MitbestimmungDas ist selten: IG Metall und VDMA können sich geringere Einstiegstarife vorstellen. Die Gewerkschafter wollen, dass es dafür weniger Werkverträge gibt. Ohne Werkverträge geht’s nicht, sagen die Arbeitgeber…” Diesen neuen sozialpartnerschaftlichen Vorstoß meldete Dietrich Creutzburg in der FAZ online vom 26.08.2013. Mittlerweile regt sich innergewerkschaftlicher Widerstand:

  • Interview mit IG-Metall-Chef Huber: „Das ist ein Fass ohne Boden“
    Interview von ms vom 18.10.2013 in der Stuttgarter Zeitung online externer Link , auf das wir nun aufmerksam gemacht wurden, weil sich Berthold Huber darin mehr oder weniger wieder von den Einstiegslöhnen distanziert, was so gewertet werden kann, dass Wetzel einen Versuchsballon hat steigen lassen und aufgrund von heftigem Widerspruch die IGM-Führung doch kalte Füße bekommen hat… Siehe aus dem Interview die relevanten Passagen:
    … [Frage]  Sie haben den Arbeitgebern Gespräche über niedrigere Einstiegstarife in Aussicht gestellt…
    [Huber] … nein, das haben wir nicht…
    [Frage]  … aber Ihr Stellvertreter. Hat das mit der Einsicht zu tun, dass Ihnen die Tarifeinkommen und die Verdienste für einfache Arbeit zu weit auseinander laufen?
    [Huber] Wir bleiben bei unserer tarifpolitischen Linie. Trotzdem gibt es einen Trend zur prekären Beschäftigung unterhalb der Tarifverträge. (…) Auf diesem Feld wird die IG Metall für ordentliche Verhältnisse sorgen müssen.
    [Frage]  So streben Sie doch keinen Kompromiss an mit niedrigeren Einstiegstarifen für industrielle Dienstleistungen gegen mehr Mitsprache bei den Werkverträgen?
    [Huber] Nein. In der Frage der Werkverträge ist erst einmal der Gesetzgeber gefordert, den Betriebsräten eine erweiterte Mitbestimmungsmöglichkeit zu geben. Die sind gar nicht in der Lage, das Ausmaß zu überblicken. Es gibt Werkverträge, die wir nicht beseitigen wollen. Wir wollen aber nicht, dass in Bereiche unter Tarif oder gar ohne Tarif ausgelagert wird.
    [Frage]  Das Tariflohnniveau für einfache Arbeit soll somit nicht gesenkt werden?
    [Huber] Genau, weil die Automobilhersteller gar nicht mehr das Interesse haben, Dienstleistungen im Tarifvertrag zu behalten. Alles was tarifvertraglich bezahlt wird, ist den Unternehmen letztendlich zu hoch bezahlt. Dann soll man gleich die Parole „Keine Gewerkschaften!“ ausgeben. Glauben Sie, dass es eine Lösung ist, wenn die IG Metall unterhalb des Tarifniveaus etwas anbietet und dann noch mehr? Das ist ein Fass ohne Boden. Wir glauben, dass die verschiedenen Arbeiten in der Metall- und Elektroindustrie in unseren Tarifverträgen ausreichend abgebildet sind…”
  • Brief an den Vorstand der IG Metall
    “… Wir sind gegen solche Gespräche und fordern das sofortige Ende jeglicher Gespräche darüber, den Tarifvertrag zu unterschreiten. (…) Das größte Übel in den Betrieben ist die Spaltung der Belegschaften in Leiharbeiter, Werksvertragsarbeiter, Befristete usw. und damit die Spaltung unserer Kampfkraft. (…) Wir sind aber der Meinung Leiharbeit und Werksverträge müssen verboten werden. Solche Sklavenarbeit kann nicht geregelt werden, sie gehört abgeschafft. (…) Deshalb: Keine niedrigeren Löhne, auch nicht bei Einstiegslöhnen. Verbot von Leiharbeit und Werkvertrag. Schluss mit diesen Gesprächen.” Brief der VKL der IG Metall bei manroland in Offenbach vom 4. September 2013
  • Tarifbindung ausweiten statt aufweichen!
    Lieber Kollege Wetzel, in einem Bericht in der FAZ vom 26.8. steht, dass im Zuge der Auseinandersetzung über umstrittene Werkverträge in deutschen Unternehmen Vertreter der Industrie und der Gewerkschaft IG Metall offen über die Einführung niedrigerer Tariflöhne für industrielle Dienstleistungstätigkeiten diskutieren. Es heißt dort, du hättest zugesichert, „dass deine Gewerkschaft bereit sei, mit den Arbeitgebern über die Einstiegslöhne des Metall-Tarifs zu reden.“ (…)  Wir spüren in unseren Betrieben, dass von den Managern die noch niedrigeren Löhne im Ausland als Druckmittel genutzt werden. Wir denken, dass es kein Weg für die IG Metall sein kann, dem mit Lohnsenkungen in Deutschland zu begegnen. Nötig ist es, aktive Solidarität mit den betroffenen Gewerkschaften in den anderen Ländern, vor allem in Südeuropa, zu üben und zweitens die Unterstützung für Merkels Europa-Politik zu beenden, die die Rettungspakete für diese Länder als Hebel für die Senkung der Löhne nützt und die Zerstörung der gewerkschaftlichen Rechte erzwingt. Die bevorstehende neue Welle der Krise kann nur durch Solidarität bekämpft werden. Sicherung von Arbeitsplätzen auf Kosten bestimmter Beschäftigtengruppen hilft ebenso wenig weiter, wie ein Konkurrenzkampf gegen die Beschäftigten anderer Länder!Offener Brief an den 2. Vorsitzenden der IG Metall Detlef Wetzel mit Erstunterzeichner/innen . Es ist eine Unterschriftensammlung des Zukunftsforums Stuttgarter Gewerkschaften / Gewerkschaftslinke, die Sammlung läuft bis zum bis 20.11.2013. Kontakt und Verantw.: Gertrud Moll, Baumreute 56A, 70199 Stuttgart, metallertreff@yahoo.de

    • Siehe dazu auch: Kollege Wetzel für niedere Einstieglöhne
      Der designierte neue IG Metall-Vorsitzende hat sich in einem Artikel der FAZ vom 26.August 2013 für Gespräche über Einstiegslöhne offen gezeigt. Er sichert darin zu, dass seine Gewerkschaft bereit sei, „mit den Arbeitgebern über die Einstiegslöhne des Metall-Tarifs zu reden….“ Beitrag (S. 3) im Netzwerk-Info Gewerkschaftslinke vom Oktober 2013 
  • An den 2. Vorsitzenden der IG Metall Detlef Wetzel
    Werter Kollege Wetzel, der FAZ vom 28.08.2013 mussten wir entnehmen, dass Du die „Bereitschaft der IG Metall, über niedrigere tarifliche Einstiegslöhne zu reden“ erklärt hast.
    Du siehst darin ein Mittel, „gegen Tarifflucht und Missbrauch von Werkverträgen“ vorzugehen. Das ist grundlegend falsch. Das Gegenteil ist der Fall: Werkverträge und Niedriglöhne werden damit legalisiert und geduldet. Das Verbrechen der Leiharbeit wird nicht dadurch geschmälert, dass man die Tarifverträge nach unten den Sklavenlöhnen der Menschenhändler anpasst. Stattdessen fordern wir:
    –              Die sofortige Kündigung der Leiharbeitstarifverträge
    –              Die sofortige Organisierung des Kampfes gegen Werkverträge und Leiharbeit, bis hin zum Streik
    –              Die Herstellung der Einheit statt Förderung der Konkurrenz zwischen Leiharbeitern und Stammarbeitern, sowie zwischen den einzelnen Belegschaften
    .” Offener Brief der Besucher der Veranstaltung „Hungerlohn am Fließband! Leiharbeit und Werkverträge bei Daimler und anderswo“, am 18. September 2013, im Bremer Gewerkschaftshaus
  • Metallindustrie: Tarifparteien offen für niedrigere Einstiegslöhne
    Das ist selten: IG Metall und VDMA können sich geringere Einstiegstarife vorstellen. Die Gewerkschafter wollen, dass es dafür weniger Werkverträge gibt. Ohne Werkverträge geht’s nicht, sagen die Arbeitgeber…” Artikel von Dietrich Creutzburg in der FAZ online vom 26.08.2013 externer Link. Aus dem Text: “… VDMA-Hauptgeschäftsführer Hannes Hesse sagte der F.A.Z., insbesondere für einfache Tätigkeiten sei „der derzeitige Einstiegstarif in der Metall- und Elektroindustrie von rund 15 Euro Stundenlohn mehr als üppig“. Daher sei es „naheliegend, unterhalb des aktuellen Tarifgefüges nach vernünftigen und bezahlbaren Lösungen für den industrienahen Dienstleistungsbereich zu suchen“, sagte Hesse. (…) Ihr Zweiter Vorsitzender, Detlef Wetzel, sicherte gegenüber der F.A.Z. jedoch zu, dass seine Gewerkschaft bereit sei, mit den Arbeitgebern über die Einstiegslöhne des Metall-Tarifs zu reden. „Wir verweigern uns keiner Diskussion“, sagte er. Allerdings werde dann „nicht nur über das Tarifniveau zu reden sein“. Notwendig sei ein „stimmiges Tarifkonzept für eine zukunftsfähige Metall- und Elektroindustrie in Deutschland“. Dazu zählten wirksame Regeln gegen ein Umgehen von Tarifverträgen. (…) Die Arbeitgeber der Metall- und Elektroindustrie hatten die IG Metall schon im Jahr 2006 aufgefordert, den Metall-Tarif um ein sogenanntes „Dienstleistungsfenster“ mit einem geringeren Lohnniveau für von Auslagerung betroffene Tätigkeiten einzuführen. Die Gewerkschaft lehnte dies damals ab – was Wetzel heute als Fehler wertet. „Aus heutiger Sicht wäre die IG Metall sicher gut damit gefahren, diesen Weg einzuschlagen“, sagte er…”