Tarifrunde 2019 nimmt Fahrt auf: Die Gewerkschaften gehen in diesem Jahr mit Forderungen von sechs Prozent und mehr in die Tarifgespräche. Schon zum Auftakt gab es erste Streiks

Tarifrunde Druck 2018“In diesem Jahr werden für mehr als 7,3 Millionen Arbeitnehmer neue Löhne und Gehälter ausgehandelt. Damit kann etwa jeder dritte Tarifbeschäftigte in Deutschland mit höheren Bezügen oder mehr Freizeit rechnen. Zumindest Flugpassagiere in Berlin bekamen die Tarifauseinandersetzungen im neuen Jahr bereits zu spüren. Um der Forderung der Gewerkschaft Verdi nach einem bundesweit einheitlichen Stundenlohn von 20 Euro für die Sicherheitsmitarbeiter an den Airports Nachdruck zu verleihen, gab es zu Wochenbeginn erste Warnstreiks. Dabei geht es hier um eine relativ kleine Interessengruppe von nur 23 000 Beschäftigten. Ein richtiges Schwergewicht der Tarifrunde im neuen Jahr ist der öffentliche Dienst der Länder. Darunter fallen rund 935 000 Beschäftigte. Hier geht Verdi mit einer Forderung von sechs Prozent mehr Geld in die Verhandlungen, die am 21. Januar starten. Das Ergebnis beeinflusst auch die Einkommen der etwa 2,1 Millionen Beamten und Pensionäre. Am 15. Februar beginnen die Gespräche für das Bankgewerbe. Für die knapp 218 000 Beschäftigten verlangt Verdi ebenfalls einen Entgeltzuwachs von sechs Prozent. Darüber hinaus stehen in diesem Jahr Tarifverhandlungen in der Stahlbranche, der Textil- und Bekleidungsindustrie, im Einzelhandel sowie im Kfz-Gewerbe und der Zeitarbeit an. Auch hier machen die Gewerkschaften zum Teil einen Aufschlag von sechs Prozent und mehr geltend…” Beitrag von Stefan Vetter vom 8. Januar 2019 bei der Saarbrücker Zeitung online externer Link. Siehe dazu:

  • Die Scheu vor dem Arbeitskampf. Trotz der Warnstreiks an den Flughäfen – in Deutschland wird nur ungern gestreikt New
    Das Tarifjahr 2019 hat bereits mit ersten Arbeitsniederlegungen begonnen. Von der vielbeschworenen »Streikrepublik« ist man jedoch weit entfernt. »Streikchaos legt Banken lahm«, »Verdi-Streik sorgt für Bargeldchaos«, »Flugausfälle dank Streik« – glaubt man den Schlagzeilen zu den ersten Arbeits­niederlegungen im Tarifjahr 2019 in der Geld- und Werttransportbranche und der Personen- und Gepäckkontrolle im Luftverkehr, ist die öffentliche Infrastruktur des Landes durch die Gewerkschaften bedroht. Tatsächlich aber wird es trotz mehrerer konfliktträchtiger Tarifrunden voraussichtlich auch in diesem Jahr nur wenige arbeitskampfbedingte Ausfalltage geben. In diesem sogenannten kleinen Tarifjahr sollen die Löhne und Gehälter von etwa 7,3 Millionen Beschäftigten neu verhandelt werden – deutlich ­weniger als im Vorjahr. (…) Sowohl bei den Ländern als auch im Handel wird es ohne Arbeitsnieder­legungen wohl kaum zu einer Einigung kommen. Gerade im Handel waren in den vergangenen Jahren Tarifabschlüsse nur durch umfangreiche Streiks und oft langwierige Verhandlungen zu erreichen. Einer der Gründe ist die immer weitere Zersplitterung des Tarifgefüges. (…) Nicht nur im Handel sinkt die Bindung der Unternehmen an Flächen- und Branchentarifverträge. Wie in den vergangenen Jahren soll daher auch in diesem Jahr die große Mehrheit aller ­Arbeitskämpfe um Haus- und Firmentarifverträge geführt werden. (…) Streiks, abgebrochene Verhandlungen, Einigungen in letzter Minute – all diese Kennzeichen tariflicher Auseinandersetzungen in anderen Branchen haben in der chemischen Industrie Seltenheitswert. So liegen die letzten Streiks in der Branche inzwischen fast 50 Jahre zurück. Selbst wenn sich die Tarifparteien nicht so schnell wie in der Vergangenheit einigen sollten, sind ­Arbeitsniederlegungen beinahe ausgeschlossen…” Artikel von Stefan Dietl in der jungle World vom 17.01.2019 externer Link