Kieler Woche 2018 – ohne Militärspektakel!

kiwo2018Vor 104 Jahren verabschiedete sich am 30.6.1914 das Britische Geschwader mit dem Signal „Friends in past and friends for ever“ von der Kieler Woche. 35 Tage später begann der 1.Weltkrieg, befeuert durch deutsche Großmachtvisionen und wahnsinnige Aufrüstung, insbesondere der deutschen Kriegsmarine. Das Schlachten zu Lande und zur See endete erst, als Schiffsbesatzungen in Wilhelmshaven und Kiel sich weigerten, ihr Leben in einer weiteren sinnlosen Schlacht zu opfern. Zusammen mit streikenden Arbeiterinnen und Arbeitern gaben sie den Anstoß für die Novemberrevolution, die nicht nur das Kaiserreich stürzte. Es war der Versuch, ein Gesellschaftssystem zu bilden, dass Ausbeutung, Militär und Kriege aus der Welt schafft. Aber schon 1933 triumphierten die Militaristen und Rüstungskonzerne wieder, wurde mit ihrer Hilfe das Nazi-Terrorsystem installiert, die Kieler Woche wieder Propagandaschau für Aufrüstung und Großmachtgeprahle. 12 Jahre später lag Kiel in Trümmern. Mit großer Mehrheit waren sich 1945 die Menschen einig, solch ein Gemetzel, solch Völkermord durfte nie wieder geschehen. Auch die Kieler Woche, das betonte Andreas Gayk bei der ersten Eröffnungsrede nach dem Krieg, soll „das Bekenntnis zur Humanität, das Bekenntnis zur Menschlichkeit und das Bekenntnis zum Frieden sein“. Und Heute? Kiel ist wieder Drehscheibe für den Nato-Aufmarsch an der russischen Grenze, ist Marinestützpunkt und Rüstungsschmiede. Der Tirpitzhafen strotzt zur Kieler Woche von Kriegsschiffen, die Bundeswehr nutzt das fröhliche Nationentreffen um schon Kinder auf Kriegsschiffen spielen zu lassen“ – aus dem Aufruf „Kieler Woche 2018 – ohne Militärshow!“ seit dem 29. Mai 2018 bei Kiel ist Kriegsgebiet externer Link mit Kundgebung an Land und Demonstration auf dem Wasser am 16. Juni 2018 um 19 Uhr Kiellinie / Tirpitzmole, unterstützt von Buchladen Zapata, DGB Kiel, DGB Jugend SH, Die Linke Kiel, DKP Kiel, Lorenz Gösta Beutin – Bundestagsabgeordneter, Die Linke, Interventionistische Linke Kiel, Jochen Büttner, Hamburger Geschichts-und Kulturwerkstatt, Kieler Friedensforum, Kuhle Wampe Kiel, SDAJ Kiel, Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/BdA-KV Kiel. Siehe dazu auch einen weiteren aktuellen Beitrag und nun Bericht:

  • Berichterstattung über die Proteste am 16. Juni 2018 bei der Kieler Woche New
    „Entmilitarisierung der Kieler Woche“ bei mediabase externer Link ist eine Fotosammlung über die Proteste gegen das Militärspektakel auf der Kieler Woche an diesem Tag, die von den Organisatoren per E-Mail mit folgendem kommentar verschickt wurde: „Entgegen der über die Maßen glorifizierenden Darstellung der sog. “Militärschau” in den Kieler Nachrichten und auch in einem längeren Beitrag im Regionalfernsehen, waren den Medien die gelungene Aktion der Friedensfreundinnen und -freunde bis zum heutigen Dienstag keine Meldung wert“.
  • „Re: Kein Militär auf der Kieler Woche“ am 13. Juni 2018 bei chefduzen externer Link ist eine Ergänzung zur Dokumentation des oben vorgestellten Aufrufs auf der chefduzen-Webseite, worin unter anderem zitiert wird: „Die Kieler Woche ist in diesem Jahr ein Marine-Gipfel der besonderen Art. Auf engstem Raum kommen große Kriegsschiffe aus 15 Nationen zusammen. Erstmals ist auch die Türkei mit einer Fregatte in Kiel dabei. In diesem Jahr ist die Zahl der Nationen noch größer als in den Vorjahren. Die deutsche Marine erwartet 37 Einheiten mit rund 2000 Soldaten in Kiel. Die meisten Schiffe werden am Freitag erwartet. Ab 6 Uhr beginnt das Einlaufen der grauen Riesen. (…) „Der Hafen wird bis auf dem letzten Platz belegt sein. Das ist dann wie Wacken, nur mit noch viel mehr Heavy Metal“ (…) Für die zivilen Besucher wird der Tirpitzhafen am Sonnabend und Sonntag von 13.30 bis 17 Uhr geöffnet. Zum Programm gehören an den Tagen ab 14.30 Uhr auch Hubschrauber-Vorführungen“. Im Zuge dieser Ergänzung wird dann auch auf die Tradition des antimilitaristischen Protestes in Kiel verwiesen. Und vielleicht demnächst auch die Frage beantwortet, ob die freudig begrüßte Erdogansche Fregatte vielleicht irgendwo in der Nähe von Kiel gekauft wurde?