Eine Oase in Tunesien kämpft: Eine Oase im Kapitalismus?

Jugendprrotest in Tunesien im Februar 2016 - gegen ErwerbslosigkeitWem gehört die Dattelernte? Auf diese simple Frage ließe sich – unter anderem – eine Auseinandersetzung zurückführen, die seit Wochen Tunesien bewegt: Die Bewohner der Oase Jemna und ihre Kooperative reklamieren das Recht für sich, die Ernte zu verkaufen, die Regierung beharrt darauf, dies sei sozusagen Staatseigentum. Diverse politische Kräfte und Gewerkschaften haben sich entsprechend ihrer jeweiligen Ausrichtung positioniert, und die Auseinandersetzung geht weiter. Siehe dazu vier aktuelle Beiträge, die auch den Hintergrund der Auseinandersetzung zeigen:

  • „Jemna: et les autres oasis?“ von Teycir Ben Naser am 26. Oktober 2016 bei Nawaat externer Link ist ein Beitrag, der sich mit der Situation der Oasenbevölkerung im Süden des Landes insgesamt befasst, in deren Zentrum die Frage des Landbesitzes steht: Entsprechend sammelt die Autorin Aussagen von Bewohnern anderer Oasen, die unterstreichen dasselbe Problem zu haben – und ihre Unterstützung für den Kampf der Jemna-Kooperative bekunden. Allerdings sind die Lösungen diametral unterschiedlich: Während in Jemna eben versucht wird, das Problem der (offiziell seit 1964 staatlichen) Ländereien kollektiv anzugehen, sind es etwa in der großen Oase Touzeur (Tosr) Einzelpersonen, die sich Land angeeignet hat – eine Gruppe von Personen, die vom lokalen Sekretär des Gewerkschaftsbundes UGTT als „Mafia“ charakterisiert wird (und deren Sprecher sich auch gegen das „Modell Jemna“ ausspricht).
  • „Sit-in des habitants de Jemna au centre ville de Kébili“ am 24. Oktober 2016 beim Direct Info externer Link ist vor allem eine Meldung über den Protest in der Bezirkshauptstadt, nachdem die Behörden die Bankkonten der Vereinigung zur Unterstützung der Oase Jemna einfrieren ließ. An diesem Protest beteiligten sich Hunderte von Menschen, die die Einschätzung teilen, dass diese Maßnahme zeige, dass die Regierung nicht an einer Lösung des Konfliktes interessiert sei, eine Haltung, die nicht nur von den Gewerkschaften der Region, sondern auch den