ver.di: organizing war gestern… “Arbeit als Dialoger/-in” ist in!

"Stark mit ver.di" - Logo zum Stellenangebot von und bei DFC Dialog GmbH – Dortmundver.di als Arbeitgeber klingt wie Arbeitgeber ohne ver.di. Zwar heißt es im ver.di-Stellengesuch für eine “2-wöchige Promotiontour”: “ver.di ist eine der größten Gewerkschaften in Deutschland. Mit mehr als 2 Millionen Mitgliedern treten wir für die Rechte der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen ein. Wir sind der Meinung: Soziale Verantwortung verdient gerechten Lohn!…”. Allerdings beinhaltet der gerechte Lohn für die Arbeit als Dialoger/-in gerade mal eine “Grundbezahlung über Mindestlohn” (konkret: “€ 9,50 / Stunde”) “PLUS attraktive Prämien” (wie hoch pro neuem Mitglied wird (noch) verschwiegen). Statt Mitgliederwerbung durch eine gute Gewerkschaftsarbeit im Betrieb, will ver.di nun “durch sicheres Auftreten und Charme” auf öffentlichen Straßen und Plätzen Mitglieder gewinnen… unsere Interpretation des Stellenangebots bei DFC Dialog GmbH und nun einen Bericht dazu:

  • Auf der Straße für ver.di: Seit einem Jahr testet die Gewerkschaft die »Dialogwerbung«. Nicht im Betrieb, sondern auf öffentlichen Plätzen sollen Mitglieder gewonnen werden
    “… Seit 2015 testet ver.di als erste deutsche Gewerkschaft die sogenannte Dialogwerbung, also das Ansprechen von Menschen auf öffentlichen Plätzen. Organisiert wird das Projekt von DFC Dialog, einer eigens dafür gegründeten Firma, die aber selbst nicht Teil der Gewerkschaft ist. Nach Rücksprache mit den einzelnen Landes- und Regionalbezirken entsendet DFC Dialog Teams in ausgesuchte Ortschaften, die ver.di neue Mitglieder bringen sollen. Am 23. Juni, einem Donnerstag, besuchte jW die »Dialogwerber« in Worms. Innerhalb von ver.di ist die »Dialogwerbung« noch immer heftig umstritten. Das weiß auch Antje Welp, Geschäftsführerin von DFC Dialog. Sie habe das Projekt in etlichen Gewerkschaftsgremien vorgestellt. »Jedes Mal gab es dieselben Diskussionen, immer war von Drückerkolonnen die Rede.« Dem hält Welp entgegen, dass die Arbeitsverträge eigens von ver.di geprüft worden seien. Man bemühe sich zudem um eine gute Stimmung in den Teams. Gerade viele Ehrenamtliche können der neuen Methode dennoch nichts abgewinnen. Sie führe weg vom Betrieb. Aber die »Dialogwerber« würden durch ihr Auftreten überzeugen, so Welp. Wo sie eingesetzt würden, werde meist die Kritik gegen sie schwächer. Zumindest in Worms dürfte das stimmen, wie jW im Gespräch mit einem örtlichen Gewerkschaftssekretär erfuhr. Erst der dramatische Mitgliederverlust der Gewerkschaft – heute sind 700.000 Beitragszahler weniger in ver.di als bei Gründung der Organisation 2001 – habe aber Gedanken zum Einsatz dieses Instruments befördert…” Bericht von Johannes Supe bei der jungen Welt vom 5. Juli 2016 externer Link

    • Anmerkung von Dieter Wegner im Jour Fixe Info 44-16 vom  09.07.2016New
      Sie kriegen einen Euro mehr als den Mindestlohn. Und für jeden Geworbenen eine kleine Prämie. Und damit stärken sie die Arbeiterbewegung? Obwohl sie mit Gewerkschaften, Arbeiterbewegung und Arbeitsleben sie noch nichts zu tun hatten – aber dieser Job ist vielleicht angenehmer für die WerberInnen als so mancher andere. Ist ja auch egal, wofür man wirbt, ob für Otelo, Kosmetik oder eben ver.di. Der Arbeit“geber“ ist nicht mal ver.di selbst sondern die beauftragte Firma DFC Dialog. Was sie machen nennt sich „Dialogwerbung“. Erst mal müssen die DialogwerberInnen herausbekommen wie der Angesprochene heißt, dann wird ihm erzählt: „Auch Du bist wichtig, Johannes“. So ähnlich machen es auch die Scientologen und gewiefte Werbefuzzis in ihren Verkaufsstrategien.
      Ver.di hat 700.000 Mitglieder weniger als 2001 bei der Gründung. Vielleicht sollte ver.di diese mal befragen, warum sie ausgetreten sind. Und mit geänderten Strukturen und geänderter Politik auf die Austritte reagieren. Bis zum Jahresende will DFC Dialog 8.000 Mitglieder werben. Ob es sich gelohnt hat, wird am 31.12.2016 mit spitzem Bleistift errechnet. Das „Lohnen“ drückt sich in Euro aus.
      Ist die Angst der Vorstände um ihre Arbeitsplätze so groß, daß sie zu diesem Mittel greifen? Mitgliederwerbung als Geschäft, das sich lohnt oder nicht lohnt.
      Wir werben auch für den Gewerkschaftseintritt. Erst wenn in einem Betrieb die Vereinzelung aufgehoben ist durch den Gewerkschaftseintritt von einigen, ist es möglich, dem jeweiligen Kapitalisten Paroli zu bieten. So ist bei der Firma Neupack der Organisationsgrad von Null auf 80 Prozent angestiegen, weil die KollegInnen gemeinsam einen Tarifvertrag erkämpfen wollten. So gab es bei Amazon vor vier Jahren fast noch keine gewerkschaftlich Organisierten, heute, nach etlichen Streiks für die Erringung eines Tarifvertages sind es 20 bis 30 Prozent in den einzelnen Standorten, die sich organisiert haben.
      Ob in den Werbegesprächen der netten jungen Menschen Worte fallen wie Kapitalist oder Klassenkampf? Aber ein Auftrag mit diesem Vokabular von ver.di an DFC Dialog dürfte kaum passiert sein. Solche harten Worte läßt man lieber weg, weil es das Geschäft stört. Falls man es drastisch ausdrückt: Ver.di hat sich dem Partner Kapital so weit angenähert, daß es seine Methoden übernimmt. Das Mitglied als eingekauftes Objekt.
      Die Ideologie der Werber
      Die Ideologie hat DFC von verdi übernommen, die sich in Begriffen ausdrückt wie: „gerechte Arbeitswelt“ und „gerechte Löhne“. Die Arbeitswelt von verdi und DFC ist sehr beschaulich, man wünscht sich Gerechtigkeit überall und wenn genügend Mitglieder eintreten, tritt auch die Gerechtigkeit in diese beschauliche Welt. Eine fremde Welt ist die Vorstellung, daß mehr Löhne erkämpft werden müssen und auch eine bessere Arbeitswelt. Und das KollegInnen in die Gewerkschaft eintreten, die für dieses Prinzip steht!
      Die Gründerin von DFC wird gefragt externer Link: Warum hast du dich entschieden, gemeinsam mit Susanne Anger die DFC DIALOG GmbH zu gründen? Antwort: Abenteuer!” (DW)


ver.di: organizing war gestern… “Arbeit als Dialoger/-in” ist in!

ver.di als Arbeitgeber klingt wie Arbeitgeber ohne ver.di. Zwar heißt es im ver.di-Stellengesuch für eine “2-wöchige Promotiontour”: “ver.di ist eine der größten Gewerkschaften in Deutschland. Mit mehr als 2 Millionen Mitgliedern treten wir für die Rechte der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen ein. Wir sind der Meinung: Soziale Verantwortung verdient gerechten Lohn!…”. Allerdings beinhaltet der gerechte Lohn für die Arbeit als Dialoger/-in gerade mal eine “Grundbezahlung über Mindestlohn” (konkret: “€ 9,50 / Stunde”) “PLUS attraktive Prämien” (wie hoch pro neuem Mitglied wird (noch) verschwiegen). Statt Mitgliederwerbung durch eine gute Gewerkschaftsarbeit im Betrieb, will ver.di nun “durch sicheres Auftreten und Charme” auf öffentlichen Straßen und Plätzen Mitglieder gewinnen…

Ist die Ähnlichkeit mit öffentlicher ADAC-Mitgliedswerbung rein zufällig? Bei den gewünschten persönlichen Voraussetzungen für das Werbeteam “Deutschland on Tour” kann man schon stark ins Grübeln kommen: “Idealerweise hast Du bereits erste Erfahrung” als kämpferischer Gewerkschafter? Falsche Baustelle… Gefordert wird “als Hostess/Host, Messeservice, Empfang / Hotel oder Erfahrungen im Servicebereich / in der Gastronomie (sind von Vorteil)”. Aber immerhin sind “(p)olitisches Interesse und Hintergrundwissen von Vorteil”. Einfach nur nett zu den Menschen sein reicht also nicht. Ungeklärt bleibt nur, ob der gewünschte “Spaß im Umgang mit Menschen” dort seine Grenze haben darf, wo es sich um Gegner einer konsequenten Gewerkschaftspolitik handelt. Immerhin wird eine “volle Identifikation mit den Zielen von ver.di” verlangt. Leider müssen dann aber all die Gewerkschaftsmitglieder draußen bleiben, die mit solcher Art Mitgliederwerbung große Probleme haben. Alle Zitate von der Homepage der DFC Dialog GmbH – Dortmund externer Link – „ein junges Unternehmen spezialisiert auf Dialogmarketing für Gewerkschaften.“, aber auch bei allen gängigen Jobbörsen…