Dossier

Digitalisierungskongress: Arbeit und Gesellschaft 4.0 mitgestalten digikongress2016 in der ver.di Bundesverwaltung, Berlin, am 17. und 18. Oktober 2016“… Um die Schulen in Deutschland flächendeckend in die Lage zu versetzen, digitale Bildung zu vermitteln, schlägt das BMBF einen DigitalPakt#D mit den Ländern vor. Das BMBF bietet demnach an, über einen Zeitraum von fünf Jahren mit rund fünf Milliarden Euro die rund 40.000 Grundschulen, weiterführenden allgemeinbildenden Schulen und Berufsschulen in Deutschland mit digitaler Ausstattung wie Breitbandanbindung, W-LAN und Geräten zu versorgen. Im Gegenzug sollen sich die Länder verpflichten, die entsprechenden pädagogischen Konzepte, die Aus- und Fortbildung von Lehrerinnen und Lehrern sowie gemeinsame technische Standards umzusetzen…” Aus der Pressemitteilung des Bundesbildungsministeriums vom 12.10.2016 externer Link: “Sprung nach vorn in der digitalen Bildung”. Siehe dazu kontroverse Beiträge:

  • Bundestag stimmt Grundgesetzänderung zu: Der Digitalpakt wird kommen New
    Nach wochenlangem Ringen zwischen Bund und Ländern ist der Weg für die Digitalisierung von Deutschlands Schulen frei. Nachdem sich am Mittwoch der Vermittlungsausschuss auf eine Grundgesetzänderung zur Zahlung von Finanzhilfen im Bildungsbereich verständigt hatte, stimmte am Donnerstag auch der Bundestag dem Digitalpakt zu. (…) Der verabschiedete Kompromiss regelt unter anderem, wie der Bund die Verwendung der fünf Milliarden Euro für WLAN, Computer und digitale Lerninhalte an den Schulen kontrollieren darf. Die GEW begrüßte die Einigung, bekräftigte zugleich aber ihre Forderung nach einer vollständigen Abschaffung des Kooperationsverbotes, um auch Schulsanierungen finanzieren zu können. Strittig gewesen waren vor allem die erst geplante 50:50-Finanzierung von Bund und Ländern sowie die Kontrollmöglichkeiten des Bundes, durch welche die Länder eine zu starke Einflussnahme aus Berlin befürchteten. Die Forderung, bei Bundeszuschüssen den Ländern Zahlungen in gleicher Höhe vorzuschreiben, ist nun jedoch vom Tisch: Bund und Länder werden die Finanzierungsquote für jedes Projekt einzeln bestimmen. Außerdem werden für  Investitionen in Bildungsinfrastruktur schwächere Kontrollrechte des Bundes als üblich gelten. (…) Die Grundgesetzänderung muss noch in den Bundesrat, dieser soll am 15. März entscheiden. Nötig ist auch dort eine Zweidrittelmehrheit…” GEW-Pressemitteilung vom 21.2.2019 externer Link, siehe auch – viel skeptischer:
  • Der Digitalpakt wird unseren Kindern sehr schaden. Eigentlich unverantwortlich. New
    Der Journalist und Medienfachmann Ralf Wurzbacher hat aus Anlass der Beratung des Digitalpaktes ein Interview am 21. Februar 2019 bei den NachDenkSeiten mit der Neurobiologin Dr. Teuchert-Noodt geführt externer Link: “… Überlassen wir Konfuzius die richtigen Worte: „Der Mensch hat drei Wege, klug zu handeln. Erstens durch Nachdenken – das ist der edelste. Zweitens durch Nachahmen – das ist der leichteste. Drittens durch Erfahrung – das ist der bitterste.“ Letzteren Weg zu gehen, ist unsere Politik also wild entschlossen? Will sie wirklich die langjährigen Erfahrungen anderer Länder nicht zur Kenntnis nehmen, die inzwischen zu klassischen Lernkonzepten zurückkehren – als da wären Südkorea, Australien, einzelne US-Bundesstaaten, Holland? Führen auch die immer wieder mit viel Sachverstand im eigenen Land vorgetragenen Warnungen aus Pädagogik, Kinderpsychologie, Medizin und Neurowissenschaft unsere Politiker nicht zum Nachdenken? Die routinierte Wegwischbewegung auf dem Tablet könnte ihnen sehr bald das Genick brechen. Denn die digitalisierten Kinder von heute geben morgen ihre Wählerstimme ab und deren virtualisierte Ansichten fängt man nicht mehr wenige Monate vor den Wahlen ein. (…) Natürlich, auch Politiker sind Menschen, die den negativen Folgen der medialen Überschleunigung unserer Zeit ausgesetzt sind. Das führt nicht nur bei Schulkindern zu schweren Konzentrationsschwächen und Denkproblemen. Vor neuronalem Hintergrund möchte die Uneinsichtigkeit von Politikern ein klares Indiz dafür sein, dass spezifische Stirnhirnkompetenzen – was Antizipation und Denken in historischen Kategorien einbezieht – bereits ernsthaft in Mitleidenschaft gezogen sind und den Weg des Nachdenkens blockieren. Politiker selbst befinden sich offensichtlich bereits auf dem Opferweg der digitalen Entmündigung. Anders ist diese synchrone Fehlhaltung sämtlicher Parteien bezüglich der Digitalisierung von Schulen und Unterricht nicht zu verstehen. (…) Der „Digitalpakt” wird in die Geschichte als „digitaler Unmöglichkeitspakt” eingehen. Die Jahrtausendwende war auch eine Offenbarungswende für die Dekade der Hirnforschung. Seitdem liegen die Karten auf dem Tisch: Das kindliche Gehirn kann nicht digital. Erst Studenten können es schaffen, „verantwortungsvoll“ mit Medien umzugehen, wenn sie zuvor einen analogen Schulabschluss hingelegt haben. Gleichwohl vermisst man hinreichende „Kompetenz“ bei Eltern und Lehrpersonal. Das Tippen und Wischen verhindert jegliches Lernen. Rechnen, Lesen, Schreiben bleiben nun einmal Grundkompetenzen, die in Nervennetze real eingeschrieben werden müssen. Zudem ist der schulische und private Umgang mit digitalen Geräten generell für das Kind und den Jugendlichen äußerst suchtgefährdend…”
  • Digitalpakt Schule „Wir brauchen auch mehr Geld für Schulbauten!“
    “… Vor der wohl entscheidenden Sitzung des Vermittlungsausschusses unter anderem zum Digitalpakt Schule fordert GEW weitere Bundesmittel für Bildung. „Wir brauchen auch mehr Geld für Schulbauten“, sagte die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Der Sanierungsstau ist riesig.“ In fast allen Städten seien wegen der immer zahlreicheren Schülerinnen und Schüler zudem zusätzliche Schulen nötig. Hintergrund ist ein Konflikt zwischen Bund und Ländern. Während der Bundesratssitzung im vergangenen Jahr hatten die Länder eine vom Bund festgeschriebene Lockerung des Kooperationsverbotes und damit die Möglichkeit für den Bund, sich finanziell an Kosten für Bildung zu beteiligen, erst einmal blockiert. Der Bundestag hatte zuvor eine Grundgesetzänderung vorgenommen und festgeschrieben, dass sich die Länder zu 50 Prozent an den Kosten beteiligen müssen, wenn der Bund ihnen Finanzhilfen gewährt. Außerdem schreibt die Änderung vor, dass die Verwendung der Mittel regelmäßig überprüft wird. Der Digitalpakt ist von diesen Änderungen ausgenommen. (…) „Wir von der GEW erwarten, dass Bund und Länder endlich an einem Strang ziehen und dass mehr Geld für Bildung fließt“, sagte Tepe. Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer warteten auf die Schuldigitalisierung. Sie appelierte an Bund und Länder für den Bildungsbereich eine konstruktive, rechtssichere Lösung zu finden, die kurzfristig greift. „Schulen für die digitale Welt fit zu machen, ist längst überfällig.“…” GEW-Stellungnahme vom 20. Februar 2019 externer Link
  • “Digitale Bildung”: Der abschüssige Weg zur Konditionierungsanstalt 
    “… Was versteht man unter “Digitaler Bildung”? Damit ist nicht gemeint, dass Lehrer nach eigenem Ermessen digitale Medien und Software als nützliche Hilfsmittel im Unterricht einsetzen, dass Schüler z.B. Word, Power Point oder Excel lernen, Auswertungen von Versuchen mit Programmen vornehmen, statistische Berechnungen durchführen oder lernen, Filme digital zu drehen und zu schneiden. Das gehört heute zu Grundfertigkeiten, die man ab der Oberstufe lernen sollte. Und dazu genügen stationäre PCs. Es geht vielmehr um eine schleichende Neuausrichtung des Erziehungswesens, bereits ab den KiTas. Es geht um die Übernahme der Erziehung durch digitale Medien. Ihr Rationalisierungs- und Überwachungspotential macht um die Schule keinen Bogen. So wie bei der Industrie 4.0 Roboter die Produktion selbständig steuern, sollen Computer und Algorithmen das Erziehungsgeschehen autonom steuern. (…) Der Think-Tank der Bertelsmann-Stiftung pusht die “Digitale Bildung”. Die Bertelsmann-Chefs Jörg Dräger und Ralph Müller-Eiselt berichten begeistert: Die Software „Knewton durchleuchtet jeden, der das Lernprogramm nutzt. Die Software beobachtet und speichert minutiös, was, wie und in welchem Tempo ein Schüler lernt. Jede Reaktion des Nutzers, jeder Mausklick und jeder Tastenanschlag, jede richtige und jede falsche Antwort, jeder Seitenaufruf und jeder Abbruch wird erfasst. »Jeden Tag sammeln wir tausende von Datenpunkten von jedem Schüler« sagt Ferreira stolz. Diese Daten werden analysiert und zur Optimierung der persönlichen Lernwege genutzt. Komplexe Algorithmen schnüren individuelle Lernpakete für jeden einzelnen Schüler, deren Inhalt und Tempo sich fortlaufend anpassen, bei Bedarf im Minutentakt. (…) Konnte inzwischen mit Vergleichsstudien belegt werden, dass digitale Medien zu besseren Lernerfolgen führen als die bisherige “analoge” Erziehung? Nein, im Gegenteil…” Gastbeitrag von Peter Hensinger vom 27. Januar 2019 bei Norbert Häring externer Link, der Text ist ein Auszug aus dem (24-seitigen) Vortrag: „Trojanisches Pferd “Digitale Bildung”. Auf dem Weg zur Konditionierungsanstalt in einer Schule ohne Lehrer?“ externer Link , den Peter Hensinger am 21. Juni 2017 beim Kreisverband Böblingen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft gehalten hat
  • Trojanisches Pferd ‘digitale Bildung’ – Wie lebendig kann ‘digitalisierte Schule’ sein? – Über einige Folgen der Googlofizierung des Erziehungswesens 
    “… Das Konzept “Digitale Bildung” kommt von der Industrie, nicht aus der  Erziehungswissenschaft. (…) Über Lehrermangel, überfüllte Klassen, schlechte Bezahlung und verrottete Schulen braucht man nicht weiter zu diskutieren. Denn: die Digitalisierung wird zu einer mystischen Kraft, die alternativlos ist und die Probleme löst. Doch die New York Times schlägt in einer Analyse Alarm: “How Google Took Over the Classroom” (13.05.2017). Mit ausgeklügelten Methoden, den Hype um digitale Medien nutzend, greift Google nach der Kontrolle des US-Bildungswesens, auch der Kontrolle über die Inhalte. Die NZZ berichtet, wie in der Schweiz Google schon Schulen übernimmt. Samsung rüstet sich dafür. In Afrika versuchen Microsoft, Facebook und die Weltbank mit den Brigde-Schulen das Schulsystem zu  übernehmen. Lehrergewerkschaften verurteilen das als neuen Kolonialismus. (…)  BigData ist ein Kernelement der “Digitalen Bildung”. Geplant ist, das Schulbuch  durch Smartphones oder TabletPCs zu ersetzen. Damit geben wir jedem Schüler eine Superwanze. (…) Es ist naiv zu glauben, ihr Rationalisierungs- und Überwachungspotential mache um die Schule einen Bogen. So wie bei der Industrie 4.0 Roboter die Produktion selbständig steuern, sollen Computer und Algorithmen das Erziehungsgeschehen autonom steuern. (…) Derzeit findet ein Bruch mit dem demokratischen, humanistischen Bildungsauftrag statt. Es geht um Konditionierung in bester behavioristischer Tradition (…) Eine Symbiose von Regierung, Industrie und universitären Drittmittelexperten plant unter dem Begriff “Digitale Bildung” die Umsetzung der neoliberalen Ökonomisierung und Googlification des Bildungswesens. Das verspricht nicht nur ein Milliardengeschäft, sondern auch die Möglichkeit zur behavoristischen Konditionierung der Masse der SchülerInnen für die Verwertungsinteressen des Kapitals…” Die schriftliche Fassung des Vortrags von Peter Hensinger bei der GEW Gelsenkirchen am 18.04.2018  – wir danken und empfehlen den Text wärmstens!
  • Digitalisierung der Schulen endet mit Elektroschrott
    “Zumindest, wenn Lehrer sie allein stemmen müssen. 15 Überstunden pro Woche sind unzumutbar – und schaden nicht nur den Lehrkräften. (…) Wer will, dass die Digitalisierung an deutschen Schulen gelingt, darf nicht nur an die zweifellos fehlenden Rechner und Breitbandverbindungen denken, sondern auch an die Lehrer – und sie vor Zusatzaufgaben schützen…” Artikel von Matthias Kohlmaier vom 11. Juli 2017 bei der Süddeutschen Zeitung online externer Link
  • „DigitalPakt Schule der Kultusminister: Irrweg der Bildungspolitik“ vom Bündnis für Humane Bildung aus dem Juni 2017 externer Link ist ein offener Brief an die Kultusministerkonferenz (den man über einen Link als Petition auch unterzeichnen kann) in dem der sogenannte DigitalPakt von einer Reihe von ProfessorInnen ausführlich und konkret kritisiert wird, etwa, indem angeführt wird: „Anstelle von Fünfjahresplänen und Technikfixierung sollten gerade Sie als Kultusministerinnen und Kultusminister der Länder für eine Vielfalt der Unterrichtsmethoden plädieren. Sie sollten die Individualität der Lehrpersönlichkeiten als die entscheidende Größe für gute Schule und Unterricht begreifen statt Unterricht digital zu standardisieren und alle Lernschritte zu kontrollieren. Denn Begriffe wie „Individualisierung und Personalisierung des Lernens“ sowie psychometrische Vermessung des Menschen“ und „Learning Analytics“ (Big Data für Schulen) sind die zwei Seiten der selben Medaille: Der Mensch wird zum Datensatz und Muster – und damit entindividualisiert. Das kann kein Ziel von Schule und Unterricht in demokratischen und humanen Gesellschaften sein“.
  • Milliardenprogramm für digitales Lernen: Profitiert außer Computerfirmen noch jemand davon?
    Nach Berechnungen von Andreas Breiter und Kollegen (Uni Bremen) für die die Bertelsmann-Stiftung reicht dieses Geld für gerade einmal 18 Prozent der tatsächlichen Kosten für das Szenario, dass sich fünf Schulkinder im Unterricht einen Rechner teilen müssen, und für nur sieben Prozent, wenn jeder Schüler ein Notebook oder Tablet gestellt bekommt. Demnach müssten die Schulen aus ihrem Budget mehrere 10.000 € bzw. einige 100.000 € in Digitaltechnik investieren – pro Jahr wohlgemerkt. Dadurch werden die Budgets der beteiligten Schulen für Jahre im Voraus für Digitaltechnik verplant – und stehen damit für nicht technikbasierte pädagogische Konzepte nicht zur Verfügung. Die Schulen werden de facto handlungsunfähig“ – so antwortet Professor Ralf Lankau auf die Frage des Interviewers Torsten Engelbrecht, wie weit die beschlossenen 5 Milliarden DM der Bundesregierung für Hardware reichen, in dem Gespräch „Technologie in unseren Schulen schadet mehr, als sie nützt„ am 07. Juli 2017 bei telepolis externer Link, in dem die zahlreichen Bedingungen und Auswirkungen ebenso Gegenstand sind, wie die Ideologie, es müsse vor allem digital sein.
  • »Gegen den Algorithmus kann es kein Aufbegehren geben«. Ein Gespräch mit Matthias Burchardt über den digitalen Angriff auf die Schulen, asoziale soziale Netzwerke und die Morgendämmerung des Maschinenmenschen
    Darin weist Matthias Burchardt vom Akademischer Rat am »Institut für Bildungsphilosophie, Anthropologie und Pädagogik der Lebensspanne« an der Universität zu Köln und stellvertretender Geschäftsführer der Gesellschaft für Bildung und Wissen (GBW) u.a. daraufhin: “… In der Tat nimmt die Präsenz der digitalen Endgeräte monströse Ausmaße an. Wenn Sie mit offenen Augen in der U- Bahn sitzen, sehen Sie um sich herum ruhiggestellte Menschen, die von kybernetischen Exoparasiten kontrolliert werden. (…) Bisher galt aus guten Gründen, dass Lernen in Beziehung stattfindet, verantwortet von einer in Fach und Vermittlung souveränen Lehrperson. Diese soziale Dimension von Bildung wird aber verdrängt, wenn der Bildschirm zunehmend zum Bezugspunkt wird. Es ist übrigens eine Illusion zu glauben, dass diese Geräte ein neutrales Instrument wären, das in den Händen der richtigen Leute zu mehr Bildungsgerechtigkeit beitragen würde. Zum einen vergrößert digitalisierter Unterricht die soziale Spaltung, anstatt sie zu überwinden. Mehr denn je wird dann nämlich das kulturelle Kapital der Eltern ausschlaggebend für den Bildungserfolg sein. (…) Sicher wird man hier behaupten, dass dies alles der Optimierung von Lernen dienen soll. Aber worin besteht dieses Optimum? Mündigkeit oder Anpassung an Sachzwänge, die uns die sture Maschine präsentiert – als Einübung für die Insassen der »Industrie 4.0«?…” Ralf Wurzbacher im Gespräch mit Matthias Burchardt in der jungen Welt vom 19. November 2016 externer Link – ein auch darüber hinaus sehr empfehlenswerter Beitrag
  • Bildung: Löst die Unterschichtsfabriken auf!
    “… Na endlich. Vor 15 Jahren hat eine Bildungsministerin erstmals jedem Schüler einen Laptop versprochen. Nun soll es so weit sein. Der Bund hat sich bereit erklärt, den Schulen mit einer Milliardenspritze für moderne Medien unter die Arme zu greifen. Das ist sinnvoll, denn die Bundesländer haben selbst nicht genug Geld, um Lehrer und Schulen aufs 21. Jahrhundert vorzubereiten. (…) Dennoch hat das Digitalisierungsgeschenk von Bildungsministerin Johanna Wanka auch etwas Unsoziales, ja Perverses. Die Nation wartet ja seit vielen Jahren nicht nur vergeblich auf Laptops, sondern auf Hilfen für die Zentren der Bildungsarmut in diesem Land. Die Rede ist von Risikoschulen, die in deutschen Banlieues wie Hamburg-Wilhelmsburg, Dortmund-Nord oder München-Hasenbergl lauern. Dort werden Sozialarbeiter, zusätzliche Lehrer und Schulpsychologen dringend benötigt – aber die Verfassung verbietet es dem Bund, zu helfen. So charmant es ist, dass die Bildungsministerin jetzt einen Artikel im Grundgesetz entdeckt hat, der Überweisungen für WLAN und Tablets erlauben soll. Am Ende bleibt der fade Beigeschmack, dass Milliardenprogramme, von denen die Internet-Industrie profitiert, möglich sind. Aber Bundesgelder für Ganztagsschulen, Sozialarbeit und Inklusion sollen weiter vom Grundgesetz verboten bleiben? Das darf nicht sein. (…) Ein Drittel der Kinder und Jugendlichen gilt als Risikoschüler. Das bedeutet, sie können Texte zwar entziffern – aber sie verstehen nicht, was sie bedeuten. (…) Es kann sein, dass diese Kinder auch in der Schule gerne daddeln wollen. Aber es ist ganz sicher, dass sie das nicht aus der Bildungsarmut holen wird. Dabei helfen Lehrer besser als Laptops.” Artikel von Christian Füller aus der Freitag vom 21. Oktober 2016 externer Link
  • GEW: „Digitalpakt erster Schritt zur Schulmodernisierung“
    “… Als einen „ersten Schritt in die richtige Richtung“ hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) den „DigitalPakt#D“ bezeichnet, den Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) heute in Berlin vorgestellt hat. GEW-Vorsitzende Marlis Tepe machte aber auch deutlich, dass dieser Pakt nur einen Teil der Infrastrukturmodernisierung an den Schulen des Landes abdecke. „Die Schulen brauchen dringend den Anschluss an das digitale Zeitalter. Aber was nützt uns die Breitbandverbindung, wenn der Putz von den Decken und Wänden der Klassenzimmer bröckelt“, sagte Tepe am Mittwoch in Frankfurt a.M. Sie erinnerte noch einmal daran, dass sich die GEW mit ihren Forderungen zur Bundestagswahl 2017 für ein umfassendes Sanierungs- und Modernisierungsprogramm für allgemein- und berufsbildende Schulen stark gemacht habe. Der Sanierungsstau betrage rund 34 Milliarden Euro…”
    GEW-Pressemitteilung vom 12. Oktober 2016 externer Link