Was im „Geschäftsmodell Amazon“ nicht vorgesehen ist, wird der Belegschaft und den Städten (nicht nur) in den USA demonstriert: Weder zur Toilette gehen noch Steuern bezahlen…

UK-Petition „Amazon: Drop all targets by 15%“Die permanente und allseitige Kontrolle über alle Beschäftigten, zu jeder Zeit: Dieses Regime war schon oft Gegenstand von Unzufriedenheit und Protesten in vielen Orten rund um die Welt in Amazon-Niederlassungen. Zumeist mehr, als die Bezahlung, die zwar schlecht ist, aber das ist sie im modernen Kapitalismus fast überall (und irgendwie ausreichende Bezahlung fällt weltweit zunehmend unter die Rubrik „Privilegien-Abbau“). Das Ergebnis pausenloser Arbeitshetze sind dann Abfallbehälter, die nach Urin stinken. In dem Beitrag „Las historias de terror de los trabajadores en almacenes de Amazon: orinan en contenedores y están vigilados todo el tiempo“ von  Shona Ghosh am 05. Mai 2018 beim Business Insider externer Link wird von diesen alltäglichen Erfahrungen berichtet, wie sie im Buch eines Undercover beschäftigten Journalisten berichtet werden. In den Wochen seit Veröffentlichung dieses Buches sind für diesen vorliegenden Artikel Gespräche mit zahlreichen Beschäftigten und ehemaligen Beschäftigten aus verschiedenen Ländern geführt worden, die solche Aussagen im Wesentlichen zumindest bestätigen, während Amazon versichern lässt, das sei alles abgestellt worden… Siehe dazu auch zwei weitere Beiträge, unter anderem eben auch zu den Erfahrungen der Stadt Seattle, die mal 1 Dollar Steuer von Amazon haben wollte…

  • „Last Year, Amazon Paid No Federal Income Taxes. Now, It’s Trying to Kill a Local Tax That Aims to Help the Homeless“ von Jessica Corbett am 04. Mai 2018 bei Common Dreams externer Link ist ein Beitrag über die soziale Ader des Unternehmens – beziehungsweise der vergeblichen Suche nach ihr – das sich gegen eine örtliche Steuer in Seattle zur Wehr setzt. Dies, wohlgemerkt, nachdem im vergangenen Jahr Null Dollar Bundessteuern bezahlt wurden. Seattle ist der Sitz des Unternehmens und die Stadt wollte eine Sozialsteuer erheben, um die Wohnungskrise abzumildern – worauf mit dem Stopp der Erweiterungs-Bauarbeiten reagiert wurde. 500 Dollar pro Beschäftigten sollten mit dieser Steuer erhoben werden, um ein entsprechendes Bauprogramm zu finanzieren. Wobei anzumerken ist, dass die Beschäftigten von Amazon oft genug Betroffene dieser Wohnungskrise sind – denn so toll sind nun die Einkommen offensichtlich wahrlich nicht. Der Baustopp, so ein Sprecher des Unternehmens, gelte zunächst einmal bis zur Sitzung des Stadtrates, auf der über die zu erhebende Sozialsteuer entschieden werden soll. Was etwa 7.000 neue Jobs bringen sollte, wird nun zur Waffe einer Erpressung gegenüber dem Stadtrat gemacht…
  • „Unsoziales Geschäftsmodell“ von Ralf Wurzbacher am 05. Mai 2018 in der jungen welt externer Link zu den Einkommen der Beschäftigten von Amazon in den USA: „Aus einem jüngeren Beitrag des US-Onlineportals The Intercept wird ersichtlich, wie der Handelsgigant in den USA zu Macht und Größe gelangte. Demnach bezog 2017 jeder dritte Amazon-Beschäftigte in Arizona und jeder zehnte in Ohio und Pennsylvania mindestens in einem Monat des Jahres Essensmarken, um nicht zu verhungern. The Intercept hat in 30 US-Bundesstaaten nachgefragt, wie viele Mitarbeiter welcher Unternehmen im Lebensmittelhilfeprogramm SNAP (Supplemental Nutrition Assistance Program) registriert sind. Lediglich sechs Staaten haben Zahlen vorgelegt, in allen gehört jedoch Amazon zu den 20 Firmen, deren Beschäftigte am häufigsten Unterstützung beanspruchen müssen. Dabei kann sich der Konzern nicht herausreden, Machenschaften von Subunternehmen oder Personalverleihern seien schuld. Nach eigenen Angaben beschäftigt Amazon in den USA zu 90 Prozent direkt angestellte Vollzeitkräfte“.