Tesla Kalifornien: Mal eben ein paar Hundert Menschen auf die Straße werfen, ist im Autogeschäft doch normal…

Tesla bietet die Arbeitsbedingungen der Zukunft. Nannte man früher: Ausbeutung

Zwischen 400 und 700 Beschäftigte, genau scheint das niemand zu wissen, sind in den letzten Tagen im Werk Fremont im US-Bundesstaat Kalifornien bei Tesla entlassen worden. Selbst bei einem Werk, in dem 10.000 Menschen arbeiten, ist das in kürzester Frist – im halben Monat Oktober des Jahres 2017 – ziemlich viel. Der Hintergrund ist, dass die Produktionsziele des Eigentümer-Diktators Musk nicht erreicht wurden. Und da eine solch massive Entlassungswelle denn doch Fragen hervor ruft, selbst in Medien, denen der kapitalistische “Herr im Hause-Standpunkt” in Fleisch und Blut übergegangen ist, sah sich das Unternehmen gezwungen, zu den Massenentlassungen Stellung zu nehmen. Was folgendermaßen geschah: Das sei doch völlig normal, dass ein Teil der Belegschaft „ausgetauscht“ werde, man werde auch weiterhin neue Arbeitskräfte einstellen und wachsen. Sprich: Wer nicht so funktioniert, wie es die Unternehmensleitung will, fliegt. Kein Wunder, dass in einem Unternehmen, das seine menschenfeindliche kapitalistische Rationalität so aggressiv nach außen trägt, selbst die extrem handzahmen US-Autogewerkschaften als störend betrachtet werden. Zu den Arbeitsbedingungen im Trendsetter-Unternehmen der Autoindustrie zwei aktuelle Beiträge, ein weiterer zu den üblichen Arbeitsbeziehungen im Unternehmen und den Verweis auf frühere Beiträge zur gewerkschaftlichen Tätigkeit bei Tesla, die Herr Musk noch nie mochte…

  • „Tesla fires hundreds from headquarters, factory“ von Louis Hansen am 13. Oktober 2017 in den San José Mercury News externer Link ist ein Artikel aus einer Regionalzeitung zu den Entlassungen. Darin wird ein Sprecher der Unternehmensleitung zitiert, der das ganze als einen völlig normalen Vorgang darstellt (womit er natürlich perverser Weise recht hat) – „performance reviews“ seien in allen Unternehmen normal, und wer nach Ansicht der Kontrolleure eben zu wenig leistet, wird halt gefeuert. Weswegen das Unternehmen sich dann auch gleich rundweg weigerte, dem Gesetz Folge zu leisten, das besagt, mehr als 50 Entlassungen in einem Monat müssten angemeldet werden – es handele sich ja gar nicht um Entlassungen, so die Ausrede, sondern eben um Produktionsanpassungen. Schließlich gibt es Pläne einer gewaltigen Produktionssteigerung in den nächsten Monaten. Noch Beschäftigte informierten – bezeichnenderweise anonym, da Repressalien befürchtet werden – die Medien darüber, dass ein Klima der Angst sich ausbreite. Und einer der Entlassenen hat den kapitalistischen Arbeitskodex so weit verinnerlicht, dass er es normal fand, entlassen zu werden: Er sei ja in den letzten Monaten zwei Mal zu spät zur Arbeit erschienen…
  • „Tesla fires hundreds of workers even as Model 3 production ramps up“ von Nick Statt am 13. Oktober 2017 in The Verge externer Link ist ein Beitrag, der sich vor allem mit dem Thema befasst, warum Tesla die im Juli ausgegebenen Produktionsziele in den letzten Monaten so deutlich verfehlt habe, und gerade einmal 260 statt angekündigter 1500 Einheiten des Sedan Modells 3 ausgeliefert habe, der den Durchbruch zum Massenmarkt bedeuten soll. Produktionsengpässe so die Unternehmensleitung seien der Grund – und die liegen dem Beitrag zufolge vermutlich in der Belegschaft. Zumindest sieht es die Unternehmensleitung so, die da – völlig altmodisch – keine Blicke darüber hinaus werfen will…
  • „Elon Musk in union spat after wrongly calling Tesla worker a paid agitator“ am 11. Februar 2017 beim Guardian externer Link war der erste Beitrag – in diesem Jahr – über Herrn Musks Haltung zu Beschäftigten, die ihre Anliegen kollektiv vertreten wollen: Bezahlte Agitatoren seien das, eine Unternehmermeinung, die seit 1821 modern sein will. Ist ihm aber auch hier auf gleich mehrere Arten auf sämtliche Füße gefallen, er ist halt nicht so geschickt, wie er selbst denkt (aber seine “performance“ wird ja von niemand überprüft…). Als neues Bausteinchen der uralten Argumentationskette kommt bei ihm noch hinzu, dass diese Agitatoren heute nicht mehr von Peking, Moskau, Odd es Shedra oder sonstwoher bezahlt werden, sondern aus: Detroit…