Erziehung zu Patri(di)oten: Wehrkunde-Unterricht in Ungarn beschlossen

Wherkunde an Ungarns Schulen - die Produktion von GehorsamEr hält bereits jetzt die Pädagogen an, den “Patriotismus der Jugend durch Erlernen und Respektieren der Werte und Traditionen der ungarischen Kultur” zu erhöhen. Ziel ist das “Zugehörigkeitsgefühl zur Gemeinschaft der Patrioten des Ungarntums zu steigern”. Nun soll dieser Passus noch um einen Punkt ergänzt werden der, die “bessere Verteidigungsfähigkeit der Jugend” auch in der “physischen Ausbildung” herstellt, denn “die Verteidigung Ungarns im Notfall ist die Pflicht jeden Bürgers.” Es ist kein Zufall, dass dieser “Notfall” nicht klar definiert ist, z.B. als Krieg. Bereits seit 2013 erarbeitete das private, dem Ministerium für Humanressourcen unterstellte Institut SZÁLMAK, zusammen mit der Kaderuni für den öffentlichen Dienst, NKA, Methoden und Lehrpläne für eine “patriotische und militärische Grundausbildung”, die ab dem ersten Schuljahr durchgeführt werden soll. Militärische Angebote gibt es bereits an vielen Schulen, sind bis dato jedoch uneinheitlich und sozusagen freiwillig, auch wenn natürlich durch den Gruppenzwang die Freiwilligkeit von der gleichen Qualität ist, wie damals bei der HJ. Eigentlich ist die vormilitärische Ausbildung seit 2012 verbindlich, durch den Mangel an Ausbildern, Lehrplänen und Organisation beschränkte sich diese jedoch auf Einzelprojekte und besonders auf Angebote von militärischen Ferienlagern, die nicht selten von Vertretern rechtsextremer Paramilitärs durchgeführt werden“ – aus dem Artikel „Landsknechte für Orbán: Militarisierung an Schulen in Ungarn“ am 07. August 2017 im Pester Lloyd externer Link – über eine Orientierung, mit der die Orban-Riege in der EU keineswegs so alleine da steht, wie meist nahe gelegt wird. Siehe dazu zwei weitere aktuelle Beiträge mit gewerkschaftlichen und sonstigen kritischen  Reaktionen auf diese Neuerung:

  • „Wehrkunde an ungarischen Schulen“ am 07. August 2017 in der taz externer Link ist eine dpa-Meldung, in der es auch noch heißt: „Lehrergewerkschaften und besorgte Eltern warnen schon seit längerem vor einer drohenden Militarisierung der ungarischen Schulen. Genährt werden diese Befürchtungen auch durch Pläne der Orban-Regierung, im ganzen Land rund 200 Schießstände errichten zu lassen, an denen auch Jugendliche ausgebildet werden sollen. Außerdem gibt es schon jetzt an einigen Schulen Wehrkunde als freiwilliges Angebot für Schüler“.
  • „Government considers introducing patriotic physical education classes in schools“ von  Balázs Pivarnyik am 03. August 2017 im Budapest Beacon externer Link ist ein Artikel über die Einführung des patriotischen Wehrkunde-Unterrichts, in dem Sprecher der Lehrergewerkschaft und der Demokratischen Pädagogen Vereinigung zu Wort kommen, die dieses Vorgehen kritisieren weniger als eine Maßnahme zur Militarisierung der Gesellschaft und mehr als ein Mittel, Gehorsam gegenüber den Mächtigen zu institutionalisieren. Dabei wird auch darüber informiert, dass dies nicht das erste Mal sei, dass so eine Maßnahme erwogen, beziehungsweise beschlossen werde, und dass es bereits 2013 einen Auftrag an private Unternehmen und die Nationale Universität für den öffentlichen Dienst NKA gegeben habe, entsprechende Möglichkeiten zu entwickeln.