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Neue Karawanen: Aus Honduras, El Salvador und Guatemala machen sich erneut Tausende auf die Flucht Richtung Norden – aus alten Gründen und trotz aller Drohungen

„Migrationskarawane“ von Honduras durch Guatemala nach Mexico und in die USA300 Menschen, vor allem Frauen und Kinder, wollten in Kleinbussen an die guatemaltekische Grenze fahren, die anderen seien zu Fuß unterwegs. Wie bereits mehrere Trecks zuvor will die Gruppe über Guatemala und Mexiko an die US-Grenze ziehen. Die Migranten folgten einem anonymen Aufruf, der in den vergangenen zwei Monaten in den sozialen Medien kursierte. Am 15. Januar um 5 Uhr werde man losziehen, hieß es in dem Schreiben. Und: “Wir suchen Schutz. In Honduras bringt man uns um.” Die honduranischen Behörden hatten in den letzten Wochen versucht, die Ausreisewilligen von ihrem Vorhaben abzubringen.  Allerdings mit geringem Erfolg: Experten gehen davon aus, dass sich auch dieser Karawane Tausende Menschen anschließen werden, die vor Gewalt und Armut aus ihrer Heimat flüchten wollen. In der Nacht zum Dienstag kamen noch weitere Honduraner zum Treffpunkt am Busbahnhof. (…)In den vergangenen drei Monaten zogen mehr als 10.000 Menschen aus Honduras, El Salvador und Guatemala in vier Karawanen aus Mittelamerika an die US-Grenze. Viele warten dort bis heute darauf, in die Vereinigten Staaten einreisen zu können, andere arbeiten in Mexiko oder sind in ihre Heimat zurückgekehrt….“ – aus dem Beitrag „Neue Migrantenkarawane in Honduras aufgebrochen“ am 15. Januar 2019 in den Welt-Sichten externer Link über eine der zahlreichen Quellen der nächsten Karawane, die trotz allem losgezogen ist… Siehe in der kleinen Materialsammlung zwei weitere Beiträge zu den neuen Karawanen sowie drei aktuelle Beiträge zum weiteren Verlauf der Karawanen aus dem Herbst 2018 und einen Hintergrundbeitrag dazu, sowie zwei Beiträge zu den Fluchtursachen:

„Comienza a caminar la #CaravanaDeMigrantes desde San Pedro Sula“ am 15. Januar 2019 im Twitter-Kanal der Red Jesuita con Migrantes externer Link ist ein kurzer Videobericht vom Aufbruch der neuen Karawane im Norden von Honduras – in dessen weiteren Thread-Verlauf auch zahlreiche mexikanische Hassprediger ihr Gift verspritzen. Dessen ungeachtet hat sich die Form organisierter Karawanen offensichtlich durchgesetzt, gegen die traditionellen individuellen Fluchtversuche.

„’Migration isn’t going to stop’: Salvadorans join new caravans“ von Heather Gies am 16. Januar 2019 bei Al Jazeera externer Link ist ein Bericht über den Aufbruch einer neuen Karawane aus El Salvador, deren von der Autorin befragten Teilnehmer vor allem auf die alltägliche Lebensgefahr durch die Mara-Banden hinweisen, die sie keine andere Repression unterwegs fürchten lassen.

„Migrantenkarawane: Abschiebungen aus den USA, Jobs in Mexiko“ von Christina Bell am 09. Januar 2019 bei amerika21.de externer Link hebt unter anderem zur Entwicklung der ersten Karawane hervor: „Der erste Abschiebungsflug des Jahres hat mit 99 Honduranern an Bord am 2. Januar den Flughafen von San Pedro Sula erreicht. Dort wurden die Deportierten im Zentrum für Rückkehrer betreut. In den USA zieht Präsident Donald Trump somit weiterhin eine harte Linie gegenüber den Migranten durch: Bis November des vergangenen Jahres verzeichneten die Behörden die Abschiebung von über 74.000 Menschen aus den USA nach Honduras, das entspricht einer Steigerung von 38,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Jahr 2019 wird diese Praxis offensichtlich fortgesetzt. Unterdessen verkündete der Botschafter von Honduras in Mexiko, Alden Rivera, dass sich noch über 3.000 honduranische Staatsbürger in den Unterkünften in der nordmexikanischen Stadt Tijuana aufhalten. 2.000 weitere Teilnehmer der berühmt gewordenen Migranten-Karawane haben laut Medienberichten eine fest zugesagte Arbeitsstelle in Mexiko. Sie hatten sich über eine von der neuen Regierung unter Präsident Andrés Manuel López Obrador geschaffenen Jobvermittlungsbörse im Norden des Landes beworben und waren erfolgreich. Derzeit warten sie nur noch auf die nötigen Papiere. Ihre Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis wird ein Jahr gelten, mit Möglichkeit auf Verlängerung…

„’A death sentence’: migrant caravan member killed in Honduras after US sent him back „ von Jeff Ernst am 13. Januar 2019 im Guardian externer Link berichtet über die Ermordung eines von den USA ausgewiesenen Karawanen-Mitglieds. Deportiert in den Bezirk in Honduras Hauptstadt Tegucigalpa, aus dem er geflohen war, aus Furcht vor der Gewalt der Banden. Die da in den USA „ihre Pflicht taten“ haben wahrscheinlich so wenig ein schlechtes Gewissen, wie ihre Kolleginnen und Kollegen in Europa bei ihren Untaten…

„Migration: Zwei Kinder aus Guatemala in US-Obhut gestorben“ von Christian Kliver am 27. Dezember 2019 bei amerika21.de externer Link fasste die Berichte über die toten Kinder an der US-Grenze so zusammen: „Die US-Grenzschutzbehörde (U.S. Bureau of Customs and Border Protection, CBP) hat medizinische Vorsorgeuntersuchungen aller Kinder unter seiner Obhut angeordnet, nachdem ein achtjähriger Junge aus Guatemala gestorben ist. Sein Tod ist der zweite Fall, in dem ein Migrantenkind diesen Monat in Haft starb. Die Todesfälle minderjähriger Migranten heizen zugleich den Disput um die Grenzsicherung zwischen den USA und zentralamerikanischen Staaten an…“

„Die Karawane der Migranten in der Falle des Kapitalismus“ von der GIS dokumentiert am 08. Januar 2019 bei scharf links externer Link skizziert die Realität in dem Zielland USA: Der Anstieg des Militarismus und der Rassismus gegen Migranten sind zwei eng miteinander verflochtene Aspekte der kapitalistischen Krise. Eine der größten Antriebskräfte für Rassismus und Xenophobie in den USA ist der Krieg – und die USA befinden sich ständig im Krieg. Zum Schutz der Festung Europa werden mittlerweile ganze Marineflotten eingesetzt, um Menschen, die vor den von den imperialistischen Mächten angeheizten Kriegen und Massakern in Afghanistan, Irak, Somalia, Südsudan und Jemen fliehen, abzuhalten. Selbst wenn den Migranten aus Zentralamerika die Einreise gestattet werden würde, würden sie in den USA in erster Linie mit niedrigen Löhnen und hohen Mieten konfrontiert sein. Die größten Bevölkerungszentren in Kalifornien sind mittlerweile von Zeltstädten umgeben, die seit fünf oder mehr Jahren, also seit der großen Rezession existieren. Was sich gegenwärtig an der Grenze zwischen Mexiko und den USA abspielt, spiegelt sich überall auf der Welt wider. Wenn die Bourgeoisie kaum noch Gebrauch an der Ausbeutung ihrer eigenen Arbeiter hat und sich Erwerbsbeteiligung auf einen historischen Tiefstand befindet, will sie nicht noch mehr Arbeitskräfte ins Land lassen. Das brutale Vorgehen gegen die Arbeitsmigranten wird vom gesamten bürgerlichen politischen Spektrum getragen. Die herrschenden Parteien sind sich einig, dass sie ihre „Reservearmee“ an Arbeitern derzeit nicht vergrößern möchte. Der Einsatz der militärischen Repressionsorgane des Staates sagt viel über die derzeitige Verunsicherung der kapitalistischen Machthaber und die Krise aus, die die Arbeitsmigration hervorgebracht hat…“

„Climate Change Forces Central American Farmers to Migrate“ von Edgardo Ayala am 14. Januar 2019 bei IPS externer Link ist ein Beitrag über den „Fluchtfaktor“ Klimawandel in den verschiedenen zentralamerikanischen Ländern. Die in den letzten Jahren entstandene Trockenzone in El Salvador, Honduras und Guatemala zwingt immer mehr Menschen, ihre Kleinbauern-Landwirtschaft aufzugeben – und dann flüchten sie eben dahin, wo sie sich ein Auskommen erhoffen, wie es Menschen seit Jahrtausenden tun.

„Guatemalan farms shift to palm oil, fueling family migration“ von Sofia Menchu am 06. Januar 2019 bei Reuters externer Link ist ein Bericht über die Auswirkungen des Palmöl-Booms auf die Kleinbauern in Guatemala – das binnen weniger Jahre zu einem Großexporteur geworden ist, betrieben von im Lande neuen agrarkapitalistischen Unternehmen, die Land aufkaufen (und ihre Überredungsmethoden sind nicht immer „sauber“).

„Interview: The Backstory to the Migrant Caravan Is Repression of Democracy and Labor in Honduras“ von Judy Ancel und Dana Frank am 10. Januar 2019 in den Labornotes externer Link ist ein Gespräch über die „Fluchtursache politische Unterdrückung“ in Honduras. Die sich vor allem gegen Gewerkschaften und soziale Bewegungen richtet – und dies insbesondere seit dem von der damaligen US-Außenministerin Clinton 2009 organisierten „legalen Putsch“ gegen den damaligen Präsidenten Zelaya.

Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=142900
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