DossierTarifkampf Einzelhandel

Alle Tarifverträge gekündigt, auch die Manteltarife, die die Arbeitsbedingungen regeln: 3 Millionen Beschäftigte im Einzelhandel sagen „Hände weg von unserem Mantel“ und fordern mehr Geld und mehr Respekt. Und auch im Groß- und Außenhandel streiten 1,2 Millionen Beschäftigte für höhere Löhne und mehr Anerkennung. Im Mai ist Karstadt ebenfalls aus der Tarifbindung ausgestiegen und bei Amazon fordern die Beschäftigten einen Tarifvertrag. Siehe unser umfangreiches Dossier

Siehe dazu im LabourNet Germany:

ver.di hat ebenfalls Sonderseiten eingerichtet:

Aktuelle Meldungen zur Tarifrunde Handel 2013:

  • Helferlein für die Gewerkschaft? Eine kritische Bilanz der linken Streikunterstützung beim Tarifkonflikt im Einzelhandel
    „Wie können AktivistInnen der außerparlamentarischen Linken einen Streik unterstützen? Diese Frage streifte Jan Ole Arps in der Novemberausgabe dieser Zeitung in einem Artikel zum Streik im Einzelhandel. Darin schilderte er unter anderem eine »Blitz«-Aktion, bei der linke UnterstützerInnen bei der Mitgliedergewinnung für ver.di halfen, und stellte die Frage, welche Rolle das Aktivistenmilieu in Tarifkämpfen spielen kann, »in denen die Gewerkschaft den Fahrplan bestimmt« (ak 588). In diesem Beitrag soll eine kritische Bilanz der Solidaritätsaktionen mit dem Kampf im Einzelhandel gezogen werden…“ Artikel von Peter Nowak, zuerst erschienen in ak 591 vom 18.02.2014, auf der Seite des Autors externer Link
  • Das hätten wir nicht für möglich gehalten! Neue Erfahrungen im Arbeitskampf und Herausforderungen für die Zukunft
    Die folgende Bilanz beruht sowohl auf den Erfahrungen der Streikbewegung in Berlin als auch dem bundesweiten Austausch mit anderen Streikaktivist/innen und Streikunterstützer/innen. Verwiesen sei zudem auf das 2013 erschienene Theorie-Journal »Marxismus & Gewerkschaften«.1 Dieses setzt sich aus einer klassenkämpferischen Perspektive mit den Fragen auseinander, warum eine gewerkschaftliche Erneuerung nötig ist, welche Probleme und zugleich vorwärtsweisende Erfahrungen es gibt. Viele der Beiträge dort machen es einfacher, den vergangenen Konflikt zu verstehen…” Eine Bilanz der Streikbewegung im Einzelhandel bei marx21 vom Januar 2014 externer Link
  • Keine Tarifeinigung in Niedersachsen und Bremen
    „Anders als in allen anderen Tarifgebieten der Bundesrepublik verweigern die niedersächsischen und Bremer Arbeitgeber im Einzelhandel den 300.000 Beschäftigten existenzsichernde Löhne. Nach Auffassung der Arbeitgeber sei ein tarifliches Mindestgehalt von 8,50 Euro zu hoch. Bei der gestrigen Verhandlungsrunde forderten sie weitreichende Ausnahmeregelungen im Tarifvertrag. ver.di-Verhandlungsführer Rüdiger Wolff kritisierte die unsoziale Blockadehaltung der Arbeitgeberverbände in Niedersachsen und Bremen. Die Arbeitgeber seien für das Scheitern der Tarifgespräche verantwortlich…Meldung bei ver.di vom 23.01.2014 externer Link
  • „Die blanke Gier regiert unter den Arbeitgebern“
    Am Dienstag 14. Januar stimmte die ver.di Tarifkommission in Berlin und Brandenburg dem Tarifvertrag im Einzelhandel zu. Nach dem ein erstes Verhandlungsangebot abgelehnt wurde, kämpften die Beschäftigten einen Monat länger als im Pilotbezirk Baden-Württemberg. Worum ging es dabei? Interview mit Jan Richter, Vorsitzender ver.di Betriebsgruppe H&M Berlin/Brandenburg, auf Sozialismus-Info vom 17.01.2014 externer Link
  • Osten bleibt abgehängt
    Tarifeinigung im Berlin-Brandenburger Einzelhandel: Keine konkrete Verbesserung bei der Angleichung der Gehälter. Kritik von Streikaktivisten. Artikel von Daniel Behruzi in der jungen Welt vom 17.01.2014.externer Link Aus dem Text: „(…) Als »Skandal« empfindet Richter, daß im manchen Betrieben – insbesondere die großen Warenhäusern – wegen der ablehnenden Haltung von Betriebsräten nicht zum Streik aufgerufen wurde. »Es kann doch nicht sein, daß einige Betriebsratsspitzen zusammen mit ver.di hinter verschlossenen Türen den Beschäftigten das Recht nehmen, selbst zu entscheiden, ob sie streiken wollen oder nicht«, kritisierte er. Diese Belegschaften sollten sich bei der anstehenden Betriebsratswahl gut überlegen, wo sie ihr Kreuz machen. Die Blockade durch Betriebsratsfürsten war in der Tat bundesweit ein Problem, das für innergewerkschaftliche Diskussionen sorgen dürfte. Hinzu kommt, daß die Intensität des Arbeitskampfs regional sehr unterschiedlich war: Fast die Hälfte der Streiktage wurde in Baden-Württemberg gezählt. Trotz dieser Schwierigkeiten geht ver.di aus dem Konflikt gestärkt hervor. Am deutlichsten wird das an den Mitgliederzahlen: Nach jW-Informationen hat der ver.di-Fachbereich 2013 insgesamt 32071 Neumitglieder gewonnen. Netto verbuchte die Organisation im Handel erstmals in der Geschichte der Dienstleistungsgewerkschaft ein Plus von drei Prozent.“
  • Tarifabschluss im Einzelhandel Berlin-Brandenburg
    „Mit dem Tarifergebnis des Einzelhandels vom 7. Januar ist es ver.di Berlin-Brandenburg gelungen, wichtige Forderungen umzusetzen. Ursprünglich wollten die Arbeitgeber mit der Kündigung der Manteltarifverträge die Arbeitsbedingungen grundlegend verschlechtern. So sollten weitgehende Arbeitszeitflexibilisierungen ermöglicht und die Kassiertätigkeiten abgewertet werden. Jetzt wird der Manteltarifvertrag rückwirkend wieder in Kraft gesetzt, und zwar unverändert. Das Entgelt wird – ebenfalls rückwirkend zum 1. Oktober 2013 – um 3 Prozent und ab 1. Juli 2014 um weitere 2,1 Prozent erhöht. Die Ausbildungsvergütungen werden, auch gegenüber dem Tarifergebnis anderer Regionen, überproportional in zwei Schritten um insgesamt 7,6 Prozent angehoben. Der Vertrag läuft 24 Monate. Die nur in Berlin und Brandenburg gestellte Forderung nach einer Angleichung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld für Ostberlin und Brandenburg konnte zwar noch nicht in konkreten Angleichungsschritten geregelt werden, aber die Arbeitgeber haben tariflich zugestanden, dass die Angleichung der Sonderzahlungen im Osten an das Westniveau geregelt werden soll…“ Mitteilung von ver.di vom 09.01.2014 externer Link
  • Streik für den Osten
    Arbeitskampf im Berlin-Brandenburger Einzelhandel geht im neuen Jahr weiter. Ver.di fordert ­Ost-West-Angleichung. Auch Tarifkonflikt in Niedersachsen noch nicht beigelegt. Artikel von Daniel Behruzi in der jungen Welt vom 02.01.2014 externer Link Aus dem Text: „(…)  Doch mit ihrer Forderung, wenigstens die Unterschiede beim Weihnachts- und Urlaubsgeld zu beseitigen, beißt die Gewerkschaft bei den Unternehmern bisher auf Granit. Diese haben zwar angeboten, den in Baden-Württemberg erzielten Pilotabschluß zu übernehmen – aber ohne eine Verbesserung der Ostentgelte. Zugeständnisse in diesem Punkt müßten an anderer Stelle »kompensiert« werden, so der HBB. Der Verband verlangt unter anderem eine stärkere Flexibilisierung der Arbeitszeiten. Konkret sollen Regelungen abgeschafft werden, mit denen die Betriebsräte eine langfristige Arbeits- und Freizeitplanung durchsetzen können. »Das ist für uns nicht verhandelbar«, betonte Ritter. Gleiches gelte für die HBB-Forderung nach einer weiteren Entgeltkürzung für Regalauffüller. Der baden-württembergische Tarifvertrag sieht für Beschäftigte, die ausschließlich mit dem Verräumen von Waren beschäftigt sind, eine neue Lohngruppe vor, die zunächst bei 9,54 Euro pro Stunde liegen soll. In Berlin und Brandenburg fordern die Konzerne nun, diese Summe auf deutlich unter neun Euro abzusenken…“  Siehe dazu:

    •  Keine Rechtfertigung: Ost-Verkäuferinnen weiter diskriminiert
      „Es ist im Grunde unfaßbar. Fast ein Vierteljahrhundert ist seit der Übernahme der DDR durch den BRD-Kapitalismus vergangen. Und immer noch kämpfen die Gewerkschaften – wie aktuell im Berlin-Brandenburger Einzelhandel – um gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Verkäuferinnen in Friedrichshain verdienen weiterhin substantiell weniger als ihre Kolleginnen in Kreuzberg – und sie müssen pro Woche eine Stunde länger arbeiten. Das blieb von all den Versprechungen, mit denen die Menschen in Ostdeutschland seinerzeit geködert wurden. Sie mußten lernen: Die Kapitalisten geben nichts freiwillig, alles muß ihnen in harten Kämpfen abgerungen werden…Kommentar von Daniel Behruzi in der jungen Welt vom 03.01.2014 externer Link
  • 20.12.2013 – Solidaritätsaktion von Blockupy Berlin mit dem Streik im Einzelhandel
    Das Video auf labournet.tv (deutsch | 8 min | 2013) externer Link

    • Kunden gegen Billiglohn: Berliner Blockupy-Bündnis solidarisiert sich mit Streikenden im Einzelhandel
      „Rund 70 Personen versuchten heute Nachmittag eine H&M-Filiale in der Friedrichstraße zu blockieren. Die Polizei versucht immer wieder den Eingang freizuhalten und drängt die Aktivisten zur Seite…“ Artikel von Peter Nowak im Neues Deutschland vom 21.12.2013 externer Link betriebsstoerung
    • Betriebsstörung! – Arbeitskämpfe unterstützen!
      „Am Freitag den 20.12. werden wir gemeinsam mit vielen Menschen in den kapitalistischen Normalbetrieb eingreifen und ausbeuterische Arbeitsbedingungen im Textil-Einzelhandel vor Ort und in der Textilproduktion weltweit angreifen. Dazu werden wir an die Blockupy-Aktion auf der Frankfurter Zeil im Mai diesen Jahres anknüpfen, indem wir unseren kreativen Widerstand in eine zentrale Berliner Einkaufsmeile tragen und dort mit einer Blockadeaktion den Geschäftsbetrieb stören. (…)  Wir wollen Solidarität mit den Arbeiter_innen an den Produktionsstandorten demonstrieren und gleichzeitig auf die Widerstände und Kämpfe der Beschäftigten bei uns aufmerksam machen und ihre Forderungen unterstützen. 20.12.2013 | 15.30 Uhr | Dorotheenstr. 24 | am Hegelbau der HU auf der Wiese.Meldung auf der Seite von Blockupy Plattform Berlin externer Link
  • Doch Stress statt Streik vor Weihnachten – Tarifvertrag Einzelhandel in Baden-Württemberg: Durchbruch oder gar Pilotabschluss?
    Einer der längsten Streiks für einen Flächentarifvertrag geht seit dem 5. Dezember mit dem Abschluss in Baden-Württemberg, dem kampfstärksten Landesbezirk im Einzelhandel, seinem Ende entgegen. Manche mögen es bedauern, doch die Einzelhändler dürfte es freuen, dass das Weihnachtsgeschäft nun streikfrei seine irrwitzigen Schleifen ziehen kann. Inzwischen wurden in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen materiell vergleichbare Abschlüsse vereinbart. Die Verhandlungen in Berlin/Brandenburg und in Niedersachsen, einer Hochburg der tarif­reaktionären Einzelhändler, laufen zwar noch, doch sieht alles danach aus, als würde der Baden-Württemberger Abschluss bundesweit als »Pilot« fungieren. Inwiefern er sich dazu eignet, untersucht Anton Kobel im folgenden Beitrag. Artikel von Anton Kobel, erschienen in express, Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit 12/2013
  • Streik in Einzelhandel – Kaufland Oranienburg
    Video bei labournet.tv (deutsch | 11 min) vom 12.12.2013 externer Link . Aus der Info zum Film: “Die Kolleg_innen sind nicht so überzeugt von dem Pilotabschluß in Baden-Württemberg wie die linke Presse oder die Ver.di Sekretär_innen. Ein Mitglied des Bertriebsrates vom Kaufland Oranienburg sieht den Abschluß eher als troianische Pferd: “Es wurde ein zweiter Tarifvertrag für die Warenverräumung eingeführt. Das ist nicht gut, weil man dann die Gefahr hat, dass Mitarbeiter die neu ins Unternehmen kommen über diesen Tarifvertrag eingegliedert werden. Wir befürchten dass gerade in Häusern, die keinen Betriebsrat haben, die Mitarbeiter umgruppiert werden. Das geht ganz schnell, man holt die Leute ins Büro, sagt, ‘Mach mal die Tür zu, wir müssen dir was sagen, die Zahlen stehen schlecht, du machst ja mehr oder weniger Warenverräumung (…), bitte unterschreib hier, wir müssen dich umgruppieren.’ – Das wird so passieren.””
  • Berlin streikt weiter – Kaufland in Oranienburg blockiert
    „Bericht vom Streiktag am 12.12.2013, beim dem ein Kaufland-Markt in Oranienburg mit Hilfe vieler Streikaktivist*innen blockiert wurde. Die Basis fordert, den miesen und spaltenden Pilotabschluss von BaWü nicht zu übernehmen…“ Artikel auf Netzwerk-IT vom 13.12.2013 externer Link Aus dem Text: „(…) Erika Ritter, Fachbereichsleiterin des FB 12 Einzelhandel, erläuterte uns wie künftig die Verträge aussehen werden für die Mitarbeiter, die ab 2014 sich als Aufpackkraft im Einzelhandel bewerben werden. Es ist erschreckend wie man den Menschen zur Ware Mensch umfunktioniert und die moderne Sklaverei vorantreibt. Um das besser zu verstehen muss wohl jeder erst hinter die Kulissen sehen. Mit Service hat das nichts mehr zu tun. Die zukünftigen Verträge sind so gelagert, das der künftige Mitarbeiter als Aufpackkraft nur die Ware verräumt und sonst nichts anderes tun darf. Das heißt im Klartext, er darf dem Kunden keine Antwort geben, sofern er eine Frage hat. Er darf dem Kunden nicht sagen wo er die Ware findet die er sucht. Er darf keinem anderen Mitarbeiter helfen oder helfend zu Seite stehen. Er hat gefälligst nur die Aufgabe auszuführen, die ihm angewiesen wurde. Tut er es nicht, dann darf ihm jederzeit gekündigt werden, denn schließlich hat er es ja auch so unterschrieben. Rechtsbehelf ist auch ausgeschlossen, heißt, er darf dagegen auch nicht gerichtlich vorgehen…“

    • Gegendarstellung
      Liebe Mag, liebe KollegInnen, was denkt ihr euch eigentlich, wenn ihr einen solchen großen Haufen dummes Zeug veröffentlicht? Ich weise ausdrücklich zurück, die mir zugeschriebenen arbeitsrechtlichen Dusslichkeiten auf der Streikversammlung gesagt zu haben und erwarte eine Richtigstellung! Weder bezeichne ich noch die Streikteilnehmenden den mühsam in Baden-Württemberg gefundenen Tarifabschluss als faulen Kompromiss – im Gegenteil. Wir haben hohen Respekt vor der Leistung unserer KollegInnen und Kollegen in Ba-Wü! AuffüllerInnen, die ab 1.1.14 mehr als 3 € je Stunde mehr verdienen würden als zzt. beim Dienstleister, solltet ihr mal erklären, worin für sie der Schaden dieses Tarifvertrags liegt. Und diesen arbeitsrechtlichen Unsinn, dass künftigen Auffüllern die Kündigung drohen würde, falls sie Kunden eine Auskunft erteilen oder Kollegen unterstützen, muss ich ebenfalls entschieden zurückweisen. Wer solch einen Unsinn schreibt, den kann ich nicht ernst nehmen! Der Zweck des Tarifvertrags für die Warenverräumung liegt ja gerade darin, dass bei Übertragung von (noch so kleinen) abweichenden Aufgaben sofort die Eingruppierung in den Entgelttarifvertrag zu folgen hat mit einer weiteren Lohnsteigerung.
      Ich frage mich allen Ernstes, welches Ziel damit verfolgt wird, mir diesen Schwachsinn in den Mund zu legen.
      Ich erwarte, dass ich künftig vorab freigeben kann, was ich angeblich gesagt haben soll. Außerdem erwarte ich den Abdruck meiner Mail im Zusammenhang mit diesem unsäglich falschen und spalterischen Bericht. Gruß, Erika Ritter, Landesfachbereichsleiterin Handel
      ” Mail an die Redaktion vom 16.12.2013
  • Tarifeinigung im Einzelhandel: Moderne Stundenlöhner
    Modetempel wie H&M oder C&A wälzen ihr Geschäftsrisiko auf die Angestellten ab. Daran wird auch der neue Tarifvertrag nichts ändern. Artikel von Eva Völpel in der TAZ vom 15.12.2013  externer Link Aus dem Text: „(…) In der H&M-Filiale in der Stuttgarter Königsstraße arbeiten laut Angaben des Betriebsrats von 54 Mitarbeitern nur 13 in Vollzeit. Der Rest wird in unterschiedlich flexiblen Teilzeitmodellen oder als Minijobber eingesetzt. 20 der H&M-Mitarbeiter sind moderne Stundenlöhner. Mit Modellen wie diesen wälzen Textil-Einzelhandelsunternehmen wie H&M einen Teil ihres Geschäftsrisikos auf die Arbeitnehmer ab. Der taz liegen Arbeitsverträge aus mehreren Filialen vor. Flexibel Beschäftigte gehen mal mit rund 1.200 oder 1.500 Euro Monatsverdienst nach Hause, ein anderes mal nur mit 200, 300 oder 500 Euro. H&M, Deutschlands zweitgrößter Textileinzelhändler mit mehr als 400 Filialen und einem Bruttoumsatz von 3,48 Milliarden Euro im Jahr 2012, spart Lohnkosten und Spätzuschläge…“
  • Abschluss in Einzelhandel: Klarer Erfolg für ver.di
    „Am 5. Dezember haben der Fachbereich Handel von ver.di und der Handelsverband Baden Württemberg einen Abschluss in der seit April andauernden Tarifrunde erzielt. Dabei mussten die Unternehmer von ihren ursprünglichen Forderungen erhebliche Abstriche machen. Vor allem die unveränderte Wiederinkraftsetzung des Manteltarifvertrages macht dies deutlich. Dieser Abschluss ist nach einer bisher beispiellosen Mobilisierung im Einzelhandel im sicherlich kämpferischsten Tarifbezirk, Baden-Württemberg, im wahrsten Sinne des Wortes erkämpft worden. Viele Betriebe in Baden – Württemberg haben weit über 50 Tage in der 8 monatigen Tarifauseinandersetzung gestreikt. Daran beteiligt waren u.a. Betriebe von H+M, real, Kaufhof, Kaufland, Zarra und einzelne Märkte von anderen Unternehmen. Das für ver.di besonders pikante an diesem Abschluss ist, dass  ein in der innergewerkschaftlichen Diskussion äußerst kritischer Landesfachbereich wieder einmal einen Abschluss erreicht hat, der mehr ist als ein fauler Kompromiss…Eine Bewertung von Helmut Born vom 11.12.2013
  • Tarifeinigung in weiteren Ländern
    Der Tarifstreit im Einzelhandel ist nach der Einigung in Baden-Württemberg und Bayern auch in sechs weiteren Bundesländern beendet. Bis Freitag einigten sich die Unternehmerseite und die Gewerkschaft ver.di in Nordrhein-Westfalen, Hamburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Hessen und im Saarland nach monatelangen Verhandlungen auf einen neuen Tarifvertrag. Schleswig-Holstein hat die Verhandlungen auf den 7. Januar vertagt.
  • Mehr Lohn und Gehalt, Wiederherstellung des Manteltarifvertrages: Tarifkonflikt im NRW Einzelhandel beigelegt – 3 Prozent für 2013 und 2,1 Prozent für 2014
    „In der 6. Verhandlungsrunde für die rund 650.000 Beschäftigten im nordrhein-westfälischen Einzelhandel gelang am 10. Dezember in Recklinghausen der Durchbruch. Nach einem achtmonatigen Tarifkonflikt einigten sich die Tarifvertragsparteien auf folgende Punkte: Der von dem Arbeitgeber einseitig gekündigte Manteltarifvertrag wird unverändert wieder in Kraft gesetzt. In zwei Stufen werden die Löhne und Gehälter erhöht. Zum 1. August 2013 um 3 Prozent und am 1. Mai 2014 um weitere 2,1 Prozent. Die Ausbildungsvergütungen werden überproportional angehoben….“  Pressemitteilung von ver.di NRW vom 11.12.2013 externer Link
  • Tarifkonflikt im bayerischen Einzelhandel beigelegt: 5,1 % mehr Geld – Existenzsichernder Schutz der Tarifverträge wieder hergestellt 09.12.2013
    „Nach sieben Monaten im härtesten Tarifkonflikt des bayerischen Einzelhandels konnte ein Tarifabschluss für die Beschäftigten erreicht werden. Der Schutz der existenzsichernden Tarifverträge konnte wieder durchgesetzt werden, die Tarifentgelte werden in zwei Schritten um 5,1 % erhöht und ein Weg zu weniger prekärer Beschäftigung wurde eröffnet. Voraus gegangen war der Durchbruch zu einem Tarifabschluss im baden-württembergischen Einzelhandel. (…) Das Tarifergebnis sieht vor, dass der von den Arbeitgebern gekündigte Manteltarifvertrag unverändert wieder in Kraft gesetzt wird. Für die Beschäftigten wurden Lohn- und Gehaltserhöhungen in zwei Schritten vereinbart: ab 1. 8. 2013 um 3 % und ab 1.5.2014 um weitere 2,1 %. Die Ausbildungsvergütungen werden überproportional angehoben. Der Vertrag gilt rückwirkend zum 1. Mai 2013 und hat eine Laufzeit von 24 Monaten…“ Pressemitteilung von ver.di Bayern vom 09.12.2013 externer Link
  • Streik im Einzelhandel 2013
    29.11.2013 Berlin-Steglitz – Protestkundgebung der Streikenden des Einzelhandels in Berlin und Brandenburg. Vorgeschichte: Die Arbeitgeber haben zum Jahresbeginn 2013 den Manteltarifvertrag und die Entgelttarifverträge gekündigt. Sie verlangen eine weitere Flexibilsierung und Deregulierung der Arbeitszeiten, die Streichung des Zuschlags für Kassier_innen, Einführung von Leichtlohngruppen für Warenverräumer und Auffüller_innen, und die Streichung von Spät und Nachtzuschlägen für dieselben. 25.000 Beschäftigte im Einzelhandel sind seitdem in die Gewerkschaft eingetreten mit dem Ziel, den Manteltafrifvertrag zu erhalten und einen Euro mehr Lohn pro Stunde zu erkämpfen. Die nächste Verhandlungsrunde für Berlin-Brandenburg findet am 17. Dezember statt. Das Video bei labournet.tv (deutsch | 14 min | 2013) externer Link
  • Plagiate erwünscht
    Am besten abschreiben: Die in Baden-Württemberg erzielte Tarifeinigung im Einzelhandel ist ganz ordentlich. Bundesweit wird nun über deren Übernahme verhandelt. Artikel von Daniel Behruzi in der jungen Welt vom 10.12.2013 externer Link Aus dem Text: „(…) Für die per Werkvertrag Beschäftigten – die aktuell mit sechs bis sieben Euro pro Stunde abgespeist werden – würde das eine deutliche Lohnerhöhung bedeuten, ebenso wie Verbesserungen bei Zuschlägen, Urlaub, Urlaubsgeld und anderem. Offen ist, inwieweit die Konzerne von dieser Möglichkeit überhaupt Gebrauch machen werden. Denn die Grenzen, die ver.di eingezogen hat, sind recht eng. So gilt die neue Entgeltgruppe nur für Angestellte, die »ausschließlich« mit dem Auffüllen von Waren beschäftigt sind, nicht zum Beispiel auch mit der Beratung von Kunden. In der Praxis dürfte diese Trennung schwer umzusetzen sein. Zudem müssen die Unternehmen vertraglich zusichern, in dem betreffenden Bereich keine Arbeiten auszulagern. Für alle jetzigen Beschäftigten gilt Bestandsschutz, ihre Löhne können also nicht gesenkt werden. Dennoch könnten die Konzerne versucht sein, die neue Regelung zur Lohnsenkung in Bereichen zu nutzen, die im Tarifvertrag bislang bessergestellt sind. Darüber dürften sich auf Betriebsebene in den kommenden Monaten Auseinandersetzungen entwickeln. Das Problem: Betriebsräte, die Abgruppierungen verhindern könnten, sind in vielen Betrieben angepaßt oder überhaupt nicht existent…
  • Tarifkonflikt NRW-Einzelhandel: Neuer Verhandlungstermin im Einzelhandel
    „Die Große Tarifkommission für den nordrhein-westfälischen Einzelhandel hat beschlossen, die Verhandlungen zum Abschluss eines neuen Tarifvertrages wieder aufzunehmen. Basis der Verhandlungen sollen die vorliegenden Ergebnisse der Tarifverhandlungen in Baden-Württemberg sein. Die Kernpunkte des Verhandlungsergebnisses aus Baden-Württemberg: Erhöhung der Löhne und Gehälter in zwei Schritten: ab dem 1. Juli 2013 um 3 Prozent und ab dem 1. April 2014 um weitere 2,1 Prozent. Die Ausbildungsvergütungen werden überproportional angehoben. Der von den Arbeitgebern gekündigte Manteltarifvertrag wird unverändert wieder in Kraft gesetzt. ver.di-Verhandlungsführerin Silke Zimmer: „Auf dieser Basis sehen wir die Chance, auch im nordrhein-westfälischen Einzelhandel zu einem fairen Tarifabschluss zu kommen.“ Die Tarifverhandlungen für die rund 650.000 Beschäftigten im nordrhein-westfälischen Einzelhandel werden am 10. Dezember in Recklinghausen fortgesetzt.“ Pressemitteilung von verdi-NRW vom 05.12.2013 externer Link
  • Zeit für den Weihnachtsstreik: Verdi setzt beim Arbeitskampf im Einzelhandel auf Streiks an den Adventswochenenden
    „Wenn in den kommenden Wochen vor Berliner Einkaufszentren Flyer verteilt werden, muss das keine Werbung für das Weihnachtsgeschäft sein. Es könnte sich auch um ein Flugblatt handeln, das zur Solidarität mit den Streikenden im Einzelhandel aufruft: »Bitte kaufen Sie heute nicht in den bestreikten Betrieben ein.«…Artikel von Peter Nowak in der Jungle World vom 05.12.2013 externer Link
  • 5,1 Prozent mehr Gehalt im Einzelhandel – ver.di [BaWü] erreicht Wiederherstellung des Manteltarifvertrages
    „In der siebten Verhandlungsrunde im baden-württembergischen Einzelhandel gelang heute in Korntal-Münchingen der Durchbruch. ver.di hat nach einem acht Monate währenden Tarifkonflikt mit zum Teil über 80 Streiktagen in den Betrieben erreicht, dass der von den Arbeitgebern gekündigte Manteltarifvertrag unverändert wieder in Kraft gesetzt wird. Zudem wurden Gehaltssteigerungen in Höhe von insgesamt 5,1 Prozent durchgesetzt. Dem Tarifergebnis muss am Freitag noch die Große Tarifkommission von ver.di zustimmen. (…) Das Tarifergebnis sieht vor, den von den Arbeitgebern gekündigten Manteltarifvertrag unverändert wieder in Kraft zu setzen. Für die Beschäftigten wurden Lohn- und Gehaltserhöhungen in zwei Schritten vereinbart: ab 1. 7. 2013 um 3 % und ab 1.4.2014 um weitere 2,1 %. Die Ausbildungsvergütungen werden überproportional angehoben. Der Vertrag gilt rückwirkend zum 1. April 2013 und hat eine Laufzeit von 24 Monaten. (…) Der strittigste Punkt war bis zuletzt die Frage, wie über Werkverträge ausgegliederte Auffüllkräfte in den Tarifvertrag zurückgeführt werden können. Der nun gefundene Kompromiss sieht vor, für wiedereingegliederte Beschäftigte eine Lohngruppe zu schaffen, die knapp unter zehn Euro pro Stunde vorsieht. Zurzeit erhalten diese Beschäftigten per Werkvertrag zwischen sechs und sieben Euro die Stunde…Meldung bei ver.di vom 5.12.2013 externer Link. Siehe dazu:

    • Tarifabschluß im Einzelhandel: Erfolgreiche Abwehr
      Artikel von Daniel Behruzi, erschienen in junge Welt vom 06.12.2013. Aus dem Text: “… Allerdings enthält die Vereinbarung auch Fallstricke. Für Warenverräum- und Auffülltätigkeiten werden die Stundenlöhne um etwa einen auf unter zehn Euro gesenkt. Davon sind Altbeschäftigte ausgenommen. Zudem soll diese Regelung dazu führen, daß ausgegliederte Bereiche in die Unternehmen und damit in die Tarifbindung zurückgeführt werden. Für die direkt Betroffenen bedeutet das deutliche Verbesserungen, nicht nur beim Gehalt, sondern auch beim Urlaub und in anderen Fragen. Dennoch: Das Unterlaufen der bisherigen Eingruppierung ist eine bittere Pille und schafft das Risiko, daß auch die Vergütung für bislang besser bezahlte Jobs auf das neue Niveau abgesenkt wird. (…) Der in Baden-Württemberg – dem linkesten und kampfstärksten ver.di-Landesbezirk – erreichte Tarifvertrag ist ein Kompromiß, aber kein fauler. Über eine »Tarifreform« wird zwar weiter verhandelt, aber ohne Vorfestlegungen im Sinne der bisherigen Gespräche, die von Basisaktivisten und Gewerkschaftslinken heftig kritisiert worden waren…”
    • Kämpfen lohnt sich
      Ausdauernde Streiks erzwingen Pilotabschluß im Einzelhandel Baden-Württembergs. Generalangriff auf Löhne und Arbeitsbedingungen abgewehrt. 5,1 Prozent mehr in zwei Jahren. Artikel von Daniel Behruzi in der jungen Welt externer Link Aus dem Text: „(…) In Baden-Württemberg, wo die weitaus meisten Streiks stattfanden, zählten einige Belegschaften bis zu 99 Streiktage. Auch in diesen Streikhochburgen sind die Beschäftigten mit dem Kompromiß offenbar zufrieden. So sprachen sich Aktivisten bei Versammlungen in der Region Mannheim-Heidelberg nach jW-Informationen am Donnerstag beinahe einhellig für die Annahme der Vereinbarung aus. Letztlich darüber entscheiden werden die Beschäftigten auf Versammlungen am Freitag. »Die Kolleginnen und Kollegen sind stolz darauf, was sie erreicht haben«, berichtete der Mannheimer ver.di-Sekretär Stephan Weis-Will gegenüber jW. Der Manteltarif sei nicht angetastet und eine gute Lohnerhöhung erreicht worden. »Die Leute sagen deshalb: Kämpfen lohnt sich.«…“
    • Wachsam bleiben – Hans Gerd Öfinger über den Tarifabschluss im Einzelhandel
      „Dass Aufklärung, Kampfbereitschaft und Zähigkeit auch im 21. Jahrhundert wirken, ist ein wichtiges Signal des Stuttgarter Tarifabschlusses für den Einzelhandel. Hier wurde der Plan großer Konzerne durchkreuzt, den Flächentarifvertrag zu durchlöchern und die Löhne der ohnehin nicht üppig verdienenden Beschäftigten massiv abzusenken…“ Kommentar von Hans Gerd Öfinger im Neues Deutschland vom 06.12.2013 externer Link
    • Der Mindestlohn wirft Schatten
      Das Ausgliedern von billigen Arbeitskräfte entspricht nicht mehr der Zeit. Das ist Folge der angepeilten Lohnuntergrenze. Kommentar von Barbara Dribbusch in der TAZ vom 05.12.2013 externer Link  Aus dem Text: „(…) Die tarifliche Einigung in Baden-Württemberg könnte ein Signal sein nicht nur für andere Bundesländer, wo derzeit VerkäuferInnen streiken. Im Einzelhandel haben sich in den vergangenen Jahrzehnten tausende von normalen Jobs in prekäre Arbeitsverhältnisse verwandelt. Wenn der gesetzliche Mindestlohn zur Folge hat, dass in diesen Branchen tarifliche Einigungen für mehr Sicherheit sorgen, ist das ein Fortschritt – aber der hat seinen Preis: Die Auffüller werden im Tarifvertrag deutlich schlechter bezahlt als die „normalen“ Verkäuferinnen. Soviel Unterschied bleibt.“
  • Handel vor Einigung
    Im Arbeitskampf des Einzelhandels könnte es am Mittwoch in Baden-Württemberg zu einem Pilotabschluß kommen. Bei der Lohnerhöhung besteht weitgehend Einigkeit. Artikel von Daniel Behruzi in der jungen Welt vom 03.12.2013 externer Link Aus dem Text: „(…)  Der seit Jahresbeginn laufende Tarifkonflikt für die rund 3,2 Millionen Beschäftigten des Einzelhandels soll nun im Südwesten beigelegt werden. Das macht Sinn. Schließlich ist dort der Brennpunkt der Auseinandersetzung. Manche der Belegschaften – insbesondere in den Regionen Stuttgart und Mannheim-Heidelberg – haben bereits 60 oder gar 80 Streiktage auf dem Buckel. Im Rhein-Neckar-Raum werden 14 Betriebe seit Mitte vergangener Woche gar unbefristet bestreikt. Zwar gelingt es nur selten, die Läden tatsächlich zu schließen. Dennoch ist der Druck auf die Konzerne so groß, daß zumindest ein Teil von ihnen die Auseinandersetzung im beginnenden Weihnachtsgeschäft endlich beenden möchte. In der Lohnfrage scheinen sie bereit zu sein, den im Juni im baden-württembergischen Groß- und Außenhandel erzielten Abschluß weitgehend zu übernehmen. Dieser sieht Entgeltsteigerungen von insgesamt 5,1 Prozent in zwei Schritten bei einer Laufzeit von 24 Monaten vor. In der Gewerkschaft wurde dieses Ergebnis als Richtschnur auch für den Einzelhandel gesehen, die Unternehmen hatten das bislang aber zurückgewiesen…
  • Tarifkampf im Slip
    „Ein herrliches Durcheinander im Einkaufszentrum im Frankfurter Osten: Rund 100 Mitglieder der Gewerkschaften ver.di und IG-Metall trafen sich am Freitag abend im Toom-Lebensmittelmarkt zum Striptease; der Filialleiter stand kurz vorm Nervenzusammenbruch; irritierte Security-Mitarbeiter streiften durch das Shoppingcenter, um der Protestierer habhaft zu werden. Alles nur, weil die IG-Metall-Bezirksleitung Mitte in Frankfurt am Main eine grandiose Idee hatte: Warum eigentlich immer nur praxisferne langweilige Seminare über neue Arbeitskampfformen?…“ Artikel von Gitta Düperthal in der jungen Welt vom 02.12.2013 externer Link
  • »Weihnachten steht vor der Tür – Wir auch!« Einzelhandelstarife – mit ver.di und mit Demokratie in ver.di? „Die Tarifrunde 2013 ist im Einzelhandel eine der wichtigsten der letzten zehn Jahre und wohl die wichtigste für die nächsten zehn Jahre geworden. Dafür gibt es zwei Gründe: das Verhalten der Arbeitgeber und den Konflikt um die innergewerkschaftliche Demokratie in ver.di. Die aktuelle Tarifrunde hatte faktisch im Januar mit der bundesweiten Kündigung der Entgelt- und Mantel-Tarifverträge begonnen. Ende Mai gab es die ersten Aktionen für eine »akzeptable Erhöhung der Gehälter, Löhne und Ausbildungsvergütungen« und »die Wiederinkraftsetzung der Manteltarifverträge«. Die ver.di-Forderungen für höhere Entgelte waren in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich: Ein Euro mehr in der Stunde bzw. 6,5 Prozent oder mindestens 140 Euro. Seitdem kämpfen zahlreiche Belegschaften unverdrossen für neue Tarifverträge. Sie streiken und kämpfen, hie und da unterstützt von solidarischen Menschen, mit zahlreichen neuen und phantasievollen Aktionsformen für einen akzeptablen Tarifabschluss und damit gegen die ganze Batterie von Verschlechterungen, die die Arbeitgeber fordern. Der Schwerpunkt der Streikaktionen liegt in Baden-Württemberg. So streiken in Mannheim/Heidelberg seit Ende Mai 17 Belegschaften. Einige stehen schon über 80 (!) Tage vor ihren Läden, demonstrieren in der Öffentlichkeit, fahren zu Firmensitzen. 80 Streiktage – das sind 16 Wochen Streik! Wohl der seit Jahren längste Streik einer deutschen Gewerkschaft für einen Flächentarifvertrag. Die Streiks  finden vor allem an den umsatzstarken Freitagen und Samstagen sowie unmittelbar danach an den für die unternehmensinterne Logistik wichtigen Montagen und Dienstagen statt. Diese Streikform wurde von den Aktiven in den Betrieben entwickelt, da so die wirtschaftlichen Auswirkungen am größten sind…Artikel von Anton Kobel, erschienen in express, Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit, 11/2013
  • Streiks im Adventsgeschäft vorprogrammiert. Kein Tarifabschluss gegen die Basis „Im Frühjahr 2013 kündigte der Arbeitgeberverband bundesweit alle Entgelttarifverträge, sowie alle Manteltarifverträge. Die Arbeitgeberseite will u.a. eine niedrigere Eingruppierung fü KassiererInnen, die Einführung einer neuen, niedrigeren Entgeltgruppe für „Hilfstätigkeiten“ wie z.B. Auffülltätigkeiten und eine weitere Flexibilisierung der Arbeitszeiten erreichen. Wir sprachen mit Bernhard Franke, Leiter des Fachbereichs Handel bei Verdi Baden-Württemberg über Aktuelles im Tarifkonflikt. Thematisiert wird auch die Befürchtung, dass eine sogenannte Prozessvereinbarung den Manteltarifvertrag erst einmal wieder in Kraft setzen könnte um dann anschließend in Neuverhandlungen doch zu einer niedrigeren Eingruppierungen für Hilfsarbeiten und KassiererInnen zu führen.Sendung von Radio Dreyeckland vom 22.11.2013 externer Link Siehe dazu auch:
  • »Direkter geht es gar nicht!« – H&M-Betriebsrätin Susanne Mantel über Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die Angestellten im Einzelhandel »Blockupy goes Arbeitskampf« hieß es in einem Workshop der Europäischen Aktionskonferenz des Bündnisses am vergangenen Wochenende. Bei der Veranstaltung in Frankfurt am Main war auch Susanne Mantel dabei, die bei der Bekleidungskette Hennes&Mauritz (H&M) im Betriebsrat sitzt. Mit ihr sprach Janos Erkens über die Streikbereitschaft der Angestellten und was ihnen Blockupy nutzt. Das Interview im Neues Deutschland vom 25.11.2013 externer Link
  • Unterstützt den Arbeitskampf im Einzelhandel!Der Arbeitskampf im Einzelhandel ist zur Zeit einer der wichtigsten Arbeitskämpfe. Wenn es den Arbeitgebern gelingt sich durchzusetzen, hat das negative Auswirkungen auf das Kräfteverhältnis zwischen Beschäftigten und Unternehmern in Deutschland. Deshalb ist es wichtig, dass die Beschäftigten dort nicht allein gelassen werden, sondern größtmögliche Unterstützung, auch aus anderen ver.di Fachbereichen organisiert wird…” Erklärung des Netzwerks für eine kämpferische und demokratische ver.di  zum Arbeitskampf im Einzelhandel, mit Vorschlägen für Solidarität und Ausweitung des Arbeitskampfes. Aus dem Text: “… Vorschläge zur Ausweitung des Arbeitskampfs: Intensivierung des Arbeitskampfs während des Weihnachtsgeschäfts; Zu einer bundesweiten Demonstration oder an einem Tag zu regionalen Demonstrationen mobilisieren; Aufbau einer bundesweit koordinierten Streikbewegung mit dem Ziel, die Zahl der streikfähigen Häuser stetig zu erhöhen; Streikversammlungen vor Ort, um über weitere Schritte zu diskutieren; Organisierung einer bundesweiten Streikkonferenz mit Aktiven aus den bestreikten Betrieben, um über Erfahrungen und eine bundesweite Strategie zur Ausweitung zu beraten; Transparente Verhandlungen – volle Information über den Verhandlungsstand auf allen Streikversammlungen mit anschließender Beratung
  • Überraschungsbesuch bei H&M „Direktes Gespräch statt Demonstration vor der Einkaufspassage: Ver.di sucht anlässlich der laufenden Tarifverhandlungen den Kontakt mit Beschäftigten im Einzelhandel…“ Artikel von Peter Nowak im Neues Deutschland vom 12.11.2013 externer Link Aus dem Text: „(…) Die Aktion wurde bereits seit Wochen vorbereitet, so gab es Ende Oktober beispielsweise eine Veranstaltung in der Humboldt-Universität. Dort hatten sich neben ver.di-Gewerkschaftern auch Studierende und Aktivisten sozialer Initiativen eingefunden. »Der Einzelhandelsstreik ist nicht nur eine Sache der Beschäftigten. Auch wir Kunden sind daran interessiert, dass die Beschäftigten gut bezahlt werden und nicht ständig im Stress sind«, erklärte Marion Schneider gegenüber »nd«. Sie ist im Berliner Blockupy-Bündnis aktiv, das Anfang Juni in Frankfurt am Main mehrtägige Krisenproteste vorbereitete. Dazu gehörten auch Solidaritätsaktionen mit den Einzelhandelsbeschäftigen auf der Zeil. Seit einigen Monaten unterstützt das Blockupy-Bündnis die Beschäftigen in Berlin. In den vergangenen Wochen gab es bereits mehrere kleinere Solidaritätsaktionen…
  • Entschließung: Kein voreiliger Abschluss im Einzelhandel!Der 14. bundesweite Kongress der Initiative zur Vernetzung der Gewerkschaftslinken  (IVG) hat ausführlich die Situation der Tarifauseinandersetzung im Einzelhandel diskutiert. Wir verurteilen die Angriffe des Handelsverbandes auf die tariflichen Errungenschaften der Einzelhandelsbeschäftigten durch Kündigung der Manteltarifverträge. Wir wenden uns gegen einen schnellen Abschluss, der Teile des Manteltarifvertrages aufgibt. Denn das würde eine weitere Ausweitung der prekären Beschäftigung und des Niedriglohnsektors bedeuten. Die (Vor-)Weihnachtszeit kann gut genutzt werden, den Druck auf die Handelsverbände zu verstärken. Der Kongress schlägt vor, diese Zeit auch dafür zu nutzen, die Vernetzung von Fachbereichen und die Verbindung zu anderen Bündnispartnern zu intensivieren, um den Kampf auszuweiten und zu verstärken.” Entschließung des Kongresses der Initiative zur Vernetzung der Gewerkschaftslinken in Bochum vom 10. November 2013
  • Unerwartete Solidarität: Bei den Streiks im Einzelhandel helfen Studierende mit einfallsreichen Aktionsformen „Im Atrium des Berliner Einkaufstempels »Alexa« fallen kleine weiße Blätter von oben herab. Doch die Zettel sind kein vorweihnachtliches Accessoire – es sind Flugblätter über die Streiks im Einzelhandel. Die Aktion macht den Sicherheitsdienst wach, der die Aktivisten nicht finden kann, dafür aber Streikposten von ver.di vor dem Eingang des Einkaufszentrums. Die Gewerkschaft müsse für die Reinigungskosten aufkommen, sagen die Männer von der Sicherheit. Doch ver.di kann keine Verantwortung übernehmen, denn sie weiß nicht mal, wer hinter der Aktion steckt…“ Artikel von Wladek Flakin in der jungen Welt vom 05.11.2013 externer Link
  • Demokratie bei ver.di „Für den ehemaligen ver.di-Sekretär Anton Kobel ist die aktuelle Auseinandersetzung im Einzelhandel »die wichtigste Tarifrunde der letzten zehn Jahre«. »Wenn sich die Arbeitgeber durchsetzen, bedeutet das nicht nur die Absenkung der Gehälter und die Ausweitung des Niedriglohnsektors, auch die gewerkschaftliche Kraft im Einzelhandel würde deutlich geschwächt«, so der Gewerkschafter beim Ratschlag von Linksfraktion und Rosa-Luxemburg-Stiftung am Montag in Kassel. Ver.di habe den Angriff der Konzerne bislang »richtig gut gekontert«. Mehr als 125000 neue Mitglieder seien der Gewerkschaft in der Branche seit Februar beigetreten. »Und das wurde auch in Kampfkraft umgesetzt, wie die vielen Streiks und neuen Arbeitskampfformen zeigen.«…“ Artikel in der jungen Welt vom 30.10.2013 externer Link
  • Luft nach oben Ausdauer der Streikenden im Einzelhandel ist beeindruckend, doch die bundesweite Bündelung fehlt. Linke-Ratschlag diskutiert Perspektiven des Arbeitskampfs. Artikel von Herbert Wulff in der jungen Welt vom 30.10.2013 externer Link Aus dem Text: „(…) Die Erfahrungen mit solchen Kampfmaßnahmen müßten stärker ausgetauscht und verallgemeinert werden, betonte Riexinger. Seiner Gewerkschaft empfahl er deshalb, möglichst bald eine bundesweite Streikdelegierten-Konferenz zu organisieren. Er schlug zudem vor, die Arbeitsniederlegungen im Weihnachtsgeschäft zu intensivieren und zu einer bundesweiten Großdemonstration aufzurufen. »Ver.di muß die Aktionen viel stärker bündeln, um deutlich zu machen: Es geht um einen grundsätzlichen gesellschaftlichen Konflikt, der alle angeht.« Für die Streikenden müßten »Bezugspunkte« geschaffen werden, die ihnen zeigten, daß sie Teil einer bundesweiten Bewegung sind. Auch in der Öffentlichkeit könnte die Tarifauseinandersetzung – die in den Medien weitgehend ignoriert wird – so stärker zum Thema werden…“
  • «Streik ist unser effektivstes Mittel» „Am Ratschlag „Der Verkäuferin einen guten Lohn!“ nahmen am 28. Oktober in Kassel etwa 130 Betriebsräte, Gewerkschaftsaktive und Unterstützende teil. Anlass war die aktuelle Tarifrunde im Einzelhandel und die Kündigung des Manteltarifvertrags durch die Arbeitgeber. Angesichts des offensichtlichen Zieles der Arbeitgeber, die Löhne durch die Einführung einer neuen Niedriglohngruppe zusätzlich zu drücken und die Arbeitsbedingungen weiter zu verschlechtern, ging es auf dem Ratschlag darum, eine Bestandsaufnahme zu machen und sich gemeinsam über parlamentarische und betriebliche Strategien für gute Arbeit und Löhne im Handel auszutauschen. Auf dem Ratschlag trafen Gewerkschaftsaktive sowie Beschäftigte zahlreicher Handelsunternehmen (Zara, Thalia, H&M, IKEA, Amazon, Edeka, Kaufhof, Real, Obi, Toom, Kaufland, Höffner, Real, Marktkauf u.a.) auf Bundes- und Landtagsabgeordnete, auf linke WissenschaftlerInnen und politische StreikunterstützerInnen…“ Bericht von Florian Wilde und Fanny Zeise über den Ratschlag «Der Verkäuferin einen guten Lohn!» von Rosa-Luxemburg-Stiftung und der Linksfraktion im Bundestag am 28.10.2013 in Kassel externer Link
  • Tarifrunde Einzelhandel: Kein Ende in Sicht „In der Tarifrunde des Einzelhandels ist auch nach 5 Monaten keine Lösung des Konfliktes in Sicht. In den ersten Verhandlungsrunden nach der Sommerpause, die in mehreren Bundesländern stattfanden, beharrten die Einzelhandels Bosse auf ihre Forderungen nach Verschlechterungen im Manteltarif- und Lohn- oder Gehaltstarifvertrag. Vor allem die Einführung einer neuen Niedriglohngruppe für Auffüller_innen und die Streichung der Nachtarbeitszuschläge für diese Beschäftigten, scheint ihnen besonders wichtig zu sein. Dahinter stehen knallharte Forderungen vor allem der Unternehmen, die die verlängerten Ladenöffnungszeiten bis 24 Uhr nutzen, da der Nachtarbeitszuschlag von 55 % schon ab 20 Uhr zu zahlen ist. Hier ist vor allem die Metro Tochter real und die Supermarktkette Rewe zu nennen…Vorabdruck eines Artikel von Helmut Born aus der November Ausgabe der Sozialistischen Zeitung 2013. Wir danken dem Autor!
  • Interview: Der Einzelhandelsstreik bei H&M Seit Monaten streikt der Einzelhandel. Der Organisierungsgrad ist gering – nicht jedoch in einer H&M-Filiale in Berlin. Ein Interview von Wladek Flakin mit Susanne Mantel externer Link , Betriebsrätin in der Filiale der Textilkette Hennes & Mauritz (H&M) in der Friedrichstraße in Berlin-Mitte, auf linksunten.indymedia vom 28.10.2013
  • H&M grüßt Charité – Charité grüßt H&M Interview mit Jan Richter, Betriebsratsvorsitzender von H&M in der Berliner Friedrichstraße auf Sozialismus-Info vom 11.10.2013 externer Link. Aus dem Text: „…Ein weiterer wichtiger Ansatz ist für mich eine Verbindung der Streiks im Einzelhandel mit Tarifbewegungen in anderen Bereichen. Wir haben hier in Berlin zum Beispiel schon tolle Erfahrungen gemacht, indem wir zu einer Protestaktion bei den Charité-Beschäftigten gegangen sind mit einem eigenen Transparent, auf dem stand: „H&M grüßt Charité“. Wenige Tage darauf kamen Kolleginnen und Kollegen von der Charité zu einer Aktion bei uns mit einem Transparent „Charité grüßt H&M“. Das hat zu einem ganz neuen Gefühl von Solidarität geführt. Beim letzten Streik sprach auch ein Vertreter der Lehrer, die sich in Berlin schon seit Dezember 2012 im Arbeitskampf befinden. Sein Grußwort wurde mit großem Applaus aufgenommen. Im Arbeitskampf sollten wir uns nicht separieren, sondern Seite an Seite gehen. Das gilt auch für weitere Unterstützung von außen. Arbeitskämpfe können nur erfolgreich durchgeführt werden, wenn sie in die Gesellschaft hineinwirken und die Öffentlichkeit beteiligen.“
  • Keine Beruhigung an der Streikfront: Angestellte im Einzelhandel protestieren weiter für Manteltarifvertrag Die Gewerkschaft ver.di fordert für ihre Mitglieder nicht nur höhere Gehälter. Sie will, dass der Manteltarifvertrag wieder eingeführt wird. Artikel von Hans-Gerd Öfinger im Neues Deutschland vom 11.10.2013 externer Link. Aus dem Text: „(…) Ähnlich äußerte sich auch die Tarifkommission für die Region Mannheim/Heidelberg. Sie fordert »eine neue, wirksame Arbeitskampfstrategie« mit »Erzwingungsstreiks in ausgewählten Bezirken und Unternehmen«, verstärkter Öffentlichkeitsarbeit, Flashmobs und Boykotten, einer stärkeren Einbeziehung der Kunden, bundesweiten Demonstrationen vor Konzernzentralen und einer »vollen, auch personellen, Unterstützung unserer ganzen Gewerkschaft ver.di«, so die Resolution.“
  • Der Verkäuferin einen guten Lohn! Ratschlag für Betriebsräte, Gewerkschaftsaktive und UnterstützerInnen im EinzelhandelIm Einzelhandel finden derzeit harte Tarifauseinandersetzungen statt. Die Arbeitgeber wollen die Arbeitsbedingungen massiv verschlechtern und steigen zum Teil ganz aus der Tarifbindung aus. Schon seit Jahren ist der Handel Experimentierfeld neoliberaler Politik. Die Regierungspolitik hat diese Entwicklung mit der Ausweitung prekärer Beschäftigung unterstützt. Aber es regt sich Widerstand. Beschäftigte wehren sich gegen Lohndumping-Strategien, gründen Betriebsräte und treten in den Streik. Der Ratschlag bietet Raum, die Arbeitsbedingungen im Einzelhandel und die Strategien der Arbeitgeber zu analysieren und sich über konkrete Erfahrungen im Kampf um gute Arbeit und gute Löhne auszutauschen. Siehe: 28.10.2013, 11:00 Uhr bis 18:00 Uhr; Kassel; Mit Bernd Riexinger (Vorsitzender DIE LINKE), Anton Kobel (ver.di-Sekretär i.R.), Betriebsräte und GewerkschaftsaktiveSiehe Vorankündigung bei der Rosa Luxemburg Stiftung externer Link
  • Arbeitgeber provozieren weitere Streiks im Einzelhandel – Tarifverhandlung in Nordrhein-Westfalen von Arbeitgeberseite abgesagt „Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) reagiert mit großer Empörung auf die kurzfristige Absage der Verhandlungen in der Tarifauseinandersetzung des Einzelhandels in Nordrhein-Westfalen vonseiten der Arbeitgeber. „Das Argument der Arbeitgeber, die laufenden Streikmaßnahmen der Beschäftigten seien der Grund, die für heute angesetzten Verhandlungen kurzfristig abzusagen, ist fadenscheinig – dieser ungeheure Vorgang ist eine erneute Provokation der Beschäftigten“, kritisierte Silke Zimmer, ver.di-Verhandlungsführerin für den Einzelhandel in Nordrhein-Westfalen. „Ganz offensichtlich haben unsere Verhandlungspartner überhaupt kein Interesse an einem Tarifabschluss. Damit zeigen sie, wie hoch ihre Wertschätzung für die Beschäftigten tatsächlich ist: Erst starten sie einen Generalangriff auf die Existenzsicherung und wesentlichen Schutzregelungen der Beschäftigten, indem sie die Manteltarifverträge kündigen und dann verweigern sie die Verhandlung“, so Zimmer. „Mit diesem Verhalten provozieren die Arbeitgeber nur eines – nämlich eine weitere Verschärfung und Eskalation der Streiks.“…“ Pressemitteilung von ver.di NRW vom 27.09.2013 externer Link
  • Trickserei oder Demokratie? Quo vadis, ver.di-Handel, fragt Anton Kobel Im Januar 2013 hatten die Arbeitgeber des Einzelhandels bundesweit alle Entgelttarifverträge und, mit Ausnahme von Hamburg und Schleswig-Holstein, auch alle Manteltarifverträge gekündigt. (S. express, 6/2013) Mit diesem Rundumschlag wollten sie eine »Modernisierung der Tarifverträge« einleiten, so ihre öffentlichen Verkündungen. Tatsächlich ging es um tarifliche Abgruppierungen einiger Tätigkeiten wie z.B. an den Kassen und in der Warenpräsentation, um weitere Möglichkeiten zur Flexibilisierung der persönlichen Arbeitszeiten durch den Abbau tariflicher Regelungen zur Lage der betrieblichen Arbeitszeiten und der damit gewährleisteten Mitbestimmungsrechte der Betriebsräte, um die Streichung von Nachtarbeitszuschlägen für Nichtverkaufstätigkeiten wie Auffüllen, Inventuren u.ä. ver.di nannte dies einen »Generalangriff auf die sozialen Besitzstände der Beschäftigten«. So sahen es auch die meisten Beschäftigten. Seit Februar traten im Einzelhandel ca. 25 000 neue Mitglieder in ver.di ein. Sie stärkten die Erwartungshaltung der Aktiven und das Versprechen der Organisation: Wir verteidigen die bestehenden Manteltarife ohne jegliche Verschlechterung und erkämpfen eine spürbare Erhöhung der Gehälter mit sozialer Komponente. Nur darum sollte es gehen! Dies war nach entsprechenden Diskussionen und Entscheidungen in den Großen Tarifkommissionen der einzelnen Bundesländer auch der einstimmige Beschluss der bundesweiten »Tarifkoordinierungskonferenz« am 10. April 2013. Die Forderungen zur Erhöhung der Gehälter, Löhne und Azubi-Vergütungen sind unterschiedlich, je nach Landesbezirk: Ein Euro mehr pro Stunde (das ist faktisch ein Festbetrag von 163 Euro pro Monat für Vollzeitkräfte) oder 6,5 Prozent bzw. mindestens 140 Euro…“ Artikel von Anton Kobel, erschienen in, express, Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit, 09/2013
  • »Wir müssen Klassenkampf neu lernen« Jan Richter arbeitet seit zehn Jahren erfolgreich dafür, dass die Beschäftigten einer Berliner H&M-Filiale selbstbewusst für ihre Forderungen einstehen. Wie er und die anderen Betriebsrätinnen das machen, erläutert er im marx21-Gespräch vom 16.07.2013 externer Link
  • Resolution der bezirklichen Tarifkommission Einzelhandel Mannheim/Heidelberg und drumrum zur Tarifsituation im Einzelhandel vom 12. Juli 2013 Die Resolution 
  • Stuttgart: Vernetzung von S-21-Bewegung mit Streik im Einzelhandel „…Aktivisten der Blockade-Gruppe haben sich bereits Ende Mai in Frankfurt im Rahmen der Blockupy-Proteste an Blockadeaktionen gegen Billigmode-Ketten wie H&M und Primark beteiligt. Der Protest richtete sich damals aufgrund des Einsturzes einer Textilfabrik in Bangladesh und dem Unfalltod von mehr als 1.000 Beschäftigten gegen die tödlichen Arbeitsbedingungen in den Herstellerländern. Der Slogan für diese Aktion hieß “Eure Mode ist so fesch, wie der Tod in Bangladesh”. H&M und andere Ketten schlossen an diesem Tag ihre Läden. Das war ein großer Erfolg. Beim Streik am 2.8. bei den Klamottenläden Zara und H&M auf der Königstraße haben Stuttgart 21-AktivistInnen die streikenden Verkäuferinnen erfolgreich unterstützt.Hier veröffentlichen wir einen Bericht von Werner Ott und eine Solidaritätserklärung von ver.di…Beitrag auf Sozialismus-Info vom 17.08.2013
  • Tarifrunde Einzelhandel: Kein Ende in Sicht „(…) Klar ist, dass die Unternehmer mit ihrem Horrorkatalog bei den Beschäftigten zu einer beispiellosen Mobilisierung beigetragen und den Organisationsgrad von ver.di im Einzelhandel signifikant erhöht haben. Deswegen kann es auch keine Zugeständnisse an die Unternehmer geben. Im Einzehandel gilt es nach den Sommerferien wieder in die Tarifrunde einzusteigen und für die eigenen Forderungen zu kämpfen. Aber selbst wenn die Unternehmer ihren Horrorkatalog zurück ziehen muss eine anständige Lohnerhöhung durchgesetzt werden. Die 2,5 % der Unternehmer sind ein Witz zumal darin drei Nullmonate vorgesehen sind. Ein Abschluss im Einzelhandel muss sich an den besten Abschlüssen in anderen Branchen orientieren und eine überproportionale Erhöhung durch einen  Festbetrag für die unteren Lohngruppen und Azubis vorsehen. Dies aber wird nur durch weitere breite Mobilisierungen zu erreichen sein.“ Artikel von Helmut Born vom 16.08.2013
  • Tarifgespräche im Einzelhandel: Eiszeit am Verhandlungstisch „Keine Verhandlungen in Sicht: Im schleswig-holsteinischen Einzelhandel sind konstruktive Gespräche zwischen Verband und Verdi in weite Ferne gerückt. Während die Gewerkschaft am Sonnabend erneut zum Streik aufgerufen hat, wollen die tarifgebundenen Unternehmen die Einkommen ihrer Mitarbeiter rückwirkend zum 1. August um 2,5 Prozent anheben. Damit folgen sie dem Beispiel größerer deutscher Handelshäuser wie Real, Rewe und Kaufhof, die ebenfalls das monatliche Tarifentgelt der Beschäftigten um 2,5 Prozent erhöhen…“ Artikel von Jan von Schmidt-Phiseldeck bei den Kieler Nachrichten vom 03.08.2013 externer Link
  • Abschluss! Dank den Streikenden! Mehr Geld für alle! „Eine heiße bayerische Tarifrunde ist in der Nacht zum Freitag mit einem Tarifabschluss beendet worden. Unser Dank gilt allen, die sich aktiv an dieser Tarifauseinandersetzung beteiligt haben. Vor allem den Tausenden von Streikenden in den Betrieben (75 betriebliche Streiktage in Bayern!), die mitgemacht haben. Der Abschluss im Überblick: Ab 1. Juni 2013 3,0% mehr Lohn und Gehalt. Ab 1. April 2014 2,1% mehr Lohn und Gehalt, zusätzlich eine Einmalzahlung von 90,- Euro für die Gehaltsempfänger und 120,- Euro für die Lohnempfänger. Die Ausbildungsvergütungen werden ab dem 1. September 2013 um 27,- Euro und ab dem 1. September 2014 um weiter 19,- Euro erhöht. Die Altersstaffeln (AGG-widrig!) im Gehaltstarifvertrag wurden durch Jahre mit vergleichbarer Tätigkeit ersetzt und die neuen Eingangsstufen um mehr als 200,- Euro angehoben. Ein verbindlicher Verhandlungsfahrplan für den Entgelttarifvertrag (der u.a. die Unterscheidung zwischen Lohn und Gehalt aufheben soll) wurde vereinbart.Ein Bestandsschutz für alle Gehaltsempfänger, die im bayerischen Groß- und Außenhandel vor dem 30. Juni gearbeitet haben, wurde vereinbart…Meldung auf ver.di-Bayern vom 04.07.2013 externer Link
  • Streiks fortgesetzt – Ver.di verlangt verhandlungsfähiges Angebot. »Erpressung« abgelehnt „Arbeitsniederlegungen in Berlin, Leipzig, Magdeburg, Hannover, Bremen. Dort und andernorts ging der verhärtete Tarifkonflikt im Einzelhandel am Freitag in die nächste Runde. Über 1000 Berliner und Brandenburger Einzelhandelsbeschäftigte befanden sich nach Angaben des ver.di-Landesbezirks im Warnstreik. In Bremen kamen rund 300 Beschäftigte zu einer Kundgebung auf dem Bahnhofsplatz zusammen. Betroffen waren unter anderem Unternehmen wie H&M, Ikea, Karstadt, Kaufland, Netto, Penny, Real, Reichelt, Rewe und Thalia…Eine Übersicht in der jungen Welt vom 06.07.2013 externer Link
  • Die Verkäuferinnen brauchen unser aller Unterstützung – Aktionsvorschläge aus Bremen „(…) Was können wir als GewerkschafterInnen, als außerbetriebliche UnterstützerInnen der Beschäftigten oder als KundInnen tun, um uns da zugunsten der Beschäftigten aktiv einzuschalten? (…) Beispiele für Aktionsformen: Groß-Zeitung: Sich mit einer großen beschriebenen Zeitung irgendwo in der Stadt oder im Einkaufszentrum 1 Stunde hinsetzen. Das erregt Aufmerksamkeit ohne viel Aufwand – kann mit 1 – 2 Menschen gemacht werden. Eine/r sollte das mit der Kamera dokumentieren und weiter verbreiten. Marktschreier: Sich zu zweit zusammentun und – je nach örtlichen Gegebenheiten – im Supermarkt im Kassenbereich, ggf. im Cafeteria-Bereich, an der Wurst- und Käsetheke oder über Regale hinweg ein Zwiegespräch zu den Themen der Tarifrunde und den Arbeitsbedingungen der Beschäftigten führen. Man könnte es auch je nach Bedingungen und nötiger Lautstärke „Marktschreier“ nennen. (Vorschläge im Anhang, die natürlich je nach Leuten, die das machen wollen, abgewandelt werden können. Es geht ja um ein lebendiges Gespräch …) Bodenzeitung Mit 5 -6 Leuten vor größeren Supermärkten eine wetterfeste Bodenzeitung auslegen, die Aussagen zu den Arbeitsbedingungen im Einzelhandel enthält (im Anhang Details, wie man das macht.) und den interessierten KundInnen eine Blume für die Beschäftigten mit einer ermutigenden Aussage mitgeben…“ Beitrag von Traudel Kassel; Bremen; 04.07.2013 tkassel@net-special.de
  • Frontalangriff: Lohn- und Gehaltsrunde im Einzelhandel wird zu einem Konflikt um zentrale Arbeitsbedingungen „Der Arbeitgeberverband des Einzelhandels hat die Lohn- und Gehaltsrunde im Frühjahr 2013 durch die Kündigung der Manteltarifverträge zu einer fundamentalen Auseinandersetzung um zentrale tarifliche Schutzregelungen und tarifpolitische Erfolge der vergangenen Jahre gemacht…“ Artikel von Jörg Wiedemuth auf Sozialismus Aktuell vom 27. Juni 2013 externer Link
  • »Eigentlich fünf Tarifrunden« Einzelhandelstarifrunde: Arbeitgeber wollen alles, ver.di streikt und sagt Nein! „Die Tarifrunde 2013 begann im Einzelhandel schon Ende Januar. Obwohl die ersten Entgelttarifverträge erst zum Ende März kündbar waren, kündigten die Arbeitgeber sie diesmal bundesweit und dazu noch die Manteltarifverträge in allen Bundesländern (außer für Hamburg und Schleswig-Holstein). Nach erster, kurzer Überraschung sprach ver.di-Handel von einem Generalangriff der Arbeitgeber. Bis Mitte April prägte die beidseitige Öffentlichkeitsarbeit die Auseinandersetzungen. Der HDE (= Handelsverband Deutschland, der Arbeitgeberverband der Einzelhändler, in dem ein Drittel der Firmen Mitglied ist) versuchte mit Niedlichkeiten und Nebensächlichkeiten, die Öffentlichkeit auf seine radikalen Forderungen nach Verschlechterung der bestehenden Tarifverträge einzustimmen. ver.di informierte unterdessen in den Betrieben über die Auswirkungen der Kündigung der Tarifverträge für die Beschäftigten. Diese Aufklärungsarbeit erwies sich als erfolgreichste Mitgliederwerbung seit 1988/89. Damals ging es um die Verteidigung des Ladenschlussgesetzes mit einem Ladenschluss um 18.30 Uhr. Diesmal hatte der Aufruf zur Verteidigung der sozialen, tariflichen Besitzstände den Eintritt von bisher über 20 000 neuen Mitgliedern zur Folge. (Stand: Ende Mai 2013) Selbst in den mit 60-70 Prozent schon gut organisierten Betrieben, z.B. in Mannheim/Heidelberg, kam es zu erstaunlich vielen Beitritten. Zusätzlich signalisierten zahlreiche Erhöhungen des Gewerkschaftsbeitrages – davon hängt die Höhe des Streikgeldes ab – eine große Streikbereitschaft der Mitglieder…“ Artikel von Anton Kobel, erschienen in express, Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit, 06/2013
  • Tarifabschluss für die Beschäftigten im Groß- und Außenhandel Berlin und Brandenburg – 2013: Drei Prozent mehr und 2014 weitere  2,1 Prozent mehr „Die Tarifvertragsparteien im Groß- und Außenhandel Berlin und Brandenburg haben sich in der zweiten Verhandlungsrunde auf einen neuen Tarifvertrag verständigt.  Demnach steigen die Löhne und Gehälter der 60.000 Beschäftigten  zum 1. Juli 2013 um drei Prozent. Zum 1. Mai 2014 steigen die Entgelte um weitere 2,1 Prozent. Die Ausbildungsvergütungen werden zum 1. September 2013 um 30 Euro und am 1. September 2014 um weitere 20 Euro erhöht. Zum Mai 2014 erhalten die Beschäftigten zusätzlich eine Einmahlzahlung von 90 Euro. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit bis zum 30.04. 2015. (…) Die Forderung der Arbeitgeber nach längeren Arbeitszeiten am Heilig Abend  und Silvester konnten abgewehrt werden. Die Arbeitszeit endet weiterhin spätestens um 13:00 Uhr…Meldung bei ver.di Handel Berlin Brandenburg vom 18.06.2013 externer Link
  • Tarifabschluss im Groß- und Außenhandel NRW – 2013: Drei Prozent – 2014: 2,1 Prozent „Der Druck aus den Betrieben hat seine Wirkung nicht verfehlt. Für den nordrhein-westfälischen Groß- und Außenhandel konnte am 17. Juni ein neuer Tarifvertag vereinbart werden. Und so sieht er aus: Zum 1. Juli 2013 werden die Löhne und Gehälter um drei Prozent angehoben. Ab dem 1. Mai 2014 werden die Löhnen und Gehälter um weitere 2,1 Prozent erhöht. Die Ausbildungsvergütungen steigen zum 1. September 2013 um 27 Euro und am 1. September 2014 um weitere 19 Euro. Einmalzahlung in Höhe von 90 Euro am 1. Mai 2014. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit bis zum 30.April 2015…“ Meldung bei ver.di Handel NRW vom 17.06.2013 externer Link
  • Tarifrunde Groß- und Außenhandel Baden-Württemberg: Tarifergebnis in vierter Runde erzielt „Die Tarifparteien im Groß- und Außenhandel Baden-Württemberg konnten sich gestern Abend in der vierten Verhandlungsrunde in Korntal-Münchingen auf ein Tarifergebnis verständigen. Die Gehälter und Löhne werden ab 1.6.2013 um 3,0 % und ab 1.4.2014  um weitere 2,1 % erhöht. Zudem gibt es im April 2014 eine Einmalzahlung in Höhe von 90 €. Die Ausbildungsvergütungen werden im Jahr 2013 um 27 € und in 2014 um weitere 19 € angehoben (jeweils zum 1. September). Die Vereinbarung hat eine Laufzeit von 24 Monaten und gilt rückwirkend vom 1.4.2013…“  Meldung  bei verdi Handel Baden-Württemberg vom 15.06.2013 externer Link

Hintergrund

  • Verwaltung oder Politik des Lohns? Rudi Schmidt über neue Entgeltstrukturen im Einzelhandel Im Einzelhandel läuft zurzeit eine Tarifrunde, die es in sich hat, denn zusätzlich zu den ohnehin schwierigen Gehaltsauseinandersetzungen hatten die Arbeitgeber den Manteltarifvertrag gekündigt. Das wird von vielen Beschäftigten und Hauptamtlichen an sich schon als Affront wahrgenommen. Dass dies auch ein Schachzug sein könnte, erneut ein letztlich (lohn)politisches Projekt auf die Tagesordnung zu setzen, das durch breite Diskussion und viele kritische Stimmen schon erledigt schien, steht dagegen weniger im öffentlichen Rampenlicht: Es geht um die Entgeltstrukturreform im Handel, die von Arbeitgeberverbänden, aber mit Blick auf ›veraltete‹, die Wirklichkeit der Arbeitsplätze und -aufgaben nicht mehr beschreibende Eingruppierungskriterien auch in einigen ver.di-Bereichen gefordert wird. Längst überfällig wäre ein Blick auf Erfahrungen gewesen, die bei der Umstellung summarischer auf sog. analytische Arbeitsbewertungsverfahren in anderen Branchen, etwa der Chemie- oder zuletzt der Metallindustrie mit ihrem ERA-Vertrag, gemacht wurden. Ob der unbedingte Wille zu Modernität, der Nachweis tariflicher Anschluss- und Satisfaktionsfähigkeit gegenüber den Arbeitgebern oder schlicht das gehetzte Tagesgeschäft es nicht mehr zulassen, das historische Gedächtnis aufzufrischen oder gewerkschaftsübergreifende Lernerfahrungen zu ermöglichen – wir wissen es nicht.Umso mehr freuen wir uns, dass Rudi Schmidt* im Folgenden eben jenen Blick zurück auf die Zielsetzungen analytischer Verfahren und auf die Erfahrungen mit der »Jahrhundertreform« ERA in der Metallbranche wirft – bevor die nächsten Fakten geschaffen werden. Der Beitrag geht zurück auf unsere Tagung »Innovative Tarifpolitik im Einzelhandel« am 15. September 2012, in der nächsten Ausgabe folgt das Co-Referat von Klaus Dörre. Artikel von Rudi Schmidt, erschienen in express, Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit, 05/2013