Chile

Die jüngsten Gewerkschaftswahlen in der chilenischen CUT, die einen Wahlerfolg der kommunistisch geführten Liste erbrachte, waren schon im vorhinein – wie auch die letzten, bei denen die sozialdemokratische Liste nochmals gewonnen hatte – von vielen Einzelgewerkschaften angezweifelt worden: Mangelnde Transparenz wurde ebenso kritisiert, wie die Beitiligung von Gewerkschaften, die laut Kritikern nur auf dem Papier Bestand haben. Jetzt rufen eine ganze Reihe eben dieser Gewerkschaften, die sich nicht an der Wahl beteiligt haben, zu einem landesweiten Treffen auf, um zu diskutieren, wie die klassenkämpferische Gewerkschaftsbewegung in Chile wieder mehr Resonanz und Respekt finden kann: Die Einladung “Invitación Congreso por un Nuevo Sindicalismo” externer Link ist vom 03. November 2012, der Kongress soll am 10. November stattfinden. Zusammen mit dem SINDICATO TRABAJADORES MINERA COLLAHUASI laden noch 10 weitere Einzelgewerkschaften ein.  Siehe dazu:

  • El tongo de las elecciones de la CUT” externer Link von Celso Calfullan am 24. September 2012 bei rebelion.org – ein Beitrag, in dem der (trotzkistisch orientierte) Autor die Frage stellt, warum eigentlich nicht der landesweit populäre Cuevas selbst Listenführer der KP-Liste war, und darauf antwortet, dass die Spitzenkandidatur Figueroas bereits Ergebnis der partiepolitischen Pakte in Sicht auf eine möglicherweise (zurück)kommende sozialdemokratische regierung gewesen sei…

Dossier

Ca 1600 Arbeiter_innen der Cencosud-Supermarktkette Jumbo sind am 08.Okotober 2012 nach gescheiterten Tarifverhandlungen in einen legalen Streik getreten. Die Arbeiter_innen protestierten am Montag im Eingang des Constanera Center sowie in verschiedenen Supermärkten. Die zentralen Forderungen sind eine Gehaltserhöhung von 20% sowie Regulierungen zur Staffelung des Gehaltes entsprechend der Seniorität der Beschäftigten. Siehe dazu:

  • En huelga 1.600 trabajadores de Jumbo Costanera Center, Bilbao y Rancagua – Empleados movilizados denuncian el rechazo de aumento de sueldos por parte de la empresa, por lo que han paralizado actividades
    die Nachricht zum Streik in der chilenischen Presse La Nacion vom 08.10.2012 externer Link (auf spanisch)

Dossier

  • “Seltsame Genossen”
    Christian Cuevas ist der Vorsitzende der Föderation der Kupfergewerkschaften – Confederación de Trabajadores del Cobre – des wichtigsten Bestandteils der chilenischen Gewerkschaftsbewegung und insbesondere der CUT. Den Wahlsieg der Kommunistin Bárbara Figueroa bei der CUT-Vorsitzendenwahl begrüsst er, der als langer politischer Kritiker des unterlegenen bisherigen sozialdemokratischen Vorsitzenden Martinez profiliert war und ist. Um eine Erneuerung der CUT zu erreichen, müsse aber erst noch Glaubwürdigkeit gewonnen werden – etwa durch die Aufklärung der Allianzen, die bisher stets auch mit Makeln behaftet waren, wie faktisch inexistente Gewerkschaften usw. Das Interview “Todos saben que el proceso no pasó la prueba de blancura” externer Link am 15. Septembber 2012 beim Correo de los Trabajadores.
  • »Die Regierung unter Druck gesetzt«
    Erstmals steht eine Frau an der Spitze des chilenischen Gewerkschaftsbundes CUT. Lage der Arbeiter in dem südamerikanischen Land ist prekär. Ein Interview von Marinela Potor, Santiago, mit Bárbara Figueroa in der jungen Welt vom 15.09.2012 externer Link. Bárbara Figueroa wurde 1979 geboren. Sie studierte Pädagogik und Psychologie und engagiert sich seit zehn Jahren in der Lehrergewerkschaft Colegio de Profesores. Die Kommunistin wurde am 7. September zur neuen Vorsitzenden des Gewerkschaftsbundes CUT gewählt.
  • Neuer CUT Vorstand: KP gewinnt Listenwahl
    Bei der Vorstandswahl des chilenischen Gewerkschaftsdachverbandes (CUT) hat die von den Kommunisten Bárbara Figueroa und Cristián Cuevas geführte Liste einen knappen Sieg errungen” – so beginnt der Bericht “Historischer Wechsel bei Gewerkschaften” externer Link von Malte Daniljuk am 27. August 2012 bei amerika21.de

Quelle: Artikel von Eva Völpel im ak – analyse & kritik – zeitung für linke Debatte und Praxis vom 17.8.2012  externer Link  

International Chiles Schüler- und Studentenbewegung ist nach wie vor quicklebendig.  Aus dem Text:

„(…) Aber auch die Regierung ist nicht untätig. Sie sieht nach der letzten großen Demonstration Ende Juni, bei der es am Rande zu Ausschreitungen kam, endlich ihre Chance gekommen, das umstrittene Ley Hinzpeter, benannt nach Innenminister Rodrigo Hinzpeter, durch das Parlament zu bringen. Das Gesetz sieht eine weitreichende Kriminalisierung der sozialen Bewegungen vor und wird auch von Amnesty International oder Medienverbänden heftig kritisiert. Träte es in Kraft – was sich in diesen Tagen entscheiden dürfte -, könnten die OrganisatorInnen der großen Demonstrationen, also StudentensprecherInnen wie Gabriel Boric, Camila Vallejo oder Noam Titelman, künftig für Ausschreitungen haftbar gemacht werden und für mehrere Jahre ins Gefängnis wandern. Auch die Besetzung von Schulen, Unis oder Regierungsgebäuden würde mit hohen Strafen beantwortet. Es ist offensichtlich, dass die Regierung der Bewegung mit verschärfter Repression begegnen will. Wie die unter solch einem neuen Gesetz agieren wird, ist noch völlig unklar…

Quelle: Agenturmeldung in der TAZ vom 09.08.2012 externer Link

In Santiago de Chile kämpft die Polizei mit Gewalt gegen tausende Studenten, die erneut für eine Verbesserung ihres Bildungssystems demonstrieren.

Quelle: labournet.tv (spanisch | 9:28 min | 2007)  externer Link

Am 10. Dezember 2006 stirbt der chilenische Ex-Diktator Augusto Pinochet. Die Menschen feiern in den Straßen. Als Anhang ein historischer Film aus dem Jahr 1979, der in einem Vorort von Santiago spielt: Die chilenische Guerilla Frente Patriotico, die einen Mordanschlagauf den Diktator verübt und versucht hatte, die Militärdiktatur zu destabilisieren überfällt einen Hühnchentransporter und verteilt das Fleisch unter den Menschen.

Nur kurz nach der Katastrophe auf Haiti ein noch heftigeres Erdbeben in Südchile. Aber: Weniger Slums bedeuten weniger Todesopfer. Und: Es gibt mehr Kanäle, über die die Ereignisse jenseits der kommerziellen Berichterstattung in der Welt bekannt gemacht werden können. Während letztere programmgemäß Plünderungen als Hauptthema behandeln, geht es in unserer aktuellen Materialsammlung “Selbstorganisation hilft” vom 04. März 2010 um eben diese Erfahrung.

Lachsfarmen – besser: Lachsfabriken – waren einmal einer der wirtschaftlichen Schlager Chiles (im übrigen lange Zeit von der Journaille als ein tolles Beispiel wirtschaftlichen Aufschwungs gefeiert, mit einem paar kleinen Wermutstropfen durch Pinochets Blutbäder). Vorbei. Und was nun kommt, ist keineswegs typisch chilenisch: Unternehmer und Regierung wollen etwas für die vielen Tausend erwerbslosen ArbeiterInnen tun, die einst in diesen Fabriken gearbeitet haben. Und wenn das so gesagt wird, ist höchste Wachsamkeit angebracht. So auch hier: Zwar gibt es ein Fischereigesetz von 1991, das die Gewässer lediglich zur Pacht (an “Handwerksbetriebe”) zuläßt – aber genau das soll jetzt geändert werden, die Lachsfirmen endlich Herren des Meeres werden. Die Red de Prensa de los Pueblos de Chile hat nun eine Gegenkampagne gestartet, die sich vor allem die konkreten Betreiber dieses Gesetzesprojekts “vor die Brust” nimmt und darauf zielt, die regionalen Kooperativen zu stärken. Dazu der Bericht “Denuncian privatización del mar” externer Link in der linken Zeitschrift Correo Semanal vom 04. Juni 2009.