Dossier

no lager - no isolation - für Bewegungsfreiheit… Vor sechs Wochen wurden die schweren Auseinandersetzungen im Flüchtlingsheim im thüringischen Suhl noch nebenbei registriert. Jetzt zeigt der deutsche Rechtsstaat seine Zähne und leitet 50 Ermittlungsverfahren ein. 15 Migranten kamen in Untersuchungshaft. Sie müssen mit hohen Strafen und sogar mit Abschiebungen rechnen. (…). Dabei müsste doch die Konzentration von Menschen gegen ihren Willen in Sammellagern in der Kritik stehen. Damit fordert man solche Auseinandersetzungen gerade heraus. Man braucht nur einmal beobachten, wie oft aus nichtigen Anlässen an deutschen Supermarktkassen um den Platz in der Schlange gestritten wird, um zu ahnen, wie die Auseinandersetzungen ablaufen würden, wenn Tausende deutsche Staatsbürger über längere Zeit in solchen Sammellagern verbringen müssten…Beitrag von Peter Nowak bei telepolis vom 29.09.2015 externer Link. Siehe dazu auch:

  • Ein menschenwürdiges Leben für Flüchtlinge ist nur ohne Zwangsunterbringung möglich New
    “Keine Lager für Frauen und Kinder! Alle Lager abschaffen!” ist seit 2011 das zentrale Thema der Kampagne von Women in Exile. Leider ist diese Forderung aktueller denn je. Angesichts der Tendenz, die Unterbringung in den Lagern als vermeintlich alternativlos hinzunehmen fragen wir: Kämpfen wir für ein würdiges Leben für alle Flüchtlinge oder versuchen wir, uns in den menschenverachtenden Strukturen zu Recht zu finden? Wir sagen: Es ist unmöglich, unbeschadet von Schikane und Gewalt, den Angriffen des Asylsystems, der Zwangsunterbringung, durch die Zeit in den Lagern zu kommen…Beitrag von und bei den Women in Exile vom 18. März 2016 externer Link
  • Übergriffe auf geflüchtete Frauen: Der Gewalt ausgesetzt – hier und dort
    Sie nehmen eine gefährliche Flucht auf sich, weil sie auf ein besseres Leben in Deutschland hoffen. Doch auch in den Unterkünften in Deutschland kommt es offenbar zu Übergriffen auf Frauen. Experten fordern einheitliche Standards für die Unterkünfte…Beitrag von Barbara Schmickler bei tagesschau.de vom 06.03.2016 externer Link
    Aus dem Text: “… Dabei sind die Einrichtungen für Flüchtlinge oft männlich dominiert. Besondere Einrichtungen für Frauen gibt es selten. Dabei hätten sich eigene Schutzräume für besonders schutzbedürftige Frauen bewährt. “Hier schränkt das Asylrecht Frauen ein”, kritisiert Rabe vom Deutschen Institut für Menschenrechte. Aufgrund der Residenzpflicht dürften Frauen nicht ohne Erlaubnis der Behörde die Stadt oder den Landkreis wechseln, um zum Beispiel in eine andere Unterkunft als der gewalttätige Ehemann zu kommen. Genauso könne die Wohnsitzauflage zum Problem werden: Die Behörden seien oft nicht auf kurzfristige Entscheidungen eingestellt, um eine Frau in eine andere Unterkunft zu lassen. “Die Flucht ins Frauenhaus kann eine Ordnungswidrigkeit darstellen”, kritisiert die Wissenschaftlerin. “Wir müssen die Angebote und die rechtlichen Möglichkeiten endlich auf Frauen in Flüchtlingsunterkünften übersetzen”, fordert Rabe.” Siehe zum Hintergrund:
  • Women in Exile: “Keine Lager für Frauen und Kinder! Alle Lager abschaffen!”
    … Was jetzt Flüchtlingskrise gennannt wird, wird von uns schon seit langem angesprochen. Wir fordern schon seit fast zwanzig Jahren Veränderungen. Flüchtlingsfrauen und Kinder sollen die Möglichkeit haben, in Wohnungen zu leben, Ziel unserer der Kampagne ist, alle Lager abzuschaffen. Wir haben gute Gründe für unsere Forderungen, die fehlende Privatsphäre sowie sexualisierte Gewalt und Belästigung in den Lagern. Zudem ist es auch billiger, Flüchtlinge in privaten Wohnungen unterzubringen. Hier wollen wir deutlich machen was die Unterbringung in den Lagern im Alltag bedeutet. Flüchtlingsfrauen sind täglich mit sexualisierter Gewalt und mit Rassismus konfrontiert – in den Lagern und außerhalb. Dennoch haben unsere Forderungen und Aktionen lange wenig öffentliches Interesse bekommen…Redebeitrag der Women in Exile auf einer Demo gegen den Potsdamer Pegida-Ableger Pogida (sic!) vom 25. Februar 2016 externer Link. Dort heißt es weiter: “… Jetzt hört man überall von den Vorfällen der Silvesternacht in Kölln, ob in den Nachrichten oder bei Diskussionen in der U-Bahn, das Thema ist präsent. Vor kurzem hat eine Flüchtlingsfrau von einer versuchten Vergewaltigung berichtet, vorher wurde sie im Supermarkt mit einer Waffe bedroht. Die Frau ist traumatisiert. Flüchtlingsfrauen in Eisenhüttenstadt haben von sexualisierten Übergriffen und Belästigungen durch das Personal berichtet. Flüchtlingsfrauen aus Köln, aus dem Lager Humboldt-Gremberg, haben in einem offenen Brief von sexualisierten Übergriffen von Mitarbeitern der Sicherheitsfirma berichtet. Flüchlingsfrauen sind Frauen, die in dieser Gesellschaft leben, ihre zwickmühlanartige Lage sollte berücksichtigt werden. Gewalt gegen Flüchtlingsfrauen darf nicht aus dem Kontext heraus genommen werden, um Diskriminierung und Rassismus zu rechtfertigen. Frauen dürfen in nicht in Flüchtlingsfrauen und deutsche Frauen aufgespalten werden. Wir brauchen keine Pogidas, Pegidas oder Pakete. Wir brauchen politische Maßnahmen, um Frauen vor sexualisierter Gewalt, Belästigung und vor physischer Gewalt zu schützen. (…) Wir fordern: Keine Lager für Frauen und Kinder. Alle Lager abschaffen.
  • „In keinem Moment hab ich mich frei gefühlt“
    Interview mit Frau Mensah, Ex-Bewohnerin einer Sammelunterkunft. In der aktuellen Unterbringungshektik werden vielerorts private Betreiber eingeschaltet, vom Großanbieter bis zum kleinen Hotelbesitzer. Unbestritten gibt es inzwischen eine Vielzahl wohlmeinender, motivierter Kommunen und Betreiber. Gleichwohl wird immer wieder darüber berichtet, wie autoritär unqualifiziertes Personal mit Asylsuchenden in Unterkünften umspringt, wie das Interesse an reibungsloser Verwaltung und Kontrolle dominiert, während es an Beratungsmöglichkeiten und Empathie fehlt. Das Interview mit Frau Mensah zeigt an vielen Begebenheiten, von Alltagserschwernissen bis zu ungebremsten Schikanen, wie solche Verhältnisse die Menschenwürde tangieren…Beitrag von und bei Pro Asyl vom 19.10.2015 externer Link
  • Massenschlägereien in überfüllten Flüchtlingsunterkünften: Und wenn es nur eine Steckdose war?
    Immer häufiger kommt es in überfüllten Flüchtlingsunterkünften zu Massenschlägereien. Polizisten fordern Flüchtlinge nach Religion zu trennen. Politikern reden von Integrationsverweigerern. Vielleicht ist die Wahrheit aber auch viel banaler. Eine Spurensuche im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg. Beitrag von Fabian Köhler bei telepolis vom 08.10.2015 externer Link. Aus dem Text: “… Anas ist einer der 1.500 Menschen, die Hamburger Behörden in diesem Zelt- und Containerlager zwischen Autobahnzubringer und Sportplatz untergebracht hat. Der 27-jährige ehemalige syrische Bodybuildingmeister sieht aus, als könne er allein im Lager für Ruhe sorgen. Er war dabei, als der Streit um eine Steckdosenleiste eskalierte. Eine Steckdosenleiste, um die sich jeden Tag hunderte Flüchtlinge mit ihren Handy-Ladegeräten drängen, um nach Hause telefonieren zu können. Es ist die einzige im ganzen Lager. Sechs Albaner seien auf einen Afghanen losgegangen, erzählt Anas. Zuerst gab es einen verbalen Streit. Als immer mehr Flüchtlinge zum Toilettencontainer strömten, um zu helfen, zu schlichten oder zu streiten, flogen erst die Fäuste, dann die Eisenstangen. “Sie montierten die Stangen aus ihren Betten, einige zückten Messer. Es war blutig”, erzählt Anas. Einem der Flüchtlinge soll eine Waffe an den Kopf gehalten worden sein, berichten neben Anas auch mehrere andere Augenzeugen…
  • Massenunterkünfte leisten Gewaltausbrüchen Vorschub
    Vielerorts sind die Flüchtlingsunterkünfte katastrophal überbelegt: Die dort Untergebrachten haben keinerlei Privatsphäre oder Rückzugsmöglichkeiten. Der soziale Stress und die Enge befördern Gewaltausbrüche wie jüngst in Calden. Umso absurder: Die Bundesregierung will Flüchtlinge künftig bis zu sechs Monate in den überfüllten Erstaufnahmelagern festhalten…Beitrag von und bei Pro Asyl vom 28. September 2015 externer Link. Aus dem Text: “… Am Wochenende eskalierte die Situation in einer Erstaufnahmeeinrichtung in Kassel-Calden: Wie mehrere Medien berichteten wurden bei einer Massenschlägerei von 300 bis 400 Beteiligten 14 Menschen verletzt, darunter drei Polizisten. Schon zuvor war es im Lager Calden zu gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen, durch versprühtes Reizgas wurden unter anderem auch Kinder verletzt. Die aktuelle Eskalation soll mit einer Rangelei zweier Männer bei der Essensausgabe ihren Anfang genommen haben. Eine Helferin schilderte gegenüber den Medien, zuvor hätten mehrere Flüchtlinge von ihrer drohenden Abschiebung erfahren…