40 Jahre nach Soweto: Was hat sich in Südafrika verändert?

NUMSA Demonstration Januar 2016 in KapstadtVor 40 Jahren begann die Wende in Südafrika: Schüler protestierten gegen die sogenannte Unterrichtsreform der Apartheidregierung, mit der sie gezwungen werden sollten, Afrikaans als Hauptsprache im Unterricht  zu akzeptieren. Englisch sollte nur noch Nebensprache sein und die afrikanische Sprachen nur noch in Fächern wie Religion benutzt werden dürfen. Was mit einem Unterrichtsboykott an einer Schule begann, wurde zur Wende im Land – als die Polizei 12-jährige Kinder erschoss. Trotz brutalster Repression gab es monatelange Demonstrationen und Proteste, Hunderte Menschen starben – ohne dass die Proteste aufhörten, im Gegenteil. Jetzt wurden auch Polizeiautos und Polizeistationen angegriffen, wo die Mörder saßen. Die Apartheidsregierung wusste sofort, dass all diese Proteste vom ANC  gesteuert waren, was keineswegs zutraf, es war zunächst und längere Zeit eine klassische spontane Erhebung, die den Anfang vom Ende des Regimes bedeutete, auch wenn es noch rund 15 Jahre dauern sollte. Jetzt, am 40. Jahrestag des Soweto-Aufstandes wird von verschiedensten Seiten die Frage gestellt, was sich seitdem verändert habe. Dazu drei aktuelle Beiträge recht unterschiedlicher politischer Ausrichtung:

  • „Nicht mehr die Rasse zählt, sondern die Klasse“ am 16. Juni 2016 in neues deutschland externer Link ist ein (nur teilweise frei lesbares) Gespräch mit Salim Vally über eben die Frage, was sich seit 1976 verändert habe, worin einleitend die damaligen Bedingungen der Widerstandsbewegung charakterisiert werden: „Es ist wichtig, sich die Ursachen dieser Proteste anzusehen, ob 1976 oder heute. Afrikaans war damals ein Katalysator für den Aufstand von Soweto, aber es gab bereits eine Atmosphäre der Revolte. Es war die Zeit der Freiheitskämpfe in Namibia, in Angola, in Mosambik oder in Simbabwe. Hinzu kam die Situation in den südafrikanischen Townships, die Überbevölkerung, die großen Klassenstärken in den Schulen, ein autoritäres Unterdrückungssystem mit Prügelstrafe – als dann Afrikaans als Unterrichtssprache eingeführt werden sollte, hat das natürlich die Frustration und die Wut gesteigert. Ein weiterer Faktor war die Formierung des Black Consciousness Movement
  • „Machtkampf nach Befreiungskampf“ von Simon Loidl am 16. Juni 2016 in der jungen welt externer Link, worin es unter anderem kühn heißt: „Die Auseinandersetzung offenbart den Zustand der ANC-Regierung 22 Jahre nach dem Ende des rassistischen Apartheidregimes und 40 Jahre, nachdem mit dem Aufstand in den Johannesburger South Western Townships (Soweto) der militante Befreiungskampf entscheidende Impulse erhielt. Denn immer noch sind die zentralen sozialen Probleme des Landes ungelöst. Der jahrzehntelange Befreiungskampf hatte 1994 zum Ende des Apartheidregimes geführt. Seither regiert der ANC mit großer Mehrheit, vermochte es aber nicht, die rechtliche Gleichstellung der zuvor unterdrückten schwarzen Bevölkerung mit einer sozialen Befreiung zu verbinden. Die linken Teile der Regierungsallianz fordern auch mit Hinweis auf die historische Verpflichtung, die sich aus der Erinnerung an Ereignisse wie den Soweto-Aufstand vor 40 Jahren ergibt, eine Auseinandersetzung mit der Rolle des ANC heute
  • „Numsa pays tribute to the heroes and heroines of 1976“ am 15. Juni 2016 bei der NUMSA externer Link ist die Erklärung der Metallgewerkschaft zum 40. Jahrestag des Soweto-Aufstandes – eine Würdigung der HeldInnen des Aufstandes – worin die geringen Veränderungen der letzten 40 Jahre sowohl anhand grundlegender Tatsachen (und Forderungen) über Erwerbslosigkeit dokumentiert werden, als auch anhand der nach wie vor bestehenden Protestbewegung gegen Universitätsgebühren (die bisher als Reaktion auf die Massenproteste nur gesenkt wurden, nicht aber, wie gefordert, abgeschafft).