Solidarität mit der verbotenen russischen Autogewerkschaft: In einer Branche, wo selbst die Toten arbeiten…

Solidarität mit der verbotenen russischen AutogewerkschaftIm Kampf gegen die Zerschlagung der MPRA und für das legitime Recht auf freie und demokratische Gewerkschaften erklären wir unsere volle Solidarität. Wir rufen zum weltweiten Protest und zur breiten Solidarisierung mit der kämpferischen Gewerkschaftsassoziation MPRA auf. Das Verbot und die Auflösung der MPRA richtet sich gegen ihren erfolgreichen Aufbau in mehreren Automobilbetrieben in Russland, wie bei Ford in Wsjewoloshsk bei Sankt Petersburg, AwtoWAS/ Lada in Toljatti, VW Kaluga und in vielen anderen Betrieben. Ebenso soll das Verbot die kämpferische Gewerkschaftsarbeit der rund 4000 Mitglieder treffen. Bedeutende Streiks, wie bei Ford im Jahr 2007, haben ihnen seit her Respekt und Anerkennung unter einer wachsenden Anzahl Arbeitern verschafft.  Die Begründung des Gerichts, dass die MPRA sich nur auf ihren eigenen Tätigkeitsbereich beziehen dürfe, zeigt deutlich, dass insbesondere die Organisierung der gewerkschaftlichen Solidarität auch über Ländergrenzen hinweg, behindert werden soll. So hat die MPRA über Monate führend den Kampfs der russischen Fernfahrer gegen höhere Steuern durch die Einführung eines staatlichen Mautsystems unterstützt. Vorgeworfen wird ihr die Mitgliedschaft im Internationalen Metallarbeiterverband IndustriALL, verbunden mit „angeblicher“ finanzieller Unterstützung aus dem Ausland. IndustriALL hat ihren Protest gegen das Verbot der MPRA erklärt und setzt sich für die Wiederanerkennung ihres russischen Mitglieds ein“ – aus der „Protesterklärung gegen das Verbot der MPRA in Russland“ vom 05. Februar 2018 der Internationalen Automobilarbeiterkoordination externer Link, in der auch darauf verwiesen wird, dass die MPRA an deren Treffen teilgenommen hatte. Siehe dazu auch die Dokumentation von Solidaritätserklärungen aus verschiedenen Ländern bei IndustriAll, zwei Beiträge zur Bedeutung des Verbots und des entsprechenden Gesetzes, und einen Beitrag zu den Arbeitsbedingungen in der russischen Automobilindustrie – sowie den Verweis auf unsere bisherige Berichterstattung zum Gewerkschaftsverbot in St. Petersburg seit dem 15. Januar 2018:

  • „Dmitry Kozhnev: Anyone Defending Their Rights Is Branded a Fifth Columnist and Agent of the State Department“ am 25. März 2015 beim Russian Reader externer Link war die Übersetzung eines ausführlichen Interviews von Darina Shevchenko in Yod mit dem Gewerkschaftsaktivisten Dmitry Kozhnev über die Bedeutung des damals eingeführten Gesetzes über die Kontrolle der (ausländischen) Finahzierung von NGO in Russland – worin Kozhnev unterstreicht, dies sei ein Gesetz, dass jederzeit gegen eine Gewerkschaft benutzt werden könne, die irgendwelche internationalen Kontakte pflege – und dies sei auch die Absicht. Die nicht zufällig aus der Region Kaluga kommt – und nicht etwa ursprünglich aus St. Petersburg, wo jetzt das Gericht in diesem antigewerkschaftlichen Sinne urteilte – wo das Zentrum der ausländischen Automobilindustrie in Russland ist (und deren extrem patridiotisicher Gouverneur durchaus ausländische Finanzkontakte hat) – die einheimischen Werke befinden sich immer noch im einstigen Togliattigrad.