Dossier

Elektro-MobilitätDie Volkswagen-Werke in Emden und Hannover sollen neue Standorte für Elektroautos werden. Nach HAZ-Informationen sehen die Planungen des Konzerns vor, die Produktion des Passat in Emden zu beenden und Teile der Transporter-Fertigung aus Hannover zu verlagern – vermutlich zum künftigen Partner Ford in die Türkei. Die endgültigen Beschlüsse dazu werde der Aufsichtsrat am 16. November treffen (…) Wenn der Vorstand das so entscheidet, brauchen wir neue Fahrzeuge, die das wegfallende Produktionsvolumen ausgleichen“, sagte Betriebsratschef Manfred Wulff. Zwischenzeitlich war dafür ein Modell der Konzernschwester Skoda im Gespräch, doch diese Option scheiterte am Widerstand der Belegschaft in Tschechien. Diese Forderung soll offenbar durch mehrere Elektro-Autos erfüllt werden. (…) Als Ersatz dafür soll VWN ein Elektro-Auto bauen – als Kandidat gilt der I.D.Buzz, eine Art E-Bulli. Die Chancen dafür stünden im Prinzip gut hieß es. Noch aber seien die Kosten in Hannover zu hoch: Das VW-Werk in Osnabrück könne jedes Auto 1000 Euro billiger bauen als die Kollegen in Stöcken. Es gelte daher, die Strukturen zu verschlanken und die Produktivität zu erhöhen, sagte VWN-Chef Thomas Sedran am Dienstag bei einer Betriebsversammlung: „Wir müssen alle gemeinsam möglichst schnell und beherzt gegensteuern – ein ‚Weiter so‘ kann es nicht geben.“ Die Arbeitnehmervertreter wollen einer Verlagerung des Transporters nur zustimmen, wenn es für Stöcken einen „adäquaten Ersatz“ gibt. Über Maßnahmen zur Optimierung der Produktion müsse jetzt verhandelt werden, sagte die Betriebsratsvorsitzende Bertina Murkovic. Es gebe aber Grenzen: „Wir lassen keine Kosteneinsparungen allein auf dem Rücken der Belegschaft zu.“ Die Arbeitsplätze in Hannover müssten bis mindestens 2028 garantiert werden.“ Artikel von Jens Heitmann in Hannoversche Allgemeine vom 09.11.2018 externer Link, siehe dazu weitere Infos und erste Reaktionen:

  • VW-Nutzfahrzeuge: 300 Vertrauensleute protestieren bei Betriebsversammlung in Hannover New
    Eine turbulente Betriebsversammlung gab es bei VW Nutzfahrzeuge in Hannover am 12. März. Die Belegschaft ist zurecht seit Monaten aufgewühlt, denn die VW-Kollegen im Werk Hannover sind eine der Belegschaften im Automobilbereich, die den Vorgeschmack auf die Vernichtung Tausender Arbeitsplätze infolge der Umstellung auf E-Mobilität auf kapitalistischer Grundlage schon erhalten haben. In der erst im November ausgehandelten Standortvereinbarung hatte sich VW mit dem Betriebsrat darauf geeinigt, 5.000 Arbeitsplätze in den nächsten Jahren zu streichen und den VW-Transporter künftig nicht mehr in Hannover zu bauen, sondern in einer Kooperation mit Ford in der Türkei. Stattdessen soll Hannover zu einem Zentrum für E-Mobilität umgebaut werden. Aber die Halbwertszeit von Versprechen zur angeblichen „Arbeitsplatzsicherung“ wird immer kürzer: Im Februar wurde dieser Vertrag durch VW wieder gebrochen – nach nur drei Monaten. Das vollelektrische E-Modell der neuen PKW-Variante des „Bullis“ soll nun doch nicht gebaut werden, weil man nun bemerkt habe, dass nicht ausreichend Entwicklungskapazitäten zur Verfügung stünden. (…) Etwa 300 Vertrauensleute – weit mehr als erwartet – versammelten sich vor dem Podium mit IG-Metall-Fahnen, um lautstark gegen den Bruch der Standortvereinbarung zu protestieren. Das wurde von den allen bei der Betriebsversammlung anwesenden Kolleginnen und Kollegen stehend mit minutenlangem Applaus begrüßt…” Korrespondenz-Meldung vom 05.04.2019 bei Rote-Fahne-News externer Link
  • VW baut in Hannover und Emden 7000 Stellen ab 
    Deutschlands größter Autokonzern startet seine Offensive in die E-Mobilität – und baut deshalb nicht mehr benötigte Stellen ab. Nun hat die F.A.Z. erstmals erfahren, wie viele Arbeitsplätze wegfallen werden. (…) Demnach sollen an den Standorten Hannover und Emden, wo etwa 22.000 Mitarbeiter beschäftigt sind, über die nächsten Jahre rund 7000 Arbeitsplätze wegfallen – etwa ein Drittel der Stellen. Wie im Vertrag zur Beschäftigungssicherung im November vereinbart, soll das über die natürliche Fluktuation und Altersteilzeit geschehen. Befristet Beschäftigte sollen Verträge bei Porsche und im VW-Werk Kassel angeboten bekommen…” Artikel von Christian Müßgens und Holger Appel vom 20.12.2018 bei der FAZ online externer Link – bis zur Bezahlschranke
  • Die Führung von VW vernebelt den Abbau von 6.000 Arbeitsplätzen im Transporterwerk Hannover und die kurzfristige Entlassung von 500 befristet Beschäftigten in Emden 
    Diese Vernebelungstaktik wird mit der Erklärung flankiert: „Beschäftigungsgarantie in Hannover und Emden bis 2028. Das erreichen wir mit Umstellung auf Elektromobilität.“ Und Betriebsleiter Thomas Sedran setzte auf der gestrigen Betriebsversammlung in Hannover noch eins drauf: „Wir investieren hier 3,2 Milliarden Euro in Hannover; das ist viel Geld, aber ich könnte mir keine bessere Mannschaft vorstellen, der man dieses Geld anvertrauen könnte.“ Die Kolleginnen und Kollegen schüttelten über diese Anbiederei nur den Kopf, einer kommentierte: „Fremdschämen!“ (…)  Kämpferische Rednerinnen und Redner prangerten die Methode der Geschäftsleitung an: Erst überrumpeln, dann erpressen („Der Transporter wird auf jeden Fall weggehen“) und dann vage Versprechungen präsentieren. Die Betriebsratsspitze machte Stimmung ausgerechnet gegen Beiträge, die offen die Arbeitsplatzvernichtung und den Zusammenhang zur Zukunft der Auszubildenden kritisierten…” Bericht vom 28.11.2018 bei Rote Fahne News externer Link der Landesleitung Nord der MLPD von der Betriebsversammlung “VW in der Vertrauenskrise – Vertrauen in die eigene Kraft fassen!”
  • Absatzkrise: Erneut Kurzarbeit bei VW in Emden 
    Die Entscheidung ist gefallen: Im VW-Werk Emden wird es im Januar zusätzliche Schließtage und Kurzarbeit geben. Darauf haben sich am Mittwoch Werksleitung und Betriebsrat geeinigt. Nach den Weihnachtsferien sollen die Bänder für weitere 13 Tage stillstehen – bis zum 23. Januar. Für diese Zeit soll Kurzarbeit angemeldet werden. Der Grund für die verlängerten Weihnachtsferien ist die gesunkene Nachfrage nach dem Passat, der in Emden gefertigt wird. Deshalb hatte es in diesem Jahr bereits mehrfach Kurzarbeit gegeben. (…) Von den aktuell 9.000 Stamm-Beschäftigten werde niemand entlassen, sagte der Sprecher des VW-Werks Emden, Jan Wurps, NDR 1 Niedersachsen. Allen 500 befristeten Beschäftigten sei ein fester Vertrag bei VW in Kassel oder bei Porsche in Stuttgart angeboten worden. Das Interesse daran sei groß, so der Sprecher. Konkrete Zahlen nannte er nicht…” Beitrag vom 28.11.2018 beim NDR externer Link
  • Entscheidungen des VW-Aufsichtsrates / Umstieg auf Elektromobilität: IG Metall Küste sieht Chancen für das VW-Werk Emden, fordert aber zugleich langfristige Perspektiven für Beschäftigung
    “… Die Verlängerung der Beschäftigungssicherung, durch die betriebsbedingte Kündigungen für das Werk in Emden bis Ende 2028 ausgeschlossen sind, begrüßte IG Metall-Bezirksleiter Geiken. „Das gibt den Kolleginnen und Kollegen bei den anstehenden Veränderungen mehr Sicherheit.“ Kritisch sieht der Gewerkschafter, dass 500 Beschäftigte mit befristeten Verträgen nicht im Werk Emden bleiben sollen. „Das ist Resultat von hausgemachten Fehlentscheidungen der Konzernleitung, unter denen die Beschäftigten und ihre Familien jetzt leiden müssen“, so Geiken.” Meldung vom 20.11.2018 bei der IG Metall Emden externer Link
  • VW: E-Auto und Jobgarantie für Emden und Hannover
    Gute Nachrichten für die VW-Mitarbeiter in Emden und bei VW-Nutzfahrzeuge in Hannover: Das Unternehmen hat der Stammbelegschaft am Mittwochvormittag eine Jobgarantie bis 2028 ausgesprochen. NDR 1 Niedersachsen hatte im Vorfeld der Betriebsversammlung in Emden darüber berichtet. Gleichzeitig baut VW sein Werk in Ostfriesland in den kommenden drei Jahren auf Elektromobilität um und stellt dort die Produktion des Passats ein. In Hannover soll neben konventionell betriebenen Fahrzeugen ab 2022 ein Elektro-Bulli gefertigt werden. Der Aufsichtsrat will am Freitag über die Pläne entscheiden. (…) Weil für den Bau weniger Personal benötigt wird, herrschte in der Belegschaft Unsicherheit wegen möglicher Entlassungen. “Da der Bau von Elektrofahrzeugen weniger Produktionsschritte umfasst, benötigen wir in der Konsequenz auch weniger Arbeitskräfte”, bestätigte Personalvorstand Gunnar Kilian auf der Betriebsversammlung. Die Diskrepanz werde “entlang der demografischen Kurve über Altersteilzeit sozialverträglich angepasst”, sagte Kilian. Rund 500 Angestellte mit befristeten Verträgen bekommen die Möglichkeit auf Entfristung bei Porsche in Zuffenhausen, Ludwigsburg und Sachsenheim sowie im VW-Werk Kassel…” Beitrag vom 14.11.2018 beim NDR externer Link
  • Nach Passat-Aus: VW-Betriebsrat sorgt sich um Jobs
    “… „Das ist die Strategie, um in einem hochpreisigen Land die Beschäftigung zu sichern“, heißt es in Konzernkreisen. Dem Betriebsrat ist das allerdings noch zu vage. Dort sieht man nach wie vor mit Sorge, dass bei der Herstellung von E-Autos deutlich weniger Personal benötigt wird als bisher. Bevor das geplante Programm durch den Aufsichtsrat gehe, müsse es verbindlichere Zusagen für die Beschäftigtenzahl in den Werken geben, hieß es auf Arbeitnehmerseite. Die Standorte dürften nicht unter eine Mindestgröße schrumpfen. Außerdem müssten die Mitarbeiter schnell Klarheit bekommen. Gerade wegen des Abzugs der Passat-Produktion aus Deutschland sei die Verunsicherung groß. Der Komplettumbau der beiden Standorte ist Ergebnis einer radikalen Ausrichtung auf Elektroautos. Wegen der vorgesehenen Abgasgrenzwerte und absehbarer weiterer Verschärfungen ist das ohnehin nötig. Mit der Einhaltung der Vorschriften wolle sich Volkswagen aber nicht begnügen, heißt es in Wolfsburg. Der Maßstab seien die auf der Pariser UN-Konferenz im Jahr 2015 beschlossenen Klimaziele. So soll der künftige ID Neo, eine Art Golf des Elektrozeitalters, als erstes Auto mit dem Label „CO2-neutral“ vermarktet werden – Produktion inklusive. Wo es nicht ohne Kohlendioxid geht, soll über den Kauf von Emissionszertifikaten Ausgleich geschaffen werden…“ Artikel von Stefan Winter in Hannoversche Allgemeine online vom 10.11.2018 externer Link
  • Konzernweiter Kampf bei VW – statt Standorterpressung
    “Die Produktion des Passat soll im VW Werk Emden bis 2022 auslaufen. Vom Werk Hannover-Stöcken soll die Transporterproduktion bis 2024 in das Ford Werk in der Türkei verlegt werden. Im Werk Emden arbeiten zur Zeit 11.000 Beschäftige, im Werk Hannover 16.000. Dazu kommen noch Tausende Arbeitsplätze bei Zulieferern in den beiden Regionen – so hat die Region Hannover nach offiziellen Angaben 23.470 Beschäftigte in der Automobilwirtschaft, in Emden führt bereits heute jeder Tag Kurzarbeit bei VW auch zu Kurzarbeit bei Tausenden Zuliefererarbeitsplätzen. Windelweich werden Meldungen über den Ersatz durch Arbeitsplätze in der E-Mobilität verbreitet, so soll in Hannover der E-Kleinbus ID BUZZ gebaut werden. Ein Kollege in Hannover sagte dazu: „Ich glaube denen da oben gar nichts mehr. Bevor wir nicht einen ID BUZZ hier bauen, glaube ich nicht, dass der nach Hannover kommt.“ (…) Ein türkischer Kollege meinte: „Das ist doch gut für die Türkei, damit die auch mal Arbeit bekommen. Ihr habt hier genug Chancen.“ Die Arbeitsplätze werden in Deutschland und in der Türkei gebraucht und es muss auch der gemeinsame Kampf der Automobilarbeiter sein. Spaltung nützt nur den Konzernen. Die Meldungen über die Infragestellung der Werke in Hannover und Emden gehen mit einem Trommelfeuer zur Steigerung der Ausbeutung einher. So erklärte der neue VW-Nutzfahrzeuge-Chef Thomas Sedran, dass es gelte, „die Strukturen zu verschlanken und die Produktivität zu erhöhen“. Das VW-Werk in Osnabrück könne jedes Auto um 1.000 Euro billiger bauen als das Werk in Hannover. Sedran reicht auch kein normaler Profit – er will Maximalprofit. Obwohl die offizielle öffentlich verkündete Rendite in Hannover höher ist als in anderen VW-Werken (nämlich 7,2 Prozent in Hannover statt 4,1 Prozent im VW-Durchschnitt) erklärt Sedran: „Wir sind im Kostenvergleich zurzeit teurer als die mitbewerbenden Standorte.“ (…) Diese Ankündigungen sind erst der Auftakt für weitreichende Folgen einer bevorstehenden Strukturkrise in der ganzen Automobilindustrie in der Umstellung auf E-Mobilität. Deren kommende drastische Folgen werden von Regierung und Konzernen noch weitestgehend schön geredet. Alleine bei Zulieferern geht eine IG-Metall-Studie vom Verlust von 75.000 der 210.000 Arbeitsplätzen aus…“ Beitrag vom 08.11.2018 auf Rote-Fahne-News externer Link