Dossier

PRO ASYL: Rassismus verursacht tödliche Verhaltensweisen“Nach einem verheerenden Brand in Plauen kurz vor Silvester, bei dem Frauen und Kleinkinder lebensbedrohlich verletzt wurden, gab es möglicherweise einen weiteren Brandanschlag. Doch von Antiziganismus und Rassismus will kaum einer sprechen. Nach dem verheerenden Brandanschlag am 29.Dezember kamen viele der in dem Haus lebenden Roma-Familien in einer Notunterkunft unter. Auf diese Unterkunft gab es möglicherweise einen erneuten Anschlag, von Nachbarn, welche die Roma-Familien am liebsten brennen sehen wollen. (…) Was auch immer bei den Ermittlungen herauskommen wird, die Vorfälle in Plauen zeigen einmal mehr den strukturellen Antiziganismus in unserer Gesellschaft. Warum haben überregionale Medien kaum über diesen Vorfall berichtet, bei dem sogar Kleinkinder lebensgefährlich verletzt wurden? Vielleicht weil sich das alles in einem sogenannten „Problemstadtteil“ ereignet? Dabei müsste es doch eigentlich irrelevant sein, in welchem Umfeld Rassismus geschieht. Sich auf äußere Umstände zu berufen, ist nichts Weiteres als Relativierung. Das Umfeld, das seine Nachbarn verbrennen sehen will, muss als das bezeichnet werden was es ist: antiziganistisch und rassistisch. Die Vorfälle in Plauen zeigt einmal mehr extrem, aber exemplarisch, die Herabwürdigung, mit der viele Roma auch heute immer noch in Deutschland behandelt werden.” Beitrag von Kira Ayyadi vom 17. Januar 2018 bei den Belltower News externer Link. Siehe dazu auch:

  • Wieder Brandanschlag in Plauen: Die seltsamen Richtungen der Ermittlung New
    In dem Mietshaus lebten viele Rumänen und Slowaken. Zahlreiche Roma fanden dort Unterschlupf, nachdem ihr Haus an der nahen Trockentalstraße kurz vor Silvester angezündet worden war. Dabei wurden mehrere Menschen teils sehr schwer verletzt. (…) Bereits im Januar hatten Hausbewohner von Männern im Keller berichtet. Sie vermuteten, dass diese einen Brandanschlag vorbereiten wollten. Laut Polizei gab es dafür keine Hinweise. Im Fall des Brandanschlags von Ende Dezember ist der Hauptverdächtige inzwischen wieder auf freiem Fuß, gilt aber weiter als Beschuldigter. Die Spurenlage sei nicht eindeutig, begründete die Staatsanwaltschaft die Freilassung des 25-Jährigen. Der Mann war kurz nach dem Brand an der Trockentalstraße festgenommen worden. Bis Oktober lebte der Plauener selbst in dem Haus. Die Staatsanwaltschaft hatte als Motiv einen Streit mit dem Eigentümer angenommen. “Wir gehen von einem persönlichen Motiv aus, nicht von Fremdenfeindlichkeit”, so Staatsanwalt Jürgen Pfeiffer. Der Mann ist nach wie vor im Visier der Ermittler. Für einen Zusammenhang zwischen den Bränden gebe es bislang keine Anhaltspunkte, sagte Polizeisprecher Wurdak. Seit Jahresbeginn gab es in dem Haus an der Dürerstraße laut Landratsamt drei Einsätze von Polizei und Jugendamt. Grund war jedes Mal ein Verdacht auf Kindeswohlgefährdung. Bestätigen ließ er sich jedoch nicht“ – so endet der Beitrag „Zwei Menschen sterben bei erneutem Brand in Problemviertel“ von Elsa Middeke am 06. Februar 2018 in der Freien Presse externer Link – und hätten die örtliche Polizei und Staatsanwaltschaft einen Workshop in Köln oder Dortmund besucht, so ließe sich aus der am Ende thematisierten Gefährdung des Kindswohls doch was machen, die Vorgabe“ Problemviertel“ wurde ja schon geleistet… Siehe dazu einen weiteren aktuellen Beitrag, einen Offenen Brief nach dem ersten Brand und eine Erklärung des Zentralrats der Sinti und Roma:

    • „Offener Brief an den Vogtlandkreis und die Stadt Plauen zum Brand vom 30.12.2017“ im Januar 2018 beim Verein Romano Sumnal externer Link wurde vor dem zweiten Brand verfasst und weist unter anderem darauf hin: „Wir, der Verein Romano Sumnal, sind eine Selbstorganisation der in Sachsen lebenden Roma. Uns erreichte Anfang Januar ein Hilferuf aus Plauen, da sich die Opfer des Brandes vom 30.12. in größter Sorge befinden. Für die Menschen in der Trockentalstraße war dies nicht der erste Brand und sie befürchten auf Grund erneuter Geschehnisse weitere Anschläge. Die Tatsache, dass wie aus der Presse zu entnehmen war – Menschen auf der anderen Straßenseite mit nationalsozialistischen Rufen laut wurden und aufforderten die Menschen brennen zu lassen, kann diese Angst der Betroffenen nur bestätigen.  Wir sind entsetzt über dieses menschenverachtende Verhalten, welches sich gezielt gegen eine Opfergruppe des Nationalsozialismus richtet.  Aus diesem Grund fordern wir die Stadt Plauen und den Vogtlandkreis auf, hier konsequent Stellung zu beziehen“.
    • „Zentralrat Deutscher Sinti und Roma fordert Aufklärung der Wohnhausbrände in Plauen“ vom 06. Februar 2018 beim Zentralrat externer Link ist dessen Pressemitteilung zum erneuten Brandanschlag, in der es unter anderem heißt: „Nachdem es wiederholt in Plauen zu Bränden kam und jetzt erneut unklar ist, wie dieser Brand entstand, fordert der Zentralrat die Ermittlungsbehörden und das Landeskriminalamt auf, umfassend zu ermitteln und insbesondere den potentiell rassistischen Hintergrund der Taten aufzuklären. Da beim ersten Brandanschlag im Dezember 2017 Schaulustige nicht nur die Polizei- und Rettungskräfte bei ihrer Arbeit behindert, sondern auch tätlich angegriffen haben und rechtsextreme, verfassungsfeindliche Parolen riefen, fordert Rose die Ermittlungsbehörden dazu auf, auch diese rassistischen Äußerungen genauestens zu überprüfen: „Jene, die in menschenverachtender Manier skandierten, man möge die Menschen im Haus verbrennen lassen, müssen sich vor Gericht verantworten. Unser demokratischer Rechtstaat muss seinen Feinden die Konsequenzen ihres Handelns aufzeigen. Dem Brandanschlag könnte auch ein rassistisches Motiv zugrunde liegen. Dies gilt es zu untersuchen““.
    • „Brandanschlagsserie in Plauen“ von Radio Dreyeckland am 06. Februar 2018 beim freie-radios.net externer Link zu den anderen möglichen Ermittlungsrichtungen: „Nach dem Umzug in die Dürerstraße hatten die ehemaligen BewohnerInnen der Trockentalstr. 86 Angst vor weiteren Anschlägen. Mitte Januar überraschten HausbewohnerInnen im Keller drei Männer, die mit einer weißen Flasche hantierten und nach ihrer Entdeckung wegliefen. Die hinzu gerufene Polizei sah jedoch keine Hinweise auf Brandstiftung und habe keine verdächtigen Personen angetroffen. Hm, die Männer waren ja weggelaufen.  Derweil wurden die BewohnerInnen des betroffenen Hauses auch noch Opfer von Anfeindungen und Unterstellungen mit den üblichen antiziganistischen Untertönen. Nicht nur von ihrer Armut und den schlechten Wohnverhältnissen, sondern auch von Ruhestörungen, Müll und Verschmutzung, Kindeswohlgefährdung war da die Rede. Es gab Anwohnerbeschwerden und Polizeieinsätze“ .