» » »

Reinoldus Rettungsdienst im Kreis Unna: Betriebsratsvorsitzender gekündigt – Mitarbeiter bitten Ämter und Justiz um Hilfe

ver.di-Kampagne Rettungsdienst: Höchstarbeitszeit auf 44 Wochenstunden kürzenKreis Unna: Reinoldus ist ein Rettungsdienstunternehmen, das als gemeinnützige GmbH rund 100 Angestellte beschäftigt. Laut Berichterstattung im Hellweger Anzeiger häufen sich hier Beschwerden von Angestellten und dem Betriebsrat über Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz, tarifliche Vorgaben und Schutzbestimmungen für Auszubildende. Auch kurzfristige Änderungen und fehlende Transparenz bei den Dienstplänen, sowie unzumutbare Belastungen sollen den Beschäftigten zu schaffen machen.2 Und zwar in einem Ausmaß, das sie veranlasst, sich direkt an Behörden und Justiz zu wenden. (…) Aktuell versucht Geschäftsführer Peter Schroeter auch noch dem Betriebsratsvorsitzenden zu kündigen. Anfang November 2025 forderte er den Betriebsrat auf, die Zustimmung zur Kündigung des Kollegen zu erteilen. Was der Betriebsrat freilich verweigerte. Bereits im Frühjahr des Jahres 2025 waren zwei Betriebsratsmitglieder unter fragwürdigen Bedingungen aus dem Unternehmen ausgeschieden externer Link. (…) Wegen einer defekten Trage soll es zum Sturz eines Patienten gekommen sein…“ Aus Union Busting-News von Jessica Reisner vom 20. November 2025 bei Arbeitsunrecht in Deutschland externer Link mit umfangreichen Hintergründen und neu dazu:

  • Union Busting beim Rettungsdienst Reinoldus durch Insolvenz beendet – Belegschaft ohne Lohn – Staatsanwaltschaft Dortmund ermittelt New
    • Update Reinoldus: Staatsanwaltschaft Dortmund ermittelt! Verdacht auf Insolvenz-Straftaten.
      Rettungsdienst aus Unna angeblich pleite. Behörden hatten Whistleblower-Hinweise anscheinend monatelang ignoriert. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft.
      Angestellte erhielten 2026 keinen Lohn. Rettungsdienst angeblich insolvent, aber Harley-Davidson und Oldtimer auf dem Hof…?
      Nun ist die Zahlungsunfähigkeit da. Am 15. Januar 2026 stellte die Reinoldus-Geschäftsführung beim Amtsgericht Dortmund einen Insolvenzantrag.1  Am 20. Januar 2026 bestätigte die Staatsanwaltschaft Dortmund auf Anfrage der Aktion gegen Arbeitsunrecht , dass sie wegen des Verdachts auf Insolvenzstraftaten ermittelt. (…)
      Die Whistleblower bei Reinoldus waren zwischenzeitlich derart frustriert, dass sie Mutmaßungen über Strafvereitelung um Amt äußerten. Immerhin hatten Behörden in Aussicht gestellte, detailliertere Informationen teils nicht einmal angefordert, so berichteten Insider der Aktion gegen Arbeitsunrecht. Der Skandal wird umso größer mit Blick auf die Tatsache, dass Reinoldus eine steuerbegünstigte gemeinnützige GmbH ist.
      Angestellte erhielten im Januar 2026 keinen Lohn
      Der vorläufige Insolvenzverwalter Rechtsanwalt Dr. Sebastian Henneke verbreitet derweil, laut Hellweger Anzeiger, wenig Optimismus und kündigt intensive Prüfungen an.
      Die rund 100 Reinoldus-Angestellten warten nicht nur auf den Januar-Lohn, sondern schon seit Monaten auch auf die Nachzahlung einer Tariferhöhung in 2025. Besonders ungerecht aber könnte es eine zu Unrecht gefeuerte Rettungssanitäterin treffen: Ihr vorenthaltener Lohn könnte nun in der Summe der offenen Forderungen gegen Reinoldus aufgehen, so dass letztlich nicht viel bei ihr ankommt
      …“ Beitrag von Jessica Reisner vom 21. Januar 2026 bei Arbeitsunrecht externer Link
    • Union Busting beim Rettungsdienst: Was bedeutet die Insolvenz für Sie?
      Die Arbeit für den Rettungsdienst Reinoldus war von Union Busting und Mobbing geprägt, berichtet Helena Kunze
      [Der Reinoldus-Rettungsdienst aus dem nordrhein-westfälischen Kreis Unna hat am 15. Januar beim Amtsgericht Dortmund Insolvenz beantragt. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Insolvenzstraftaten. Sind Sie von der Entwicklung überrascht?]
      Im Gegenteil: Ich habe lange darauf gewartet. Es gab seit Monaten Hinweise auf Zahlungsschwierigkeiten, auf die Whistleblower auch die Ämter aufmerksam machten. Scheinbar ohne Konsequenzen. Die Kollegen und ich vermuteten schon Kungelei, weil wir uns diese behördliche Ignoranz nicht erklären konnten. Insofern begrüße ich, dass die Staatsanwaltschaft jetzt aktiv eingreift.
      [Was bedeutet die Insolvenz persönlich für Sie?]
      Nach einem gescheiterten Kündigungsversuch gegen mich schuldet mir die Reinoldus gGmbH Lohn in Höhe von 8.000 Euro aus dem Hauptamt. Dazu kommen fast 4.000 Euro aus einer Nebenbeschäftigung bei der Reinoldus Service GmbH. Hier sind Rettungssanitäter zusätzlich zu ihrer Festanstellung noch auf geringfügiger Basis Dienste gefahren. Zum Glück habe ich kurz vor dem Antrag auf Insolvenz einen Auflösungsvertrag unterschrieben.(…)
      Ich fühlte mich mitunter allein gelassen. Der Betriebsrat kam über ein Gespräch mit Peter Schroeter über meine Arbeitsplatzsituation nicht hinaus. Er war nach Rücktritten und dem Ausscheiden von Mitgliedern deutlich geschwächt. Die Gewerkschaft Komba interessierte sich über die anwaltliche Vertretung hinaus nicht. Dabei war der Arbeitsalltag von Mobbing, auch gegen meine Person, geprägt. Ich wurde zum Beispiel trotz meiner Qualifikation und eines gültigen Arbeitsvertrags systematisch nur noch im schlechter bezahlten Krankentransport eingesetzt. Das stand alles längst in der Presse, und ich frage mich, warum Kontrollbehörden nach den Hinweisen auf die Missstände nicht schneller reagiert haben. Dann wäre vielleicht auch die Insolvenz vermeidbar gewesen.(…)
      Nach der Versammlung mit den Kollegen, der Geschäftsführung und dem Insolvenzverwalter am 20. Januar sehe ich nicht, dass sich bei Reinoldus etwas zum Guten wenden könnte, auch wenn Schroeter und der Insolvenzverwalter von Sanierung sprechen. Ansonsten warte ich jetzt sehr gespannt auf die Ergebnisse der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Meiner Meinung nach hat die Reinoldus-Geschäftsführung nach Strich und Faden gelogen und betrogen
      …“ Interview von Jessica Reisner in der jungen Welt vom 27.01.2026 externer Link mit Helena Kunze, sie war seit 2023 als Rettungssanitäterin für ­Reinoldus tätig
  • Belegschaft wirft dem gemeinnützigen Rettungsdienst Reinoldus in Raum Unna nun Strafvereitelung im Amt vor, Kreis Unna schreibt Rettungswachen neu aus
    „… Seit Monaten erreichen die Behörden anonyme wie namentliche Hinweise auf gravierende Missstände beim Reinoldus Rettungsdienst mit Sitz in Unna. Die Vorwürfe reichen von Verstößen gegen Arbeitszeitvorgaben und Tarifregelungen bis hin zu unzumutbaren Belastungen für die Beschäftigten. Doch passiert ist kaum etwas. Whistleblower, die mit Klarnamen auftraten, berichten sogar, dass zugesagte Prüfunterlagen von den zuständigen Ämtern nicht einmal angefordert wurden. Mittlerweile haben Beschäftigte eine Strafvereitelung im Amt schriftlich als Verdacht geäußert. Das Schreiben liegt der jW-Redaktion vor. Dabei ist Reinoldus eine gemeinnützige, also steuerbegünstigte GmbH. Und in einem hochsensiblen Bereich der Gesundheitsversorgung tätig. Etwas Bewegung scheint nun aber doch in den Fall zu kommen. Der Kreis Unna hat die Rettungswachen in Holzwickede und Fröndenberg neu ausgeschrieben. (…) Der Zuschlag soll laut Angestellten an den Ortsverein Schwerte des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) gegangen sein. Ob die Mitarbeiter dort zu gleichen Konditionen weiterarbeiten können, ist unklar. Eine jW-Anfrage ließ das DRK Schwerte bis Redaktionsschluss unbeantwortet. Reinoldus geriet erstmals im Dezember 2024 in die Schlagzeilen, als eine »Todesliste« öffentlich wurde. (…)
    Anstatt den Missstand einzuräumen, gab sich Reinoldus-Geschäftsführer Peter Schroeter öffentlich empört und behauptete, von der Liste nichts gewusst zu haben. Der Autorin liegen jedoch eidesstattliche Erklärungen vor, in denen Insider das Gegenteil versichern. Mehr noch: Nach übereinstimmenden Berichten soll Schroeter den Vorfall genutzt haben, um sich gleich vier Betriebsratsmitgliedern zu entledigen, die auf der Wache in Königsborn tätig waren. Ihnen soll er für einen Rücktritt aus dem Betriebsrat in Aussicht gestellt haben, lediglich mit einer Abmahnung davonzukommen. Einer Rettungssanitäterin, die mit dem Betriebsrat über Schroeters Kenntnis der Liste gesprochen hatte, kündigte die Geschäftsführung. Das Arbeitsgericht Dortmund hob diese Kündigung jedoch auf und entschied, dass der ausstehende Lohn nachzuzahlen und die Sanitäterin zu unveränderten Bedingungen weiterzubeschäftigen sei. Den inzwischen neugewählten Betriebsrat schwächt Schroeter weiter, indem er nun versucht, auch dem Betriebsratsvorsitzenden zu kündigen. (…)
    Der Kreis Unna erklärt, man habe zwar Prüfungs- und Kontrollmaßnahmen eingeleitet, jedoch ohne Ergebnis. Zugleich betont die Verwaltung, lediglich für die Sicherstellung eines funktionierenden Rettungsdienstes für die Bevölkerung zuständig zu sein. Die Bezirksregierung Arnsberg überprüfte mehrfach die Arbeitszeiten, nachdem Beschäftigte die hohe Belastung beanstandet hatten. Hinweisen auf mögliche Manipulationen von Unterlagen soll aber trotz entsprechender Meldungen nicht nachgegangen worden sein. Immerhin: Die Staatsanwaltschaft Dortmund bestätigte auf Anfrage der Autorin, Kenntnis von Schreiben zu Reinoldus zu haben – und diese zu prüfen.“
    Artikel von Jessica Reisner in  der jungen Welt vom 22. Dezember 2025 externer Link („Rettungsdienst kündigt Betriebsratschef“)
Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=232407
nach oben