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Was in Bangladesch Friedhof der Schiffe genannt wird – ist ein Friedhof für Werftarbeiter

Abwrackwerft - Friedhof für Arbeiter. Werftarbeiter in Pakistan protestieren nach Gasexplosion in Großbrand auf altem Öltanker (November 2016, IndustriALL)Die Abwrack-Werften in Bangladesch (wie auch jene in Pakistan und Indien) sind eine Todeszone für die Menschen, die da arbeiten (müssen). Immer wieder neue Meldungen über sogenannte Unfälle – die es, wenn überhaupt, nur dann in die Kommerz-Medien schaffen, wenn es Todesopfer gibt, solange sie „nur“ verletzt sind, ist das keine Meldung wert – und es wäre auch schwer, dabei mit diesen Vorkommnissen Schritt zu halten. In der Gefährlichkeit höchstens noch überboten von den Textil-Unternehmen des Landes sind in dieser einst eher zufällig entstandenen Branche sowohl die Untätigkeit von Seiten der Regierung und den Behörden dieselbe wie in der Textilbranche, als auch die Einspar-Bestrebungen der Unternehmen mit tödlichen Folgen verbunden. Weder die Einhaltung des Bangladesh Ship Recycling Act von 2018 wird kontrolliert, noch hat die Regierung bisher die gewerkschaftliche Forderung nach Unterzeichnung der Hong Kong International Convention for the Safe and Environmentally Sound Recycling of Ships erfüllt. Zur Situation auf den Abwrack-Werften drei aktuelle Beiträge – und ein Beitrag, der die Entwicklung dieser Branche skizziert:

  • „Safety crisis in Bangladesh shipbreaking yards continues“ am 29. Mai 2019 bei IndustriAll externer Link war ein Beitrag, der einerseits eine (schreckliche) Zwischenbilanz der Tötungen und Verstümmelungen zu Beginn des Jahres zog, andererseits aber auch über die Proteste gegen diese Verhältnisse informierte, deren Höhepunkt bis dahin eine große Demonstration in Chittagong war, die von den Gewerkschaften BMF und BMCGWF zusammen mit Aktiven des Ship Breaking Workers’ Trade Union Forum (SBWTUF) organisiert worden war.
  • „Schrott am Strand“ von Christian Faeseke am 02. Mai 2019 in der jungle world externer Link war ein Beitrag über den heutigen Alltag auf diesen Werften und die Geschichte dieser Branche: „… Bis dahin wurden Schiffe umständlich und teuer in den Häfen der Industrieländer recycelt. Das Abwracken in Bangladesh war lukrativer. Umwelt- und Arbeitsschutzbestimmungen gab es nicht, dafür aber zahlreiche billige Arbeiter. Auch die einzigen natürlichen Voraussetzungen, ein hoher Gezeitenhub und weicher Grund, waren gegeben. Größere Investitionen waren für den Einstieg in die Schiffsverwertung nicht nötig. In den achtziger Jahren entstanden auch in Indien bei Alang und in Pakistan bei Gadani ähnliche Strand­abschnitte zur Schiffsabwrackung. Von der Schnellstraße aus sind in Richtung Strand überall Schiffsbrücken zu erkennen, die hier locker die Baumwipfel überragen – Schiffe, die zum Abwracken bei Springflut auf den Strand gesetzt wurden. Links und rechts der Straße reihen sich Hütten als Verkaufsflächen für verschiedene Schiffsbauteile aneinander: von ganzen Maschinenblöcken, Navigationsinst­rumenten und Schiffslampen über zurückgelassene Hantelbänke und Gitarren der ehemaligen Besatzungen bis zu Rettungsringen und Feuerlöschern ist hier alles zu finden. Teilweise sind darauf sogar noch die ausgebleichten Schiffsnamen zu entziffern. An Pfählen baumeln Rettungsanzüge zum Verkauf. Ein fast ausgetrockneter Flussarm neben der Schnellstraße ist mit orangefarbenen Rettungsbooten bedeckt. (…) Hat ein Schiff das Ende seiner Lebenszeit erreicht, wird es häufig an Schrotthandelsfirmen weiterverkauft. Damit entledigen sich die einstigen Besitzer jeglicher Verantwortung für den wei­teren Verbleib des Schiffes oder für dessen Entsorgung. Nach Analysen der NGO Shipbreaking fuhren 2018 mehr als 60 Prozent aller Schiffe, die zum Verschrotten an den Küsten Südasiens landeten, unter sogenannten flags of convenience (FOC), Billig- oder Gefälligkeitsflaggen, die oft von Inselstaaten wie den Komoren, Niue, Palau oder St. Kitts und Nevis vergeben werden. Diese Flaggen sind bei Schrotthändlern besonders beliebt, weil sie wenigen bis gar keinen Bedingungen des Internationalen Seerechts unterliegen. Die Flaggen dieser Staaten werden üblicherweise nicht während des regulären Einsatzes der Schiffe benutzt und ihre Anbieter unterbieten sich gegenseitig bei »Letzte-Fahrt-Rabatten«. Oft wird ein Schiff wenige Wochen vor der letzten Reise noch einmal ausgeflaggt und umgemeldet. In den drei südasiatischen Abwrackgebieten in Indien, Bangladesch und Pakistan wurden 2018 zusammen 90,4 Prozent der weltweiten Abwracktonnage verschrottet…
Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=154044
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