Lebensrisiko? Syrer/innen in der Türkei

Syrer/innen im türkischen Hatay - Titelbild zum zweiten Bericht des Friedensratschlags Hatay  - für den Zeitraum März/April 2016Noch liegt der zweite Bericht des Friedensratschlags Hatay nur auf Türkisch vor. Aus der Email-Ankündigung wissen wir aber schon: “… the important thing is that, with the help of European rulers, Turkish government is supporting Jihadists and forcing the refugees to leave the country or live under horrible conditions.” – Das Entscheidende ist: Mit Hilfe europäischer Regierungshäupter unterstützt die türkische Regierung Dschihadisten und zwingt Flüchtlinge, das Land zu verlassen – oder und menschenunwürdigen Bedingungen zu leben. Die übergroße Mehrheit der syrischen Flüchtlinge in der Türkei lebt nicht in staatlichen Flüchtlingslagern, sondern versucht, sich auf eigene Faust durchzuschlagen. Kinderarbeit, Schwarzarbeit, Zwangsprostitution sind die Folge. Zwar hatte es Anfang des Jahres Erleichterungen in der Frage einer offiziellen Arbeitserlaubnis für Syrer/innen in der Türkei gegeben, auf die sich die EU zur Rechtfertigung von Rückschiebungen aus Griechenland auch gern beruft. Allein: Es sind bisher kaum 2.000 syrische Geflüchtete – von den 2,7 Millionen in der Türkei, entspricht nicht einmal 0,1 Prozent – die sich um eine Arbeitserlaubnis bewerben können. Hinzu kommt: Vor einer Woche erst sind acht Frauen und Kinder von türkischen Grenzposten erschossen worden – sie hatten sich vor IS-Angriffen in Sicherheit bringen wollen. Vor zwei Wochen erlag der syrische Journalist Muhammed Zahir el Şerkat seinen Verletzungen. Er war in Antep auf offener Straße angeschossen worden – und ist damit der vierte syrische Journalist, der von IS-Anhängern auf türkischem Gebiet ermordet wurde. Siehe dazu Links und weitere Berichte:

  • Fewer than 0.1% of Syrians in Turkey in line for work permits
    Bericht von Patrick Kingsley beim Guardian online vom 11. April 2016 externer Link, wonach sich lediglich 2.000 syrische Flüchtlinge – von den insgesamt 2,7 Millionen in der Türkei – um eine Arbeitserlaubnis haben bewerben können. Ob – und wenn ja: wieviele – Arbeitserlaubnisse tatsächlich ausgestellt wurden, ist demnach bisher nicht bekannt. Für eine solche Arbeitserlaubnis bewerben kann sich nur,  wer vom Arbeitgeber erstens einen Arbeitsvertrag und zweitens den gesetzlichen Mindestlohn bekommt – zwei Hürden, die offensichtlich für syrische Flüchtlinge in der Türkei kaum zu überwinden sind.
  • Syrian Journalist Shot in Antep Loses His Life
    Bericht vom 13. April 2016 bei bainet externer Link über die Ermordung des syrischen Journalisten Muhammed Zahir el Şerkat durch den IS imtürksichen Antep