Türkei: Nach Entlassung von 11.000 Lehrer*innen wegen angeblicher PKK-Unterstützung weitere Namenslisten angefordert

Protestaktion der Bildungsgewerkschaft Egitim Sen gegen Entlassungen und Suspendierungen. Hier: Ankara, 8. September 2016 (sendika.org)11.285 Lehrer*innen sind am gestrigen Donnerstag, 8. September 2016, unter dem Vorwurf der “Verbindung zu einer terroristischen Organisation” vom Schuldienst suspendiert worden. Gemeint ist diesmal allerdings nicht die Gülen-Bewegung, sondern die PKK. Die Bildungsgewerkschaft Eğitim-Sen protestiert – unter anderem direkt am Donnerstag mit Aktionen in Istanbul und Ankara. In Istanbul war die Polizei nicht ganz einverstanden und versuchte, die Aktion zu blockieren. Erschwerend kommt hinzu: 11.000 Suspendierungen sind scheinbar noch nicht genug. Schuldirektoren haben ein Schreiben erhalten, nachdem sie die Namen derjenigen Lehrerinnen und Lehrer an die Behörden melden sollen, die sich am 29. Dezember 2015 mit einer eintägigen Arbeitsniederlegung am Aktionstag progressiver Gewerkschaftsverbände gegen den Kriegskurs der AKP beteiligt hatten. Bekanntlich eignen sich Namenslisten besonders gut zum abarbeiten. Der Aktionstag, so die Begründung, sei eine Propaganda-Aktion für die YPG/PKK gewesen. Grund für Frieden sehen die zuständigen Behörden offensichtlich nicht. Siehe dazu einige Berichte:

  • LATEST: 11,285 teachers suspended
    Meldung bei BirGün Daily vom 08.09.2016 externer Link, in der es heißt, Premierminister Yildirim hätte die Öffentlichkeit über die Suspendierungen im Rahmen einer Rede seines Besuchs im kurdischen Diyarbakir informiert. Aus dieser Rede geht hervor, dass die Suspendierungen Lehrer*innen in den kurdischen Gebieten treffen. 14.000 Lehrer*innen mit Verbidnung zur PKK würden im Südosten der Türkei vermutet. Heißt auch: Die Konsequenzen treffen vor allem die Kinder in diesen Gebieten.
  • MEB’e 11 bin öğretmen yetmedi: “29 Aralık eylemine katılanların isimlerini gönderin”
    Bericht vom 8. September 2016 bei sendika.org externer Link über die Aufforderung türkischer Behörden an Schuldirektoren, die teilnehmende Lehrer*innen aus der Friedensaktion progressiver Gewerkschafts- und Berufsverbände namentlich zu melden. Frist: 8. September 2016, 15.30 Uhr Ortszeit
  • Eğitim-Sen: “Saldırıların karşısında hukuksal ve örgütlü mücadelemiz sürecek”
    Bericht vom 8. September 2016 bei sendika.org externer Link über den Protest der Bildungsgewerkschaft Eğitim-Sen gegen die jüngste Entlassungs1welle. Der Kampf gegen die Angriffe wird fortgesetzt, heißt es dort