| Gewerkschaften und Arbeiterbewegung seit 1998 
Seit dem Ende der Suharto-Diktatur hat sich eine wesentlich stärkere Gewerkschaftsbewegung entwickelt - die Mitgliederzahlen der zahlreichen entstandenen Gewerkschaften und Föderationen liege inzwischen bei rund 3,5 Millionen Menschen, schreibt in "Locating the power of labour" Benny Hari Juliawan am 19. Januar 2012 in "Inside Indonesia". Trotz dieser Zunahme aber spielten die Gewerkschaften in den in der Reformära gebildeten dreiseitigen Institutionen eine geringe Rolle - während Straßenproteste, Massenaktionen und Kundgebungen der Arbeiter und Arbeiterinnen eine sehr große Rolle spielten. Die differenz erklärt er unter anderem auch aus der Konkurrenzsituation zwischen den Gewerkschaften...
Kampf um Land
"Es geht vor allem um die Ölpalme. Vor hundert Jahren eingeführt, gedeiht sie am besten in Moorgebieten, d.h. in frisch gerodetem Urwald. Umfassten die Palmölplantagen 1995 noch eine Million Hektar, sind es heute mehr als sechs Millionen. Wie viel Waldmoorland dafür abgeholzt wurde, weiß so richtig niemand; sicher ist, dass noch Konzessionen für weitere 41 Millionen Hektar Wald offen sind und trotz kürzlich beschlossenem Abholz- »Moratorium« genutzt werden können. (The Jakarta Post, 10.11.10) Auseinandersetzungen um Land werden heute an zwei Fronten geführt, die sich manchmal überschneiden. Seit dem Sturz Soehartos kämpfen viele Bauern um die Rückgabe des Landes, das ihnen während der Diktatur zugunsten der Staatsplantagen geraubt worden war; viele Fälle sind noch nicht entschieden. Und seit wenigen Jahren nehmen die Streitfälle zwischen Bauern und privaten Plantagenfirmen zu, die von irgendwoher ein Nutzungsrecht bekommen haben und das Land der Bauern in Beschlag nehmen" - aus dem Beitrag "Wem gehört das Land? Bauernkämpfe in Indonesien" bei Welt in Umwälzung, ursprünglich leicht gekürzt in Wildcat 90 vom Sommer 2011.
Gewerkschaftsrechte in Textilfabriken errungen
"Die Beteiligten sprechen von einem historischen Moment. In Indonesien haben die nationalen Textilgewerkschaften SPN und GSBI, die großen Sportartikelhersteller Nike, Adidas und Puma und ihre Zulieferer ein globales Abkommen unterzeichnet, das die Gewerkschaftsrechte in den Textilfabriken sichert…" - aus "Ein erster Erfolg" Artikel von Haidy Damm im Neues Deutschland vom 10. Juni 2011
Einen schlafenden Löwen wecken?
National Federation of Indonesian Workers' Struggle - so heisst seit ihrem fünften Gewerkschaftstag vom 24.-26. Oktober 2010 in Denpasar (Bali) die bisherige National Front of Indonesian Workers' Struggle. Eine stärkere gewerkschaftliche Organisation im Kampf gegen die Deindustrialisierung wollten die rund 300 KongressteilnehmerInnen anbahnen, was gerade unter gegenwärtigen Bedingungen ein direkt politischer Kampf sei. Der Bericht "FNPBI fifth congress -- Time to awaken the sleeping lion" von Ulfa Ilyas, am 04. November 2010 bei der australischen Links erschienen.
Japanischer Konzern entlässt Gewerkschafter
Die indonesische Tochterfirma des japanischen Onamba-Konzerns hat zwei Gewerkschafter entlassen, weil sie in ihrer jeweiligen Eigenschaft als aufeinanderfolgende Vorsitzende der Betriebsgewerkschaft ihre statutengemäßen Aufgaben wahrgenommen haben. Seit Ende September befindet sich die Belegschaft deshalb im Streik und der Gewerkschaftsbund KASBI hat einen internationalen Solidaritätsaufruf vom 24. September 2010 verbreitet.
Über illegale Waldrodungen berichtet. Tot.
"In den Augen des Reporters aus Papua ist Trauer zu lesen. Vor wenigen Tagen wurde einer seiner Kollegen, Ardiansyah Matra'is, tot in einem Fluss gefunden, nachdem er über illegale Waldrodungen recherchiert hatte. Inzwischen liegt der Autopsiebericht vor: Matra'is wurde am 28. Juli ermordet. Was der Kollege des Toten berichtet, klingt, als sei die 1998 beendete Militärdiktatur in seiner Heimat noch höchst lebendig: «Wir haben keine Pressefreiheit. Wir sind ständig Drohungen ausgesetzt. In einem von der Regierung eingerichteten Medienzentrum kommen jeden Tag Soldaten vorbei und schauen den Journalisten über die Schulter.» Solche Berichte zu verifizieren, ist ausländischen Medienschaffenden nicht möglich. Die Einreise nach Papua ist ihnen seit 2003 verboten" - so beginnt "Würde statt Investitionen" von Anett Keller in der schweizerischen WoZ vom 02. September 2010.
100 Tage nach Regierungsantritt - landesweite Proteste
In der Materialzusammenstellung "Thousands mark Yudhoyono's first 100 days with protests across the country" gibt das Asia Pacific Solidarity Network einen Überblick über die zahlreichen Protestaktionen vom 28. Januar 2010, aus Anlaß der ersten hundert Amtstage des neuen Präsidenten - der in dieser kurzen Zeit ähnlich "entzaubert" wurde wie etwa sein amerikanischer Amtskollege (hierzulande gab es ja nun nichts zu entzaubern...)
Von Osttimor schreiben ist verboten...von Papua auch... 
Ende Dezember 2009 verkündete der indonesische Generalstaatsanwalt das Verbot von fünf Büchern. Allesamt Publikationen, die sich mit militärischen Aktionen der indonesischen Armee befassten. Was jetzt als erstes Ergebnis hervorbringt: So breite Proteste wie noch nie gegen Zensur, berichtet in "Book bannings spur Indonesia's struggle for political liberty" Max Lane am 08. Februar 2010 in seinem Blog.
Keine Diskriminierung von Gewerkschaftern in Indonesien! Die Kampagne für 'Saubere' Kleidung fordert adidas auf, sich für entlassene Gewerkschafter einzusetzen
„Aufgrund ihres Engagements für Arbeitsrechte suchen MitgliederInnen indonesischer Gewerkschaften verzweifelt nach neuen Jobs. Sie hatten ihre Arbeit bei adidas Zulieferern in den letzten Jahren verloren. Im November 2006 schlossen die Fabriken PT Spotec und PT Dong Joe, die Produkte für adidas hergestellt hatten. Seitdem suchen sieben MitgliederInnen der SBGTS Gewerkschaft nach Arbeit. Im Oktober 2005 entließ der adidas Zuliefererbetrieb PT Panarub 33 SBGTS (ehemals Perbupas) GewerkschafterInnen nach einem eintägigen Streik. In seinem Verhaltenskodex sichert adidas allen ArbeiterInnen Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit zu. In der Praxis allerdings werden GewerkschaftsmitgliederInnen häufig diskriminiert; insbesondere bei der Suche nach Anstellung werden sie benachteiligt. Die Kampagne für 'Saubere' Kleidung fordert adidas deshalb auf, sich aktiv für die ArbeitsrechtlerInnen einzusetzen und das Programm für eine Sektoren übergreifende Lösung für die indonesische Sport- und Bekleidungsindustrie umzusetzen! Unterstützen Sie heute die GewerkschafterInnen und schreiben Sie an adidas, um ihre Wiedereinstellung und die Umsetzung des Programms zu fordern!..“ Weitere Informationen zur Eilaktion und die Möglichkeit Protestschreiben online zu senden auf der Seite vom INKOTA-Netzwerk e.V. vom 10.02.2009 
Sarta bin Sarim endlich frei
„Vor zwei Monaten hat LabourStart auf Anregung indonesischer Gewerkschaften eine Kampagne zur Befreiung von Sarta bin Sarim gestartet. Sarta wurde dafür verhaftet das er an einer friedlichen 1. Mai Demonstration in Tangerang teilnahm. Er wurde unter einem alten Kolonialgesetz der Aufführung „unangenehmer Taten“ und der „Anstiftung zur Unruhe“ beschuldigt, mehrfach geschlagen und drei Monate lang festgehalten. Wie wir soeben erfahren ist sein Fall endlich zur Verhandelung gekommen. Er wurde schuldig gesprochen und zu den drei Monaten verurteilt, die er bereits abgesessen hatte. So kam er letzte Woche frei. Sarta’s Gewerkschaft, die FKUI, dankt den 1.950 von Euch die Unterstützungsemails abgesandt haben.“ Info von Labourstart vom 14.08.2007
- Befreit den Kollegen Sarta bin Sarim
„Am 1. Mai 2007 wurde auch in Indonesien demonstriert. Herr Sarta bin Sarim, von Beruf Packer, ist Vorsitzender der Gewerkschaft bei der Möbelfirma P.T. Tambun Kusuma in Tangerang, einer Industriestadt nahe Jakarta. Er nahm an der Maidemo teil, die an seiner Fabrik vorbeikam. Die Demo wurde von einem Gewerkschaftsbündnis organisiert und verlief ohne Zwischenfälle. Nachts kam die Polizei zu ihm und nahm ihn mit aufs Revier. Er erfuhr, dass neun festgenommene Arbeiter ihn als Organisator der Demo denunziert hatten. Er weigerte sich zunächst, das fehlerhafte Protokoll zu unterschreiben. Darauf hin wandte die Polizisten ihm den Rücken zu und reagierten nicht als etliche seiner Mitgefangenen über ihn herfielen und ihn mit Schlägen und Tritten traktierten. Nachdem er Blut erbrochen hatte, was er gezwungen, das Protokoll zu unterzeichnen…“ Weitere Informationen finden sich in der Act NOW!-Kampagne von Labourstart vom 07.Juni 2007 mit einem vorbereitetem Protstmailer
Polizei schiesst
auf Streikenden
Am 31. Juli eröffnete die indonesische Polizei
das Feuer auf einen der 800 streikenden Arbeiter der Möbelfabrik
P.T. Cipta Mebelindo Lestari - und behauptete anschliessend, dies
getan zu haben, als er dabei gewesen wäre, Firmeneigentum vor
dem Betriebstor zu zerstören. Die Gewerkschaft hingegen betont,
die Polizei sei in das Haus von Samsir Hasibuan eingedrungen und
habe ihn dort mit einem Knieschuss verletzt. Er und zwei weitere
Gewerkschafter wurden festgenommen, während das Unternehmen
angedroht hat, alle 447 Gewerkschaftsmitglieder zu entlassen. Die
kurze (englische) Meldung "Union
Member Shot in Strike, Two Others Arrested"
publiziert am 14. August 2006 bei "Labourstart".
Gewerkschaftliche Freiheiten - und Konkurrenz
Nach dem Sturz der langjährigen Suharto-Diktatur
1998 entstanden, meist auf Betriebsbasis, Tausende neuer Gewerkschaften,
sei es über Neugründungen oder Abspaltungen aus dem ehemaligen
(regierungsnahen) Gewerkschaftsbund, oder über die Entwicklung
vorher bestehender Gruppierungen zu Gewerkschaften. Die neuen Gewerkschaftsgesetze
erlauben die legale Gründung einer Gewerkschaft ab 10 Mitgliedern,
und die "Landschaft" ist unübersichtlich, aber durchaus
lebendig - oft genug ist die bestehende Konkurrenz gewerkschaftspolitisch
begründet: reine Verhandlungstaktik gegen Mobilisierungsstrategien.
Am Beispiel der Schuhfabrik PT Panarub in Tangerang, die seit 1968
besteht, die heute über 10.000 Beschäftigte hat und nachdem
1991 die erste gegründet wurde, heute zwei Gewerkschaften berichtet
der Gewerkschaftsaktivist Endang Rokhani über einen solchen
Gewerkschaftskonflikt in seinem (englischen) Beitrag "Union
conflict - Greater freedom to organise also means more opportunity
for division"
bei "Inside Indonesia" Ausgabe April-Juni 2006.
»Ohne Solidarität keine Chance«
Indonesische Gewerkschaften kämpfen gegen das Erbe der Militärdiktatur und die Auswüchse der neoliberalen Globalisierung. Gespräch mit Sahat Lumbanraja, Vorsitzender der linken Gewerkschaft Kelompok Pelita Sejahtera (KPS), von Matthias Becker in junge Welt vom 7.2.06
Die willkommenen Investitionen von Freeport
Die indonesische Regierung - wie so viele andere - sucht Investoren, in diesem Falle mit Präferenz ausländische. Unter den vielen, die schon länger willkommen sind, ragt unter anderem die (Gold)Bergbau-Gesellschaft Freeport (Firmensitz New Orleans) heraus - im wahrsten Sinne des Wortes, denn selbst auf Sateliten-Fotos sind die Zerstörungen zu sehen, die diese Bergbauunternehmungen in Indonesien - in diesem Falle die Grasberg Mine in Westpapua, zusammen mit Rio Tinto betrieben - anrichten. Willkommen dürften die Investitionen auch jenen Offizieren der Armee Indonesiens sein, die zumindest bis 2003 etwa eine viertel Million Dollar erhielten - und von denen einige in Verdacht stehen, mit dem "Ende" politischer Aktivisten in Papua zu tun zu haben. Eine sehr ausführliche und kritische Darstellung der Freeport-Geschäfte vor allem in Indonesien samt vielen weiterführenden Infoquellen enthält der (englische) Artikel "Written in Stone" von Robert Bryce im "Austin Chronicle" vom 23. September 2005 (gespiegelt auf der "Mines and communities" Seite).
Mädchen-Haushaltsgehilfen werden missbraucht
„Regierung bietet keinen Schutz vor Missbrauch und Ausbeutung – Hunderttausende Mädchen, die als Haushaltshilfen arbeiten, werden sexuell missbraucht und ausgebeutet, erklärte Human Rights Watch in einem neuen Bericht. Die indonesische Regierung biete keinen Schutz für diese Mädchen. Human Rights Watch erklärt in dem 74-seitigen Bericht “Always on Call: Abuse and Exploitation of Child Domestic Workers” (Stets auf Abruf: Missbrauch und Ausbeutung von Kinder-Hausgehilfen), dass indonesische Kinder, manche nur 12 Jahren alt, 14 bis 18 Stunden pro Tag arbeiten müssten, sieben Tage pro Woche und ohne freien Tag. Außerdem dürften sie ihren Arbeitsplatz nicht verlassen und hätten keinen Kontakt zu ihrer Familie…“ Aus der deutschen Zusammenfassung des Originaltextes bei Human Rights Watch vom 20. Juni 2005. Achtung: Der dort angegebene Link zu dem englischen Originaltext ist z.Z. nicht richtig:
Er lautet korrekt: http://www.hrw.org/reports/2005/indonesia0605/ 
Aus dem Leben eines indonesischen Arbeiters...
Etwa 16 Millionen ArbeiterInnen gibt es in Indonesien (ausserhalb der Landwirtschaft). Das Leben eines von ihnen, Haryono, Vater zweier Kinder, der seinen Arbeitsvertrag noch nie gesehen hat, keine Sozialversicherung hat und den Transportbonus dem Haushaltsgeld zuschlägt, indem er morgens und abends jeweils eine Stunde Fahrrad fährt, wird in dem (englischen) Artikel "Gloomy picture of a worker's life" von ID Nugroho in der "Jakarta Post" vom 6.Mai 2005 nachgezeichnet.
Erfolg im Kampf gegen Privatisierung
Am 15.Dezember 2004 hat das indonesische Verfassungsgericht entschieden, dass das Privatisierungsgesetz der Regierung für die Energieversorgung des Landes nicht verfassungsgemäß ist. Die Gewerkschaft PT PLN (Serikat Pekerja PT.PLN-Persero), des staatlichen Energieversorgers hatte den Fall nach langen Auseinandersetzungen vor das Verfassungsgericht gebracht und feierte das Urteil als einen Erfolg des Widerstands. Die Internationale PSI hatte umfangreiche Fallstudien über die verheerenden Resultate der Privatisierung der Energieversorgung in azhlreichen Ländern beigesteuert. Die redaktionelle (englische) Meldung vom Januar 2005 beim "Global Policy Network".
"The life of a migrant worker"
Eine indonesische Migrantin berichtet am 29.Juli 2004 (auf englisch) von ihrem Leben in Hongkong - ein Thema, das ansonsten meist von Journalisten und SozialwissenschaftlerInnen behandelt wird, aus erster Hand, bei "Asian Labour News"
"New President, New Era for Workers?"
"Benhil" ist die Zeitschrift des unabhängigen "TRADE UNION RIGHTS CENTRE" in Djakarta, und befasst sich in seiner Ausgabe Nummer 2 (bei "Asian Labour News") unter vielem anderen mit der Bedeutung der indonesischen Präsidentschaftswahl
CONDEMN THE BALI BOMBING - RESIST THE NEW DICTATORSHIP (Verurteilt das Bombenattentat - Widersteht der neuen Diktatur)
Eine Stellungnahme von Dita Sari für die Gewerkschaftsföderation FNPBI (Nationale Front für den Arbeiterkampf) über das Attentat von Bali und die Massnahmen der Megawati-Regierung. Diese Regierung hat mit zwei Dekreten die demokratischen Rechte im Lande potentiell ausser Kraft gesetzt. Insbesondere Dekret Nr 1 erlaubt willkürliche Festnahmen ohne Beweise, auf Verdacht. FNPBI fordert eine öffentliche Untersuchung der Attentate durch eine Komission, der alle wesentlichen Kräfte der Gesellschaft angehören sollen und nicht nur durch die Regierung und ihre Dienste. Presseerklärung vom 24.Oktober auf den Seiten der britischen "No sweat" Kampagne
Überfall auf eine Delegation der städtischen Armen in Djakarta
Am 28. März wurde eine Delegation der UPC, eine der Organisationen der Armen in Djakarta beim Verlassen des Büros der Nationalen Komission für Menschenrechte von einer örtlichen Miliz überfallen. Die Delegation wollte diskutieren, wie ein Gerichtsurteil, das die Bezirskregierung von Djakarta verpflichtet, die UPC als Interessensorganisation zu respektieren Umgesetzt werden kann. Wardah Hafidz von der UPC bittet um Solidaritätsaktionen. Der Bericht (auf englisch) und eine zusammenfassende Übersetzung von Helmut Weiss. |