Brasilien rund um die FIFA Weltmeisterschaft 2014

DossierSolidaritätskampagne mit der Gewerkschaft der Metrobeschäftigten von São Paulo

  • Die Kampagne zur Wiedereinstellung der Metrostreikenden zeigt weiter Wirkung
    Altino Prazeres, Vorsitzender der Sindicato dos Metroviários de São Paulo hat am 30. September 2014 (auf seiner persönlichen Facebookseite, da die Seite der Gewerkschaft Probleme hat) die erfreuliche Meldung bekannt gegeben: Weitere 23 der insgesamt 42 wegen des Streiks im Juni entlassenen KollegInnen wurden an diesem Tag vor Gericht als „zu Unrecht gekündigt“ beurteilt und ihre sofortige Wiedereinstellung angeordnet – vorher waren bereits 12 wieder eingestellt worden, so dass jetzt noch sieben KollegInnen, deren Arbeitsgerichtsprozess noch ansteht, als entlassen gelten. Prazeres bedankte sich ausführlich für die massive Solidarität, die auch am Prozesstag zum Ausdruck kam und rief alle dazu auf, dies fortzusetzen um mit der Wiedereinstellung der letzten Betroffenen gleichzeitig die Versuche, den Streik zu illegalisieren zurückzuschlagen, unterstreicht er in seinem Post READIMISSÃO DE MAIS 23. FALTAM SETE. NÃO TEM ARREGO externer Link , in dem er auch kurz die bisherige Solidarität skizziert (weiterlesen »)

brasilien fifa olympiaMit den Olympischen Spielen 2016 steht Brasilien das nächste Mammutereignis bevor. Die Probleme sind vorprogrammiert. Artikel von Martin Kaul in der TAZ vom 16.07.2014 externer Link Aus dem Text: „(…) Anders als bei der Weltmeisterschaft, zu der teils in Städten ohne erstklassige Mannschaften gigantische Stadien errichtet wurden, betreffen die olympischen Spiele zwar weitestgehend die Strandmetropole Rio – dafür sollen aber auch Menschen umgesiedelt werden für Sportarten, die in Brasilien – sportlich weitestgehend fixiert auf Fußball, Formel 1 und Volleyball – kaum jemanden interessieren. So soll etwa die friedliche Favela Vila Autódromo in Rios noblem Strandvorort Barra da Tijuca komplett geräumt werden und einem Olympiapark weichen. Die Bewohner leisten beharrlich Widerstand gegen die Pläne. Auch in Rios Nordviertel Deodoro gibt es ähnliche Probleme…

Argemiro Ferreira Almeida über die Veränderungen durch WM und Proteste – und über den langen Weg der Gegenöffentlichkeit. Das Interview von Andreas Behn in der TAZ vom 15.07.2014 externer Link . Argemiro Ferreira Almeida studierte Philosophie und Theologie. Heute ist er als Kommunikationswissenschaftler, Videoaktivist und Sprecher des WM-kritischen Komitees in Salvador da Bahia tätig.

Im Vorfeld der WM hatten soziale Organisationen immer wieder die Vertreibung von Obdachlosen aus dem Zentrum kritisiert. Oft war gar die Rede von »Säuberungen«, damit die WM-Touristen nicht das wahre Elend Brasiliens zu sehen bekämen. Nina Lacurindo (58), die sich in São Paulo für die Rechte von Obdachlosen einsetzt, spricht ebenfalls von erhöhter Polizeipräsenz und Gewalt im Zuge der WM. »Viele bleiben daher freiwillig dem Zentrum fern«, erklärt sie“ – aus dem Bericht Ohne Obdach auf dem Fanfest externer Link von Kai Behrmann und Michael Althaus am 04. Juli 2014 in der jungen Welt

Protestdemonstration gegen WM in Curitiba…wurden 25 bei einer Protestdemonstration in Curitiba festgenommene Aktive. 1983 – das war noch die Zeit der Militärdiktatur, und jenes Gesetz ein letzter, am Massenwiderstand gescheiterter Versuch, die Diktatur aufrecht zu erhalten. Die Zeitschrift Carta Capital – irgendwelchen linkeren Neigungen ausgesprochen fern stehend – hatte dies aus Anlaß der Proteste bei ersten Spiel in Curitiba berichtet, nun ist es offensichtlich dabei, ein Politikum zu werden. 25 manifestantes são investigados com base em lei da ditadura no Brasil externer Link heisst der Bericht im brasilianischen Indymedia vom 26. Juni 2014. Siehe dazu auch: (weiterlesen »)

brasilien fifa go homeAm dritten Streiktag der Bauarbeiter am Spielort Fortaleza hat die Anti-Aufruhrpolizei voll zugeschlagen: Die Streikenden wurden massiv attackiert, Streik während der WM soll faktisch als Verbrechen behandelt werden – die Bauarbeiter von Fortaleza haben trotz allem beschlossen, weiter zu streiken. Neben Lohnerhöhung fordern sie auch Verbesserung der Krankenversicherung – und bessere Arbeitssicherheit, unter anderem mit dem Verweis auf die Unfälle bei den WM Bauten. Der Bericht Tropa de Choque reprime com bombas de gás lacrimogêneo manifestação pacífica de trabalhadores da construção civil no terceiro dia de greve externer Link am 25. Juni 2014 bei der CSP Conlutas (weiterlesen »)

FifaZuriqueDie Protestaktionen gehen weiter: Am Mittwoch, den 18. Juni demonstrierten mehrere Tausend Menschen in São Paulo gegen den Stadtentwicklungsplan: Aufgerufen hatte dazu die MTST (Bewegung der obdachlosen Arbeiter, die auch Menschen organisiert, die in prekären Wohnverhältnissen leben müssen) – mit der die Regierung ein Abkommen getroffen hat, was aber, wie die MTST unterstrich, nicht bedeutet, dass es keinen Grund mehr für Proteste gäbe. Einer der Bestandteile dieses Entwicklungsplans ist natürlich auch um die FIFA WM zentriert. Der redaktionelle Kurzbericht Sao Paulo: Tausende obdachlose Arbeiter protestieren externer Link am 19. Juni 2014 in Neues Deutschland (weiterlesen »)

brasilien proteste wmDie Demonstrationen sind da – kleiner als zuvor. Keine wirkliche Überraschung, ist es doch eine echte Mutprobe überhaupt dahin zu gehen, mit einer Wahrscheinlichkeit von beinahe 100%, verprügelt zu werden, mit Tränengas traktiert, festgenommen…Der Bericht Em Fortaleza, manifestantes protestam antes do jogo Brasil x México. Veja também os protestos nas demais cidades-sede externer Link am 17. Juni 2014 bei der CSP Conlutas gibt einen knappen Überblick über Proteste und Repression (inklusive einiger Links zu ausführlicheren lokalen Berichten) und hat die Proteste beim Brasilienspiel am Dienstag als Schwerpunkt, mit den Erfahrungen, die die Menschen in den beiden Bussen der Bauarbeitergewerkschaft von Fortaleza gemacht haben (weiterlesen »)

brasilien proteste wm eröffnungDie CNN-Journalistin Barbara Arvanitidis wurde durch eine Polizeigranate verletzt. Auch vier weitere Journalisten erlitten bei den Auseinandersetzungen Verletzungen. Für große Empörung sorgte der Fall eines jungen Mannes, dem nach seiner Festnahme durch mehrere Polizeibeamte Tränengas ins Auge gesprüht wurde. Ein Video zeigt den Vorfall“ – aus dem Beitrag Proteste und Repression zum WM-Start in Brasilien externer Link von Niklas Franzen am 14. Juni 2014 bei amerika21.de (weiterlesen »)

FIFA WM in Brasilien: Bilanztag 12. Juni? Globaler Aufruf zu SolidaritätsprotestenDie Meldungen in den bürgerlichen Medien sahen so aus: Es habe eine kleine Gruppe von Demonstranten in der Nähe des Eröffnungsspiels versucht zu protestieren, was die Polizei unterbunden habe. Punkt, fertig. Und noch lange nicht aus: Eine Demonstration von über 2.000 Menschen etwa hatte am Sitz der Gewerkschaft der Metrobeschäftigten von São Paulo stattgefunden – bis sie denn von einem Tränengas – Angriff der Polizei überrascht wurden und teilweise ins Gewerkschaftshaus flüchten mussten. Auch in Rio de Janeiro gab es – im neuen „In“ Viertel Lapa ein massives Polizeiaufgebot, das etwa ebenfalls 2.000 Demonstranten daran hindern sollte, vollends ins nahegelegene Zentrum zu kommen und dafür den Viadukt besetzte. In Belo Horizonte versuchte die Polizei eine Demonstration daran zu hindern, von der Stadtmitte zur Praça da Liberdade (Freiheitsplatz, ähem) zu kommen, was aber nicht gelang: Diese Demonstration sammelte sich hinter einem Transparent der örtlichen Bauarbeitergewerkschaft, das massiv an die toten Bauarbeiter auf den WM-Baustellen erinnerte. An vielen anderen Orten gab es ebenfalls größere Demonstrationen, die sich stets Großaufgeboten der „Tropa de choque“ also der Antiaufruhr – Polizei gegenübersahen, auch wenn sie keineswegs direkt an den Stadien (in denen ja ohnehin nicht gespielt wurde) stattfinden sollten. Der Bericht Manifestação “Na Copa vai ter Luta” de SP é sitiada pela Tropa de Choque no Sindicato dos Metroviários externer Link am 12. Juni 2014 bei der CSP Conlutas befasst sich mit den oben kurz zusammengefassten Ereignissen in São Paulo und ersten Meldungen aus anderen Städten (weiterlesen »)

Unser Team für die WM. Plakat der Düsseldorfer Lateinamerika Gruppe "Alerta!"

Unser Team für die WM. Düsseldorfer Lateinamerika Gruppe “Alerta!”

… selbst wenn es längst kein Leder mehr ist: Zutreffen tut dieser Satz – Überschrift auf Flugblättern zur WM in der BRD 1974 – allemal immer noch.  Das Sonderthema des LabourNet Germany vom 12. Juni 2014 aus Anlass des WM-Beginns.

Das Leder rollt fürs Kapital…

… im Gegensatz zu den Bekundungen der brasilianischen Regierungspartei PT will die politische Rechte diese WM. Denn weder gehören die Eventmanager der FIFA zur Linken, noch die dubiosen Vereinigungen adidas, Nike und Co, noch gar brasilianische Multis wie Gerdau, Odebrecht oder Correia Camargo. Die ganze Klientel der Rechten verdient daran, der Nationalismus wird weiter salonfähig gemacht – und demokratische Rechte, ganz wie im  Austeritätseuropa, (hier, einstweilen?: vorübergehend) abgeschafft. (weiterlesen »)

mexiko 1968 protestSie prangern Geldverschwendung, Naturzerstörung oder Missstände auf Baustellen an – überall auf der Welt gibt es vor Olympia oder WM Proteste. Nicht immer richten sie sich gegen das Sportereignis selbst. Artikel von Florian Schmid im Neues Deutschland vom 11.06.2014 externer Link. Aus dem Text: „(…) Es ist die Angst vor spektakulären Protestbildern und vor zu großer internationaler Aufmerksamkeit für die schmutzigen Seiten ihres Landes, die Politiker unter Druck setzen. Deshalb ergreifen Menschen auch in Bahrain die Chance, die die Präsenz internationaler Medien während der Formel-Eins-Rennen mit sich bringt, um auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen. Mit dem Sportereignis und seinen Kosten hat ihre Forderung nach demokratischen Reformen nicht viel zu tun. Die Demonstranten nutzen vielmehr die mediale Bühne, die solche Veranstaltungen ihnen bietet. Das dachten sich auch Kanadas Studenten, als sie vor zwei Jahren die Partymeilen des Formel-Eins-Zirkus’ aufsuchten, um öffentlichkeitswirksam zu demonstrieren. All das reicht jedoch nicht an die Aktion der afroamerikanischen Sprinter Tommie Smith und John Carlos bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko-Stadt heran. Das Bild von der Siegerehrung zum 200-Meter-Lauf der Herren, als sie die Köpfe senkten und jeweils eine Faust mit einem schwarzen Handschuh erhoben, ging in die Geschichte ein…“

„Eine Woche vor Beginn der Fußballweltmeisterschaft in Brasilien hat die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) die brasilianische Regierung aufgefordert, das Demonstrationsrecht zu achten. Brasiliens AI-Direktor Atila Roque übergab am Donnerstag im Rahmen der Kampagne „Gelbe Karte für Brasilien“ 87.000 Unterschriften an die Brasilianische Regierung. In einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht dazu heißt es: „Für Anmnesty International bedeutet die WM einen wichtigen Test, ob Polizei und andere Behörden in Brasilien ihre Verpflichtung verstehen und ernstnehmen, das Recht auf freie Meinungsäußerung und Versammlungsfreiheit zu respektieren.“…“ Artikel von Bernd Pickert in der TAZ vom 05.06.2014 externer Link (weiterlesen »)

ab inbevAB InBev ist der größte Braukonzern der Welt. Die Bierherstellung ist allerdings Nebensache, denn die Manager betrachten den Konzern als Profitmaschine – da kommt die Fußball-WM gerade recht. Artikel von Alexander Busch in der Wirtschaftswoche vom 06.06.2014 externer Link. Aus dem Text: „Wenn Ronaldo Luís Nazário de Lima, kurz: Ronaldo, ein Tor schoss, dann feierte er das immer, indem er den Zeigefinger in die Luft streckte. „Mais um“ sollte das heißen, zu Deutsch: „Noch eins“. Der Fingerzeig des Fußballstars, nicht zu verwechseln mit Cristiano Ronaldo von Real Madrid, war für die Marketingstrategen der brasilianischen Brauerei Brahma die Vorlage – und für die Bierwelt der Beginn einer neuen Zeitrechnung. In Brasiliens Kneipen reicht es heute, den Zeigefinger zu heben, und schon bringt der Kellner das nächste Bier. Und die Werbekampagne mit Ronaldo wurde zur Initialzündung für eine einzigartige Erfolgsgeschichte. Denn die Brauerei mit dem Zeigefinger heißt heute nicht mehr Brahma, sondern AB InBev. Und aus dem heruntergewirtschafteten Familienunternehmen von vor 25 Jahren wurde nach Übernahmen und Fusionen ein beinhart geführtes brasilianisch-belgisch-nordamerikanisches Konzerngebilde: weltgrößter Bierproduzent, weltgrößter Getränkekonzern, fünftgrößter Lebensmittelhersteller – mit berühmten Marken wie Beck’s (Deutschland), Bass (England) und Budweiser (USA). Und als wolle er überschäumen, versucht der Branchenprimus jetzt auch noch, sich an der Fußball-WM zu berauschen, die in zwei Wochen startet…“

„Die große Party steht kurz bevor, und in Brasilien herrscht Katerstimmung. Als das Land 2007 den Zuschlag für die WM erhielt, schien das die perfekte Gelegenheit für das aufstrebende Schwellenland, sich stolz der Welt zu präsentieren. Und wer könnte den Fußballevent besser ausrichten als Brasilien, berühmt für Party- und Ballkunst? Seitdem hat sich nicht nur die Stimmung in Brasilien, sondern auch das Image des Landes verändert. Sah die Welt noch vor wenigen Jahren euphorisch auf das Land der tropischen Lebensfreude, das sich anschickte, zum Global Player aufzusteigen, berichten jetzt Reportagen vor allem über Gewalt, Proteste und Drogenprobleme. Ist die Chance, sich positiv ins Weltbewusstsein zu katapultieren schon vor dem Event vertan?…“ Beitrag von Christine Wollowski auf ver.di vom Juni 2014 externer Link

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