[Gewerkschaftstagung zu »guter Arbeit« in Frankfurt am Main] Radikaler Umbruch – Die Bedingungen gewerkschaftlicher Arbeitspolitik ändern sich.

union coop: „Ohne Chef arbeiten? Basisdemokratisch und selbstorganisiert? Wir wagen den Versuch, weil das für uns die einzig menschliche Art des Wirtschaftens ist.““… Auf den ersten Blick erscheint »gute Arbeit« als Wohlfühlthema. Wer kann schon etwas gegen gute Arbeitsbedingungen einzuwenden haben? Doch in der Realität handelt es sich um ein »hartes Konfliktthema«, betonte Jürgen Reusch, Mitorganisator einer Tagung zum zehnjährigen Jubiläum des Jahrbuchs »Gute Arbeit« am Samstag in der Frankfurter IG-Metall-Zentrale. Grundsätzlich herrschte auf der Konferenz mit etwa 100 Teilnehmern Einigkeit, dass die Gestaltung der Arbeitsbedingungen letztlich eine »Machtfrage« ist. Sozialpartnerschaftliche Arrangements schließt das allerdings keineswegs aus. (…) Hans-Jürgen Urban vom IG-Metall-Vorstand warnte in Sachen Leistungsverdichtung vor einer »radikalen Problemverschärfung«. Den Arbeitsdruck zu begrenzen, sei »bisher eine Schwachstelle gewerkschaftlicher Arbeitspolitik«. Das könnte damit zu tun haben, dass die Gewerkschaften eine »Produktivitätsbremse« schaffen, wenn sie den Leistungsdruck durch tarifliche oder betriebliche Regelungen begrenzen. »Und das in einer kapitalistischen Konkurrenzsituation, in der derjenige ausscheidet, der bei der Produktivität nicht mithalten kann«, so Urban. Der Gewerkschafter sprach damit an – aber nicht aus –, dass etliche Betriebsräte ihre Aufgabe darin sehen, die Produktivität »ihres« Unternehmens zu steigern, um die »eigenen« Arbeitsplätze zu sichern. Auch die Gewerkschaften waren lange – bzw. sind es noch – Teil eines »Produktivitätspakts«, bei dem gemeinsame Anstrengungen zur Produktivitätssteigerung mit Lohnerhöhungen belohnt werden. Dies ist eine der Ursachen für die extreme Arbeitsverdichtung, die wiederum zur Zunahme psychischer Belastungen und damit zum Gegenteil von »guter Arbeit« geführt haben. Auch hier ist wohl ein radikaler Umbruch nötig.” Tagesbericht von Daniel Behruzi bei der jungen Welt vom 26. Juni 2018 externer Link