Dossierpregnant at work

Die Unternehmen Apple und Facebook wollen US-Mitarbeiterinnen, die ihren Kinderwunsch aufschieben, das Einfrieren der Eizellen als Sozialleistung des Arbeitgebers bezahlen. Die Debatte über “Social Freezing” hat jetzt auch Deutschland erreicht. “Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen muss gleichzeitig möglich sein”, machte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack klar…” DGB-Meldung vom 16.10.2014 externer Link. Siehe dazu weitere Beiträge und Kommentare:

  • Liebe Bewerberinnen: Sie können ihre biologische Uhr ab jetzt anhalten. Apple und Facebook bieten Jobbewerbern Unterstützung für “social freezing”
    Wer bei Apple oder Facebook arbeitet, ist nicht in einem gewöhnlichen Unternehmen beschäftigt, sondern arbeitet ganz vorne auf der Future-Welle mit. Es geht nicht bloß um einen Job. Was sich allein schon an der aufgewendeten Arbeitszeit bemerkbar macht, die in althergebrachten Formeln – 8 Stunden “Brotarbeit”, 8 Stunden Anderes, acht Stunden Schlaf – längst nicht mehr hineinpasst. Zu leisten ist der Einsatz mit einer Hingabe, die zwischen Freizeit und Job keine festen Grenzen zieht. Der Job ist Lifestyle und “24/7″ nicht so sehr ein Problem als eine Einstellungssache. Der Schwierigkeitsgrad, dem gegenüber sich die Mobilisierung von Energie behauptet, steigt allerdings beträchlich, wenn Kinder ins Spiel kommen…” Artikel von Thomas Pany in telepolis vom 15.10.2014 externer Link
    Aus dem Text: “… Apple und Facebook haben nun ein Angebot für Bewerberinnen, das einen Ausweg aus dem sogenannten Rush-Hour-des Lebens-Problem bietet: nicht schwanger werden. Neu an dieser Empfehlung, die man im Kern auch aus Gesprächen mit Arbeitgebern aus früheren Zeiten kennt, ist das Framing. Die beiden Unternehmen bieten an, die Kosten für die Vitrifikation der Eizellen zu übernehmen, so dass die Bewerberinnen ihre Schwangerschaft auf einen späteren Zeitpunkt verschieben können. Mit bis zu 20.000 Dollar wollen sich Apple und Facebook an Kosten beteiligen, die für die Hormonstimulation, das Entnehmen von Eizellen, das Einfrieren der Eizellen und ihre Lagerung fällig werden. Die Vitrifikation bietet Frauen – und Paaren – die Möglichkeit die Familienplanung flexibler zu gestalten, als es die biologische Uhr lange Zeit diktiert hat. (…) Offizielle Firmenpolitik kann “Social freezing” in diesem Sinne natürlich nicht sein. Aber es könnte in der Praxis des Arbeitslebens zu einer unausgesprochenen oder eben nur angedeuteten, aber dennoch wirksamen Vorgabe werden, dass die Frauen erst mal nicht schwanger werden sollen – so wie man eben das Büro tunlichst nicht vor acht Uhr abends verläßt, obwohl das auch nicht in den Arbeitsverträgen oder Richtlinien schwarz auf weiß formuliert wird…”
  • Facebook und Apple zahlen Einfrierprämie. Angriff auf die Gebärmutter
    Facebook und Apple sind dafür bekannt, die Grenze von öffentlich und privat immer weiter aufzuheben. Jetzt schrecken sie nicht einmal mehr vor der Gebärmutter zurück
    Emanzipation heißt, dass die Frau alles machen muss: Arbeit, Kind, Haushalt, Paartherapie. Das habt Ihr jetzt davon! Für den modernen Mann ist Emanzipation eine, der Hobbyökonom würde sagen, Win-Win-Situation: Daheim hat sie alles im Griff und Geld bringt sie auch noch nach Hause. Gelebte Emanzipation hat ihren Preis. Den zahlt vor allem die Frau. Und der Druck auf die Frau nimmt weiter zu. Facebook und Apple wollen ihren weiblichen Angestellten bis zu 20.000 Euro für das Einfrieren von Eizellen zahlen. Wie der US-Nachrichtensender NBC berichtete, sollen die Mitarbeiterinnen ihren Kinderwunsch aufschieben können und all ihre Kraft in das Unternehmen stecken. Eine Art Soli für die Karriere auf Kosten des Kindes.  Auch hier gilt der alte Grundsatz: It‘s the economy, stupid! Und zwar für alle Lebensbereiche. Nicht der Staat, die Wirtschaft macht Familienpolitik…” Artikel von Timo Stein vom 17. Oktober 2014 bei Cicero externer Link
  • Social Freezing: iZelle jetzt vorbestellen
    Apple und Facebook zahlen Mitarbeiterinnen das Einfrieren ihrer Eizellen. So kann Frau Karriere machen und der Konzern die Quote steigern…” Artikel von Franziska Seyboldt in der taz online vom 15.10.2014 externer Link
    Aus dem Text: “… Apple will das iZellen-Projekt laut NBC im Januar starten, bei Facebook bekommen Mitarbeiterinnen schon jetzt Geld, wenn sie sich fürs Büro und gegen Familie entscheiden. Was zunächst aussieht wie ein großzügiger Bonus, zahlt sich natürlich vor allem für die Unternehmen aus. Sie stellen damit sicher, dass weniger Mitarbeiterinnen im fruchtbaren Alter schwanger werden und als Arbeitskräfte ausfallen. Obendrein können sie sich in Zukunft dafür rühmen, dass sie die Frauenquote steigern, die zum Beispiel bei Facebook aktuell bei 31 Prozent liegt. Das Wohl der Frauen hingegen scheint den Unternehmen erstmal egal zu sein…”
  • Die überforderte Generation. In der “Rushhour des Lebens” werden die Grundlagen für Familie, Partnerschaft und Beruf geschaffen. Was fehlt, ist Zeit.
    Das Problem ist nicht ganz neu und war vormals unter dem Stichwort „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ bekannt. Doch ist diese für die heutige Generation der etwa 30- bis 40-Jährigen ungleich schwieriger zu erreichen als für die Elterngeneration, meint die Wissenschaft. „Von den heutigen Erwachsenen“, so der deutsche Soziologe Hans Betram, „werden Höchstleistungen erwartet, die in keiner Weise weder von den Eltern noch von den Großeltern erbracht wurden.“ Die „überforderte Generation“ nennt er die Kohorte, die in zehn, 15 Jahren beruflich erfolgreich, privat glücklich und – eventuell – kinderreich werden soll. In der Familienforschung und politischen Diskussion hat sich dafür der Begriff „Rushhour des Lebens“ etabliert. Sie ist „jene Lebensphase zwischen den Mittzwanzigern und Enddreißigern, in der bei vielen Menschen sowohl Ein- und Aufstieg im Beruf als auch Familiengründung weitgehend gleichzeitig erfolgen und in der die Vereinbarkeit dieser beiden Lebensbereiche eine zentrale Rolle spielt“, definiert der Grazer Sozialpsychologe Harald Lothaller…” Artikel von Gabriele Müller in Arbeit&Wirtschaft 8/14 externer Link