isw-report 103: Wege aus dem Kapitalismus. Die Alternativen entfalten sich nur in sozialen Kämpfen vom November 2015 Aktuelle Diskussionen und öffentliche Darstellungen legen nahe, dass sich durch die Industrie 4.0 und den damit verbundenen technischen Fortschritt automatisch viele Verbesserungen und neue Chancen für die Gestaltung der Arbeit 4.0 ergeben. Ähnlich einem trickle-down-Effekt“ sollen sich durch die Digitalisierung der Arbeitswelt prekäre Arbeitsformen und schädliche Arbeitsbedingungen zunehmend auflösen; und am Ende werde alles gut. Meines Erachtens wird auch diese These wie viele andere Thesen und Theorien1 einer Überprüfung nicht stand halten: die Gesetze eines kapitalistischen Wirtschaftssystems bleiben in Kraft – auch wenn die Arbeit in digitalisierten Produktionsketten kombiniert mit neuen Computertechniken verrichtet wird. Amazon und Zalando, als Vorreiter der Industrie 4.0-Entwicklung im Handel zeigen genau jenen anderen möglichen Entwicklungsweg der Arbeit 4.0 auf: Transnationale, marktbestimmende Konzerne nutzen die Digitalisierung, um entlang der Wertschöpfungskette die Spirale im Dumpingwettbewerb weiter nach unten zu treiben. Zudem zeigen sich immer häufiger äußerst negative Folgen zunehmender Flexibilisierung, bei der die Beschäftigten zu hundert Prozent die Flexibilisierungsrisiken tragen…” Artikel von Hubert Thiermeyer  aus dem gerade erschienenen isw-report 103: Wege aus dem Kapitalismus. Die Alternativen entfalten sich nur in sozialen Kämpfen vom November 2015 – wir danken der Redaktion! Siehe zu beiden:

  • In diesem Jahr feiert das isw sein 25. Jubiläum. Dieser report 103 soll als Jubiläumsreport verstanden werden, in dem eine Vielzahl internationaler Wissenschaftler sich der Frage widmen, wie und wo es aus dem Kapitalismus herausgeht. Wir empfehlen den gesamten isw-report 103: Wege aus dem Kapitalismus. Die Alternativen entfalten sich nur in sozialen Kämpfen (56 Seiten, 4,50 Euro zzgl. Versand, Bestellung und Fragen unter: isw_muenchen@t-online.de ) – siehe Inhaltsverzeichnis etc. beim isw externer Link
  • Im Artikel von Hubert Thiermeyer u.E. wesentlich: “… Selbstkritisch müssen wir Linke in Gewerkschaften auch eingestehen eingestehen, dass in einigen Gewerkschaften Wettbewerbskooperatismus und das Akzeptieren des Primats des Standortvorteils Praxis ist. Auch deshalb ist die Weiterentwicklung unserer gewerkschaftlichen Arbeit nur von der Basis, vom Betrieb aus zu denken und zu leben. Durch unsere praktische Arbeit im Betrieb, die sich im Rahmen von neuen und bewährten alten Ansätzen mit den Folgen dieser Entwicklung auseinandersetzt. Diese Arbeit schafft Erfahrungen, die die Beteiligten vor Wettbewerbskooperatismus schützen und es uns ermöglichen, gemeinsam mit den Betroffenen Antworten für die Zukunft zu entwickeln. Für eine solche “alternative” Gewerkschaftsarbeit im Betrieb stellen sich aus meiner Sicht folgende Ansätze als zentral dar. Beteiligung der Betroffenen an der Lösung ihrer Konflikte ist unerlässlich. (…) Konflikte sind Konflikte und müssen konfliktorisch gelöst werden. (…) Diese mit den Mitteln der Sozialpartnerschaft und Stellvertreterpolitik nachhaltig zu gestalten wird zu einer kurzfristigen Moderation der Kapitalstrategien führen, aber die damit verbundenen Probleme nicht im Sinne der Betroffenen lösen. Im Gegenteil: die Konflikte werden vielfach zur Befriedung der Stammbelegschaften zu den Randbelegschaften und zu den Beschäftigten der Zulieferländer und zu den periphären Regionen verlagert. (…) Vertariflichen wir die Betriebspolitik Die Verbetrieblichung der Tarifpolitik machte die Tarifpolitik und deren Gestaltungsmöglichkeiten zu Instrumenten des Wettbewerbskooperatismus und damit zum Bündnispartner im Verdrängungswettbewerb der Konzerne. Die Antwort muss aber die Vertariflichung der Betriebspolitik sein, um den betrieblichen Auswirkungen der Kapitalstrategien nicht mit den beschränkten Möglichkeiten der Betriebsverfassung und deren sozialpartnerschaftlichen Ansätzen begegnen zu müssen – sondern die Mobilisierung der Betroffenen, die Entscheidungshoheit bei den organisierten Belegschaften und den Abschluss auf betrieblicher wie auch überbetrieblicher Ebene durch Tarifverträge zu ermöglichen. (…) Bündnisarbeit mit sozialen Bewegungen wird für die gesellschaftliche Lösung noch zentralere Bedeutung gewinnen. (…) Transnationale Konzerne kann man nur mit internationalen Strategien und regionalen Kämpfen erfolgreich begegnen. (…) Gewerkschaftliche Strukturen müssen sich an ihrer Schlagkraft und Aktionsfähigkeit messen lassen. (…) Fortschrittliche (arbeits-)wissenschaftliche Netzwerke mit der gewerkschaftlichen Arbeit im Betrieb vernetzen. (…) Die nachhaltige Organisierung und Mobilisierung von allen Betroffenen hat erste Priorität. (…) Politisierung der gewerkschaftlichen Betriebsarbeit (…) Zentrale gesellschaftliche Kampagnen initiieren. (…) Gewerkschaften müssen noch mehr zu lernenden Organisationen werden…”