Schwarzfahr-Kampahgne Plakat 2017Der Kollege Weselsky von der GDL meint zum „Vorstoß des nordrhein-westfälischen Justizministers Peter Biesenbach, Schwarzfahren nicht mehr strafrechtlich zu verfolgen“ erklären zu müssen:  Schwarzfahren sei kein Bagatelldelikt (Pressemitteilung vom 01.12.2017 externer Link).

Wäre die Erklärung nicht so ausführlich peinlich, könnte man es dabei belassen – Schwarzfahren ist kein Bagatelldelikt. Einverstanden. Sondern: Gar kein Delikt. Eigentlich. Gäbe es den einst so viel geforderten „Nulltarif im Nahverkehr“, denn auf langen Strecken ist Schwarzfahren wesentlich seltener.

Zum einstweilen gescheiterten anderen Vorstoß der NRW-Regierung, das (viel zu teure) Sozialticket abzuschaffen, äußerte Weselsky: Gar nichts. Aber nicht nur die Tatsachen, wozu man sich zu äußern gedrängt fühlt – und wozu nicht, machen diese Erklärung zur Peinlichkeit.

Als regelrechte Jobmaschine für Zugbegleiter sieht der gestandene Gewerkschafter die Kontrollen. Und wie so unglaublich oft, wenn bundesdeutsche Gewerkschafter wieder einmal denken, zeigen zu müssen, sie seien die besseren Unternehmer – was leider meist daran scheitert, dass sie dazu neigen, die kleine Sache mit dem Maximalprofit zu vergessen – wird es gerade da besonders. Peinlich nämlich.

So sehr, dass noch nicht einmal dies der Höhepunkt ist, Unternehmensleitung aufgewacht: „In Problemzügen müssen zusätzliche Zugbegleiter oder Sicherheitskräfte mitfahren. Weselsky: „Damit schlägt man gleich sechs Fliegen auf einen Streich““. Nein, der Höhepunkt ist ein Anderer, ist der Tiefpunkt:  „Das Schwarzfahren kostet die Unternehmen nämlich Millionen, für die dann die Fahrgäste zur Kasse gebeten werden“. Da wird bedenkenlos in die unterste Schublade unternehmerischer Agitation gegriffen, wenn über all die allseits bekannten Gründe für die Teuerung bei Bussen, Bahnen, Zügen hinweg gegangen wird. Wie beispielsweise über die Preisdiktate der Unternehmen. So viel können alle zusammen gar nicht schwarz fahren.

Der ganze Geist dieser Erklärung dann im Ausklang zusammengeballt: „Die Zugbegleiter benötigen dringend Unterstützung bei der Durchsetzung des Hausrechts in den Zügen“. Ein SEK? Oder was? Ein Panzer? Kontrollen, wie an Flughäfen – die noch viel mehr schlechte Jobs schaffen würden? Und als neulich die Bahn noch ein öffentliches Unternehmen war, wäre im Prinzip ja auch noch die Frage im Raum gestanden, wer denn das Hausrecht, das da ausgeübt werden soll, eigentlich inne hat. Vergessen wir es, gemeinsam mit der GDL. Wer mit den Ängsten der Zugbegleiter argumentiert, sollte sich nicht auf Publikumsbeschimpfung beschränken, sonst wird eben zu deutlich, wo er Gegner und wo er Partner sieht. Die GDL Erklärung ist da eindeutig: „Zu viele Fahrgäste denken, dass sie in Zügen tun und lassen können, was sie wollen: sei es, weil sie betrunken sind oder unter anderen Drogen stehen, weil ihnen eine Laus über die Leber gelaufen ist oder weil sie ganz einfach falsch sozialisiert sind“. Was es alles geben mag. Ohne, dass man gleich seine eigene Sozialisierung als Unternehmenssprecher großartig demonstrieren muss. Über Drogenkonsum sollen dabei allerdings keine Mutmaßungen angestellt werden…

Kommentar der LabourNet-Redaktion vom 4.12.2017