Faschisten in deutschen Landen: Sie tauchen auf. Da waren die meisten schon lange…

Damals wie heute: Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!Dass es über den 8. Mai 1945 hinaus eine faschistische Kontinuität in Westdeutschland gab, ist hinreichend bekannt. Spätestens seit der Ohrfeige, die Beate Klarsfeld 1968 dem damals amtierenden Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger (CDU) verpasste, wurde öffentlich, dass eine NSDAP-Mitgliedschaft und auch Funktionen im NS-Staat kein Hindernis für eine politische Karriere und das Bekleiden hoher politischer Ämter in der Bundesrepublik waren. Die Publizistin Peggy Parnass hat mit ihren Kolumnen in der Zeitschrift Konkret und in ihrem Buch “Prozesse 1970 bis 1978″ diese Kontinuität in der Justiz sichtbar gemacht und auch die 68er mit ihrem Slogan “Unter den Talaren – Muff von 1000 Jahren” (Aufschrift auf einem Transparent, das am 9. November 1967 in der Universität Hamburg aufgehängt wurde) brachten das Wirken von Altnazis in Justiz und Politik sowie in der Wissenschaft an die Öffentlichkeit. Aber wer weiß schon, dass es diese faschistische Kontinuität auch in der DDR gegeben hat? Wenn auch nicht so ausgeprägt wie im Westen, aber auch in der DDR konnten Altnazis politische Karrieren machen, erhielten z. B. für medizinische Leistungen hohe Auszeichnungen und auch dort konnte eine Ideologie am Leben erhalten werden und rechtsextreme Gruppierungen nahezu unbehelligt agieren. Beides begünstigte nach der Wende, dass sich alte und neue Nazis in den ostdeutschen Bundesländern dauerhaft niederlassen konnten. Wer weiß schon, dass es Franz-Josef Strauß war, der den türkischen Faschisten, den Grauen Wölfen, die Tür öffnete und den Grundstein legte für die mittlerweile zahlenmäßig stärkste rechtsextreme Gruppierung in Deutschland?...“ – so beginnt der Beitrag „Sie waren immer unter uns“ von Birgit Gärtner am 12. Januar 2019 bei telepolis externer Link über Kontinuitäten und ihre Förderer… Siehe dazu auch einen Beitrag über Kontinuitäten in der DDR und danach:

  • [Buchbesprechung] Harry Waibel: Die braune Saat. Antisemitismus und Neonazismus in der DDR am 09. Januar 2019 bei GlobKult externer Link ist eine Buchbesprechung von Holger Czitrich-Stahl, in der es unter anderem heißt: „Als eine ideologische Brücke allerdings sieht Waibel die innerfamiliäre Tradierung rechtsradikalen Bewusstseins, die sich ab ca. 1980 in wachsender Begeisterung für die Hitlergeburtstage kenntlich machte, als sich aus diesen vielgestaltigen einzelnen Faktoren eine gemeinsame neonazistische Welle zu bilden begann, die von der Volkspolizei auch im Kontext der Montagsdemonstrationen registriert wurde. Summa summarum: Die Neonazis gingen erfolgreich in der Einheitsbewegung der Jahre 1989/90 auf, gliederten sich während und nach der Wiedervereinigung in die neonazistische Organisationswelt der BRD ein und erweiterten deren Massenbasis – übrigens auch im gesamteuropäischen Kontext – erheblich. (S.14) Auf dieses Szenario hätten die Nazis seit dem 8. Mai 1945 mehr oder weniger zielgerichtet hingearbeitet und sich die jeweiligen Bedingungen in der BRD und der DDR zunutze gemacht, teilweise grenzübergreifend. Was wir seit der deutschen Einheit endgültig als ein gesamtstaatliches Problem vorfinden, eine militante und aktivistische Szene mit zunehmendem Massenanhang, sieht Waibel als »die braune Saat«, die aufgegangen ist. Die Politik der SED gegenüber den Neonazis in der DDR sieht er als gescheitert an und benennt dafür als Zeugen den ehemaligen Minister für Nationale Verteidigung der DDR, Armeegeneral Heinz Hoffmann. Resigniert habe dieser in den Achtzigern festgestellt, dass selbst Kommandeure und Parteifunktionäre offene neonazistische Umtriebe in den Sicherheits- und Streitkräften der DDR verharmlosten und so den offiziellen Antifaschismus der DDR delegitimierten…