Reeder geben Kurs vor – Mehrheit der Schiffseigner hält ökologische Umrüstung ihrer Flotte für problematisch und will nicht in alternative Antriebe investieren

Kampagne für menschenwürdige Arbeitsbedingungen und mehr Umweltschutz im Seeverkehr: FAIR ÜBERS MEER!“Alle Jahre wieder befragen die Wirtschaftsprüfer von Pricewaterhouse Coopers (PWC) rund 100 Unternehmen der maritimen Wirtschaft, bevorzugt Reeder und Schiffseigner, zur Lage ihrer Branche; im Mittelpunkt der aktuellen »Reederstudie«: Fragen des Klimawandels. PWC erinnert hierbei ausdrücklich an die »Fridays for future«-Kundgebungen: »In einem gesellschaftlichen Klima, in dem Jugendbewegungen politische Entscheidungen ebenso wie gesellschaftliche Konventionen mit Vehemenz hinterfragen und wirksame Soforthandlungen zum Klimaschutz anstelle indifferenten Verzögerungsgeredes fordern, müssen sich auch die deutschen Reeder vehementer der Frage stellen, wie sie ihre Schiffe umweltgerechter managen und Schadstoffemissionen reduzieren können.« Eine durchaus provokante Formulierung, schließlich weiß sich die maritime Branche seit Jahrzehnten gegen schnelle Änderungen zu wehren: Beschlüsse der UN-Schiffahrtsorganisation IMO enthalten immer jahre- oder jahrzehntelange Übergangsfristen und hohe Ratifizierungsschranken; und kurz vor Inkrafttreten einer Neuregelung beginnt oft (auch von seiten deutscher Reeder) ein Gezeter, man müsse entweder über Aufschub oder staatliche Hilfen oder beides reden. Die Antworten der aktuellen PWC-Studie bilden da keine Ausnahme. (…) Zusammengenommen 76 Prozent halten die Investitionskosten für alternative Antriebe für problematisch, 75 Prozent die strengeren gesetzlichen Vorgaben für verwendete Treibstoffe, 76 Prozent die Regelungen für ein ökologisches Ballastwassermanagement zur Vermeidung des unbeabsichtigten globalen Austauschs fremder Tier- und Pflanzenarten. Führt man sich vor Augen, dass 59 Prozent allgemein die Entwicklung der staatlichen Förderung für die deutschen Reedereien für problematisch halten, wird schnell klar, worauf die Reeder warten. (…) Auch in anderen Fragen möchten sie gerne alle Risiken auf andere Schultern abladen: 51 Prozent bezeichnen die Rekrutierung von deutschem Seepersonal als problematisch – wer aber flaggt denn seit Jahrzehnten seine Schiffe aus und heuert Besatzungen aus Billiglohnländern an, vernachlässigt dabei aber die hiesige Nachwuchsausbildung?…” Beitrag von Burkhard Ilschner bei der jungen Welt vom 12. August 2019 externer Link

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