Streik der Ölarbeiter (neben Forderungen etwa nach Wiedereinstellung gewerkschaftlicher Aktivisten) und auch für die gemeinsame Plattform, die 37 Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes und der Privatwirtschaft im Dezember 2014 gebildet haben. „LA RAISON DE LA GREVE A L’ONEP ..“ von Eddy Bigboss am 17. Dezember 2014 bei You Tube externer Link eingestellt ist ein Video, das die Gründe für den Streikbeschluss (auf französisch) ausführlich (25 Minuten) erläutert. Siehe dazu auch weitere Materialien der gewerkschaftlichen – und antigewerkschaftlichen – gesellschaftlichen Debatte in Gabun: (weiterlesen »)