Google-Beschäftigte gegen Kriegsprojekte des Unternehmens

Dossier

Google ist böseUnter Google-Mitarbeitern gibt es Empörung über ein Rüstungsprojekt des Internetkonzerns. 3.100 Mitarbeiter haben einen Brief unterschrieben, in dem ein Stopp von »Project Maven« gefordert wird. Der Brief an Konzernchef Sundar Pichai spart nicht mit klaren Worten: »Lieber Sundar, wir glauben, dass Google Krieg nicht zu seinem Geschäft machen sollte. Deswegen sollte Project Maven abgebrochen werden«. (…) Viele Google-Mitarbeiter sind damit offenbar nicht einverstanden und machen ihrer Empörung nun mit der Unterschriftensammlung Luft. Sie sehen die automatische Erkennung von Objekten als ersten Schritt zur Zielerfassung für mögliche spätere Angriffe. Im Brief heißt es: »Der US-Regierung bei der Entwicklung von dieser Überwachungs- und potenziell tödlichen Technologie zu helfen ist inakzeptabel«. Das Projekt schädige die Marke Google und verstoße gegen den Verhaltenskodex des Unternehmens – dessen Vorwort beginnt mit den Worten »Don`t be evil«. Deswegen plädieren die unterzeichnenden Mitarbeiter, dass sich Google generell gegen Rüstungsprojekte stellt: »Wir wollen auch, dass Google einen Entwurf für eine klare Unternehmenspolitik entwickelt und veröffentlicht, der klar aussagt, dass weder Google noch Subunternehmen jemals Kriegstechnologie entwickeln werden.«“ – aus dem Beitrag „Google-Mitarbeiter rebellieren gegen Rüstungsprojekt“ von Moritz Wichmann am 06. April 2018 in neues deutschland externer Link, worin auch das konkrete Kriegsprojekt noch genauer beschrieben ist. Siehe dazu auch einen weiteren Beitrag zum Protest der Belegschaft gegen Googles Kriegshilfe, sowie einen Beitrag mit der Dokumentation des Originalbriefs und neu dazu:

  • Was bedeutet Googles Rückzug aus dem Militärprojekt nach den Belegschaftsprotesten? New
    Google will dem US-Verteidigungsministerium laut Medienberichten nicht länger künstliche Intelligenz für Kriegsführung zur Verfügung stellen. Ein entsprechender Vertrag mit 18 Monaten Laufzeit und im Wert von weniger als zehn Millionen Dollar werde nicht über das Jahr 2019 hinaus verlängert, berichteten die “New York Times”, Buzzfeed und das Technologie-Blog Gizmodo. Darüber habe die Chefin der Sparte Google Cloud, Diane Greene, ihre Mitarbeiter informiert. Die Vereinbarung sieht vor, dass Google Algorithmen bereitstellt, die dem Pentagon bei der Bewertung von Videobildern helfen und effizientere Drohnenangriffe ermöglichen soll. Das “Project Maven” spaltete die Google-Belegschaft, etliche Angestellte verließen den Konzern aus Empörung. Tausende andere Mitarbeiter unterzeichneten eine Petition, in der sie Unternehmenschef Sundar Pichai baten, das Projekt einzustellen. Zudem machen sich die Angestellten für eine Firmenpolitik stark, die einer Nutzung von Google-Technologie zum Zweck der Kriegsführung abschwört“ – aus der Meldung „Google lässt Vertrag mit Militär auslaufen“ am  02. Juni 2018 in der tagesschau externer Link zur Beendigung der Maven-Kooperation. Zur Bedeutung des Belegschafts-Protestes und zur keineswegs so neuen weiteren Orientierung von Googles Geschäftspraktiken zwei weitere aktuelle Beiträge – und der Hinweis auf unseren ersten Beitrag zur Belegschafts-Initiative

    • “Google Should Not Be In The Business Of War”: Understanding the Weaponization of Artificial Intelligence“ von Marc Eliot Stein am 08. Juni 2018 bei The Other News externer Link ist ein ausführlicher und sehr lesenswerter Betrag, in dem versucht wird, die politische Bedeutung der Aktion zu bewerten. Er befasst sich dabei vor allem mit der weiteren Militarisierung der Gesellschaft, an der die „modernen Unternehmen“ allesamt beteiligt seien – wie es auch die Google-Belegschaft mit ihrem Verweis auf Microsoft und Amazon unterstrichen habe – und eben nicht nur Google. Dies umso mehr, als es inzwischen längst alltägliche, wenn auch kaum bekannte Tatsache sei, dass die Indienstnahme der Projekte zur künstlichen Intelligenz durch die US-Armee (und andere Armeen) längst weit fortgeschritten sei. Zur Argumentation des Unternehmens, was die vergleichsweise kleine Summe betrifft, die das Projekt bedeutet stimnt der Autor insofern zu, als er darauf verweist, dass es in der Tat das „kleinere Projekt“ sei im Vergleich zum milliardenschweren JEDI-Projekt – Joint Enterprise Defense Infrastructure – das die Zusammenführung von Datenkraken, Cloud-Computing und KI sei und das wohl teuerste und gefährlichste Projekt der Kriegsindustrie in ihrer modernen, digitalen Variante.
  • Google-Beschäftigte fordern Ende der Verstrickung des Unternehmens in Drohnenmorde“ von Andre Damon am 06. April 2018 bei wsws externer Link, worin es zu weiteren Beteiligten und bisherigen Protesten unter anderem heißt: „Als Reaktion auf frühere Kritik von Google-Beschäftigten im vergangenen Monat hatte Diane Green, CEO der Cloud-Abteilung des Unternehmens, erklärt, mit der Software könne man Drohnen nicht „betreiben oder fliegen“. Auch werde sie nicht dazu benutzt, „Waffen abzuschießen.“ Der Brief der Beschäftigten wies diese durchsichtigen Ausreden zurück: “Auch wenn dies einen begrenzten Bereich von direkten Anwendungen ausschließt, ändert es nichts daran, dass diese Technologie für das Militär entwickelt wird. Sobald sie einmal ausgeliefert ist, kann sie leicht dazu verwendet werden, solche Aufgaben zu erfüllen.“ Das Drohnenmordprogramm der US-Regierung, das die gezielte Tötung von Menschen ohne Prozess beinhaltet, verletzt sowohl die amerikanische Verfassung wie auch internationales Recht. Google ist also an Aktivitäten beteiligt, die zu strafrechtlicher Verfolgung führen könnten. Der Brief weist darauf hin, dass das Vorgehen des Unternehmens die „Marke Google irreparabel beschädigen“ werde und dass „Google sich durch den Abschluss dieses Vertrags auf die Stufe von Firmen wie Palantir, Raytheon und General Dynamics“ stelle. „Das Argument, dass auch andere Firmen wie Microsoft und Amazon beteiligt sind, macht die Angelegenheit für Google nicht weniger riskant. Googles einzigartige Geschichte, sein Wahlspruch Don’t Be Evil und sein direkter Zugriff auf das Leben von Milliarden Nutzern, macht das Unternehmen zu etwas Besonderem“.