Tradition: "Ausländer" auf dem deutschen ArbeitsmarktWährend die Zahl der Geflüchteten weiter sinkt, geht der Durchmarsch des Rassismus in der Migrationsdebatte weiter. Dabei korrespondieren die Forderung nach hermetisch geschlossenen Grenzen, die Gleichgültigkeit gegenüber dem Sterben an den EU-Außengrenzen und in den Ländern, in die abgeschoben wird, mit der Forderung, dass Migrant_innen sich hierorts „nützlich zu machen haben“. Gemeint ist dabei, wie auch die jüngste Vorbereitung einer entsprechenden Gesetzesinitiative durch das Seehofer-Ministerium zeigt, vor allem die Annahme von Erwerbsarbeit. Dies ist nicht ganz neu, denn Arbeit, unter allen Umständen und zu jedem Preis, wird als Topos des Migrationsdiskurses seit Jahren wichtiger. Der hier vorveröffentlichte Beitrag von Lisa Carstensen, Lisa-Marie Heimeshoff und Lisa Riedner für Heft 23 unserer Zeitschrift diskutiert die historischen und aktuell-politischen Hintergründe dieser Entwicklung, nicht ohne darauf einzugehen, welche Bedeutung diese neue Verknüpfung von Arbeit und Migration für die antirassistischen und emanzipatorisch-sozialen Bewegungen haben sollte…” Veröffentlichungshinweis vom 31. August 2018 bei Sozial.Geschichte Online externer Link auf die Vorveröffentlichung des Beitrag von Lisa Carstensen, Lisa-Marie Heimeshoff und Lisa Riedner im Heft 23 der Sozial.Geschichte externer Link (S.235-269). Ihre Zielsetzung beschreiben die Autorinnen wie folgt:

“Gestützt auf den aktuellen Forschungsstand, ausgewählte Medien berichte einschlägiger Tageszeitungen sowie ausgewählte Politikdokumente untersuchen wir drei verschiedene Aspekte: Diskurse um Migrant_innen, Veränderungen in den Migrationspolitiken sowie Kämpfe und widerständige Praktiken bezüglich dieser. Diese drei Aspekte sind in der Praxis auf verschiedene Weise verwoben, und entsprechend denken wir das aktuelle Migrationsregime weder von der materiellen noch der diskursiven Ebene her, sondern vor allem unter Betonung eben dieser Relationalität. Damit knüpfen wir an eine Migrations- und Grenzregimeforschung an, die Migratuion und Arbeit beziehungsweise rassistische Konjunkturen und kapitalistischen Verhältnisse als Kontinuum begreift…” Ein wichtiges Resümee der Autorinnen: “Wie ist es also nun zu bewerten, wenn Arbeit wieder stärker zum Thema wird? Es kommt darauf an, welche Kräfte sich langfristig durchsetzen: diejenigen, die Arbeit als Pflicht und ‚employability‘ als Selektionskriterium setzen – oder aber diejenigen, die klar machen, dass Migrant_innen ein konstitutiver Teil der Gesellschaft sind, die das Recht auf gute Arbeit oder Nicht-Arbeit und bedingungslose soziale Rechte für alle durchsetzen und die zugleich alltägliche und solidarische Praktiken erproben, die über denRahmen nationaler Sozialstaatlichkeit und kapitalistischer Verwertung hinausgehen.”