»
Malta

Wo andere Urlaub machen: Auf Malta haben Flüchtlinge wenig Chancen

Poseidons Kinder. Ein Lied über die Flüchlinge im Mittelmeer von der österreichische Reggaegruppe Iriepathie.Malta bedeutet für Flüchtlinge, dass sie die Fahrt über das Mittelmeer überlebt und Europa erreicht haben. Doch was sie auf der Insel erwartet, hat wenig mit den Postkarten der Touristen zu tun. Eine Urlaubsinsel mit zwei Gesichtern: In Valletta, der imposanten Hauptstadt Maltas, strahlen die altehrwürdigen Steinhäuser prachtvoll. 15 Autominuten weiter im Flüchtlingslager Hal Far verfallen die gleichen beigen Gebäude in trostloser Umgebung. Außer Sichtweite der Touristen säumt Müll die Straße und drückt die Hitze. Im Schatten von Mauern und einzelnen Bäumen sitzen junge dunkelhäutige Männer, meist in ihre Handys vertieft. „Malta ist nicht gut“, sagt ein Mann in einer Gruppe von Flüchtlingen aus dem Sudan in gebrochenem Englisch. Die Details überlässt er einem anderen Bewohner des Lagers. Der hagere 37-Jährige möchte seinen Namen nicht nennen, erzählt aber, dass er vor zehn Monaten mit einem Schlauchboot über das Mittelmeer kam. Es gebe in Malta keine Perspektive. „Man kann hier keinen richtigen Job finden, wenn überhaupt auf dem Bau, aber das ist sehr gefährlich.“ Die Männer würden schwarz angeheuert, ohne Vertrag, ohne Versicherung. „Es ist schon passiert, dass Flüchtlinge von einem Rohbau gefallen sind, sie wurden nicht medizinisch versorgt.“ Auch der Lohn werde nicht immer ausgezahlt. Aber es interessiere keinen. „Sogar die Polizei weiß davon“, erzählt der Mann, der aus der Nähe der sudanesischen Hauptstadt Khartum stammt. 130 Euro im Monat erhielten die Bewohner des Camps, sagen die Männer, die angeben, vor der Gewalt in ihrer Heimat geflohen zu sein. Das Mittagessen sei kostenlos, den Rest des Tages müssten sie sich selbst versorgen. Auch das Wasser müssen sie zahlen, 50 Cent für die 2-Literflasche. Wie lange das so bleibt, weiß man nicht: Malta sichert den Menschen Hilfen für ein Jahr zu…” Reportage von Natalia Matter vom 2. September 2019 beim Migazin externer Link, siehe dazu:

  • Flucht übers Mittelmeer: Ertrunken, erschossen, interniert – Malta sperrt Neuankömmlinge mittlerweile wieder in Lager New
    Die Situation von Geflüchteten im Mittelmeer bleibt lebensgefährlich. Malta sperrt Neuankömmlinge mittlerweile wieder in Lager. Im Mittelmeer hat sich die Lage von Fliehenden in den vergangenen Tagen verschärft. Rund ein Dutzend Boote sind seit Donnerstag vor der Küste Libyens in Seenot geraten. Das berichtet die private Initiative Alarm Phone, die von den Insassen der Boote mit Satellitentelefonen kontaktiert worden war. Ein Teil der Unglücke ereignete sich demnach in der maltesischen Rettungszone. Maltas Armee habe jedoch in drei Fällen am Freitag trotz Notrufen und Kenntnis der genauen Koordinaten keine Hilfe geleistet, so das Alarm Phone. Die privaten Seenotrettungsschiffe Sea-Watch 3 und Open Arms haben jeweils rund 120 Menschen an Bord genommen und kreuzten am Sonntag auf der Suche nach einem sicheren Hafen im zentralen Mittelmeer. Eine Anfrage sei an die Regierungen von Malta und Italien gerichtet worden, sagte eine Sprecherin von Sea-Watch. (…) Am Freitag und Samstag retteten zwei Schiffe der Marine von Malta 260 Menschen aus Seenot und brachten sie in den Hafen von Valletta. Es war die höchste Zahl von Ankünften auf der Insel seit über einem halben Jahr. Das Gros von ihnen brachte die Polizei in die Internierungseinrichtungen Safi und Marsa. Malta hatte die Praxis der Internierung ankommender Flüchtlinge 2015 eingestellt, ist aber nach einem Anstieg der Ankünfte zuletzt wieder dazu übergegangen, Angekommene einzusperren. Die beiden Lager sind mit derzeit über 1.500 Insassen total überfüllt. Manche werden nach Angaben des UNHCR seit über fünf Monaten dort festgehalten. Kahin Ismail, der UNHCR-Repräsentant auf Malta, hatte dies Anfang Januar als „illegal“ bezeichnet und die Regierung dringend aufgefordert, die Menschen nicht länger so unterzubringen. Unterdessen protestierten auch die Flüchtlinge im kürzlich wiedereröffneten Lager Safi. Dabei brach am Dienstag ein Feuer aus. 42 der Internierten wurden deshalb in den vergangenen Tagen einem Gericht in Valletta vorgeführt und angeklagt…” Aus dem Artikel “Flucht übers Mittelmeer: Ertrunken, erschossen, interniert” von Christian Jakob vom 12.1.2020 bei der taz online externer Link
Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=153881
nach oben