union coop: „Ohne Chef arbeiten? Basisdemokratisch und selbstorganisiert? Wir wagen den Versuch, weil das für uns die einzig menschliche Art des Wirtschaftens ist.““„Ohne Chef arbeiten? Basisdemokratisch und selbstorganisiert? Wir wagen den Versuch, weil das für uns die einzig menschliche Art des Wirtschaftens ist.“ So beginnt die Selbstdarstellung der „union coop“, einer Föderation von Betrieben, die sich zusammengeschlossen haben um so ihre gesellschaftliche Durchschlagskraft zu erhöhen. Es handelt sich um Kollektivbetriebe, die nicht in einer alternativen Nische vor sich hinwerkeln wollen, sondern im Verbund mit anderen Betrieben und der Basisgewerkschaft FAU (Freie Arbeiter und Arbeiterinnen Union) versuchen, solidarische Antworten auf die Zumutungen der kapitalistischen Wirtschaftsweise zu finden. Erstes greifbares Ergebnis ist der „union coop // shop“, ein Kollektivbetrieb, der als Projekt aus dem Zusammenschluss entstanden ist und Produkte der beteiligten Betriebe, Gewerkschaftsmaterialien für eine kämpferische Gewerkschaftsbewegung, und Erzeugnisse vergleichbarer selbstverwalteter Betriebe aus dem Ausland, vertreibt…” Vorstellung durch Ralf Dreis vom April 2018:

Kämpfen, Produzieren, Organisieren

Die Union-Coop vertreibt Produkte rückeroberter Fabriken

„Ohne Chef arbeiten? Basisdemokratisch und selbstorganisiert? Wir wagen den Versuch, weil das für uns die einzig menschliche Art des Wirtschaftens ist.“ So beginnt die Selbstdarstellung der „union coop“, einer Föderation von Betrieben, die sich zusammengeschlossen haben um so ihre gesellschaftliche Durchschlagskraft zu erhöhen. Es handelt sich um Kollektivbetriebe, die nicht in einer alternativen Nische vor sich hinwerkeln wollen, sondern im Verbund mit anderen Betrieben und der Basisgewerkschaft FAU (Freie Arbeiter und Arbeiterinnen Union) versuchen, solidarische Antworten auf die Zumutungen der kapitalistischen Wirtschaftsweise zu finden. Erstes greifbares Ergebnis ist der „union coop // shop“, ein Kollektivbetrieb, der als Projekt aus dem Zusammenschluss entstanden ist und Produkte der beteiligten Betriebe, Gewerkschaftsmaterialien für eine kämpferische Gewerkschaftsbewegung, und Erzeugnisse vergleichbarer selbstverwalteter Betriebe aus dem Ausland, vertreibt.

So können seit kurzem über die Homepage https://www.union-coop.org/ externer Link auch Produkte der besetzten Seifenfabrik Vio.Me aus Thessaloniki bestellt werden. Neben Klassikern, wie des Vio.Me-Solidaritäts-Seifenblocks, liegt der Fokus auf den neuen, verbesserten Produkten der ECO-Linie. Der Verkaufsstart der Vio.Me Produkte bei union coop fiel mit dem 5-jährigen Jubiläum der Wiederinbetriebnahme der Fabrik in Selbstverwaltung zusammen. Im Mai 2011 hatten die damaligen Eigentümer*innen die Fabrik für chemische Baustoffe mitsamt der seit Monaten unbezahlten Belegschaft sich selbst überlassen. Die Arbeiter*innen bestzten einen Teil des Betriebsgeländes und entschieden sich nach erfolgloser Investorensuche im März 2013, die Produktion von biologischen Seifen, Wasch- und Reinigungsmitteln unter eigener Kontrolle zu beginnen. Noch immer müssen sie um den Erhalt ihrer von polizeilicher Räumung und Zwangsversteigerung bedrohten Fabrik kämpfen. Vio.Me ist inzwischen längst zum Symbol über Griechenland hinaus geworden. Die Belegschaft verbindet den Kampf um ein würdiges Leben mit dem Kampf für eine solidarische Welt und ist in vielen Initiativen vor Ort aktiv. Mit der Aufnahme der Vio.Me-Produkte ins Sortiment von union coop schließt sich ein Kreis. Entstand doch die Idee, Produkte aus rückeroberten Fabriken in Deutschland zu vertreiben, beim euromediteranen Workers-Economy-Treffen auf dem besetzten Vio.Me-Gelände im Herbst 2016.

Damals ebenfalls in Thessaloniki vor Ort waren Delegierte der selbstverwalteten Tee-Fabrik Scop Ti aus Marseille. Mehr als drei Jahre hatten die Beschäftigten gegen den Unilever Konzern gekämpft und die Produktion schließlich selbst übernommen. Die neu gegründete Kooperative Scop Ti produziert biologisch und regional angebaute Teesorten unter dem Markennamen 1336, was an die 1336 Tage dauernde Fabrikbesetzung erinnern soll. Das ihre Produkte über union coop nun endlich auch im deutschsprachigen Raum vertrieben werden, ist laut Kollektivist Hansi Oostinga nicht nur „konkrete Solidarität“ mit einem selbstverwalteten Betrieb, „sondern auch als praktischer Ansatzpunkt für eine wirtschaftliche Gegenmacht zu verstehen“. Zumal die Belegschaft, wie Oostinga betont, einen ähnlichen Ansatz vertritt, und sich nicht nur während des jahrelangen Kampfes, sondern auch heute als Teil einer breiten emanzipatorischen Bewegung positioniert. „Ihr Kampf war immer auch ein gewerkschaftlicher Kampf. Das hat sich bis heute nicht geändert, auch wenn sie, wie ein Kollege es ausdrückte, den Kapitalismus nicht überwunden haben.“

Eine Erkenntnis der von selbstverwalteten Betrieben, Basisgewerkschaften und politischen Gruppen besuchten Konferenz in Thessaloniki war, dass ein Schwachpunkt aller selbstverwalteten Fabriken der Vertrieb ist. Dies sollte durch eine engere Zusammenarbeit in Zukunft geändert werden  „Wir als Bewegung“, so Oostinga, haben in diesem Bereich, „im Zusammenspiel mit dem kämpferischen Teil der Gewerkschaften, wesentlich mehr Möglichkeiten eigene Strukturen aufzubauen“. Deshalb wird es in Zukunft außer den Reinigungsmitteln von Vio.Me und dem Tee von Scop Ti auch Liköre aus der besetzten Fabrik Rimaflow in Mailand und Olivenöl aus einer von der Landarbeiter*innen Gewerkschaft SAT besetzten Finca in Andalusien geben.

Bestellungen über https://www.union-coop.org/ externer Link

Ralf Dreis

Siehe auch im LabourNet Germany: