Die Tarifrunde 2015 in der US-Autoindustrie: Woher die besondere Bedeutung?

We are all equals - UAW-Protest am 14. Dezember 2015 (USA)Nach über zwei Monaten Dauer, nach Ablehnungen durch Mehrheiten oder großen Minderheiten der Mitgliedschaft und demzufolge Neuverhandlungen, hat die Autoarbeitergewerkschaft UAW mit den „großen drei“ Ford, GM und Chrysler (Fiat) neue Tarifverträge abgeschlossen. In dem Beitrag „Big Three Contracts: Who Won?“ von Dianne Feeley am 14. Dezember 2015 bei Portside externer Link stellt die Autorin, selbst langjährige Basisaktivistin, die Frage danach, wer diese Auseinandersetzung gewonnen hat. Siehe dazu eine kurze deutsche Zusammenfassung:

Dabei kritisiert sie nicht nur den Mobilisierungswillen – besser: Unwillen – der UAW vor den Verhandlungen, sondern zeigt auch, warum die Belegschaften sich selbst mobilisiert haben. Kern der Auseinandersetzungen waren die Regelungen bezüglich sogenannter Einstiegslöhne, wie sie vor Jahren vereinbart worden waren (2007) und die real grob bedeuteten, dass bis zur Hälfte der jeweiligen Belegschaften auch zur Hälfte des Lohns arbeiten mussten. Getrieben durch die dadurch entstandenen Lebensbedingungen war die Stimmung eindeutig auf eine Beendigung dieses Zustandes gerichtet. Was der 6 Millionen Dollar im Monat Chef von Chysler genau so sah: Angleichen. Indem man die oberen Lohngruppen abschafft, so war sein Ziel, das er nicht alleine hatte. Die Autorin analysiert die Entwicklung sowohl bei Chryslerals auch bei beiden anderen Unternehmen inklusive der Unterschiede in den Ergebnissen und Zugeständnissen in bezug auf die nun mögliche Permanenz von Zeitarbeit. Aber eben auch in etwas, was es in der UAW lange nicht gegeben hatte: Dass die Mitgliedschaft Vorstand und Tarifkomission der Gewerkschaft und Unternehmen faktisch dazu gezwungen haben, neu und besser zu verhandeln. In unterschiedlichem Maße in den einzelnen Fabriken – und trotz des Vorhadenseins vieler Bedenken und Problemen langfristiger Auswirkungen – hat das sowohl die Einschätzung hervorgebracht, dass es ein, wenn auch nicht besonders großer Schritt zur Besserung gewesen sei – und vor allem eben erstmals seit langem habe es wieder Debatten darum gegeben, wie man Druck machen könne