Bahrain

Indische Bauarbeiter: Hunderttausende am GolfWie so viele Bauunternehmen in den Staaten des arabischen Golfs ist auch die G.P. Zachariadis Overseas Ltd in finanziellen Schwierigkeiten. Der Gang der Dinge ist, wie überall, wie etwa im Juli letzten Jahres in Saudi Arabien: Großaufträge der selbsternannten Monarchien werden wegen Ölpreis-Rückgang nicht bezahlt, und die Unternehmen „reichen das weiter“, sie lassen einfach ihre Arbeiter ohne Geld. Was dazu führte, dass am Sonntag, 15. Januar 2017, etwa 200 der rund 1.500 Bauarbeiter aus Indien, die für die G.P. Zachariadis Overseas Ltd arbeiten nicht nur die Arbeit niederlegten, wie die anderen auch, sondern sich zu einem Protest versammelten. In dem Bericht  „Bahrain regrets death of Indian „ von Kallol Bhattacherjee am 17. Januar 2017 in The Hindu externer Link wird die offizielle Erklärung der bahrainischen Regierung wieder gegeben, dass Narayanan Pitchai zusammengebrochen sei zum Zeitpunkt, als die Polizei eintraf – und keinesfalls von der Polizei „zusammengebrochen wurde“. Warum allerdings die Polizei zu den protestierenden Arbeitern kam und nicht zum betrügenden Unternehmen – dazu nahm die Regierung Bahrains keine Stellung. Siehe dazu auch einen Bericht vom Vortag: (weiterlesen »)

“Nein zur Blut-Formel-1″: Das gesamte Wochenende des Rennens kommt es im Wüstenstaat Bahrain zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei. Der Rennzirkus scheint sich um die Menschenrechte im Land kaum zu scheren…“ Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom 21.04.2013 externer Link (weiterlesen »)

Bahrain NGOs Publish Letters to F1 Organizers in Advance of RaceProfitgier scheint blind zu machen: “Was ist passiert, sie demonstrieren? Davon weiß ich nichts. Niemand demonstriert dort” – mit diesen Worten wird der Obervermarkter der Formel 1 Rennen in dem Spiegel Beitrag “Formel-1-Boss Ecclestone: “Niemand demonstriert in Bahrain”externer Link am 15. April 2013 zitiert, als er auf die Proteste in Bahrain angesprochen wurde.
Dabei müsste er dies gar nicht irgendwelchen Medien entnehmen, die voll davon stehen. Gleich mehrere Briefe – mit der Aufforderung, das Rennen abzusagen – haben das Bahrain Center for Human Rights, die Bahrain Press Association, die Campaign Against Arms Trade und die Bahrain Youth Society for Human Rights an die Rennorganisatoren gerichtet. Die Meldung (und ein Brieftext) “Bahrain NGOs Publish Letters to F1 Organizers in Advance of Raceexterner Link vom 16. April 2013 hier bei der iranischen Agentur Abna

Terroristen. Teutsche Waffenbrüder.

Eine aktuelle OECD-Beschwerde über die mutmaßliche Lieferung deutscher Spionagetechnologie nach Bahrain beleuchtet die vielfältige deutsche Zuarbeit für das dortige Folterregime. Wie mehrere Menschen- und Bürgerrechtsorganisationen erklären, hätten die aus einer Sparte des Siemens-Konzerns hervorgegangene Münchner Trovicor GmbH und die deutsch-britische Gamma Group das Regime Bahrains mutmaßlich mit Überwachungssoftware ausgestattet, die im Rahmen von Folter und zur Niederschlagung von Protesten genutzt worden sei. Tatsächlich bemühen sich deutsche Firmen aus der Security-Branche seit Jahren um Aufträge nicht nur in Bahrain, sondern auch in anderen arabischen Diktaturen – vom Staat gefördert: “Angesichts des ‘Arabischen Frühlings’ und eines spürbaren regionalen Konfliktpotenzials” gebe es auf der arabischen Halbinsel großen Bedarf an Repressionstechnologie, warb Ende 2011 die bundeseigene Außenwirtschaftsagentur vor einer entsprechenden Messe in Dubai” – so beginnt der Beitrag “Wie man Diktaturen stabilisiertexterner Link der Redaktion von German Foreign Policy vom 08. Februar 2013.

Von den ca. 600.000 Bahrainern gingen 400.000 auf die Straße, um gegen das Königshaus zu demonstrieren. Das wäre so, als würden in Deutschland über 50 Millionen Menschen gegen die Kanzlerin demonstrieren. Es handelte sich also um eine Volksbewegung im wahrsten Sinne dieses Wortes. Trotzdem war es in den westlichen Medien nur eine Randnotiz” – aus dem Interview “Die Proteste in Bahrain waren eine Volksbewegung, keine schiitische Verschwörungexterner Link von Ramon Schack mit Maryam Al-Khawaja (Bahrain Center for Human Rights) am 07. Februar 2013 bei telepolis.

Folter und Gewalt gegen Protestierende

Die Menschenrechtskrise in Bahrain ist noch lange nicht vorbei. Trotz gegenteiliger Beteuerungen der Behörden geht die staatliche Unterdrückung der Opposition und die Repression gegen friedliche KritikerInnen der Regierung seit den Aufständen im Februar und März 2011 unvermindert weiter. In dem neuen Bericht “Flawed Reforms: Bahrain fails to achieve justice for protesters” dokumentiert Amnesty International, dass Folter und exzessive Gewalt gegen Protestierende immer noch zum Alltag in Bahrain gehören. Die von der Regierung angekündigten Reformen sind bislang unzureichend und oberflächlich…“ Siehe dazu die Seite vom Amnesty International externer Link. Der zitierte Bericht ist dort verlinkt. Siehe dazu:

  • Rot für Bahrain
    Formel 1 in einem Folterstaat, Eishockey bei einem Diktator? Warum der Sport niemals einfach nur Sport ist. Artikel von Ulrich Ladurner in Zeit-Online vom 20.02.2012 externer Link. Aus dem Text: „ (…) Darf in einem Land wie diesem ein Formel-1-Rennen stattfinden? Müssen diese Autos wirklich an Häusern vorbeifahren, in denen nach Angaben von Oppositionellen Menschen gefoltert wurden? Müssen Hunderttausende Fernsehzuschauer dem zusehen? Könnte man nicht einfach mal verzichten, aus Protest, aus Solidarität mit den Gefolterten? Diese Frage kann man auch an Mercedes oder Red Bull stellen. Der Präsident der FIA, Jean Todt, gab eine abschlägige Antwort und begründete sie mit den Worten: »Wir sind eine Sportorganisation. Wir interessieren uns nur für Sport!« Das freilich ist eine billige Ausrede, und es ist naiv. Denn Todt mag sich als Sportfunktionär nicht für Politik interessieren, doch die Politik interessiert sich für den Sport...“