Wer profitiert vom Aufschwung in Tschechien?

Tschechisches Plakat 2015Tschechien wird gelobt: Beispielsweise von der OECD, wegen Wirtschaftswachstums, inklusive Lohnsteigerungen. Das Durchschnittseinkommen ist auf rund 830 Euro/Monat angestiegen, ein guter Teil der arbeitenden Bevölkerung verdient mehr – und ist zufrieden, man könne damit leben, wenn auch nicht toll. Tschechien wird auch gelobt für die Stärke der politischen Mitte, die wenig Platz lässt für rechtsextreme Organisationen – im Gegensatz zu Nachbarn auf allen Seiten. Wie sich vor diesem Hintergrund eine kapitalistische Oligarchie und rassistische Strömungen entwickeln, wird in zwei Beiträgen deutlich:

  • „Twenty-two and a half thousand Czech crowns before tax“ von Pavel Šplíchal am 08. August 2016 bei Political Critique externer Link ist ein Beitrag über die jüngere Entwicklung in Tschechien und den prägenden wirtschaftlichen Aufschwung. Neben den markanten Entwicklungen, die diesen Aufschwung prägen werden in dem Beitrag immer wieder Verbindungen gezogen zum Rassismus in der tschechischen Gesellschaft – gegenüber Roma früher, gegenüber Flüchtlingen heute – und unterstrichen, dass die vergleichsweise geringen Ergebnisse rechter Parteien bei den Wahlen darüber hinweg täuschen, dass dieser Rassismus eben gerade von den etablierten Parteien gefördert und bedient wird. Das alles basierend auf einer extrem individualistischen Ideologie, wie sie seit den 90er Jahren Konsens sei
  • „Building oligarchy in the Czech Republic“ am 16. März 2016 bei Political Critique externer Link ist ein Interview von Jaroslav Fiala mit dem Filmemacher Martin Kohout über dessen neuen Film Česká cesta (Der tschechische Weg) in dem die Etablierung der neuen kapitalistischen Ordnung in den 90er Jahren Thema ist: Die Gutschein (für alle) Privatisierung des Vaclav Klaus, deren Besonderheit es gewesen ist, dass die Schockprivatisierung „national“ blieb, keine großen Verkäufe an ausländische Investoren, sondern eben Gutscheine für Alle – die dann meist bei Verwaltungsgesellschaften landeten, die sie managen sollten, aber oft genug auf ihre Übernahme abzielten. Es wird die Entstehung einer neuen sozialen Klasse nachgezeichnet, die sich eben anders entwickelt hat, als in anderen Staaten des früheren Warschauer Paktes – und auch anders als in der Slowakei, was laut Kohout einer der Gründe für die Trennung war