Ansätze der Selbstverwaltung und ihre Unterdrückung

Kooperativendemonstration am 2. August 2015 im Süden von Buenos aires - kurz vor dem PolizeiüberfallSechs Arbeiter selbstverwalteter Betriebe mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden – als sie in Esteban Echeverría bei ihrer Demonstration von der Polizei von Buenos Aires empfangen wurden. Die in dem Zusammenschluss AGTCAP organisierten Kooperativen entstammen ausschliesslich aus ärmeren Orten der Region und wollten für mehr Förderung ihrer Unternehmen wie auch verbesserungen in den Stadteilen demonstrieren. Der Bericht “Esteban Echeverría: Reprimen a trabajadores de cooperativas, hay heridos” am 04. August 2015 bei Kaosenlared externer Link verlinkt auch zur Webseite der Asociación Gremial de Trabajadore/as Cooperativistas Autogestionado/as y Precarizado/as und ist mit zahlreichen Fotos versehen. Siehe dazu auch zwei weitere Beiträge zu Kooperativen in Argentinien: (weiterlesen »)

Economía Popular in ArgentinienDie “Economía Popular” ist die Wirtschaft der Ausgeschlossenen. Sie bildet sich aus all den Aktivitäten, die wir angesichts der Unfähigkeit des Marktes, uns würdevolle und angemessen bezahlte Arbeit anzubieten, entwickeln
Der politische, ökonomische und soziale Kontext, der sich seit der Krise 2011 bis heute verfestigt hat, hat dazu geführt, dass ein bedeutender Anteil des arbeitenden Volkes, das durch den Neoliberalismus plötzlich ohne alles da stand, sich der “Economía Popular” zuwenden musste, um zu überleben. Zu Tausenden wurden wir vom formellen Markt ausgeschlossen und mussten aus der sozialen Peripherie nach Möglichkeiten suchen, unseren Lebensunterhalt zu sichern. Rechtlich prekarisiert, institutionell ausgeschlossen und wirtschaftlich ausgebeutet erfanden wir unsere Arbeit selbst, organisierten uns in Bewegungen, Vereinen, Kooperativen und selbstverwalteten Fabriken und begannen, dieselben Rechte einzufordern, die allen anderen Arbeitern ohnehin zustehen
…” Artikel von Romina Chuffardi et al. in der Übersetzung von Stefan Blutner bei amerika21 am 24.07.2015 externer Link

Dossier

zanonAm 9. November 2012 konnten die compañer@s von Zanon endlich das vom Gouverneur der Provinz Neuquén unterschriebene Dekret in Empfang nehmen,mit dem die Enteignung besiegelt wird. Diese war bereits im August 2009 vom Provinzparlament beschlossen worden, aber für die Umsetzung waren noch viele weitere Demonstrationen nötig (zuletzt am 5.11.). Jetzt geht die Fabrik in das Eigentum der Kooperative FaSinPat über, und die Gefahr einer gewaltsamen Räumung ist wirklich vom Tisch. Siehe zu den Hintergründen und der weiteren Entwicklung unser Dossier

  • Solidarität mit der selbstverwalteten Fliesenfabrik Zanon in Neuquén / Argentinien!Dringende Unterstützungskampagne für Zanon Mai 2015: Argentinische Regierung will zugesagten Kredit nicht ausbezahlen
    Der Fliesenfabrik Zanon, einem der bekanntesten der übernommenen Betriebe in Argentinien, droht wegen der Weigerung der Regierung, bereits zugesicherte Kredite auszuzahlen, das ökonomische Aus. Die inzwischen hoffnungslos veraltete Maschinerie bedarf dringend einer Erneuerung. Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, sammeln die compañer@s von Zanon nun auch international Unterschriften. Diese sollen in der BRD der Botschaft Argentiniens übergeben werden. Unterstützungsunterschriften bis zum 19. Mai an soli_zanon@gmx.de. In dem Brief “Solidarität mit der selbstverwalteten Fliesenfabrik Zanon in Neuquén / Argentinien!” der Belegschaft von Zanon von Anfang Mai 2015 heißt es unter anderem “Wir Arbeiterinnen und Arbeiter von Zanon wollen nichts geschenkt haben. Wir fordern vom Staat nichts anderes als einen Kredit für den Kauf von Maschinerie und die technologische Erneuerung eines Teils der Fabrik. Dies ist unserer Meinung nach eine gerechtfertigte Forderung, um die Produktion weiterführen und die Arbeitsplätze erhalten zu können

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Arbeit in der selbstverwalteten DruckereiSeit August 2014 ist der frühere Betrieb des US Multis Donnelley zur Kooperative Madygraf geworden – mit rund 200 Beschäftigten einer der größeren selbstverwalteten Betriebe Argentiniens. Über Geschichte und Gegenwart der Druckerei Madygraf der ausführliche Bericht “Selbstverwaltet mit Kinderbetreuung” von Alix Arnold in analyse & kritik Nummer 603 vom 17. März 2015  (wir danken Redaktion und Autorin für den Beitrag) worin es unter anderem heißt “Auch die Besetzung von Donnelley hat eine langjährige Vorgeschichte. Auch hier konnten Mitglieder der PTS zusammen mit Unabhängigen den Betriebsrat übernehmen und ein Klima des Widerstands schaffen. Auf Druck der Kolleg_innen wurde eine Arbeitsschutzkommission im Betrieb eingerichtet. Mit Streiks verhinderten sie Entlassungen und setzten die Festeinstellung von Prekären durch. Immer wieder machten sie Solidaritätsstreiks und -aktionen für andere Arbeiter_innen. Bemerkenswert ist die Diskussion in der Fabrik über die Diskriminierung der LGBT-Community. Eine Transfrau, die bei Donnelley als Mann eingestellt worden war, wurde vom Betriebsrat und den (mehrheitlich männlichen) Kolleg_innen unterstützt, offen als Frau aufzutreten“. (weiterlesen »)

Juan Pablo Hudson: Wir übernehmen. Selbstverwaltete Betriebe in Argentinien - eine militante UntersuchungArgentinien 2001: Krise, Aufstand, Sturz der Regierung und neue Formen der Selbstorganisierung. Statt der Pleite zuzusehen, übernahmen Arbeiter_innen ihre Betriebe. Trotz aller Widrigkeiten bestehen die meisten heute immer noch, neue kommen hinzu. Betriebsbesetzungen gehören inzwischen in Argentinien zum Repertoire des Arbeiter_innenwiderstands. Aus der Not ist ein Reichtum an Erfahrungen entstanden, die über das Bestehende hinausweisen und andernorts aufgegriffen werden.
Hudson hat sich nicht nur mit den spektakulären Anfängen der Bewegung, mit Besetzungen und heftigen Kämpfen um Fabriken beschäftigt. Er hat die Compañer@s verschiedener übernommener Betriebe in Rosario jahrelang begleitet, als Forscher und Unterstützer. Sein Buch ist eine Collage aus Geschichten, Reflexion und Analyse, Berichten der Arbeiter_innen und Tagebuchnotizen zum Untersuchungsprozess. So entsteht ein vielschichtiges Bild der Selbstverwaltungserfahrungen. Ohne vorschnelle Antworten zu liefern, inspiriert es zum Nachdenken und Selbermachen
.” Klappentext zum Buch im Mandelbaum-Verlag (210 Seiten, 16.90 €, ISBN: 978385476-632-2)  herausgegeben und übersetzt von Alix Arnold und Gabriele Schwab. Siehe dazu:

  • Die Koordination des selbstverwalteten ZanonVeranstaltungsreihe “Selbstverwaltete Betriebe in Argentinien”
    Das Buch “Wir übernehmen” von Juan Pablo Hudson hatten wir bereits hier vorgestellt und empfohlen. Nun macht der Autor des Mandelbaum-Verlages im April 2015 eine Diskussionsrundreise durch Österreich und die BRD – die wir ebenfalls empfehlen. Die Daten und Orte der Rundreise: (weiterlesen »)

Um 19 Uhr am Mittwoch, dem 19. November, hat das Parlament das Projekt zur Enteignung der Keramikfabrik Stefani behandelt. Wir hatten so die Möglichkeit, unseren Kampf der schon seit 2001 andauert und vom Keramik-Syndikat unterstützt wird und auch vor einigen Jahren bereits die Enteignung der Fabrik Zanon erreicht hat, darzustellen. Und gestern Abend wurde dann Stefani – oder CerSinPat (Keramikfabrik ohne Chefs, Anm. d. Ü.) wie wir sie nennen – enteignet, welches die neue wiedereroberte Fabrik in der Provinz Neuquen ist. Es ist wirklich eine große Freude, denn es bedeutet eine Belohnung für den Kampf, welcher seit einigen Jahren geführt wurde. Wir befinden uns bereits seit 5 Jahren im Kampf, Vier davon unter Selbstverwaltung der ArbeiterInnen, und es ist eine Belohnung für diesen Kampf in welchem wir von vielen sozialen Organisationen und dem Großteil unserer Bevölkerung von Cutral Co sehr solidarisch unterstützt wurden. Sie haben uns immer unterstützt und natürlich sind wir allen sehr dankbar dafür“ – aus dem (von el viajero übersetzten) Beitrag Keramikfabrik Stefanie ist nun “Keramikfabrik ohne Chef” am 16. Dezember 2014 bei indymedia externer Link ursprünglich im argentinischen indymedia erschienen

Hotel BAUEN im Zentrum von Buenos Aires - 2003 besetzt und in Selbstverwaltung übernommen Das Hotel BAUEN im Zentrum von Buenos Aires – 2003 besetzt und in Selbstverwaltung übernommen – ist von Räumung bedroht. Gegen den vorliegenden Räumungstitel sind keine Rechtsmittel mehr möglich. Aber die Arbeiter_innen kämpfen weiter für eine politische Lösung. Siehe dazu den Artikel von Alix Arnold, erschienenen in ila 377 vom Juli 2014 

Siehe dazu im LabourNet Germany Archiv:

labournet.tv

“Entlang der Interviews mit den Protagonisten – vom Zimmermädchen und Kellner über die Sicherheitschefin und den Koch bis hin zum Lobbypianisten und Buchhalter – entfaltet sich die Geschichte eines Hotels als politische Geschichte eines ganzen Landes: 1978 von der Videla-Militärdiktatur als Vorzeigehotel gebaut, in den Achtzigern als Partytempel von der Menem-Regierung genutzt, in der argentinischen Finanzkrise 2001/2002 vom zwielichtigen Eigentümer in den Bankrott getrieben, danach von der auf die Straße gesetzten Belegschaft kurzerhand besetzt und gegen viele Widerstände weitergeführt, wurde das Hotel Bauen von jeder Ära der jüngeren argentinischen Vergangenheit geprägt und hat die Menschen, die in ihm arbeiten, zu Experten seiner und ihrer eigenen Geschichte gemacht.” (Kirsten Riesselmann/taz.de).“ Das Video bei labournet.tv (spanisch mit dt. ut. | 95 min | 2011 externer Link

Siehe dazu im LabourNet Germany Archiv: Internationales > Argentinien > Ansätze der Selbstverwaltung und ihre Unterdrückung: Selbstverwaltetes Hotel Bauen verteidigt

autogestionSie waren eine der Antworten auf den Kriseneinbruch in Argentinien 2001: Die ERT (Empresas Recuperadas por sus Trabajadores) Betriebe, die angesichts der drohenden Schließung von den ArbeiterInnen in Selbstverwaltung übernommen und weitergeführt wurden. Während von denanderen Bewegungen aus dieser Zeit nur noch wenig zu sehen ist, funktionieren fast alle dieserBetriebe heute noch. Und es kommen neue hinzu…” Artikel von Alix Arnold in der ila 362 vom Februar 2013

Wir bedanken uns bei der Autorin und dem Verlag für die Freigabe der Artikel und verweisen an dieser Stelle auf die neue ila (Nr. 362, Februar 2013) mit dem Schwerpunkt “Experiment Selbstverwaltung”. Der ila-Schwerpunkt “Experiment Selbstverwaltung” umfasst 40 Seiten (das gesamte Heft zählt 64 Seiten) und kann zum Preis von 5,- Euro (+ 0,50 Euro Porto) direkt bei der ila bestellt werden: Heerstraße 205, 53111 Bonn, Tel.: 0228-658613, Fax: 0228-631226, E-Mail: vertrieb@ila-bonn.de, Internet: http://www.ila-web.de externer Link

Siehe im www

Ganz besonders interessant im LabourNet Archiv (1997-2012)