Neue „Unfälle“ am Istanbuler Flughafen: Gewerkschaften fordern, die Unternehmen endlich zur Verantwortung zu ziehen, aber Erdogan&Co sind Opfer der Bauarbeiter egal – eine Petition wird gestartet!

Gemeinsame Pressekonferenz der Baugewerkschaften Istanbul am 28.9.2018Erneut sind am Freitag, 28. September 2018, mehrere Bauarbeiter am Istanbuler Großflughafen bei einem angeblichen Unfall verletzt worden – jede und jeder wissen inzwischen, dass dies „Unfälle“ mit System sind – dem System des rücksichtslosen Wettlaufs zum geplanten Termin der Fertigstellung. Die vor Ort aktiven Gewerkschaften haben in einer Pressekonferenz am selben Tag deswegen erneut gefordert, die Unternehmen, beziehungsweise ihr Konsortium IGA, zur Verantwortung zu ziehen und gleichzeitig den Beginn einer entsprechenden Solidaritätskampagne per Petition angekündigt. Bei dieser gemeinsamen Pressekonferenz unterstrichen sie auch abermals, dass die immer noch gefangen gehaltenen Streikenden des vorletzten Wochenendes ihrer Auffassung nach als Geiseln gehalten werden, um die Bauarbeiter zu maximalem Tempo zu zwingen – denn der Eröffnungstermin, den sich Erdogan wünscht, naht – und ist in Frage gestellt. Was diesen Herrn natürlich nicht kümmert – so wenig, wie Leben und Gesundheit der Bauarbeiter ihn irgendwie interessieren. Zur aktuellen Entwicklung der Solidarität mit dem Widerstand der Bauarbeiter in der Türkei fünf aktuelle Beiträge:

  • „“3. Havalimanı’nda asıl yargılanması gerekenler patronlardır!”“ am 28. September 2018 bei Sendika.org externer Link ist ein Bericht von der gemeinsamen Pressekonferenz der Bauarbeiter-Gewerkschaften Dev Yapı-İş und  İnşaat-İş in den Büros des Gewerkschaftsbundes DISK am selben Tag. Dabei riefen sie Intellektuelle, professionelle und demokratische Massenorganisationen und politische Parteien auf, den Kampf der Flughafenarbeiter zu unterstützen. Die Gewerkschaften kritisieren erneut die Bedingungen der Sklaverei, die den Bauarbeitern auf dem Flughafen auferlegt werden, und unterstützen, dass deren Forderungen nach Unterkunft, Transport und sicherer Arbeit so schnell wie möglich erfüllt werden. Die Gewerkschaften stellen auch fest, dass die Bosse am 3. Flughafen vor Gericht gestellt werden sollten. (Sobald die Solidaritäts-Petition öffentlich gestartet wird, wird LabourNet Germany selbstverständlich darüber informieren – und zu ihrer Unterzeichnung aufrufen).
  • „Abgehoben, hart gelandet“ von Claus Hecking und Maximilian Popp am 29. September 2018 bei Spiegel Online externer Link über „Terminschwierigkeiten“ und deren Folgen: „Die erste Passagiermaschine ist schon am 21. Juni gelandet: ein Staatsflugzeug mit Erdogan, natürlich. Für den Autokraten ist der Bau das perfekte Vorzeigeprojekt, um von der Wirtschaftskrise in seinem Land abzulenken. Ein Flughafen für anfangs 90 Millionen und später 150 oder gar 200 Millionen Passagiere, mit sechs Start- und Landebahnen, dreimal so groß wie der von Frankfurt – und das nicht einmal viereinhalb Jahre nach dem ersten Spatenstich. Berlin kann davon nur träumen. All das ist rekordverdächtig. Und teuer erkauft. Bezahlen müssen: zwangsenteignete Bauern, die ihr Land für immer verloren haben. Arbeiter, die die Baustelle teilweise als “Sklaven- und Todeslager” bezeichnen. Die Umwelt, denn das Gebiet, das einst Istanbuls grüne Lunge war, gleicht nunmehr einer Mondlandschaft. Und wohl auch die Passagiere. Sie müssen sich auf Chaoswochen gefasst machen…