Sanierungstarifvertrag: Kaufhof will Mitarbeitern das Gehalt kürzen

Dossier

Die Kaufhauskette Galeria Kaufhof verhandelt mit der Gewerkschaft Verdi über einen Sanierungstarifvertrag. Die Lage des Unternehmens sei “existenzgefährdend”, es drohten die Insolvenz und der Verlust von Tausenden Jobs, heißt es. Eigentlich war der Ausstieg aus dem Tarifvertrag beim Verkauf von Kaufhof vor zwei Jahren ausgeschlossen worden. Die Krise bei Galeria Kaufhof spitzt sich weiter zu. Die Warenhauskette drängt nach Informationen der Süddeutschen Zeitung die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi dazu, einen Sanierungstarifvertrag für die etwa 21 000 Mitarbeiter zu akzeptieren. Dazu muss der bisher geltende Einzelhandelstarifvertrag gekündigt werden. (…) Der Sanierungstarifvertrag sieht drastische Einschnitte für die Beschäftigen vor, darunter eine Kürzung der Löhne und Gehälter von drei bis fünf Prozent, die Streichung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld für drei Jahre und eine Erhöhung der Arbeitszeit durch eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche…” Artikel von Michael Kläsgen vom 10. Oktober 2017 bei der Süddeutschen Zeitung online externer Link, siehe auch die Bestätigung durch ver.di und nun Infos zum weiteren Vorgehen:

  • Krise bei Kaufhof geht weiter. Immerhin: Verkauf an Karstadt-Eigentümer René Benko bleibt Beschäftigten erspart. Doch von ihnen wird Lohnverzicht verlangt New
    Immerhin eine Sorge sind die – derzeit noch – rund 21.000 Beschäftigten der Warenhauskette Galeria Kaufhof los: Der Verkauf an die österreichische Signa-Holding des Immobilieninvestors und Karstadt-Eigentümers René Benko ist vom Tisch. Der berüchtigte Sanierer hätte möglicherweise Karstadt und Kaufhof zur Warenhaus AG fusioniert – und zahlreiche Häuser geschlossen. Die kanadische Hudson’s Bay Company (HBC), seit 2015 im Besitz von Kaufhof, wies nach gründlicher Prüfung die Offerte als zu niedrig zurück und äußerte zudem Zweifel an der Finanzierung des Geschäfts durch Signa. Benko hatte im vergangenen November insgesamt drei Milliarden Euro für Kaufhof geboten – den Löwenanteil von 2,63 Milliarden allein für die 59 Warenhausimmobilien, die im Besitz von HBC sind. Große Sorgen bereitet den Angestellten, ihren Betriebsräten und der zuständigen Gewerkschaft Verdi allerdings die Geschäftspolitik von HBC bei Kaufhof: Waren die im Herbst 2015 übernommenen 135 Filialen in Deutschland und Belgien wirtschaftlich noch kerngesund, so laufen die Geschäfte inzwischen schlecht. Umsatzrückgänge sind laut Management überall zu verzeichnen. Von den Beschäftigten fordern die HBC-Verantwortlichen in Deutschland seit Oktober 2017 erhebliche Beiträge zur Kostensenkung in Gestalt eines Tarifvertrages zur Beschäftigungssicherung, was konkret auf Lohnverzicht hinausläuft. Außerdem wurde nun der Abbau von 400 der 1.600 Stellen in der Kölner Zentrale angekündigt. (…) Unterdessen hat sich Anfang Februar die Verdi-Bundestarifkommission für Galeria Kaufhof konstituiert, der 31 Kolleginnen und Kollegen aus dem gesamten Bundesgebiet angehören. Sie verlangen eine sachliche Untersuchung der wirtschaftlichen Lage und der Zukunftsperspektiven von Galeria Kaufhof, bevor über die Aufnahme von Verhandlungen über einen Standort- und Beschäftigungssicherungstarifvertrag entschieden wird…” Artikel von Gudrun Giese in der jungen Welt vom 13.02.2018 externer Link
  • Causa Kaufhof: Die Rolle der Prüfer
    Alles in allem zeigt das Finanzgebaren: Die Hauptakteure von HBC, Chairman Richard Baker und CEO Jerry Storch, scheinen die deutsche Tochter als Selbstbedienungsladen zu betrachten. Bezahlen sollen nun die Kaufhof-Mitarbeiter. Und Verdi soll die tarifliche Grundlage hierfür liefern…” Artikel vom 11. Dezember 2017 beim transatlantic-journal.com externer Link
  • Kaufhof: Beschäftigte wollen nicht für Managementfehler bezahlen – Kaufhof muss ein tragfähiges Zukunftskonzept vorlegen 
    Angesichts des Antrags der Unternehmensführung von Kaufhof auf einen Beschäftigungssicherungstarifvertrag finden an etlichen Standorten an diesem Freitag (13. Oktober 2017) bundesweit nichtöffentliche Betriebsversammlungen statt, zu denen die Betriebsräte von Kaufhof eingeladen haben. Zum Teil kam oder kommt es auch schon heute zu Betriebsversammlungen. Im Vorfeld sagte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger: „Die Beschäftigten von Kaufhof wollen nicht für Managementfehler büßen…” ver.di-Mitteilung vom 12.10.2017 externer Link
  • Rabattschlacht bei Kaufhof. Handelskonzern will Tarifbindung zerschlagen: Lohnkürzung und verlängerte Arbeitszeit vorgesehen 
    “… Der Onlinehandel mache dem Konzern zu schaffen, so dass sich der Betrieb in einer »wirtschaftlichen Notlage« befinde. Weil die »Umsatz- und Ertragsentwicklung existenzgefährdend« sei, könnten die Mitarbeiter nur vor der Kündigung bewahrt werden, wenn sie schmerzhaften Einschnitten zustimmten. Tausend Arbeitsplätze fielen weg, und viele Häuser müssten geschlossen werden, lautet das Drohszenario der Manager. Für die Beschäftigten geht es ans Eingemachte: Ihre Gehälter sollen um drei bis fünf Prozent gekürzt werden, Urlaubs- und Weihnachtsgeld soll es drei Jahre lang nicht geben, und als I-Tüpfelchen sehen die Bosse eine Erhöhung der Arbeitszeit mit der Rückkehr zur 40-Stunden-Woche vor. (…) Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger erklärte, für eine mögliche Aufnahme von Verhandlungen gebe es klare Bedingungen: »Ein unabhängiger, von Verdi benannter Wirtschaftsgutachter muss die Geschäftszahlen prüfen, damit klarwird, wie es um das Unternehmen tatsächlich bestellt ist.« Für die Zukunft seien »überzeugende Konzepte« wichtig, wie der Umsatz gesteigert werden könne. Kürzungen beim Personal seien hingegen »keine nachhaltigen Lösungen«. Artikel von Simon Zeise in der jungen Welt vom 12.10.2017 externer Link
  • Galeria Kaufhof: ver.di prüft Antrag des Unternehmens auf Beschäftigungssicherungstarifvertrag
    Galeria Kaufhof will mit ver.di Verhandlungen über einen Beschäftigungssicherungstarifvertrag für die 21.000 Beschäftigten der Kaufhaus-Kette aufnehmen. „Diesen Antrag werden wir intensiv gemeinsam mit einer noch zu bildenden Tarifkommission, den Arbeitnehmergremien sowie einem Wirtschaftsgutachter prüfen und abhängig vom Ergebnis der Prüfung die entsprechenden Schritte einleiten. Die Interessen der Beschäftigten stehen dabei für uns an vorderster Stelle“, sagt ver.di-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. Sie empfiehlt den Beschäftigten, die noch nicht Gewerkschaftsmitglied sind, sich bei ver.di zu organisieren. „Die Arbeitnehmervertretungen werden alles daransetzen, dass den Kolleginnen und Kollegen im Kaufhof nicht in die Tasche gegriffen wird“, sagt Uwe Hoepfel, der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Galeria Kaufhof.…” ver.di-Meldung vom 10. Oktober 2017 externer Link

Siehe zum Hintergrund: