Dossier

E&W 11/2017 zum Schwerpunkt "Lehrkräftemangel"Tausende Lehrkräftestellen können nicht besetzt werden – und die Schülerzahlen werden Prognosen zufolge in den kommenden Jahren weiter steigen. In einigen Bundesländern unterrichten bereits Hunderte Seiteneinsteigerinnen und -einsteiger. Die Bundesländer haben es verpasst, den Generationenwechsel in den Lehrerzimmern zu organisieren: Überall herrscht Lehrkräftemangel. Die GEW Berlin meldet, 41 Prozent der neueingestellten Lehrkräfte seien Quereinsteigerinnen und -einsteiger, in Sachsen sind es 52 Prozent, an den dortigen Grundschulen sogar 66 Prozent. Um neue Klassen zu bilden und neue Stellen einzurichten, müssten Experten zufolge mehrere Milliarden Euro investiert werden. Die GEW hat der Politik bereits ein konkretes Maßnahmenpaket vorgelegt externer Link – inklusive Forderungen wie die Bezahlung aller Lehrkräfte mindestens nach A13 und eine schrittweise Reduzierung der Pflichtstundenzahl. Zudem wird die „E&W“ den bundesweiten Lehrkräftemangel in einer neuen Länderserie mit Reportagen und Hintergrundberichten in den kommenden Monaten ausführlich thematisieren.” GEW-Themenseite vom Oktober 2017 externer Link – siehe dort die E&W 11/2017 zum Schwerpunkt “Lehrkräftemangel” externer Link und hier dazu:

  • Sachsen-Anhalt will Lehrermangel mit schlecht bezahlter Mehrarbeit begegnen New
    “In der Bundesrepublik herrscht Lehrermangel. Besonders akut ist die Personalnot im Osten, auch und gerade in Sachsen-Anhalt. Dramatisch ist die Lage auf dem Land. So haben sich dieser Tage Eltern von Schülern der Sekundarschule Bodfeld in Elbingerode im Harz mit einem Brandbrief an Abgeordnete des Magdeburger Landtags gewandt. Darin beklagen sie, dass in den 7. und 8. Klassen der Unterricht in Chemie und Biologie seit dem Schulstart im August komplett ausgefallen sei. Zudem sei Physik auf eine Wochenstunde gekürzt sowie das Angebot an Religion und Ethik halbiert worden. Alles in allem fielen pro Woche 70 Stunden unter den Tisch, weil die Stellen mehrerer in Pension gegangener Pädagogen nicht besetzt werden konnten. (…) Zuletzt suchte das Land laut einem Bericht der Mitteldeutschen Zeitung vom 31. Oktober mehr als 100 Kräfte für Sekundar- und Gemeinschaftsschulen. Von den Bewerbern hätten dabei lediglich neun ein Staatsexamen vorweisen können. Weil aber auch das Angebot an »Amateuren« nicht grenzenlos ist, tüftelt Bildungsminister Marco Tullner (CDU) an einem Plan C: Er will überarbeiteten Lehrern die Überstunden abkaufen. (…) Nach Ministeriumsangaben sind seit 2013 schulübergreifend rund 212.000 Überstunden aufgelaufen. Eigentlich sollen sie durch Freizeitausgleich abgebaut werden, was im Personaltableau nur neue riesige Löcher aufreißen würde. Tullners Ziel sei es deshalb, »die freiwillige Mehrarbeit finanziell attraktiv zu gestalten«, wie er in der neuesten Ausgabe des Spiegel erklärte. Nach der im Land geltenden Arbeitszeitverordnung dürfen Lehrkräfte pro Schuljahr höchstens 80 Überstunden leisten, die im Folgejahr abzugelten sind. Tatsächlich schieben viele aber mehr Extradienst, ohne jede Kompensation. Der Minister möchte nun alles, was 80 Stunden übersteigt, vergüten und dafür knapp 1,2 Millionen Euro zur Verfügung stellen…“ Artikel von Ralf Wurzbacher in junge Welt vom 06.11.2018 externer Link
  • GEW: „Der Mangel an Berufsschullehrkräften wird noch größer werden!“ New
    “2030 werden etwa 240.000 mehr Schülerinnen und Schüler an beruflichen Schulen lernen, als es die Kultusministerkonferenz bislang prognostiziert hat. Das hat Konsequenzen für den bisher prognostizierten Lehrkräftebedarf an beruflichen Schulen. Der Mangel an Berufsschullehrkräften wird noch größer werden“, sagte Ansgar Klinger, für Berufliche Bildung verantwortliches Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), am Dienstag in Frankfurt am Main zur Vorstellung der „Prognose der Schüler*innenzahl und des Lehrkräftebedarfs an berufsbildenden Schulen in den Ländern bis 2030“. Bereits in diesem Frühjahr hatte die GEW mit einem Gutachten aufgezeigt, dass entgegen den bisherigen Annahmen die Zahl der Schülerinnen und Schüler an beruflichen Schulen langfristig auf dem vergleichsweise hohen Niveau von 2,5 Millionen Schülerinnen und Schülern verbleiben werde. Die Kultusministerkonferenz (KMK) hatte daraufhin ihre Prognosen im Mai aktualisiert. Die neue Studie von Dieter Dohmen und Maren Thomsen zeige eine höhere Anzahl von Schülerinnen und Schülern, als es die KMK noch im Mai für die Länder vorausberechnet hatte, erklärte GEW-Vorstandsmitglied Klinger. Bis zum Jahr 2021 seien knapp 26.000 mehr Schülerinnen und Schüler an beruflichen Schulen zu erwarten. „In den folgenden neun Jahren steigt die Zahl sogar auf knapp 240.000 im Jahr 2030 an. Das hat natürlich Konsequenzen für den Lehrkräftebedarf an beruflichen Schulen“, erklärte Klinger. Sowohl der von der KMK als auch von der Bertelsmann-Stiftung ermittelte Lehrereinstellungsbedarf gingen von geringeren Schülerzahlen aus, so Klinger. „Wir können demnach erwarten, dass die bislang veröffentlichten Zahlen der Lehrkräftelücken an den beruflichen Schulen erheblich höher sein werden. Die Studie weist für jedes Bundesland den Lehrkräftebedarf aus, jetzt müssen die Länder handeln und wirksame Maßnahmen ergreifen“, sagte der GEW-Experte für berufliche Schulen…“ Pressemitteilung von GEW vom 06.11.2018 externer Link sowie die angesprochene Studie externer Link
  • Studie: Lehrer-Not an Berufsschulen im Westen 
    Berufsschulen haben viel zu wenig Lehrer – das ist die Kernaussage der aktuellen Studie der Bertelsmann Stiftung. Demnach wird bis 2030 fast die Hälfte der rund 125.000 Berufsschullehrer in Rente gehen. Dabei werden jedes Jahr nur etwa 2.000 neue Lehrer ausgebildet. Der Nachwuchsmangel sei ein zentraler Grund für die voraussichtlichen Engpässe in den nächsten Jahren. Immer weniger Lehramtsstudenten wollen an einer Berufsschule arbeiten. (…) Ein weiteres Problem sei, dass die Berufsschulen mit attraktiven Angeboten auf dem Arbeitsmarkt konkurrieren müssen. Auch in Bereichen wie der Elektrotechnik und im Maschinenbau wird dringend Nachwuchs gesucht…” WDR-Meldung vom 29.10.2018 externer Link
  • So kann der Bildungsnotstand noch verhindert werden: GEW legt 10-Punkte-Programm gegen Lehrkräftemangel vor 
    „Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat ein 10-Punkte-Programm gegen den dramatischen Lehrkräftemangel vorgelegt. Dass Sofortmaßnahmen dringend notwendig sind, belege nun offenbar auch die lange erwartete Lehrkräftebedarfsprognose der Kultusministerkonferenz (KMK). „In diesem Schuljahr fehlen mehrere tausend Lehrkräfte, zudem sind tausende Stellen mit Quer- und Seiteneinsteigern besetzt. Bei der KMK ist offensichtlich endlich mehr Realismus eingezogen. Nun müssen den Worten Taten folgen. Denn wenn nicht die Notbremse gezogen wird, steuert Deutschland auf einen Bildungsnotstand zu“, sagte GEW-Vorsitzende Marlis Tepe mit Blick auf die KMK-Prognose zur Entwicklung des Lehrkräftebedarfs bis 2030 am Donnerstag in Frankfurt a.M. Sie mahnte an, die jahrelange Fehlsteuerung in der Lehrkräfte-Ausbildung zu korrigieren. Während zu viele Gymnasiallehrkräfte ausgebildet worden seien, gebe es an Grund-, Berufs-, Förder- und Sonderschulen sowie insbesondere in den östlichen Bundesländern einen gravierenden Lehrkräftemangel. „Zudem müssen sich alle Bundesländer endlich dazu durchringen, Lehrkräfte an Grundschulen genauso zu bezahlen wie an Gymnasien. Sonst wird die Fehlentwicklung auch in den nächsten Jahren fortgeschrieben“, unterstrich Tepe. „Das ginge zu Lasten der Lehrkräfte und eines guten Unterrichts – und träfe damit die Schülerinnen und Schüler.“ Das 10-Punkte-Programm der GEW zeige kurz-, mittel- und langfristige Lösungsansätze auf, um mehr Lehrkräfte zu gewinnen, betonte die Vorsitzende: „Die GEW hält die Einstellung von Quer- und Seiteneinsteigern für dringend notwendig. Ohne diese Maßnahme sind die großen Lücken in den Klassenzimmern einfach nicht zu schließen. Entscheidend ist, dass diese Kolleginnen und Kollegen bestmöglich (nach)qualifiziert werden, da sie in der Regel keine pädagogischen Kompetenzen mitbringen“, so Tepe. (…) Sie machte aber auch noch einmal deutlich, dass die aktuelle dramatische Situation im Wesentlichen hausgemacht sei. „Die Länder haben es in den vergangenen Jahren versäumt, ausreichend Lehrkräfte auszubilden, obwohl die Pensionierungszahlen und die steigende Geburtenrate teils lange bekannt sind“, unterstrich Tepe.“ Pressemitteilung von und bei der GEW vom 11.10.2018 externer Link, hier auch das Dokument: 10 Punkte Programm gegen Lehrermangel externer Link
  • Quereinsteiger an Schulen: Zwei Wochen Crashkurs – und dann Lehrer 
    In ganz Deutschland fehlen ausgebildete Lehrer – vor allem an Grundschulen. In die Lücke springen vielerorts Quereinsteiger. Doch die sind zum Teil völlig unzureichend vorbereitet. (…) “Jede besetzte Stelle ist besser als eine unbesetzte Stelle”, heißt es aus der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie in Berlin. So wird gerechtfertigt, dass der Anteil an Lehrern ohne Lehramtsausbildung in Berlin besonders hoch ist. Weniger als 40 Prozent der neu eingestellten Lehrer haben in diesem Schuljahr eine reguläre Lehrerausbildung. Der Rest sind Quereinsteiger oder “Lehrkräfte ohne volle Lehrbefähigung”, sogenannte LovLs. Bei Letzteren handelt es sich meist um Lehrer aus Willkommensklassen, die jetzt in den regulären Unterricht wechseln. Der Anteil bei den Grundschullehrern ist noch viel höher. (…) Obwohl Quereinsteiger oft mit großer Motivation in den Lehrerberuf starten, sind sie oft nicht gut vorbereitet auf ihren Einsatz in der Schule…” Beitrag von Sandra Stalinski vom 17.08.2018 bei tagesschau.de externer Link
  • GEW Berlin: Dürreschäden auch in Berliner Schulen: Massenhafte Einstellung von Lehrkräften ohne volle Lehrbefähigung 
    “Nur 37 Prozent der zum neuen Schuljahr eingestellten Lehrkräfte können ein abgeschlossenes Lehramtsstudium vorweisen. Das geht aus Zahlen der bezirklichen Schulpersonalräte hervor, die der GEW BERLIN vorliegen. Demnach sind zum neuen Schuljahr etwa 2.700 Lehrkräfte für die Berliner Schulen eingestellt worden. Darunter sind nur gut 1.000 Laufbahnbewerber*innen, etwa 750 Quereinsteiger*innen (28 Prozent) und über 900 Lehrkräfte ohne volle Lehrbefähigung (34 Prozent). Lehrkräfte ohne volle Lehrbefähigung (LovL) haben kein Fach der Berliner Schule studiert und kommen auch nicht für den Quereinstieg infrage. 800 LovL unterzeichneten einen befristeten Arbeitsvertrag. Nach Einschätzung der GEW BERLIN hat sich die Personalsituation an Berliner Schulen im neuen Schuljahr noch einmal deutlich verschlechtert. „Wir erkennen an, dass Senatorin Sandra Scheeres es trotz des gravierenden Fachkräftemangels geschafft hat, alle offenen Stellen zu besetzen“, betonte der Vorsitzende der GEW BERLIN, Tom Erdmann. „Allerdings musste sich die Senatorin dafür einiger Tricks bedienen. So rechnet sie erstmals auch Willkommenslehrkräfte, Pensionär*innen und Masterstudierende in das Einstellungskontingent mit ein, um die Statistik aufzubessern“. Bei der massenhaften Einstellung von Lehrkräften ohne volle Lehrbefähigung stellen sich der GEW viele Fragen. „Welchen Ausbildungsgrad haben die LovL und auf welcher rechtlichen Grundlage erfolgt ihre Einstellung?“, fragte Erdmann. „Angesichts der vielen befristeten Einstellungen drohen Berlin hunderte Kettenverträge, denn auch in den nächsten Jahren wird sich die Bewerbungslage nicht wesentlich verbessern. Oder ist eine zeitnahe Entfristung der neu eingestellten Kolleg*innen geplant?“ Die GEW BERLIN erwartet eine umfangreiche Weiterqualifizierung der Lehrkräfte ohne volle Lehrbefähigung. „Die neuen Kolleg*innen brauchen umgehend Vorbereitungskurse wie sie die Quereinsteiger*innen erhalten und langfristig weitere Perspektiven. Eine dauerhafte Schlechterstellung der neuen Kolleg*innen muss unbedingt verhindert werden“, unterstrich Erdmann. Der GEW-Vorsitzende wies darauf hin, dass es sich bei den vorliegenden Zahlen um Durchschnittswerte handelt und sich der Fachkräftemangel an manchen Schulen noch weit drastischer darstellt. „Einige Bezirke und die meisten Gymnasien haben keine LovL eingestellt. An Schulen in schwierigen sozialen Lagen dürfte die Lage daher noch weit dramatischer sein als es die Zahlen zeigen.“ Erdmann forderte erneut eine aktive Personalpolitik: „Die Senatsverwaltung muss die Verantwortung für Quereinsteiger*innen und LovL auf alle Schulen gerecht verteilen“. Wichtig ist außerdem, welche Personalressourcen für Inklusion und Teilungsunterricht noch zur Verfügung stehen und wie viele sozialpädagogische Fachkräfte die Schulen einstellen konnten…“ Presseerklärung von der GEW Berlin vom 15.08.2018 externer Link
  • Lehrkräftemangel: Tepe warnt vor „Bildungsnotstand“ 
    „Mit Beginn des neuen Schuljahres schlägt die GEW erneut Alarm wegen des akuten Lehrkräftemangels. Dieser sei „sehr dramatisch“, sagte die Gewerkschaftsvorsitzende Marlis Tepe am Montag in der ARD-“Tagesschau“ externer Link. „Wir überlegen, ob wir über den Begriff Bildungsnotstand sprechen.“ Bundesweit fehlten Tausende Lehrerinnen und Lehrer. Beispielsweise in Sachsen seien mehr als die Hälfte der neu eingestellten Kolleginnen und Kollegen ohne pädagogische Ausbildung. „Ich mache den Landesregierungen und der Kultusministerkonferenz den Vorwurf, dass sie Ihre Aufgaben nicht genügend koordiniert haben, nicht genügend steuernd eingegriffen haben.“ Tepe forderte, langfristig müssten sowohl die Zahl der Studienplätze als auch die Stellen im Vorbereitungsdienst erhöht werden. Kurzfristig seien „Extramaßnahmen“ nötig – etwa Verstärkung durch Quer- und Seiteneinsteigerinnen und –einsteiger. Diese bräuchten vorher aber „zumindest einen Crashkurs von mehreren Wochen“. Die Kolleginnen und Kollegen in den Schulen wiederum benötigten mehr Zeit, um die Ersatzlehrkräfte auszubilden. (…) Ungeachtet des Lehrkräftemangels waren zu Beginn der Sommerferien wieder Tausende Lehrerinnen und Lehrer arbeitslos externer Link. Laut dpa-Umfrage unter den Kultusministerien der Länder waren vor allem Vertretungslehrkräfte im Angestelltenverhältnis betroffen. Die Länder sparen dadurch Millionen ein. Meldung vom 14.08.2018 von und bei der GEW externer Link

  • Lehrkräfte-Mangel: Junglehrer warnen vor Zusammenbruch des Schulsystems
    Laut Kerstin Ruthenschröer von den Junglehrern in der Bildungsgewerkschaft VBE spitzt sich der Lehrermangel dramatisch zu. Wenn jetzt erfahrene Lehrkräfte ausfielen, breche das System zusammen, sagte sie im Dlf. Auch die Unterrichtsqualität sei in Gefahr. Zuvor hatte der Lehrerverband Alarm geschlagen…” Kerstin Ruthenschröer im Gespräch mit Kate Maleike am 25.06.2018 beim Deutschlandfunk externer Link
  • Lehrkräftemangel bundesweit: Die Mangelverwaltung beenden!
    Nordrhein-Westfalens Schulen ächzen unter dem Lehrkräftemangel – doch wie sieht es eigentlich in anderen Bundesländern aus? Die nds-Redaktion hat einen Blick über die Landesgrenzen geworfen und die Situation auf dem Lehrkräftearbeitsmarkt in Bayern, Berlin und Hessen unter die Lupe genommen…” Überblick von Denise Heidenreich in neue deutsche schule (nds) 9-2017 externer Link der GEW NRW