"Surveillance under Surveillance": Eine Weltkarte der VideoüberwachungVorüber und vorbei ist das große Business-Festival namens CeBIT (ja, klassische Schreibweise). Das Riesenrad wird abgebaut, die letzten Algorithmen warten darauf, endlich vom großen Datenschatten abgeholt zu werden. Noch am Freitag waren fast alle Chinesen weg, die mit ihrem Wust an Ladegeräten, Spezialkabeln und Smartphonehüllen zwei halbe Hallen füllten. Immerhin stellten sie mit Huawei den absolut besten Messestand. Eine derartige Fülle an Überwachungstechnik für Smart Cities, das hatte was Visionäres, diese Erfahrbarkeit des digitalen Überwachungs-Alltags. Ganz im Sinne des bayerischen Polizeigesetzes lauerte in der Huawei-Präsentation eine irgendwie “drohende Gefahr” an jeder simulierten Strassenecke und wurde dank Big Data und maschinellem Lernen erkannt und gebannt. Wenn im Control Room der Operator sich mit einer Überwachungskamera sich dann an einen Passanten heranzoomt, wird automatisch-algorithmisch der nächsterreichbare Polizist auf den Gefährder angesetzt und zückt seine eigene Kamera. Läuft der Gefährder davon, erscheint sein Gesicht auf den Monitoren ringsum und Bürger dürfen analoge Zivilcourage zeigen und ihn festnehmen. Was für ein beeindruckendes Szenario, wie die Technik für ein ein Höchstmaß an Sicherheit sorgt in der schönen neuen Welt…“ – aus dem Beitrag „Was war. Was wird. Von Scharla- und ihren Untertanen“ von Hal Faber am 17. Juni 2018 bei heise.de externer Link über die Entwicklung der einstigen Technologie- zu einer Polizeimesse. Siehe zur smarten Polizeistadt auch einen weiteren Beitrag zur Warnung insbesondere den Menschen im Dammstart (oder so), sowie einen Hintergrundbeitrag zur smartesten Stadt der Welt:

  • „Digitale Stadt: Anlaufstelle für Kommunen gefordert“ ebenfalls am 17. Juni 2018 bei heise.de externer Link ist eine Meldung zu Aktivitäten während der Messe, in der es unter anderem heißt: „Daher habe Bitkom 2017 zusammen mit dem Städte- und Gemeindebund – als Initialzündung – einen Bundeswettbewerb für Städte mit 100.000 bis 150.000 Einwohnern ausgeschrieben, den Darmstadt gewonnen hat. Die südhessische Stadt setzte sich gegen Heidelberg, Kaiserslautern, Paderborn und Wolfsburg durch. Die Jury hatte den Ansatz Darmstadts gelobt, der die verschiedenen Themenbereiche und Facetten einer digitalen Stadt ausgewogen einbeziehe. Zugleich trug die vorhandene Expertise in punkto Cybersicherheit zum Titelgewinn bei – zahlreiche Unternehmen und namhafte Forschungseinrichtungen mit diesem Spezialgebiet haben in Darmstadt ihren Sitz. Ziel des Wettbewerbs war es, “eine digitale Vorzeigestadt für Deutschland und Europa aufbauen”.Aufbruchstimmung sei aber auch bei den anderen Teilnehmern erzeugt worden. So sei etwa Jena nun Modellstadt in Thüringen, Parderborn in Nordrhein-Westfalen und Heidelberg in Baden-Württemberg“.
  • „Nicht so smart wie gedacht“ von Annika Leister am 04. März 2018 in FR Online externer Link war ein Beitrag über die smarteste Stadt der Welt, das baskische Santander, worin es unter anderem heißt: „Weil Santander als Vorreiter gilt, kommen Journalisten und Wirtschaftsdelegationen aus aller Welt hierher, stecken die Köpfe auf der Suche nach Sensoren in Mülltonnen und hören sich Munoz’ Vorträge an, so wie heute eine sechsköpfige Gruppe vom Deutschen Gewerkschaftsbund um Vorstandsmitglied Stefan Körzell aus Berlin. Die Presse zeigt sich begeistert: „Ein Vorbild für andere Städte“ schreibt das „Handelsblatt“, „Spaniens digitale Musterstadt“ der „Tagesspiegel“ und die „Welt“ lobt Santander als „intelligenteste Stadt der Welt“. Javier Cea bricht bei diesen Schlagzeilen in lautes Lachen aus. Er lebt seit 30 Jahren in Santander, ebenso lange leert er als Müllmann die Tonnen der Stadt. „Nichts ist hier smart“, sagt der 52-Jährige. Nur die relativ neuen Behälter für Papier und Glas sind überhaupt mit Sensoren ausgestattet, das teilt auch die Stadt mit. „Diese Sensoren arbeiten seit Monaten nicht richtig“, sagt Cea. „Ich fahre weiter meine alte Route und leere jeden Mülleimer.“ Dabei ist die Müllentsorgung durch ein privates Unternehmen eine der größten Ausgaben im städtischen Haushalt und wurde bereits vor mehr als drei Jahren mit der Sensoren-Technik ausgestattet. Das Rathaus erhofft sich durch die Optimierung der Routen eigentlich eine Ersparnis von rund 30 Prozent. (…) Und es sind nicht bloß die technischen Probleme, die den Gewerkschaftern Kopfzerbrechen bereiten: Seit 2011 würden in vielen Bereichen frei werdende Stellen nicht mehr neu besetzt. Zudem könnten die erhobenen Daten verwendet werden, um die Angestellten zu überwachen – Straßenkehrer, die am Anfang ihrer Schicht vom Chef ein Handy erhalten, würden schon heute minutengenau per GPS überprüft.,,“.