Immer noch in Japan: Zu Tode arbeiten.... Foto von Coal Miki/Flikr.“… Arbeitnehmer sind heute von vielen elektronischen Helferlein umgeben, seien es PC und Smartphone oder elektronische Kassensysteme. Die Technik nimmt Beschäftigten Arbeit ab, doch sie schafft auch neue Belastungen. Welcher Effekt überwiegt, ist schwer zu sagen. Fest steht aber: Digitalstress setzt den Beschäftigten zu. Das zeigt eine von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Studie der Universität Augsburg. Henner Gimpel, Julia Lanzl, Tobias Manner-Romberg und Niclas Nüske haben dazu über 2600 Arbeitnehmer befragt. (…) Überraschenderweise sind es nicht die älteren Arbeitnehmer, die sich am stärksten unter Druck fühlen, sondern die Altersgruppe der 25- bis 35-Jährigen – von der die Forscher eigentlich erwartet hätten, dass sie die wenigsten Probleme mit der Digitalisierung hat. Insgesamt häufiger digital gestresst als Männer sind die Frauen, die im Schnitt auch an stärker digitalisierten Arbeitsplätzen tätig sind und sich im Umgang damit als kompetenter einstufen, als es Männer im Durchschnitt tun. (…) Die befragten Arbeitnehmer haben zusätzlich zu den Informationen über ihren Arbeitsplatz auch Angaben über ihre Gesundheit gemacht. Die Auswertung der Wissenschaftler offenbart eindeutige Zusammenhänge zwischen dem Digitalstress-Niveau und der Häufigkeit vieler Beschwerden…” Beitrag aus Böckler Impuls Ausgabe 19/2018 externer Link, er bezieht sich auf Henner Gimpel u.a.: “Digitaler Stress in Deutschland”, Working Paper der Forschungsförderung der Hans-Böckler-Stiftung Nr. 101 vom November 2018 externer Link (57 Seiten). Siehe dazu:

  • Digital ist auch nicht besser: Auch der digitale Kapitalismus macht krank New
    Kapitalismus macht krank. Das gilt auch in der digitalen Arbeitswelt, wie eine neue Studie der Universität Augsburg zeigt. (…) Die Automatisierung der Arbeit ist längst Realität, durch die fortschreitende Digitalisierung erreicht sie ganz neue Dimensionen. Die Werkzeuge sind untereinander vernetzt, geben sich gegenseitig Befehle und nehmen dem Menschen nicht nur einfache Arbeitsschritte, sondern auch komplexe Aufgaben und Berechnungen ab. Was Aristoteles – dem die Sklaverei als selbstverständlich galt – sich jedoch vermutlich kaum hätte vorstellen können, ist, dass damit nicht das Ende von Plackerei und Ausbeutung einhergeht, sondern die fortschreitende Automatisierung stattdessen unter kapitalistischen ­Bedingungen mit steigender Arbeitsbelastung, psychischen Erkrankungen, Stress und Hetzerei verbunden ist. Statt weniger Arbeit und mehr Freizeit bedeutet die Automatisierung von Arbeitsprozessen im Kapitalismus meist mehr Arbeit in weniger Zeit. Die Menschen haben sich dem Tempo der Maschinen unterzuordnen – mit entsprechenden gesundheitlichen Folgen für die Betroffenen. (…) Hauptursache für den Stress ist nach Einschätzung der Forscher das Ungleichgewicht zwischen den Fähigkeiten im Umgang mit digitalen Technolo­gien und den Anforderungen, die diese an die Arbeitnehmer stellen. Die Schlussfolgerung der gewerkschaftlich geförderten Studie lautet jedoch nicht etwa, dass man die Technik an die Bedürfnisse der Menschen anpassen müsse, die mit ihr arbeiten, oder gar, dass die Beschäftigten von den aus der Digitalisierung entstehenden Produktivitätszuwächsen, zum Beispiel durch Verkürzung der Arbeitszeit oder Senkung der Arbeitsintensität, profitieren sollten. Statt der Beseitigung der Ursachen steht bei den Forschern die Krankheitsprävention im Mittelpunkt. Durch verhaltens- und verhältnispräventive Maßnahmen sollen »Fehlbeanspruchungen durch digitalen Stress« vermieden werden. Unter Verhältnis­prävention verstehen die Wissenschaftler vor allem einen optimierteren Einsatz digitaler Technik, etwa durch einen besseren Support, höhere Benutzerfreundlichkeit und Verlässlichkeit, und sehen dabei die Unternehmen in der Pflicht. Bei der Verhaltensprävention – »der Vermittlung und dem Erwerb von Kompetenzen im Umgang mit digitalen Technologien und in der Bewältigung von digitalem Stress« – sind hingegen auch die Beschäftigten gefragt. Nicht um weniger Stress und Arbeitsverdichtung geht es also, sondern um einen besseren Umgang damit und um eine höhere Anpassung der Beschäftigten an die Maschine…” Artikel von Stefan Dietl in der JungleWorld 2019/02 vom 10.01.2019 externer Link