Debatte um Streikstrategie bei Amazon: DGB-Chef Hoffman will bald grenzübergreifende Aktionen

Amazon: Konsument*innen, auf in den Solidaritätsstreik!“… 150 Streikende am größten deutschen Amazon-Standort mit rund 4.000 Beschäftigten – das ist ein dürftiger Organisationsgrad. Schon vor dem heute zu Ende gehenden Streik im Umtauschgeschäft nach Weihnachten haben die Verdi-Vertrauensleute Christian Krehling und Andrea Schmittkunz im Gewerkschaftsbüro in der Hersfelder Innenstadt darüber diskutiert, warum es so schwer ist, die Amazon-Beschäftigten zum solidarischen Handeln zu bewegen. (…) Verdi-Vertrauensmann Christian Krehling sieht einen Hauptgrund für die fehlende Streikbereitschaft in der Befristung der Arbeitsverträge bei etwa der Hälfte der Amazon-Mitarbeiter in Bad Hersfeld. (…) Nun versucht Verdi, den Organisationsgrad der Amazon-Lagerarbeiter auch dadurch zu erhöhen, dass man die gesundheitlichen Belastungen am Arbeitsplatz thematisiert. Auch der hohe Krankenstand, so Gewerkschaftssekretärin und Streikleiterin Mechtild Middecke, soll Thema von Verhandlungen über einen Tarifvertrag werden (…) Doch um Amazon wirklich zu Verhandlungen über einen Tarifvertrag zu bewegen, muss man womöglich die grenzübergreifende Solidarität mit den Amazon-Beschäftigten in Polen und Tschechien besser organisieren…” Beitrag von Ludger Fittkau vom 30. Dezember 2017 beim Deutschlandfunk Kultur externer Link Audio Datei: “DGB-Chef Hoffman will bald grenzübergreifende Aktionen” (Audiolänge: 4:22 Min., abrufbar bis zum 8. Juli 2018) – es erscheint wie eine Antwort auf die Kritik an der Streikstrategie:

  • “Streik bei Amazon: Verdis aussichtsloser Arbeitskampf”
    Die Gewerkschaft will bei Amazon einen Tarifvertrag durchsetzen. Doch der Konzern lehnt Verhandlungen ab. Was bleibt, sind Durchhalteparolen. Es ist der traurigste Arbeitskampf Deutschlands. Aufgerufen von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi sind mal wieder Beschäftigte des Internetversandhändlers Amazon in den Streik getreten. Ein paar hundert Mitarbeiter sind es diesmal, die noch bis einschließlich Samstag in den beiden Logistikzentren im ost­hessischen Bad Hersfeld ihre Arbeit niedergelegt haben. Doch auch dieser Ausstand wird sie nicht ihrer Forderung nach einem Tarifvertrag näher bringen. Es ist ein Kampf David gegen Goliath, nur ohne Happy End. (…) Es mangelt schlichtweg an einem ausreichenden ökonomischen Druck. Die wiederkehrenden Streiks sorgen zwar für ein konstantes negatives Grundrauschen, führen jedoch nicht zu schmerzhaften Umsatzeinbrüchen – und die Kunden bekommen von den Arbeitsniederlegungen praktisch nichts mit. Auch wenn Verdi trotzig darauf beharrt, dass der Arbeitskampf wirke: Bislang fehlen Belege, wonach es zu spürbaren Lieferverzögerungen oder gar Lieferausfällen gekommen ist. (…) Und auch wenn sich Amazon gerne selbst als „guten Arbeitgeber“ lobt, sieht die Realität für die Beschäftigten anders aus. Kontrolle, Druck und Arbeitshetze bestimmen den Arbeitsalltag. Deswegen wäre es äußerst wünschenswert, wenn der lange Arbeitskampf von Verdi erfolgreich verlaufen würde. Auch wenn es auf den ersten Blick wie ein Widerspruch erscheinen mag: Trotzdem war es falsch, ihn überhaupt angefangen zu haben. Und so schmerzhaft es ist: Es wäre besser, diesen Arbeitskampf in seiner gegenwärtigen Form schnellstmöglich zu beenden. Denn es reicht eben noch nicht, berechtigte Ansprüche zu haben, um sie auch durchsetzen zu können. Ein Streik macht nur dann Sinn, wenn er effektiv ist. (…) Entgegen den sonstigen gewerkschaftlichen Gepflogenheiten spielten hier magerer Organisationsgrad und mangelnde Kampfkraft keine Rolle. Im Gegenteil: Über den Streik sollte beides erst hergestellt werden – ein Kamikazeunternehmen. Zwar konnte Verdi im Laufe des Konflikts Mitglieder hinzugewinnen, aber bei Weitem nicht genug, um den Versandriesen in die Bredouille zu bringen. Selbst zu Mobilierungshochphasen beteiligte sich gerade mal knapp ein Fünftel der Beschäftigten an den einzelnen Streikaktionen – wohlwollend gezählt. Bis heute ist es Verdi nicht ein einziges Mal gelungen, alle elf deutschen Amazon-Standorte gleichzeitig in den Arbeitskampf einzubeziehen. An einigen wurde sogar noch nie gestreikt. (…) So bitter es ist: Die Gewerkschaft wird irgendwann ihre Niederlage eingestehen müssen. Und zwar am besten so schnell wie möglich...” Artikel von Pascal Beucker vom 28.12.2017 bei der taz online externer Link