(Gewerkschafts-)freie Südstaaten? Chattanooga Choo Choo: Mike Elk über das Scheitern der UAW bei VW in Tennessee

mini_expressArtikel von Mike Elk, zuerst erschienen in der Zeitung »Working in These Times« am 15.02.2014, in einer Übersetzung von Stefan Schoppengerd, erschienen in express, Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit 02/2014

Will eine Gewerkschaft in den USA in einem Betrieb Fuß fassen, gelten andere Regeln als in Deutschland: Es müssen sogenannte Anerkennungswahlen abgehalten werden, bei denen die Belegschaft mehrheitlich dafür stimmen muss, sich gewerkschaftlich vertreten zu lassen. Stimmt die Belegschaft dagegen, solche Wahlen überhaupt zuzulassen, heißt es auf absehbare Zeit: Dieser Betrieb bleibt gewerkschaftsfrei. So geschehen im VW-Werk Chattanooga im Bundesstaat Tennessee: Eine knappe Mehrheit der Stimmberechtigten lehnte es ab, sich potenziell von den United Auto Workers (UAW) vertreten zu lassen. Diese hatte in dem Betrieb damit geworben, einen Betriebsrat nach deutschem Vorbild anzustreben. Die Abstimmung kann auch als Niederlage des IG Metall-geführten Gesamtbetriebsrates von VW gelten, der mit darauf hingewirkt hatte, einen der letzten weißen Flecken auf der Mitbestimmungs-Landkarte in »seinem« Konzern zu tilgen. Was aber waren die Ursachen für die Niederlage? UAW & Co. verweisen vor allem auf die Propaganda rechter Politiker, die Horrormeldungen verbreiten ließen – die UAW habe schon Detroit wirtschaftlich zerstört, UAW habe Obama unterstützt, und das sei immerhin der Typ mit den restriktiven Vorstellungen zum Waffenrecht… Tatsächlich zeigte diese Gegenoffensive offenbar die gewünschte Wirkung. Wie Mike Elk in dem folgenden Text für die Zeitung In These Times aus Chattanooga berichtet, haben jedoch auch Vorbehalte gegenüber der Konzessionspolitik der UAW und strategische Fehler in der Wahlkampagne eine Rolle gespielt.

»Ich bin aufgeregt«, sagte mir der Autoarbeiter Justin King, als er seine Cowboystiefel anzog, um sich für die am späten Freitagabend geplante Siegesfeier vorzubereiten. Gegen zehn Uhr am Abend würden die United Auto Workers Union (UAW) und VW die Ergebnisse der dreitägigen Anerkennungswahlen im VW-Werk von Chattanooga in Tennessee bekannt geben.

King hatte allen Grund zur Aufregung. Fast drei Jahre lang war er an der Kampagne beteiligt, die eine Gewerkschaft in seinen Betrieb bringen sollte. Als einer der Anführer der Aktion hatte er das Gefühl, dass die UAW die Unterstützung der Mehrheit der 1 550 ArbeiterInnen auf Stundenlohnbasis im Werk bekommen würde. Anders als bei den meisten Anerkennungskampagnen mussten die Organisatoren keine Angst davor haben, dass das Unternehmen mit dem Verlust von Arbeitsplätzen drohen würde, weil VW eingewilligt hatte, sich in dem Prozess neutral zu verhalten. So war King vorsichtig optimistisch, dass die Unterstützung stabil bleiben würde.

Aber es war Justin King nicht vergönnt, einen Sieg zu feiern. Eine Stunde nach unserem Gespräch gab der ehemalige Berufungsrichter Samuel H. Payne in einem mit ReporterInnen  gefüllten VW-Schulungszentrum die Niederlage der UAW bekannt, mit 626 Stimmen für die Gewerkschaft und 712 gegen sie. Den gewerkschaftsnahen Journalisten, die schon viele solcher Abstimmungen erlebt hatten, ging die Kinnlade runter: Wie konnte eine Gewerkschaft eine oppositionslose Kampagne verlieren?

VW hatte in einer 22-seitigen Neutralitätsvereinbarung das Versprechen abgegeben, nicht in die Anerkennungswahlen im Werk von Chattanooga einzugreifen. Das Unternehmen ließ die Gewerkschaft Anfang Februar sogar in die Werkshalle, um eine Präsentation zu den Vorteilen gewerkschaftlicher Organisierung zu geben.

Es ist unmöglich zu sagen, warum jeder einzelne dieser 712 Arbeiter gegen die Gewerkschaft stimmte und was die UAW hätte anders machen können, um jeden Beschäftigten für sich auf die andere Seite zu ziehen. Interviews von In these Times mit ArbeiterInnen von der Pro- und Contra-Seite wie auch mit unteren Führungskräften von VW, UAW-Funktionären und Community-AktivistInnen deuten auf das Zusammentreffen mehrerer Faktoren hin, einschließlich externer Einflussnahme durch Politiker der Grand Old Party und nicht sanktionierter gewerkschaftsfeindlicher Aktivitäten von Führungskräften. Manche fragen sich auch, inwiefern falsche Schritte der UAW und Befürchtungen aufgrund früherer Tarifabschlüsse eine Rolle gespielt haben.

Für die UAW war schnell klar, dass die Niederlage den gewerkschaftsfeindlichen Angriffen rechter Politiker anzulasten war. Unmittelbar nach den Wahlergebnissen sagte der UAW-Vorsitzende Bob King den JournalistInnen: »Wir sind, das ist klar, schwer enttäuscht. Wir sind auch wütend über die äußere Beeinflussung dieser Wahl. Niemals zuvor haben wir in diesem Land einen Senator, einen Gouverneur und einen Vorsitzenden der Legislative gehabt, die dem Unternehmen den Entzug von Unterstützung androhen und den Arbeitern einen Verlust von Produktionsaufträgen. Das ist empörend!«

In der Vorwoche hatte der republikanische Gouverneur von Tennessee, Bill Haslam, den BürgerInnen erklärt: »Ich glaube, dass diese Abstimmung einige Auswirkungen auf unsere Möglichkeiten haben wird, andere Zulieferer anzuziehen. Jedes Mal, wenn wir andere Firmen anwerben, kommt das zur Sprache.« Zwei Tage vor Beginn der Abstimmung schlugen der stellvertretende Senatssprecher Bo Watson, ein Republikaner, und der Führer der republikanischen Mehrheit im Repräsentantenhaus Gerald McCormick vor, dass VW keine staatlichen Zuwendungen mehr erhalten sollte, wenn das Werk sich für die Organisierung entscheide.

Am Tag der Abstimmung dann meldete sich der republikanische Senator Bob Corker, der ehemalige Bürgermeister von Chattanooga, lautstark in der Debatte zurück und erklärte: »Ich hatte heute Gespräche, die mir die Gewissheit gegeben haben, dass VW in den nächsten Wochen entscheiden wird, seinen neuen Mittelklasse-SUV hier in Chattanooga bauen zu lassen, wenn die Arbeiter gegen die UAW stimmen.«

Als der Chef von VW Chattanooga, Frank Fischer, Corker widersprach und sagte, dass die Abstimmung keine Auswirkung auf die SUV-Entscheidung haben werde, setzte Corker noch einen drauf: »Glauben sie mir, die Entscheidungen über die VW-Erweiterung werden nicht von irgendwem im Management des Werkes in Chattanooga getroffen, und uns ist außerdem klar, dass Frank Fischer alte Sprachregelungen verwenden muss, wenn er auf Presseanfragen antwortet«, so seine Stellungnahme am Tag nach der Abstimmung. »Nach all den Jahren und bei meinen Verbindungen zu VW hätte ich die Erklärung gestern nicht gemacht, ohne mir sicher zu sein, dass es sich um Fakten handelt.«

Bei einer Pressekonferenz im Anschluss an die Veröffentlichung des Ergebnisses schloss sich Dennis Williams, UAW-Schatzmeister (das zweithöchste Amt in der Gewerkschaft, d. Red.), dem Vorsitzenden Bob King darin an, das Schwinden der Unterstützung für die Gewerkschaft auf die Kommentare der republikanischen Politiker zurückzuführen.

»Als der Gouverneur seine Bemerkungen machte, haben wir etwas Bewegung wahrgenommen« sagte Williams. »Als Senator Corker sagte, er würde sich nicht einmischen und dann aus Washington zurückkam, hatten wir das Gefühl, dass irgendwas passiert. Die Differenz betrug 43 Stimmen, es ist also ziemlich irritierend, wenn das in den Vereinigten Staaten von Amerika passiert, wenn ein Unternehmen und eine Gewerkschaft sich auf einen fairen Wahlprozess verständigt haben.«

Die UAW meldete außerdem kurz nach der Wahl, dass sie juristische Schritte prüfe und möglicherweise Beschwerde bei der zuständigen Kammer für Arbeitsbeziehungen, dem National Labor Relations Board (NLRB) einlegen werde, um aufgrund der Drohungen von Corker, des Gouverneurs sowie der Vorsitzenden von Repräsentantenhaus und Senat in Tennessee eine Wahlwiederholung einzufordern.

Opposition innerhalb des Werkes

Dennoch sind Drohungen mit Arbeitsplatzverlust eigentlich Routine bei Anerkennungswahlen – auch wenn sie eigentlich vom Management kommen und nicht von externen Kräften – und trotzdem gewinnt die Gewerkschaft oft die Oberhand. Sowohl pro-gewerkschaftliche ArbeiterInnen als auch antigewerkschaftliche AktivistInnen sagten, dass andere Faktoren beim Scheitern der Gewerkschaftskampagne eine hohe Bedeutung hatten.

Während es VW durch das Neutralitätsabkommen verboten war, gegen die Kampagne aktiv zu werden, sagt Produktionsarbeiter und Gewerkschaftsaktivist Byron Spencer, dass untere Führungskräfte und Angestellte – die bei der Wahl nicht teilnahmeberechtigt waren – die Direktive ignorierten und offen gegen die Kampagne opponierten. Er berichtet außerdem, dass mehrere dieser Führungskräfte und Angestellten in den Tagen vor der Wahl im Werk T-Shirts mit der Aufschrift »Stimmt mit Nein« trugen.

Wayne Cliett, ein Pro-UAW-Arbeiter, hat keinen Zweifel daran, dass diese Opposition durch Angestellte der Kampagne geschadet hat. »Die Gehaltsempfänger aus der Pilot Hall [das prestigeträchtige Zentrum für Forschung und Entwicklung in dem Werk] standen letzte Woche jeden Tag draußen mit ihren Anti-UAW-T-Shirts, und ich glaube wirklich, dass sie die Abstimmung in ihrem Sinne beeinflusst haben.«

In These Times hat auch eine Angestellte interviewt, Mary Fiorello, die aktiv am »No 2 UAW«-Komitee beteiligt war, eine antigewerkschaftliche Gruppe, die von wahlberechtigten ArbeiterInnen organisiert wurde.

»Man muss das aus der Sicht einer Angestellten mit unterstützender Funktion betrachten«, meint Fiorello. »Meine Aufgabe hier ist es, sie bei ihrem Job zu unterstützen. Ich werde nicht bezahlt, wenn sie keine Autos bauen, und die Gewerkschaft macht das alles komplizierter. Wenn sie mich wegen irgendwas um Hilfe bitten wollen und wir in einer Gewerkschafts-Fabrik sind, können sie nicht einmal hochkommen und mich um Hilfe bitten. Und das macht es so viel schwieriger für uns, ein Team zu sein – wir sind ein Team, und es regt mich auf, wenn eine Gruppe aus Detroit runterkommt und uns sagt, wie wir zu sein haben.«

Kritik an UAW

Die »No 2 UAW«-Kampagne bezog sich auf eben jenes Neutralitätsabkommen, das die UAW unterzeichnet hatte, und argumentierte, die Gewerkschaft mache korrupte Deals mit dem Management ohne Berücksichtigung von Beschäftigteninteressen. Die gewerkschaftskritische Kampagne vertrat die Auffassung, dass das Neutralitätsabkommen ein Indiz dafür sei, dass die UAW keine Lohnabschlüsse oberhalb dessen anstrebte, was die Konkurrenten von VW in den Vereinigten Staaten zahlen. UAW und VW waren übereingekommen, »die Kostenvorteile und andere Wettbewerbsvorteile, die VW gegenüber seinen Wettbewerbern in den USA und Nordamerika genießt, zu erhalten und, wenn möglich, auszubauen.«

»Wir haben den Leuten klargemacht, dass sie hinter ihrem Rücken bereits einen Deal ausgehandelt hatten – die Arbeiter hätten da nicht mitreden können«, sagte der Produktionsarbeiter Mike Jarvis von »No 2 UAW« zu Reportern vor dem Werk.

Fiorello verwies auch auf Konzessionen der UAW in früheren Verhandlungen mit anderen Autoherstellern als Grund dafür, warum die Initiative sich der Gewerkschaft entgegengestellt habe. In einer Reihe von Tarifabschlüssen seit den späten 90ern hatte die UAW der Einführung eines zweistufigen Entlohnungssystems bei den VW-Konkurrenten der Großen Drei zugestimmt – General Motors, Ford und Chrysler. Zwei-Stufen-Vereinbarungen legen fest, dass Neueingestellte deutlich weniger verdienen als die bestehende Belegschaft. Fiorello merkt an, dass neue, unorganisierte Fließbandarbeiter bei VW derzeit mit 14,50 Dollar pro Stunde anfangen – was, bei Berücksichtigung der Unterschiede in den Lebenshaltungskosten zwischen Tennessee und dem Mittleren Westen, ein klein wenig mehr ist als die knapp 16 Dollar pro Stunde Einstiegslohn in den UAW-Zweistufenverträgen mit den Großen Drei.

»Sehen sie, das ist das Problem. Unsere Jungs kriegen mehr als die Gewerkschaftsmitglieder bei den Großen Drei,« sagt Fiorello.

»Was die UAW anbietet, kriegen wir längst ohne sie hin«, meint Arbeiter Mike Burton, der die Internetseite für »No 2 UAW« erstellt hat. »Uns wurde nur eine Gewerkschaft zur Wahl angeboten. Nur eine Wahl, das ist doch Mist. Es wäre gut, wenn wir eine Gewerkschaft hätten, die hier reinkommt und sagt: Hier ist unser Angebot.«

»Ich bin nicht gewerkschaftsfeindlich, ich bin UAW-feindlich«, fährt Burton fort. »Es gibt großartige Gewerkschaften, und von denen konnten wir keine wählen.«

Burton scheint die Argumentation von Senator Bob Corker zu wiederholen, der routinemäßig etwa erklärt hatte: »Es geht hier nicht um gewerkschaftlich oder gewerkschaftsfeindlich, es geht darum, wie die UAW ihre Geschäfte führt.«

Auf die Frage von In These Times, ob die UAW-Geschichte der zweistufigen Verträge der Fähigkeit der Gewerkschaft geschadet hat, skeptische Arbeiter zu überzeugen, antwortete der UAW-Vorsitzende Bob King: »Ich weiß es nicht. Ich werde keine Spekulationen anstellen, ich war nicht in der Fabrik.« Auf die Frage von Lydia DePillis von der Washington Post, warum die Gewerkschaft Kostendämpfungsmaßnahmen in den Tarifvereinbarungen zugestimmt hatte, antwortete King: »Unsere Philosophie ist es, mit den Unternehmen partnerschaftlich zusammenzuarbeiten, um zum Erfolg zu kommen. Für niemanden steht mit dem langfristigen Unternehmenserfolg so viel auf dem Spiel wie für die Arbeiter und Angestellten. Bei jedem Unternehmen, mit dem wir arbeiten, kümmern wir uns um Wettbewerbsfähigkeit.«

Einige Gewerkschaftsbeobachter warfen die Frage auf, ob nicht auch manche Klauseln in dem Neutralitätsabkommen die UAW gehindert haben, ihre Position zu vertreten. »Obwohl Neutralitätsabkommen oft dabei helfen, lautstarke Gegenwehr durch den Arbeitgeber zu vermeiden, müssen die Gewerkschaften auch auf starke Organisierungs- und Verhandlungsinstrumente verzichten«, meint Moshe Marvit, Arbeitsrechtler und Mitglied der Century Foundation (eine linksliberale Stiftung, d. Red.). Im Fall der Chattanooga-Kampagne untersagte das Neutralitätsabkommen der UAW negative Aussagen über VW. Insbesondere verhinderte es direkte Gespräche von GewerkschaftsvertreterInnen mit den ArbeiterInnen zuhause, außer auf direkte Anfrage der Arbeiter. Hausbesuche sind eine gängige Taktik von gewerkschaftlichen Organizern, um Vertrauen aufzubauen und Fragen zu individuellen Bedürfnissen und Befürchtungen zu beantworten. Ein langjähriger Organizer, Peter Hogness, war so schockiert darüber, dass die UAW keine Hausbesuche machte, dass er sich bei mir meldete, um zu fragen, ob das der Wahrheit entspricht.

Auf die Frage, ob der Verzicht auf Hausbesuche der Gewerkschaftskampagne geschadet habe, antwortete UAW-Schatzmeister Dennis Williams schlicht: »Nein« Darüber hinaus berichteten Community-AktivistInnen, die anonym bleiben wollten, um ihre Beziehungen zur UAW nicht zu beeinträchtigen, von ihren Schwierigkeiten, die UAW zur Unterstützung ihres Engagements im weiteren Umfeld des Werks zu bewegen. Viele AktivistInnen, mit denen ich während meiner zwei Aufenthalte in Chattanooga gesprochen habe, erzählten, dass sie um Unterstützung werben wollten, als sie mitbekamen, wie die UAW im lokalen Radio, den Lokalzeitungen und auf Plakatwänden attackiert wurde.

Trotzdem, so berichteten sie, sei die UAW sehr zurückhaltend gewesen, als es darum ging, sich mit ihr zu verbünden. Im Dezember nahm ich an einem Diskussionsforum teil, das von Chattanooga for Workers organisiert worden war, einer Basisgruppe, die gegründet worden war, um lokale Unterstützung für die Organisierungskampagne zu schaffen. Tatsächlich nahmen über 150 BasisaktivistInnen teil, viele von ihnen aus verschiedenen Gewerkschaften, aber ich konnte nur drei UAW-Mitglieder ausmachen. Die Community-AktivistInnen berichteten von großen Schwierigkeiten bei ihren Versuchen, ihre Solidaritätsarbeit mit der UAW abzustimmen, deren Kampagne sie eher als engstirnig denn als sozial vernetzt und bündnisorientiert wahrnahmen.

Raues Klima im Süden

Aber: Immer wieder machen Gewerkschaften bei den Betriebsabstimmungen Fehler, oft sind sie mit Gegenwehr des Managements konfrontiert, und dennoch gewinnen die ArbeiterInnen nicht selten. In der Tat berichtet das NLRB, dass Gewerkschaften 60 Prozent der im Haushaltsjahr 2013 durchgeführten Abstimmungen gewonnen haben. Warum also ist es der UAW in Chattanooga nicht gelungen, einen Sieg davongetragen?

»Wir dachten, wir hätten die Zahlen, die wir brauchen«, sagt Cliett. »Wir können das tagelang analysieren und uns doch nicht sicher sein, aber ich glaube, dass die Last-minute-Intervention unserer Politiker einige Nein-Stimmen gebracht hat. Was ist los mit diesen Leuten? Lynyrd Skynyrd haben Neil Youngs ›Southern Man‹ vielleicht nicht gemocht, aber Neil hatte nicht ganz Unrecht.«

In dem Lied »Sweet Home Alabama« singt Ronnie Van Zant von Lynyrd Skynyrd: »Ich hoffe Neil Young denkt daran: Ein Mann des Südens braucht ihn nicht« (Well I hope Neil Young will remember: A Southern man don’t need him around anyhow). Der Text bezieht sich auf Neil Youngs »Southern Man«, das die Südstaatler als Gegner des sozialen Fortschritts kritisierte.

Für einen dieser Männer des Südens ist der Fortschritt immer noch durchsetzbar. »Ich bin stur«, sagt Cliett. »Manche reden vom Aufhören. Ich werde am Montag erhobenen Hauptes ins Werk gehen und die Botschaft der Solidarität predigen.«