Bundesdeutsche Polizei handelt nicht in Erdogans Auftrag, wenn sie sogar eine linke Musikgruppe aus der Türkei verfolgt. Sondern im Auftrag seiner Freunde

Musikgruppe Grup Yorum Die Musikgruppe Grup Yorum ist unbeliebt. Nicht nur bei Erdogans Truppen, auch bei seinen deutschen Freunden vieler Art, insbesondere jenen in Uniform. Weswegen ihre Konzerte stets Polizeiaufmarsch bedeuten – vor, während, nachher, am liebsten aber zur Verhinderung, ersatzweise mit Vorschriften bis zur Lächerlichkeit: „Ihr wird eine politische Nähe zu einer in der Türkei und in Deutschland verbotenen linken Organisationen zugeschrieben. Dabei wird ausgeblendet, dass die Band in der Türkei nicht nur bei der gesamten, extrem zersplitterten türkischen wie auch der kurdischen Linken viele Fans hat. Selbst Politiker der sozialdemokratisch-kemalistischen CHP, der größten Oppositionspartei im Parlament, besuchen öffentlichkeitswirksam Grup Yorum-Konzerte in Istanbul. Von einer solchen Solidarität gegen die Auftrittseinschränkungen ist in Deutschland nichts bekannt.  Der Arbeitskreis Internationale Politik der Linken fordert Aufklärung über die Kooperation deutscher und türkischer Behörden bei der Verfolgung der Musiker. Das müsste doch in einer Zeit, in der so kritisch über das deutsch-türkische Verhältnis gesprochen wird, ein großes Thema sein.  Doch anders als die Gülen-Bewegung, die als sogenannte gemäßigte Oppositionelle von Deutschland aufgebaut wird, gibt es eine solche Protektion für entschiedene Linke aus der Türkei nicht. Daher sorgt es auch nicht für große Diskussion, dass eine Band, die in der Türkei nicht erst in den letzten Jahren immer wieder Opfer von Repression und Verfolgung wurde, nun in Deutschland ähnliches zu erwarten hat“ – aus dem Beitrag „Grup Yorum: Verbote, Schikanen, finanzielle Verluste“ von Peter Nowak am 15. Juni 2017 bei telepolis externer Link, der ja schon den Vergleich mit der Einschätzung und Behandlung der Gülen-Bewegung  unternimmt. Dem wäre beispielsweise die exzessive Finanzierung von Ditib hinzuzufügen, nicht nur die Summen vom Bund, auch die Länder (und Kommunen) tragen ihr Scherflein bei. Siehe dazu neu:

  • Deutsche Leidkultur des Innenministers: Böse Menschen haben keine Lieder… New
    Dass böse Menschen keine Lieder hätten, gehört vermutlich zum Grund-Repertoire aller für Kultur zuständiger InnenpolitikerInnen, sogar eines Ministers, der stets auf seinem Stahlhelm trommelt. Aber, selbst an Schwachsinn ist manches Mal was dran: „Weiter beklagt das Innenministerium, die Gruppe pflege ein »revolutionär-sozialistisches Musikverständnis«. So gehe von deren Liedtexten eine »Gefahr für die öffentliche Sicherheit« aus, da diese »den Terrorismus der DHKP- C rechtfertigen und glorifizieren und zu gewaltsamen Auseinandersetzungen auffordern«. Wenn die Musiker in ihrem neu veröffentlichten Lied »Vur Vur!« singen, »unsere Herzen schlagen für den gelben Stern«, ist damit nach Ansicht Berlins das Symbol der DHKP-C gemeint. Auch die in dem Lied besungene »Fahne der Hoffnung« ist für die Bundesregierung Terrorpropaganda, denn »Hoffnung« sei ein organisationsinternes Synonym für die DHKP-C. Einen Aufruf zur Gewalt hat die Regierung auch in dem Lied »Hakikat Savascisi« entdeckt, das dem in türkischer Polizeihaft zu Tode gefolterten Zeitungsverkäufer Engin Ceber gewidmet ist. Denn dieses endet mit den Worten: »Das Schwert der Gerechtigkeit wird gezogen werden um den Preis neuer Märtyrer.«“ – aus dem Artikel „Musik als Aufruf zum Terror?“ von Nick Brauns am 17. Juli 2017 in der jungen Welt externer Link, der dem Ministerium abschließend noch einen Tipp gibt, wo wirklicher musikalischer Terror zu finden sei (nein, nicht bei Frau Fischer).