Dossier

Freitag13 2019: Tönnies gewinnt Online-Voting mit AbstandDie rassistische Äußerung von Clemens Tönnies hat große Aufmerksamkeit ausgelöst: „Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren.“ Dafür bekam er Beifall auf dem Handwerkertag in Paderborn. (…) Clemens Tönnies ist nun nicht nur seit 2001 Aufsichtsratsvorsitzender von Schalke 04 sondern auch Inhaber von Europas größtem Fleischkonzern. Die beleidigende und rassistische Äußerung gegen AfrikanerInnen von Tönnies – die immerhin keinem schadet sondern nur etwas über sein Niveau aussagt – steht bei uns aber nicht im Mittelpunkt sondern der materielle Schaden, den er als Besitzer seines Fleischkonzerns bei Menschen anrichtet. Er beschäftigt zigtausende WerksvertragsarbeiterInnen mittels Subunternehmern, die unter entwürdigenden Zuständen leben und arbeiten. (…) Wir vom Jour Fixe Gewerkschaftslinke Hamburg beteiligen uns deshalb beim „Stützkreis“ in Kellinghusen, einer Initiative, die sich für bessere Arbeits- und Wohnbedingungen der WerksvertragsarbeiterInnen bei Tönnies einsetzt und gegen das Werksvertragssystem, das solche Zustände erst möglich macht. Das ist eine Horrorwelt, die wir kennenlernen, wenn wir uns mit den Arbeits- und Lebensbedingungen der WerksvertragsarbeiterInnen befassen. In Kellinghusen sind rumänische Werksvertragsarbeiter von Vorarbeitern zusammengeschlagen worden, ein rumänischer Kollege, George Berca, hatte einen Unfall, bei dem er sich die Hand verstümmelte. Tönnies dazu: Selbstverstümmelung! Diese Zuständen sind zwangsläufige Folgen des Werkvertragssystems und des System Tönnies. Präses Peter Kossen hat für die überausgebeuteten WerksvertragsarbeiterInnen deshalb den Namen Wegwerfmenschen gefunden. Zu Recht. (…) Wir alle, zusammen mit GewerkschafterInnen, Tierschutz- und Tierrechtsgruppen, kämpfen gegen das System Tönnies und für die Abschaffung von Werkverträgen.” Erklärung vom 5.8.2019 von und bei Jour Fixe Gewerkschaftslinke Hamburg externer Link zu den Äußerungen von Clemens Tönnies, dem Aufsichtsratsvorsitzenden von Schalke 04. Siehe dazu auch:

  • Deutsche Sportkameraden finden: Rassismus ist nicht rassistisch (oder umgekehrt) New
    Die DFB-Ethikkommission verzichtet auf ein Verfahren gegen den Schalker Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies wegen dessen umstrittener Afrika-Äußerungen. Das teilte das Gremium am Donnerstag mit. Die Ethikkommission missbilligte allerdings die Äußerungen von Tönnies und wertete sie auch als „rassistisch“. Tönnies’ Aussagen seien ein Verstoß gegen die Grundsätze aus der Satzung des DFB. Es werde allerdings kein Verfahren eröffnet, „da Herr Tönnies bei der eingehenden Anhörung und Befragung überzeugend vermitteln konnte, dass er kein Rassist ist“, hieß es in einer Stellungnahme der Ethikkommission…“ – aus der Agenturmeldung „Rassistisch, aber kein Rassist“ vom 29. August 2019 externer Link (hier in der taz) in der peinlichst vermieden wird, die nahe liegende Frage zu behandeln, was für Argumente des Sportkameraden Tönnies seine gleichgesinnten denn so eindeutig überzeugt haben…(vielleicht der Hinweis darauf, dass es ja keine Afrikaner sind, die ganz billig seine Schweinemaschinen betätigen?). Siehe dazu auch noch einen weiteren Beitrag zum Sportkameraden Tönnies:

    • „Clemens Tönnies – Musterbeispiel eines Kapitalisten“ von Kristian Stemmler am 27. August 2019 im Lower Class Mag externer Link hebt unter anderem hervor: „… Das ist auf eine so widerliche Art rassistisch, dass sich jede Relativierung verbietet. Nichtsdestotrotz eilten diverse Kumpel aus Sport und Politik herbei, um dem Milliardär angesichts des hereinbrechenden Shitstorms beizustehen, etwa der frühere Schalke-Trainer Huub Stevens, Ex-Bundesligatrainer Otto Rehagel und der SPD-Rechte Sigmar Gabriel. Sinngemäß stimmten die drei darin überein, dass Tönnies alles andere als ein Rassist ist, ihm der Satz quasi rausgerutscht sei und er sich schließlich entschuldigt habe. Schwamm drüber! Wenn ein Mann, der so in der Öffentlichkeit steht, eine vorbereitete Rede vor einem so großen Auditorium hält, ist das eine schwache Einlassung. Was der Bielefelder Soziologe Wilhelm Heitmeyer am 10. August in einem Gastbeitrag für Spiegel online über den Vorgang geschrieben hat, ist näher an der Wahrheit. Bemerkenswert war allein, dass der Wissenschaftler, der den Begriff der „gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“ entwickelt hat, sich überhaupt öffentlich äußerte. „Herrn Tönnies, Fleisch-Milliardär und Aufsichtsratsvorsitzender des Bundesligavereins Schalke 04, gilt ein gewisser Dank“, schreibt Heitmeyer. Ihm gelinge vor der Kulisse von etwa 1600 geladenen Gästen „mit einem Satz die Selbstentlarvung von Eliten. Selbstentlarvung als unkontrollierte Aufdeckung verdeckter Denkmuster. Und überall sind Herren am Werk.“ Der Soziologe weist auf eine Formulierung in der Tönnies-Äußerung hin, auf das Wort „produzieren”: Klarer könne „eine Selbstentlarvung, man kann auch sagen Selbst-Demaskierung, von Eliten“ nicht gelingen. „Es ist eine Signatur, also eine Einkerbung in der öffentlichen Debatte, die nicht vergehen wird.“ Heitmeyer widerspricht allen Versuchen der Relativierung und analysiert die durchaus verheerenden Folgen derartiger Äußerungen. Es seien Wirkungen in die Gesellschaft hinein, „wenn Herreneliten damit – erstens – zu einer Verschiebung von bisher geltenden Normalitätsstandards beitragen, also zu einer Normalisierung von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit in Teilen der Bevölkerung.“ Solche Positionierungen lieferten „Legitimationen für politische Attacken etwa des autoritären Nationalradikalismus der AfD mit ihren Ausgrenzungsstrategien“...“
  • Rassistische Äußerungen des Schalke-Chefs: Tönnies sollte einfach zurücktreten
    “Rassismus verschwindet nicht, wenn man ihn ignoriert. Deshalb braucht es nach den haarsträubenden Äußerungen von Clemens Tönnies Konsequenzen. (…) Man könnte sich wünschen, Clemens Tönnies hätte es einfach damit bewenden lassen, weiterhin absurde Mengen an Treibhausgas zu produzieren. So wie er es mit seinen Betrieben tut, die sich auf die Verwandlung von lebendigen Tieren zu toten Tieren zu Lebensmitteln spezialisiert haben. Am Freitag hat der Aufsichtsratschef von Schalke 04 jedoch noch mehr Abluft produziert. Verbale Abluft. Beim Tag des Handwerks in Paderborn hat er Steuererhöhungen im Kampf gegen den Klimawandel abgelehnt und stattdessen gefordert, lieber 20 Kraftwerke in Afrika zu finanzieren: „Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren.“ Das hat Tönnies allen Ernstes gesagt. (…) Der frühere Schalke-Profi Hans Sarpei, geboren in Ghana, hat den Ehrenrat des Vereins auf Twitter dazu aufgefordert, klar Position zu beziehen und sich über weitere Schritte Gedanken zu machen. Dabei kann eigentlich nur herauskommen, dass Tönnies nicht über die moralische Reife verfügt, um seinen Posten auf Schalke weiterhin zu besetzen – auch wenn er für seine Äußerungen inzwischen bei Verein und Fans um Entschuldigung gebeten hat. Nicht jedoch bei den Betroffenen selbst…” Kommentar von Leonard Brandbeck vom 2. August 2019 beim Tagesspiegel online externer Link