Global net – stop the Arms trade: Geschichte, Aktualität und Betreiber des Waffenhandels werden auf einer neuen Webseite dokumentiert – und bekämpft

Global net - stop the Arms tradeFür Rüstungsgegner ist es eine Weltpremiere. Es gibt weltweit viele Einzelinitiativen gegen Waffen und Waffenhandel. Bisher gab es aber keinen Ort, an dem sie ihre Erkenntnisse bündeln konnten. Diese Lücke will das Team um den erfahrenen Anti-Waffen-Aktivisten Jürgen Grässlin aus Freiburg schließen. Die Webseite www.gn-stat.org externer Link, die am Donnerstag veröffentlicht wurde, ist eine Art Wikileaks für die legalen und illegalen Rüstungsdeals. Doch es gibt einen wesentlichen Unterschied zu Julian Assanges umstrittener Plattform. Die Informationen bei „Global-Net“ werden geprüft und kuratiert, sodass sorgfältig recherchierte Dossiers mit verlässlichen Informationen für jeden frei zur Verfügung stehen. „Es geht darum, den Tätern von brisanten Rüstungsexporten ein Gesicht und einen Namen zu geben“, sagt Jürgen Grässlin. „Wir klagen an: Topmanager, Militärs und verantwortliche Politiker*innen.“ Dazu gehören bekannte deutsche Waffenhersteller wie Heckler und Koch oder Rheinmetall, deren leitende Mitarbeiter aber auch verantwortliche Politiker. Auf der Webseite sollen sie mit biografischen Daten und ihrer persönlichen Verantwortung für Waffenhandel dargestellt werden. So soll Stück für Stück ein frei zugängliches Archiv des internationalen Waffenhandels entstehen. Die Dossiers sind faktengecheckt und erscheinen in verschiedenen Sprachen“ – aus dem Beitrag „Die Täter beim Namen nennen“ von Benno Stieber am 05. April 2018 bei der taz externer Link über die Premiere der Webseite zum Waffenhandel – und seinen Betreibern, von damals bis heute: Es beginnt mit dem Genozid an ArmenierInnen in der Türkei, schon vor über 100 Jahren mit deutschen Waffen. Siehe dazu auch die Webseite mit ihrem ersten „Fall“:

  • „Global net – stop the Arms trade“ ist seit dem 05. April 2018 Online. In dem ersten Bericht „Fall 01: Armenischer Genozid mit deutschen Waffen“ externer Link wird auf eine lange, bis heute andauernde Geschichte verwiesen, die so begann: „Abdülhamid II., der 1876 an die Macht gekommen war, suchte nach Verbündeten unter den Großmächten Westeuropas und fand sie in Preußen und Österreich-Ungarn. „Eingeklemmt zwischen der russischen Expansion auf dem Balkan, am Schwarzen Meer und im Kaukasus und dem britischen und französischen Kolonialismus in Nordafrika erkennen die türkischen Geostrategen in den Deutschen einen möglichen Partner, der anscheinend keine imperialistischen Ziele im Orient verfolgt“.  Der Russisch-Türkische Krieg von 1876/77, in dem die Bulgaren ihre Unabhängigkeit  erkämpften, endete für das Osmanische Reich und seine marode Armee mit einer Niederlage. Um zu alter Stärke zurückzufinden, brauchte der Sultan Militärinstrukteure und moderne Waffen aus Europa. Der preußische Kaiser wiederum träumte von einer Eisenbahnlinie durch Anatolien und vom Zugang zu Rohstoffen und Absatzmärkten in Vorderasien bis nach Persien. So sahen sich  Deutsche und Osmanen in gemeinsamen strategischen Interessen verbunden.  Der preußische Generalmajor Colmar Freiherr von der Goltz wurde bereits 1883 Militärberater am osmanischen Hof und damit beauftragt, die Militärschulen im Reich zu modernisieren. Dazu prädestiniert hatte ihn seine langjährige Tätigkeit als Militärausbilder im Preußischen Heer. Durch einschlägige militärtheoretische Schriften aus seiner Feder  (z.B. „Das Volk in Waffen“) galt er als Verfechter des totalen Krieges und als Spezialist für die Bekämpfung von Aufständen. Gegen viele Widerstände, aber unter dem Schutz der höchsten Autorität, des Sultans, setzte er viele preußisch geprägte Reformen im osmanischen Heer durch“.