Dossier

Kampagne der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen: "35 reicht! Keine Zeit für neue Mauern"Die IG Metall führt Gespräche mit der Unternehmerseite und mobilisiert gleichzeitig in den Betrieben: »Wir wollen bis Ende 2018 belastbare Eckpunkte erreichen, auf deren Grundlage Anfang 2019 Tarifverhandlungen aufgenommen werden sollen«, sagte Olivier Höbel, IG Metall Bezirksleiter Berlin-Brandenburg-Sachsen. »In den Belegschaften hat in den vergangenen Jahren ein intensiver Diskussionsprozess über gute Arbeit und gutes Leben stattgefunden. Die Angleichung der Arbeitsbedingungen durch eine Arbeitszeitverkürzung im Osten hat dabei eine herausragende Rolle gespielt.« Dieses Projekt steht im Mittelpunkt von vielen betrieblichen Aktionen, die gegenwärtig stattfinden. Thomas Knabel, Chef der IG Metall Zwickau ergänzt: »Unsere Mitglieder in den Betrieben stehen für die anstehenden Aktionen bereit, weil sie zurecht jetzt eine Lösung der Ostangleichung erwarten. Es wurde in den vergangenen Monaten viel geredet, nun müssen sich die Arbeitgeber zu konkreten Lösungen bewegen.« Bei BMW und Porsche in Leipzig, bei Volkswagen in Chemnitz, bei VW, GKN und Johnson-Control in Zwickau, bei Mahle in Reichenbach, bei Mercedes in Ludwigsfelde und bei Airbus in Potsdam, bei ZF in Brandenburg und bei Otis in Berlin – überall das gleiche Bild: Jetzt ist unsere Zeit, die 35 muss her! (…) Von der notwendigen Solidarität und praktischen Unterstützung ist noch nicht so viel zu spüren, Parteien, Parlamente, Kirchen und Vereine halten sich noch zurück…“ Artikel von Stephan Krull in der jungen Welt vom 25.10.2018 externer Link, siehe dazu:

  • Tarifkampf: Metaller im Osten fordern: “Arbeitsmauern niederreißen!” New
    “Seit dem 2003 abgewürgten Streik für die 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich in Ostdeutschland klafft die Frage der ungleichen Arbeitszeit wie eine „offene Wunde“. Nach der von einer demokratischen Volksbewegung erkämpften Wiedervereinigung Deutschlands haben Regierung und Monopole stets versucht, ungleiche Löhne und Arbeitsbedingungen in Ost- und Westdeutschland als Instrument zur Spaltung der Arbeiterbewegung zu zementieren. So gilt im Osten für die Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie immer noch eine tarifliche Arbeitszeit von 38 Stunden in der Woche – in vielen nicht tarifgebundenen Betrieben ist die Arbeitszeit sogar deutlich länger. Im Westen wurde die 35-Stunden-Woche nach dem großen Metallerstreik von 1984 stufenweise eingeführt – bei vollem Lohnausgleich. (…) Anlässlich der Verhandlungen fanden bzw. finden gestern und heute in einer ganzen Reihe von Betrieben Aktionen der IG Metall statt. So haben Kolleginnen und Kollegen bei Sumitomo DEMAG in Wiehe eine kleine Kundgebung vor dem Werkstor durchgeführt. Bei GKN Driveline im sächsischen Mosel dekorierte die Belegschaft den Werkszaun mit roten Aktions-T-Shirts. Die Betriebsräte aus den Werken in Kiel und Offenbach erklärten sich mit den Kolleginnen und Kollegen in Mosel solidarisch und bekräftigten, dass sie ebenfalls hinter der Forderung nach 35 Stunden pro Woche stehen. Bei Mahle in Wustermark forderte die Belegschaft: „Time to change. 35 reicht! Keine Zeit für neue Mauern.“ In Berlin versammelten sich die Kolleginnen und Kollegen von Siemens Mobility und forderten lautstark, die „Arbeitsmauer niederzureißen“…” Beitrag von bf vom 20. Juni 2019 bei Rote Fahne News externer Link
  • 30 Jahre Ungerechtigkeit: Aktionen für 35-Stunden-Woche im Osten 
    “Anderthalb Jahrzehnte war Arbeitszeitverkürzung in der ostdeutschen Metall- und Elektroindustrie kein Thema. Nach dem desaströsen Streikabbruch 2003 war die 35-Stunden-Woche innerhalb der Gewerkschaft mit einem Tabu belegt. Jetzt ist sie zurück auf der Agenda: Dieser Tage finden in etlichen Betrieben unter dem Motto »Gerecht jetzt« Aktionen statt. Das ist auch höchste Zeit. Denn fast 30 Jahre nach der sogenannten Wiedervereinigung kann man niemandem mehr erklären, warum Beschäftigte in ostdeutschen Metallbetrieben jede Woche unbezahlt drei Stunden länger arbeiten sollen als ihre Kollegen im Westen. Aufs Berufsleben gerechnet verbringen sie drei Jahre länger im Betrieb. Diese Ungerechtigkeit zu beenden hatte sich die IG Metall eigentlich schon in der vergangenen Tarifrunde vorgenommen – auf Druck von Gewerkschaftsaktiven aus Großbetrieben, die die Zustände in der IG Metall immer wieder zum Thema gemacht haben. Doch die Tarifvereinbarung vom Februar 2018 enthielt lediglich eine Gesprächsverpflichtung. Gesprochen wird seither, zuletzt am 3. Mai in Magdeburg. Doch herausgekommen ist dabei bislang nichts. Das, obwohl die IG Metall keineswegs radikal auftritt: Sie hat angeboten, die Arbeitszeitverkürzung in wirtschaftlich schwächeren Betrieben später wirksam werden zu lassen. Erst 2030 – in über zehn Jahren – soll die 35-Stunden-Woche demnach für alle Metallbelegschaften Ostdeutschlands gelten. Das ist wenig ambitioniert, für die Konzerne aber dennoch des Teufels. Sie wollen schließlich das Gegenteil: die weitere Ausweitung der Arbeits- und Betriebsnutzungszeiten, unter anderem durch eine Aufweichung des Arbeitszeitgesetzes…” Kommentar von Daniel Behruzi bei der jungen Welt vom 8. Mai 2019 externer Link
  • Auch im Osten: 35-Stunden reichen
    Streit um die Einführung der 35-Stunden-Woche in der ostdeutschen Metallindustrie: Die Arbeitgeber wollen keinen verbindlichen tariflichen Zeitplan – sondern lieber betrieblich verhandeln. Wir bestehen auf einen Tarifvertrag und machen dafür Druck mit einer Aktionswoche in den Betrieben...” Aktionsseite der IG Metall externer Link und die Foto-Aktion der IG Metall: “35 – im Osten wie im Westen: Jetzt ist unsere Zeit!” externer Link
  • IG Metall fordert 35-Stunden-Woche für Ostdeutschland 
    “Die IG Metall macht erneut Ernst: Die Gewerkschaft fordert die 35-Stunden-Woche endlich auch im Osten des Landes einzuführen. 2003 war die IG Metall mit dem Vorhaben noch gescheitert. Aus den Betrieben bekomme man enormen Druck, die Ungleichheit zu beenden,” sagt IG-Metall-Chef Jörg Hofmann im Gespräch mit der Leipziger Volkszeitung (…) Mit den Arbeitgebern in Ostdeutschland sei man bereits im Gespräch, sagt Bernd Kruppa, Chef der IG Metall Leipzig. Zwar könnten die manteltariflichen Bestimmungen erst 2020 gekündigt werden, aber die Gewerkschaft strebt noch für dieses Jahr konkrete Vereinbarungen über die Umsetzung ihrer Forderungen an. „Grundlage kann ein Modell von unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Bandbreiten sein“, sagt Kruppa. Er spricht von differenzierten Lösungen und neuen betrieblichen Gestaltungsspielräumen. Hintergrund sei ein enormer Wertewandel in den Betrieben. (…) Aus Befragungen wisse man, dass die Beschäftigten mehr freie Zeit für Familie und Beruf, Pflege oder Qualifizierung statt mehr Geld wollten. Allein bei BMW und Porsche haben 4400 Mitarbeiter diesen Wunsch geäußert. Insbesondere bei Beschäftigtengruppen mit besonderen Belastungen wie Schichtarbeiter wachse der Druck auf ihre Interessenvertreter. Neben dem Modell der unterschiedlichen Geschwindigkeiten, sind auch ergänzende Tarifvereinbarungen bei Konzernbetrieben denkbar, erklärt der Leipziger Gewerkschafter. Soll heißen, dass man bei Porsche, BMW, Volkswagen sowie großen Zulieferern wie ZF Friedrichshafen oder Mahle vorangeht und hier als erstes die Angleichung der Arbeitszeiten durchsetzen will. Gleichzeitig strebe man Lösungen in der Fläche an. (…) Stark genug fühlt sich die Gewerkschaft, ihre Forderungen durchzusetzen. Die Zahl der Mitglieder wachse stetig. „Im Vorjahr gab es“, sagt Hofmann, „bundesweit über 133 000 Neuaufnahmen – der beste Wert seit der Jahrtausendwende…“ Beitrag von Andreas Dunte vom 23. März 2019 bei der Leipziger Volkszeitung online externer Link